Stephen Bunting hat in seiner Karriere schon einiges durchgemacht. Vom BDO-Weltmeister vor dem Niedergang des Verbands schaffte er den Sprung in die PDC-Elite und etablierte sich dort dauerhaft. Zuletzt kämpfte „The Bullet" jedoch mit einem ganz anderen Problem: Ein Streit um seinen Spitznamen „The people's champion" eskalierte und erreichte sogar seinen vierzehnjährigen Sohn Tobias.
2014 krönte sich Bunting zum BDO-Weltmeister. Kurz danach wechselte er zur PDC, wo die stärksten Spieler der Welt aufeinandertreffen. Der Engländer fand sich schnell zurecht und etablierte sich als einer der konstanteren Akteure auf der Tour. Zwei Halbfinal-Teilnahmen bei der World Darts Championship stehen mittlerweile in seiner Bilanz.
Wiedererkennbar für viele Anhänger
Seine Beliebtheit verdankt Bunting nicht nur seinen sportlichen Leistungen. Über die Jahre baute er eine enge Verbindung zu den Darts-Fans auf. Er zeigt sich aktiv in den sozialen Medien, postet regelmäßig humorvolle Clips und pflegt seine bekannte Vorliebe fürs Karaoke. Auch sein Walk-on hat inzwischen Kultstatus erreicht.
Sobald „
Titanium" von David Guetta und Sia durch die Arena schallt, weiß das Publikum, was folgt. Bunting legt sich die Hand ans Ohr und animiert die Fans zum Mitsingen. Die gesamte Halle stimmt begeistert ein. Britische Medien verpassten ihm dafür den Spitznamen „The people's champion".
Viele Fans empfanden dieses Etikett als treffend. Bunting stammt aus Liverpool, unterstützt leidenschaftlich seinen lokalen Fußballverein und verkörpert den bodenständigen Typen, der sich mit harter Arbeit an die Spitze des Darts-Sports gekämpft hat. Nie inszenierte er sich als lauter Sportstar – gerade das machte ihn für viele Anhänger nahbar.
Trotzdem schlug Bunting eine Welle der Kritik entgegen, als er den Spitznamen selbst in den Mund nahm. Bei einem Medientermin rund um die vergangene WM bezeichnete er sich selbst als „The people's champion". Zahlreiche Darts-Fans nahmen ihm das übel. Kritiker argumentierten, ein solcher Beiname müsse vom Publikum verliehen werden – ein Spieler solle sich diesen Titel nicht selbst geben.
Stephen Bunting ist die aktuelle Nummer neun der Welt
Zusätzliche Kritik folgte kurz darauf. Bunting bot auf seiner Website Plüschtiere mit seinem eigenen Konterfei an. Der Preis von über vierzig Euro löste in den sozialen Medien weiteren Spott aus.
Heute betrachtet Bunting die Situation mit etwas Abstand. Im Gespräch mit Oche180 stellt er klar, dass er sich nie über andere Spieler stellen wollte.
„Wenn du gerade von der Bühne kommst und noch voller Adrenalin bist – offensichtlich haben Sky und ITV das genutzt. Ich sage jetzt nicht, was genau. Sie haben das verwendet, und ich bin auf diesen Zug aufgesprungen. Das wurde völlig aus dem Kontext gerissen, und ich habe dafür viel Gegenwind bekommen."
Die Aussage fiel laut Bunting zudem im Rahmen eines Gesprächs über seinen Gegner Nitin Kumar. „Ich glaube, manchmal sollte man eine Sekunde nachdenken, bevor man etwas sagt. Eine der Fragen davor drehte sich sinngemäß darum, dass Nitin Kumar eine riesige Fanbasis hat."
„Also habe ich das einfach an den Fragesteller zurückgespielt. Ich wollte im Grunde nur ausdrücken, dass ich selbst eine große Anhängerschaft habe."
Familie in Online-Hass hineingezogen
Bei Kritik und gehässigen Nachrichten an seine eigene Adresse blieb es für Bunting nicht. „Es traf nicht nur mich. Es traf auch Mitglieder meiner Familie, und das tat mehr weh als alles andere", berichtet der Engländer.
Die Konsequenzen reichten bis zu seinem inzwischen vierzehnjährigen Sohn Tobi. Wegen der Bekanntheit seines Vaters wurde der Jugendliche in der Schule gemobbt. Für Bunting stand damit fest, dass die Situation längst zu weit gegangen war.
„Tobi wird immer geschützt. Er wurde in der Schule gemobbt, und ich habe ihn auf eine Privatschule geschickt, um ihm zu helfen. Dort blüht er noch mehr auf. Er ist so ein lieber Junge. Ein Teil des Gegenwinds, den er abbekam, kam über meinen Kanal."
Der Schulwechsel seines Sohnes hat Bunting sichtbar mitgenommen. Über Jahre hinweg investierte er viel Energie darin, nahbar zu wirken und bei den Fans gut anzukommen. Sein Humor, seine Karaoke-Einlagen und die ausgelassene Interaktion mit dem Publikum verschafften ihm im Darts eine besondere Stellung.
Zugleich musste Bunting lernen, dass Sichtbarkeit in den sozialen Medien auch eine Schattenseite besitzt. Ein vermeintlich harmloser Spitzname entwickelte sich zum Streitthema und zog am Ende sogar seine Familie hinein.
Auf der Bühne bleibt Bunting weiterhin der Publikumsliebling, der die Fans bei „Titanium" zum Mitsingen bringt. Abseits des Oche steht für ihn jedoch eine Priorität klar im Vordergrund: der Schutz seiner Familie. Tobis Geschichte macht deutlich, wie weit Online-Kritik über ein paar böse Nachrichten nach einem Match hinausgehen kann. Für Bunting verläuft die Grenze genau dort, wo seine Familie betroffen ist.