„Ich glaube, dass sich auch seine Sehkraft verschlechtert, auch wenn er das niemals zugeben wird“ – Peter Wright mit bemerkenswerter Aussage über Michael van Gerwen

PDC
durch Nic Gayer
Mittwoch, 24 Dezember 2025 um 17:04
Peter Wright (2)
Peter Wright erreichte am Montagnachmittag ohne Probleme die zweite Runde der PDC Darts WM 2026. Der Schotte setzte sich in seinem Auftaktmatch klar mit 3:0 gegen die Niederländerin Noa-Lynn van Leuven durch und ließ auf dem Papier keine Zweifel am Weiterkommen aufkommen.
Trotz des glatten Ergebnisses zeigte sich Wright nach der Partie alles andere als zufrieden mit seiner eigenen Leistung. Er sprach offen über die anhaltende Diskrepanz zwischen Trainingsform und seinen Auftritten auf der großen Bühne. „Mit meiner Leistung? Absolut nicht zufrieden“, sagte Wright im Rahmen der Pressekonferenz unter anderem gegenüber Dartsnews (YouTube). „Im Training läuft es gut, aber ich habe es wieder nicht auf die Bühne übertragen. Ich bin damit durchgekommen.“

Lob für Van Leuven, trotz verpasster Momente

Wright erkannte schnell die Gefahr, die von Noa-Lynn van Leuven ausging, und betonte, wie eng das Match trotz des 3:0 hätte werden können. „Ich habe mit Noa-Lynn in den entscheidenden Momenten mitgefühlt“, erklärte er. „Sie spielte großartige Legs, nur zum falschen Zeitpunkt. Wären die zum richtigen Zeitpunkt gekommen, wäre ich ernsthaft in Schwierigkeiten geraten und hätte vielleicht einen Satz verloren.“
Auch bei sich selbst sah Wright klare Gründe für den zerfahrenen Spielverlauf. Vor allem ausgelassene Chancen auf die Doppel belasteten aus seiner Sicht den Rhythmus der Partie. „Solche Momente, und dann noch Doppel verpassen… ja, damit musst du davonkommen.“
Gleichzeitig nahm der zweimalige Weltmeister auch Positives aus dem Match mit. Besonders seine Checkouts gaben ihm Halt. „Wenn ich die Doppel im Griff behalte und etwas Scoring hinzufüge, kann mich das weit bringen.“

Alle Aufmerksamkeit auf Arno Merk

In der zweiten Runde trifft Wright nun auf Arno Merk, der mit seinem Erfolg über Kim Huybrechts für Aufsehen sorgte. Wright verfolgte dieses Match nach eigenen Angaben sehr aufmerksam. „Jeder denkt wahrscheinlich, dass du gegen Kim Huybrechts spielst“, sagte er. „Dann denke ich: Ich will nicht am 23. Dezember gegen Kim spielen und mir Weihnachten verderben. Aber dieser Junge kann genau dasselbe machen.“
Arno Merk (1)
Arno Merk beeindruckte bei seinem WM-Debüt
Der Schotte zeigte sich beeindruckt von Merks Leistung und machte klar, dass er selbst eine Steigerung benötigt. „Er hat fantastisch gespielt. Seine Finishes waren brillant, seine Scores gut. Also muss ich wirklich einen Schritt machen.“ Dass er noch nie gegen Merk gespielt hat, sieht Wright nicht als Vorteil. „Ich habe noch nie gegen ihn gespielt. Und ehrlich: Wenn ich gegen einen neuen Spieler spiele, verliere ich meistens. Das ist kein gutes Zeichen.“

Snakebite, Show und die Ally-Pally-Magie

Mit seinem Grinch-Walk-on und kompletter Snakebite-Ausrüstung setzte Wright auch diesmal voll auf Show – ein Element, das für ihn untrennbar zur Weltmeisterschaft gehört. „Das ist die beste Bühne der Welt“, sagte er. „Dieser Ort macht alles anders.“
Ein zentrales Thema in Wrights Analyse blieb sein mentaler Ansatz. „Früher habe ich gegen den Spieler gespielt“, erklärte er. „Jetzt spiele ich nur noch gegen das Board. Ich will das Beste aus mir herausholen, nicht auf den Gegner reagieren.“
Dabei erinnerte er auch an seine Duelle mit Michael van Gerwen in dessen Hochphase. „Ich habe gegen Michael gespielt, als er am besten war. Er war damals so ziemlich der GOAT. Es war ein Privileg, ihn in all den Finals zu treffen.“
Sollte es im weiteren Turnierverlauf erneut zu einem Duell kommen, ändere sich die Herangehensweise zwangsläufig. „Dann muss ich ein oder zwei Gänge hochschalten. Gegen Michael brauchst du die. Ich will gegen ihn spielen. Er muss gewinnen, ich muss gewinnen. Das wäre großartiges Kino. Ich will ihn schlagen.“

Glaube an Titel Nummer drei

Trotz sichtbarer Frustration über seine aktuelle Form zweifelt Wright nicht an seinen Chancen auf den dritten WM-Titel. „Ich weiß, dass ich ihn gewinnen werde“, sagte er ohne zu zögern. „Vielleicht auf hässliche, zerfahrene Art. Doppel verpassen, Glück haben. Vielleicht sagen die Leute später: ‚Du bist der glücklichste Weltmeister von 2026.‘ Prima. Eine Million Pfund. Dankeschön.“
Mit seinem typischen Humor sprach Wright auch über die Herausforderungen für die ältere Spielergeneration. „Ich denke, deren Sehvermögen ist einfach besser als unseres“, witzelte er. Dabei nannte er Gary Anderson und Michael van Gerwen. „Gary trägt offensichtlich eine Brille oder Linsen. Ich weiß nicht, ob Michael jetzt Linsen trägt, aber ich denke, sein Augenlicht lässt auch nach — nur wird er das nie zugeben.“
Dass er mit vergleichsweise geringen externen Erwartungen in das Turnier geht, empfindet Wright als Vorteil. „Lieber so. Lass die Presse ruhig auf andere los. Dann schleichen sich die Oldies heimlich durch.“
In der Vorbereitung testete Wright bei Exhibitions in ganz Europa umfangreich neues Material. „In Finnland, Köln, überall Sets gegen Topspieler ausprobiert. Und dann denken: Die nehme ich nicht bei der WM. Zack, in den Mülleimer, nächstes Set.“ Was ein dritter Weltmeistertitel für ihn bedeuten würde, formulierte Wright gewohnt direkt: „Sobald ich ihn gewinne, siehst du mich nicht mehr.“

Respekt für Paul Lim

Zum Abschluss äußerte Wright großen Respekt für Paul Lim. „Paul spielt immer noch Darts. Was er für den Sport weltweit getan hat, ist fantastisch.“ Ob er sich selbst mit 71 noch bei einer Weltmeisterschaft sieht, beantwortete Wright lachend: „Ich denke, Jo hat mich bis dahin längst in ein Pflegeheim gesteckt.“
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