Nach vier zermürbenden Tagen im deutschen Kalkar konnte
Jurjen van der Velde endlich erleichtert durchatmen. Der Niederländer, der in den vergangenen Jahren mehrfach gezeigt hat, dass er sowohl das Talent als auch die Mentalität besitzt, um sich mit der Weltspitze zu messen, eroberte sich bei der
Q-School erneut seine
PDC Tour Card.
Damit kehrt er auf die ProTour zurück und kann sich in den kommenden zwei Jahren wieder vollständig dem Leben als Profidartspieler widmen. „Es war vielleicht nicht meine beste Woche spielerisch, aber es hat gereicht“,
sagt Van der Velde mit einem Lächeln. Und manchmal ist genau das entscheidend.
Nervenzehrende Entscheidung in Kalkar
Die
Q-School gilt als eines der nervenaufreibendsten Turniere im Kalender. Vier Tage lang kämpfen zahlreiche Spieler um eine begrenzte Anzahl an PDC Tour Cards, mit Alles-oder-nichts-Partien und minimalen Abständen. Für Van der Velde fiel die Entscheidung erst am letzten Tag. „Der Sonntag war wirklich sehr nervös“, blickt er zurück. „Nicht nur für mich, sondern für alle Spieler, die noch eine Chance auf eine PDC Tour Card hatten.“
Vor dem Schlusstag wusste Van der Velde, dass er noch vier Punkte brauchte, um sich endgültig zu qualifizieren. Dieses Wissen erhöhte den Druck zusätzlich, zumal der dritte Spieltag mit einer Niederlage in der Auftaktrunde enttäuschend endete. „Da denkt man schon: jetzt muss es wirklich passieren“, räumt er ein. Dennoch blieb er kämpferisch. Mit zwei hart erkämpften 6:5-Siegen am letzten Tag zog er die PDC Tour Card doch noch über die Ziellinie. „Vielleicht hatte ich früher in der Woche etwas Glück, aber das hatte ich am letzten Tag auch. Ich habe weitergekämpft, und das hat sich ausgezahlt.“
Erfahrung als ausschlaggebender Faktor
Im Vergleich zu seiner früheren
Q-School-Teilnahme fühlte sich Van der Velde diesmal deutlich erfahrener. Die vergangenen zwei Jahre spielten dabei eine große Rolle. „Ich habe auf den größten Bühnen der Welt gestanden“, sagt er. „Diese Erfahrung nimmst du mit, auch zu Floor-Turnieren wie der Q-School.“
Auftritte auf TV-Bühnen, wo Druck und Aufmerksamkeit um ein Vielfaches höher sind als auf dem Floor, haben ihn mental stärker gemacht. „Du lernst, mit Druck und Erwartungen umzugehen. Das hilft enorm, wenn es wirklich darauf ankommt.“
Rückblickend auf das vergangene Jahr überwiegt bei Van der Velde vor allem Stolz. Er qualifizierte sich für den Grand Slam of Darts, überstand dort sogar die Gruppenphase und landete sowohl auf der Development Tour als auch der Challenge Tour in den Top Ten. Außerdem gewann er eine Woche der MODUS Super Series und erreichte die letzten 32 der UK Open. „Das war ein sehr guter Start ins Jahr“, so Van der Velde.
Auch seine Leistungen auf der Challenge Tour stimmten ihn zufrieden. „Das Niveau ist unglaublich hoch. Es ist vielleicht die zweite Ebene der PDC, aber dort spielst du gegen Jungs, die alle Tour-Card-würdig sind. Dass ich dort weiterhin gewinnen kann, zeigt, dass ich mich entwickelt habe.“
Jurjen van der Velde eroberte seine PDC Tour Card
Lernen auf der großen Bühne
Der Grand Slam of Darts war für Van der Velde ein wichtiger Gradmesser. Sein erstes Match bestritt er gegen Chris Dobey, damals ein Top-8-Spieler der Welt. „Das war gleich ein harter Start“, lacht er. „Aber genau das hat mir geholfen. Nach diesem Spiel fühlte ich mich wohler auf der Bühne und die Nervosität war größtenteils weg.“
Van der Velde merkt, dass ihm große Bühnen liegen. „Ich spiele dort eigentlich nie schlecht. Meine Checkouts sind oft gut, und ich genieße es.“ Auch sein Spiel gegen Luke Humphries, trotz der Niederlage, bestätigte dieses Gefühl. „Ich habe nicht schlecht gespielt, Luke war einfach zu gut.“
WM-Debüt und die Geschichte mit dem Wespenspray
Sein Debüt bei der
Darts WM gegen Danny Noppert war erneut eine lehrreiche Erfahrung. Van der Velde startete stark und setzte Noppert unter Druck. „Wenn ich gut starten würde, wusste ich, dass ich Chancen habe“, erzählt er. „Und so kam es auch.“ Dennoch zog Noppert am Ende den längeren Atem, auch dank einiger phänomenaler Finishes in entscheidenden Momenten. „Das ist Erfahrung. Danny hat einfach viel mehr große Spiele absolviert.“
Dieses Spiel wird jedoch auch wegen eines anderen Moments in Erinnerung bleiben: des berühmten Wespensprays, das Van der Velde mit auf die Bühne nahm. „Jedes Jahr ist mindestens eine Wespe auf der Bühne“, erklärt er. „Wir machten einen Witz darüber und ich hatte dieses Spray am Nachmittag gekauft. Der Rest ist Geschichte.“ Die PDC griff nach der ersten Pause ein und bat ihn, das Spray nicht mehr zu benutzen, unter anderem wegen möglicher allergischer Reaktionen. „Aber ich habe keine Geldstrafe bekommen. Es war nur ein Scherz.“
Respekt für Noppert und Wandel im niederländischen Darts
Van der Velde blickt mit Bewunderung auf das starke Jahr von Danny Noppert, der vier Halbfinals bei TV-Turnieren erreichte. Dass Noppert keine Einladung für die Premier League Darts erhielt, überraschte ihn daher. „Vier Halbfinals sind eine enorme Leistung. Er hätte es verdient.“ Zugleich versteht er den kommerziellen Ansatz des Turniers. „Es bleibt auch eine Show.“
Die Verschiebung in der niederländischen Hierarchie, mit Gian van Veen als neuer Nummer eins und Premier-League-Spieler, sieht Van der Velde als wichtigen Moment. „Michael van Gerwen war mehr als zehn Jahre die Nummer eins. Das sagt alles.“ Über Van Veen spricht er lobend: „Seine Entwicklung ist enorm schnell verlaufen. Er hat sich das verdient.“
Schließlich beginnt für Van der Velde eine neue Phase mit seinem neuen Management, darunter Steve Mothershead, ehemaliger Manager von Phil Taylor. „Er hat so viel Erfahrung“, sagt Van der Velde. „Die Geschichten über Taylors Trainingsroutinen und Mentalität sind unglaublich lehrreich.“ Auch wenn er nicht jede Routine exakt übernimmt, schöpft er viel Inspiration daraus. „Es hilft mir, professioneller zu werden.“