DISKUSSION Hungarian Darts Trophy | Wird Gary Anderson für sein Fernbleiben von der Tour belohnt? Sorge um Stephen Bunting, während Beau Greaves trotz Niederlage glänzt

PDC
Montag, 31 August 2026 um 16:00
AndersonBuntingGreaves
Die Hungarian Darts Trophy stand am vergangenen Wochenende im Kalender, und Ross Smith nutzte die Bühne für seinen zweiten European-Tour-Titel des Jahres. Nach Riesa krönte sich der Engländer nun auch in Budapest, nachdem er jahrelang auf einen ET-Titel gewartet hatte und jetzt gleich zwei in einer Saison einsammelte.
Im Finale bezwang Smith Gary Anderson, der eigens nach Ungarn gereist war, weil er von der Schönheit des Landes gehört hatte. Nun nimmt der Schotte Kurs auf Prag und will offenbar auch in Dortmund antreten, denn die begeisterten Fans in Budapest scheinen ihm gefallen zu haben. Unsere Redakteure blicken auf das Wochenende zurück – mit Smith und Anderson im Mittelpunkt, aber auch mit Blick auf die starke Form von Beau Greaves, die Sorgen um Stephen Bunting und ein Publikum, das sich gegen Nathan Aspinall stellte.

Ergebnisse im Überblick - Hungarian Darts Trophy

Achtelfinale

Spieler 1 Ergebnis Spieler 2
Dirk van Duijvenbode 6-4 Rob Cross
Danny Noppert 6-4 Ryan Searle
Ross Smith 6-4 Jonny Clayton
Dave Chisnall 6-2 Keane Barry
Gian van Veen 6-3 Jermaine Wattimena
Gary Anderson 6-5 Stephen Bunting
Nathan Aspinall 6-4 Michael van Gerwen
Chris Dobey 6-3 Josh Rock

Viertelfinale

Spieler 1 Ergebnis Spieler 2
Danny Noppert 6-5 Dirk van Duijvenbode
Ross Smith 6-2 Dave Chisnall
Gary Anderson 6-5 Gian van Veen
Nathan Aspinall 6-5 Chris Dobey

Halbfinale

Spieler 1 Ergebnis Spieler 2
Ross Smith 7-3 Danny Noppert
Gary Anderson 7-6 Nathan Aspinall

Finale

Spieler 1 Ergebnis Spieler 2
Ross Smith 8-2 Gary Anderson

Budapest überzeugt mit Rekordkulisse – Prag wartet mit großen Namen

Samuel Gill, Chefredakteur von DartsNews.com, blickt mit Freude auf ein starkes Wochenende in Budapest zurück.
„Persönlich eine meiner Lieblingsstädte, Budapest kam am Wochenende in großer Zahl für die Darts. Angeblich gab es in der Final-Session mit über 6.000 im MVM Dome einen European-Tour-Rekord, optisch eher eine Premier-League-Nacht als eine European Tour.“
„Ross Smith ist die große Geschichte. Ich habe ihm am Wochenende gern zugesehen. Sein metrischer Wurfstil ist eine pure Freude, und wie er Gary Anderson zerlegt hat, war wie ein Maler an der Leinwand. Sehr zum Missfallen des Budapester Publikums, das natürlich ihn vorne sehen wollte.“
„Anderson ist ein spannender Fall. Er hätte beinahe die European Championship und sogar den Grand Slam erreicht, obwohl er kaum gespielt hat. Aber so tickt er. Er kümmert sich wenig um Spielpläne und Auftritte, er spielt, wenn er will.“
„Eines ist klar: Wenn er in Form ist oder die Fans hinter sich hat, ist er ein Genuss. Das war er an diesem Wochenende. Dirk van Duijvenbode ist für mich ebenfalls ein absoluter Star und bald wieder im Titelrennen. Er hat an diesem Wochenende sowohl Humphries als auch Cross rausgenommen.“
„Auf den Euro Tours wie auf den ProTours haben die Großen es nicht mehr automatisch leicht. Mit Blick auf Prag sehe ich die Rückkehr der großen Namen, darunter ein gewisser Luke Littler, ohne Garantie auf Dominanz. Beau Greaves verdient ebenfalls eine Erwähnung. Sie ist ein absoluter Superstar, den der Sport braucht. Ich traue ihr zu, so ein Turnier irgendwann zu gewinnen, nachdem sie ihren ersten Gesamtsieg geholt hat. Sie fährt nun mit diesem ersten Eindruck nach Prag, jetzt geht es ums Aufbauen.“
Mats Leering, Redakteur bei DartsNieuws.com, lobte Anderson, sah die Behandlung von Nathan Aspinall kritisch und hob die Klasse von Beau Greaves trotz Niederlage als weitere Hauptthemen hervor.
„Ross Smith spielte ein herausragendes Turnier und war aus meiner Sicht ein absolut verdienter Champion. Besonders im Finale überzeugte er, mit einem Average deutlich über 100 und dem klaren Beweis, warum er den Titel verdient hat. Seine Leistung im entscheidenden Moment war ein deutliches Ausrufezeichen.“
„Dennoch verdient Gary Anderson reichlich Lob. Was für ein Phänomen er bleibt. Nach Monaten ohne European-Tour-Start entschied sich der Schotte zur Rückkehr – und stand sofort wieder im Finale. Das zeigt: Wenn Anderson ein Turnier anpeilt, bleibt er ein enorm gefährlicher Gegner. An seinem Tag gibt es nur sehr wenige, gegen die man lieber spielen würde.“
„Danny Noppert muss weiter auf seinen ersten European-Tour-Titel warten. Der Niederländer erreichte das Halbfinale, fand an diesem Tag gegen Ross Smith jedoch seinen Meister. Nathan Aspinall hätte derweil durchaus neben Smith im Finale stehen können. 'The Asp' vergab im Halbfinale gegen Anderson fünf Matchdarts und konnte keinen davon nutzen.“
„Auffällig: Aspinall hatte am Wochenende in Ungarn offenbar auch ein paar Probleme mit dem Publikum, obwohl er sonst zu den beliebtesten Spielern gehört. Nach seiner Halbfinalniederlage verließ 'The Asp' die Bühne ungewöhnlich schnell und beendete sein Wochenende abrupt.“
Gary Anderson öffnet eine Wasserflasche.
Gary Anderson gewohnt überragend.
„Zum Schluss verdient Beau Greaves eine besondere Erwähnung. Sie verlor zwar ihr Auftaktmatch gegen Rob Cross, was angesichts seiner aktuellen Form keineswegs eine Schande ist. Wichtiger: Greaves zeigte, dass sie auf diese Bühne gehört. Von Nervosität keine Spur, dazu ein herausragender Average von 104,88 bei ihrem European-Tour-Debüt.“
„Wenn das ein Maßstab ist, dürfte ihr erster Sieg auf der European Tour nicht lange auf sich warten lassen. Es spricht vieles dafür, dass dieser Premierensieg eher früher als später kommt.“

Bunting auf dem absteigenden Ast?

Lucas Michael, Editor for DartsNews.com, hob die Brillanz von Ross Smith hervor, sah aber auch den Abwärtstrend bei Stephen Bunting.
„Die European Tour liefert weiter ab: Zahlreiche Topnamen reisten nach Budapest, mussten dann aber zusehen, wie Ross Smith erneut zeigte, warum er so gefährlich ist.“
„Die Art und Weise war beeindruckend. Siege gegen William O'Connor, Jonny Clayton, Dave Chisnall, Danny Noppert und Gary Anderson, ohne wirklich in Bedrängnis zu geraten, sind äußerst bemerkenswert. Wenn bei ihm alles zusammenpasst, können ihn nur sehr wenige stoppen – und aktuell passt es bei ihm.“
„Überraschender war eher, Anderson überhaupt bei einem dieser Events zu sehen. Er kam 2026 ohne Sieg auf der European Tour nach zwei Zweitrundenausscheiden, zeigte dann aber seine Erfahrung und Nervenstärke gegen Stephen Bunting, Gian van Veen und Nathan Aspinall. Die Mission Dortmund ist voll im Gange, und obwohl er eingangs sagte, nur ein Titel interessiere ihn, könnte dieser Finaleinzug 'The Flying Scotsman' motiviert haben, weitere Flüge zu buchen.“
„In Budapest traten einige der besten Spieler der Welt an, viele kamen jedoch nicht weit. Luke Humphries gewann unter der Woche einen ProTour-Titel, gab aber zu, nicht in Bestform zu sein und etwas Rost im Spiel zu haben. Diese Zuversicht trug nicht weit, es folgte ein weiterer enttäuschender Ausstieg. Die Konstanz bei Humphries ist nicht immer da, er kann sich nicht stets selbst retten. Ein Titel auf dem Floor ist gut, aber danach muss mehr folgen als ein Zweitrundenaus gegen Dirk van Duijvenbode.“
„Ein anderes Thema: Bunting bewegt sich in die falsche Richtung und muss seinen Kurs dringend ändern. Sein letztes European-Tour-Viertelfinale datiert vom Jahresbeginn in Polen, und in der Rangliste für die European Championship steht er nicht einmal in den Top 32. Ein äußerst besorgniserregendes Zeichen für einen Topspieler, der zuletzt selten tief in Turniere kam. Sein Status in der Premier League Darts stand bereits auf der Kippe, und wenn er nicht bald die Kurve bekommt, dürfte sein Kalender 2027 deutlich leerer sein.“
Ross Smith reißt die Arme in die Höhe.
Ross Smith, der Sieger in Budapest.
„Die Geschichte des Turniers schrieb womöglich jemand, der schon in Runde eins ausschied. Beau Greaves sorgte mit ihrem Auftritt in Budapest für European-Tour-Geschichte – und gegen fast jede andere Gegnerin oder jeden anderen Gegner als Rob Cross hätte sie gewonnen. Mit fast 105 im Average spielte sie nahezu makellos, abgesehen von einem Aussetzer am Ende. Sie wird hier künftig öfter antreten und ganz sicher als Mitfavoritin auf den Gesamtsieg.“
„Zum Schluss noch zum Austragungsort: ein majestätisches Setting. Budapest ist an guten Tagen ohnehin eine Reise wert, doch im MVM Dome zu spielen, der an eine Premier-League-Arena erinnert, vor Tausenden begeisterter Dartsfans – das war eindrucksvoll. Das Pfeifen senkt die Stimmung zeitweise etwas, insgesamt aber etabliert sich dieses Event als eines der meist erwarteten der European Tour – und das aus gutem Grund.“

Eine Belohnung fürs Auslassen fast des gesamten Circuits

Pieter Verbeek, Editor for DartsNieuws.com, sah kritisch, dass Gary Anderson mit dem Finaleinzug fast dafür belohnt wurde, im Grunde alles zu überspringen.
„Es freut mich für Ross Smith, dass er in Ungarn seinen zweiten European-Tour-Titel holte, aber vor allem bin ich froh, dass Gary Anderson ihn ihm nicht geschenkt hat. So sehr ich Andersons Spiel genieße: Er hat in den vergangenen vier Jahren nur an zwölf European-Tour-Events teilgenommen und zwischen 2017 und 2022 kein einziges gespielt.“
„Anderson hatte dieses Jahr noch kein Preisgeld für die European-Tour-Rangliste erspielt, und ein Titel hätte ihm vermutlich auf einen Schlag genug eingebracht, um sich für die European Championship zu qualifizieren.“
„Das wäre faktisch eine Belohnung dafür gewesen, nahezu den gesamten Circuit auszulassen. Anderson gewann zudem in jedem der beiden Vorjahre einen European-Tour-Titel, was ihm einen Grund gab, die restlichen Turniere zu schwänzen. Gut möglich, dass er sonst nächste Woche nicht nach Prag gereist wäre.“
„Nach der Finalniederlage räumte 'The Flying Scotsman' folglich ein, dass ihm nichts anderes übrig bleibt, als es am kommenden Wochenende beim Czech Darts Open erneut zu versuchen.“
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