Der größte Teil der Aufmerksamkeit im Dartsport richtet sich derzeit auf
Luke Littler. Der zweifache Weltmeister steht sinnbildlich für eine Sportart, die in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist – sowohl in ihrer Popularität als auch in Sachen Preisgeld. Für
Barry Hearn gehört zu dieser Entwicklung auch, dass sich Spieler zunehmend wie Hochleistungssportler verhalten. Nicht jede neue Erwartungshaltung kann er dabei ganz ernst nehmen.
Hearn, der seit Jahrzehnten eine prägende Rolle im Darts und Snooker spielt, sprach Anfang der Woche in Sheffield über die Entwicklung beider Sportarten. Zunächst ging es um Snooker, nachdem bestätigt wurde, dass das Crucible Theatre mindestens bis 2045 Austragungsort der Snooker-Weltmeisterschaft bleibt. Schnell rückte jedoch auch der Dartsport in den Mittelpunkt – nicht zuletzt wegen des enormen finanziellen Wachstums der vergangenen Jahre.
Preisgeldboom verändert die Ansprüche der Spieler
Während der Sieger der Snooker-WM aktuell 500.000 Pfund erhält, kassierte Littler zu Beginn dieses Jahres für seinen Titel bei der PDC
Darts WM eine Million Pfund. Für Hearn spiegelt dieser Unterschied den aktuellen Stellenwert beider Sportarten deutlich wider. Gleichzeitig beobachtet er, dass selbst Topspieler trotz steigender Einnahmen weiterhin Kritik äußern.
Luke Littler mit dem WM-Pokal der PDC World Darts Championship 2026 – sein Titelgewinn brachte ihm ein Preisgeld von einer Million Pfund ein und steht sinnbildlich für den finanziellen Aufschwung im Dartsport
„Sogar die Darter, selbst die jammern“, sagte Hearn im Gespräch mit
SportsBoom. „Neulich hat mir jemand etwas gesagt, ich nenne keinen Namen, aber er ist ziemlich bekannt. Und behalte im Hinterkopf, dass er der amtierende Weltmeister ist. Er kam mit dem Essen bei den Premier-League-Turnieren an.“
Nach Hearns Darstellung ging das Gespräch noch weiter. „Er sagte so etwas wie: ‚Können wir einen Koch mitnehmen?‘ Sein Manager fragte ebenfalls: ‚Können wir seinen eigenen Koch mitnehmen?‘ Da sagte ich: ‚Es ist verdammt noch mal ein Dartturnier. Wovon redest du? Hör auf und trink einfach dein Lagerbier.‘“
Mit dieser Anekdote wollte Hearn vor allem verdeutlichen, wie stark sich der Sport verändert hat. Darts galt früher als klassische Kneipensportart. Heute handelt es sich um ein globales Millionengeschäft, in dem sich Spieler zunehmend professionell organisieren. Diese Entwicklung erkennt Hearn auch an den Einnahmemöglichkeiten der aktuellen Generation.
Hearn bleibt groß in seinem Denken
Der 77-jährige Brite, der weiterhin aktiv an der Organisation großer Turniere beteiligt ist, treibt das Wachstum des Sports nach eigenen Worten noch immer an. Dabei geht es ihm nicht nur um wirtschaftliche Aspekte, sondern vor allem um die Weiterentwicklung der Events.
„Ich werde bald 78 und arbeite immer noch verdammt hart“, sagte Hearn. „Nicht weil ich das Geld brauche, auch wenn ich es natürlich mag. Ich will gewinnen. Und gewinnen bedeutet in meiner Welt, dass Events größer werden, dass das Preisgeld steigt. Selbst wenn sie weiter klagen.“
Nach Hearns Einschätzung lassen sich die heutigen Einnahmen im Darts kaum noch mit früheren Zeiten vergleichen. Dabei verwies er auch auf die möglichen Jahreseinkünfte von Littler, der mit 19 Jahren bereits zu den größten Stars der Sportart zählt.
„Ich weiß nicht, was Littler dieses Jahr verdienen wird. Sechs Millionen vielleicht? Das ist doch nicht schlecht für eine Runde Darts, oder? Wenn man auf die alte Generation schaut, auf jemanden wie Phil Taylor, der warf Averages, die genauso gut waren wie die von Luke, vielleicht sogar besser. Aber es geht um Zeitpunkt und Umfeld. Was bist du in diesem Moment wert?“
Taylor dominierte den Dartsport über viele Jahre, spielte jedoch in einer Phase mit deutlich geringeren kommerziellen Möglichkeiten. Für Hearn erklärt sich der aktuelle Popularitätsschub nicht nur durch außergewöhnliche Talente wie Littler, sondern auch durch ein außergewöhnliches Timing.
Der Matchroom-Boss verweist dabei besonders auf die TV-Verträge, die zeitgleich mit Littlers Durchbruch neu verhandelt werden mussten. Dadurch entstand aus seiner Sicht ein ideales Momentum für die Sportart.
„Im Sport hast du manchmal so einen Moment“, erklärte Hearn. „Du wächst ein wenig, dann bleibt es kurz stabil, und plötzlich kommt so eine Art Durchbruch. Das hatten wir im Darts. Auf einmal mussten mehrere große TV-Verträge gleichzeitig erneuert werden. Sky Sports, Deutschland, Polen, Skandinavien. Und genau in diesem Moment hatte jeder Angst, Darts zu verlieren, weil die Zahlen so stark waren.“
Nach Hearns Einschätzung löste diese Situation eine Kettenreaktion aus. „Es war direkt nach der WM, alle sahen die Einschaltquoten und dachten: Das dürfen wir nicht verlieren. Manchmal braucht es nur diesen einen Moment, und darauf kann man dann weiter aufbauen.“