„Er stürmte aus dem Raum und fing an zu fluchen“ – Vincent van der Voort blickt auf chaotische TV-Dreharbeiten mit Van Gerwen und Van Barneveld zurück

PDC
Freitag, 04 September 2026 um 14:00
Marble Mania
Vincent van der Voort hat in seiner Karriere an den unterschiedlichsten Orten gestanden, doch an einen TV-Auftritt erinnert sich der frühere Topdarter ganz und gar nicht gern. Gemeinsam mit Michael van Gerwen und Raymond van Barneveld nahm er an Marble Mania teil. Was ein lockerer Nachmittag mit Murmelspielen sein sollte, geriet hinter den Kulissen zu einem chaotischen Drehtag.
Im Podcast Darts Draait Door wurde Van der Voort an seine Teilnahme erinnert. Seine erste Reaktion ließ wenig Raum für Interpretation. „Die unangenehmsten vier Stunden meines Lebens“, so beschrieb er sein TV-Abenteuer.
Van der Voort bildete in der Sendung ein Trio mit Van Gerwen und Van Barneveld. Kurz bevor die drei Darter an der Reihe waren, hatten die Meilandjes in der gleichen Studiohalle für dieselbe Show gedreht. Das sorgte noch für eine überraschende Begegnung.
„Martien ist einfach ein großer Dartsfan“, erzählte Van der Voort über Martien Meiland. „Er fing sofort mit dieser Stimme an, weil er es lustig fand. Er sagte, dass er immer schaute. Das hätte ich nicht erwartet.“ Ob Meiland tatsächlich so häufig Darts sah, wie er behauptete, weiß Van der Voort nicht. „Das sagte er damals. Ob das stimmt, weiß ich natürlich nicht, aber er meinte, er schaue viel Darts.“

„Das mache ich nie wieder“

Danach begann für Van der Voort ein Nachmittag, den er so schnell nicht vergessen würde. Während die Aufnahmen für die Zuschauer vor allem Unterhaltung boten, fühlte sich der Nord-Holländer von Beginn an völlig unwohl. „Ich habe wirklich vier Stunden lang gedacht: Das mache ich nie wieder. Das darf ich nie wieder tun. Das werde ich auch nicht mehr machen. Ich finde das schrecklich.“
Die Probleme begannen laut Van der Voort schon, bevor überhaupt eine Murmel über die Bahn rollte. Van Barneveld hatte im Vorfeld ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Produktion seine Kleidergröße berücksichtigen müsse. Dennoch stellte sich bei Ankunft heraus, dass die vorbereiteten Westen für die Darter nicht passten.
„Raymond hatte eine Woche vorher schon eine Mail geschickt: Sorgt bitte dafür, dass alles groß genug ist und die Kleidergrößen stimmen. In der ganzen Staffel trägt jeder eine Weste, und wir laufen mit T-Shirts herum. Denn die Westen passten einfach nicht.“
Für Van Barneveld war der Ton damit gesetzt. „Raymond bekam seine eigene Barney-Attack, weil es zu klein war. Er hatte komplett die Nase voll. Gedanklich saß er schon im Auto nach Hause.“
Die Verärgerung wuchs weiter. Während Van der Voort und Van Gerwen zusammen in einer Umkleide saßen, kam jemand aus der Organisation mit einer auffälligen Bitte herein. Sie sollten versuchen, Van Barneveld zu überzeugen, dass alles halb so wild sei. „Der sagt: ‚Wenn Raymond gleich reinkommt, musst du kurz sagen, dass es schon geht. Denn der flippt gerade aus.‘ Wenn es eine Person gibt, die man das nicht fragen sollte ...“
Kurz darauf erschien Van Barneveld tatsächlich in der Umkleide. „Er sagt: ‚Jungs, mal im Ernst. Geht das?‘ Wir beide fingen heftig an zu lachen. Er stürmt aus dem Raum und fing an zu fluchen. Diese Sendung findet nicht statt.“
Am Ende gelang es Van der Voort und Van Gerwen dennoch, ihren Landsmann zur Mitarbeit zu bewegen. „Schließlich hatten wir ihn doch ein bisschen so weit, dass er mitmachte. Der Anfang war echt schrecklich. Er war stinksauer, Junge.“

Publikum feuert Van der Voort an

In der Studiohalle wurde es für Van der Voort nicht viel angenehmer. Vor allem die Begeisterung des Publikums erzeugte bei ihm Fremdscham. Die Darter hatten schließlich kaum Einfluss darauf, was mit den Murmeln passierte, sobald sie einmal unterwegs waren.
„Dann fallen diese Murmeln in so eine Kiste und das Publikum feuert mich einfach an. Ich kann an diesen verfluchten Murmeln überhaupt nichts ändern. Die werfen die rein und danach ist es nicht mehr in meiner Hand. Und dann können sie ihr Bügeleisen gewinnen und feuern mich an: ‚Komm schon!‘ Was heißt hier, komm schon? Das war so unangenehm.“
Als ob die Kleiderprobleme mit Van Barneveld nicht genug gewesen wären, gab es anschließend auch Streit über die Farben, in denen die drei Darter antreten sollten. Van der Voort wurde mitgeteilt, Gelb sei für ihn reserviert. Das akzeptierte er nicht.
„Die sagen zu mir: ‚Du hast Gelb.‘ Daran ist nicht zu denken. Ich finde diese Farbe so hässlich. Ich sage: ‚Ich nehme einfach Blau.‘ Nein, du hast Gelb. Ich sage: ‚Mag sein, aber dann findet die Sendung nicht statt. Ich mache das wirklich nicht.‘“
Raymond van Barneveld, Michael van Gerwen und Vincent van der Voort.
Van Barneveld, Van Gerwen und Van der Voort bei der TV-Show Marble Mania.
Das war laut Van der Voort kein spontaner Einfall. Er hatte im Vorfeld klar gemacht, dass er Blau tragen wollte. Rot war für ihn ebenfalls keine Option. „Dann müsste an beiden Seiten ein weißer Streifen sein. Dann hast du ein Ajax-Trikot“, witzelte er.
Weil Van der Voort hart blieb, musste die Produktion erneut beraten. Schließlich lieferte Van Gerwen die Lösung. „Dann sagte Michael: ‚Dann nehme ich eben Gelb.‘ So kam er uns entgegen. Sonst hätte ich es wirklich nicht gemacht.“
Van der Voort betonte, dass seine Präferenz im Voraus bekannt war. „Vorher hatten wir schon darüber gesprochen. Du bekommst so eine E-Mail: Willst du mitmachen, ja oder nein? Was zahlt es? Das war nicht so viel. Ich hatte gesagt: Mir ist alles recht, aber ich will einfach Blau, denn Gelb finde ich wirklich nicht schön.“

Auch nach der Sendung noch Ärger

Trotz aller Querelen ging Van der Voort am Ende als Sieger aus der Sendung hervor. Doch auch darüber gab es noch Verwirrung. Van Barneveld gewann laut ihm die Runden, in denen 5.000 und 10.000 Euro auf dem Spiel standen, während Van der Voort die 15.000-Euro-Runde holte.
„Aber eigentlich ist das unentschieden. Winston Gerschtanowitz sagt, dass ich gewonnen habe. Ich denke: Wieso? Wir haben doch beide fünfzehntausend? Und er hatte zwei Runden gewonnen. Also war er hinterher auch noch mies gelaunt, weil er nicht gewonnen hatte.“
Das änderte sich, als klar wurde, was der Sieger anschließend noch tun musste, um den Preis zu überreichen. Laut Van der Voort war dafür ein Besuch beim zuvor angegebenen Unternehmen nötig, wodurch erneut ein ganzer Tag draufging.
„Dann hörte er, dass man mit dem Preis zu dem angegebenen Unternehmen muss, um den Preis zu überreichen. Dann ist man einen Tag los. Da fand er es fast nicht mehr so schlimm, dass er verloren hatte.“
Für Van der Voort bestätigte all das, warum TV-Formate dieser Art nicht gerade sein natürlicher Lebensraum sind. Er vermutet zudem, dass das Gefühl nach diesem chaotischen Nachmittag gegenseitig war. „Ich bin mir sicher: Die ganze Produktion hat danach gesagt: Das dürfen wir nie wieder machen. Das sind einfach totale Idioten.“
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