„Es ist nur ein Pfund pro Dreh, aber es waren eben sehr viele Drehungen zu einem Pfund.“ - Stephen Bunting häufte Spielschulden in Höhe von 90.000 Pfund an – schonungsloses Geständnis

PDC
Mittwoch, 09 September 2026 um 6:00
Stephen Bunting
Stephen Bunting hat über eine der dunkelsten Phasen seiner Karriere gesprochen. Der englische Darter, mittlerweile die Nummer zehn der Welt, enthüllt, dass er zeitweise Schulden aus Glücksspielen von sage und schreibe 90.000 Pfund angehäuft hatte. Seine Probleme mit Online-Spielautomaten trieben ihn sogar so weit, dass er ernsthaft erwog, dem Darts den Rücken zu kehren und sich einen normalen Job zu suchen.
Bunting erlebte 2022 ein besonders schwieriges Jahr. Der heute 41-jährige Engländer schaffte es in dieser Saison nicht in ein Viertelfinale auf einer großen Bühne und kam auch auf der ProTour nicht über die Viertelfinals hinaus. Sein Selbstvertrauen schwand zusehends, während zugleich sein Glücksspielproblem außer Kontrolle geriet.
Der Spieler aus Liverpool zockte vor allem online an Spielautomaten. Was anfangs harmlos wirkte, wurde zu einem ernsthaften Problem. „Es war verrückt. Ich spielte online an Slots und natürlich realisiert man nicht, was man da tut“, erzählt Bunting gegenüber The Guardian. „Es ist nur ein Pfund pro Dreh, aber es waren eben sehr viele Drehungen zu einem Pfund.“
Das eigentliche Bewusstsein kam, als seine Partnerin Keila die Kontoauszüge sah. Bunting wusste, dass er Geld verloren hatte, erkannte nach eigenen Worten aber nicht, wie groß das Problem wirklich war. „Als Keila den Kontoauszug bekam, dachte ich: ‚Oh nein!‘ Aber wie schlimm es war, habe ich erst begriffen, als sie es mir tatsächlich zeigte. Das hat mich zerstört.“
Die Konfrontation mit seinen finanziellen Problemen brachte Bunting dazu, ernsthaft über ein Leben außerhalb des Darts nachzudenken. „Ich saß im Internet und schaute auf Jobportalen. Ich dachte, ich könnte im Einzelhandel arbeiten oder wieder bei der Stadtverwaltung einsteigen. Ich konnte nicht mehr“, blickt er zurück.

Von der Pflegeeinrichtung an die Weltspitze

Eine Rückkehr in einen normalen Job wäre für Bunting übrigens nicht völlig neu gewesen. In seinen frühen Zwanzigern arbeitete er bereits außerhalb der Dartswelt. So lieferte er Inkontinenzmaterial an Pflegeheime. „Ich habe immer scherzhaft gesagt, es sei ein Scheißjob gewesen, aber eigentlich war er gut. Ich war von netten Leuten umgeben“, sagt er dazu.
Dennoch schaffte es Bunting letztlich, die Wende einzuleiten. Mit Hilfe eines Sportpsychologen und eines Hypnotherapeuten begann er vor etwa fünf Jahren erneut an seiner mentalen Verfassung zu arbeiten. Diese Betreuung half ihm nicht nur, das Selbstvertrauen zurückzugewinnen, sondern wurde auch ein wichtiger Teil seiner Vorbereitung auf große Turniere.
Der Engländer nutzt diese mentale Unterstützung bis heute. „Manchmal sogar zweimal pro Woche, wenn ich zu einem großen Turnier fahre oder wenn die Dinge nicht in meine Richtung gelaufen sind“, erläutert Bunting.
Der Ansatz hat sich ausgezahlt. Bunting entwickelte sich in den vergangenen Jahren wieder zu einer festen Größe an der Spitze der PDC und fand aus jener schwierigen Phase heraus, in der er sogar ans Aufhören dachte.
Stephen Bunting in Aktion
Stephen Bunting ist die aktuelle Nummer zehn der Welt

Rückhalt vom besten Freund

In seinen schwersten Momenten konnte Bunting zudem auf seinen besten Freund Drew zählen. Der hat einen bemerkenswerten Beruf: Er arbeitet in einem Leichenschauhaus. Obwohl Bunting viel Unterstützung von seinem Freund bekam, kann er sich diese Arbeit für sich selbst absolut nicht vorstellen. „Er ist mir eine enorme Stütze gewesen, aber ich glaube nicht, dass ich tun könnte, was er tut. Von toten Menschen umgeben zu sein, ist nicht gerade meine Vorstellung von Spaß“, scherzt Bunting.
Die beiden sprechen ohnehin nur selten über Drews Arbeit. Wenn das Thema doch aufkommt, bleibt es meist nüchtern. „Er sagt dann einfach, wie kalt es in dem Raum ist oder wie viele Tote dort liegen“, erzählt Bunting mit einem Lächeln.
Buntings Offenheit zeigt, wie tief er einst steckte. Vom Darter, der erwog, wieder bei der Stadt zu arbeiten, hin zu einem Spieler, der inzwischen zu den Besten der Welt gehört: „The Bullet“ hat einen besonders schwierigen Weg hinter sich, um wieder Selbstvertrauen und Stabilität zu finden.
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