„Es wäre das Unglaublichste, das ich in meinem Leben je gesehen habe“: Luke Humphries drückt Luke Littler die Daumen für den kompletten Durchmarsch – aber nur unter einer zentralen Voraussetzung
Luke Humphries gönnt Luke Littler den kompletten Durchmarsch durch die Major-Saison – allerdings nur unter einer klaren Bedingung. „The Nuke“ selbst jagt weiterhin die einmalige Chance, in einem Kalenderjahr alle Majors zu gewinnen, und will sich dafür noch etliche Häkchen auf seiner Liste setzen.
Als Rivale und Freund von Littler machte Humphries gleichzeitig deutlich, wie sehr ihn ein Clean Sweep des Weltmeisters beeindrucken würde. Er äußerte sich nach seinem soliden 6:4-Sieg gegen Jermaine Wattimena bei den World Series of Darts Finals – nur wenige Wochen nach seinem frühen Aus beim World Matchplay.
Längeres Format und großer Major-Durst
Humphries wollte an diesem Abend vor allem eines vermeiden: erneut in den Strudel eines frühen Ausscheidens zu geraten. Genau dieses Thema hatte ihn zuletzt beschäftigt. „Natürlich willst du dieses Drama nicht, denn ich hatte das Gefühl, dass Jermaine Chancen liegen ließ und mir dadurch Möglichkeiten eröffnete. Zehn Minuten später hätte ich im Hotel sitzen und mich fragen können: Was zum Teufel ist da gerade passiert? Wie konnte ich elf, zwölf Darts zum Matchgewinn liegen lassen?“, sagte er nach der Partie gegenüber Online Darts.
„Das kann frustrierend sein, aber sobald du gewinnst, spielt es am Ende keine Rolle mehr. Insgesamt lief die Partie ordentlich, auch wenn mir solche Aussetzer eigentlich selten passieren. Nervosität empfand ich nicht – eher die Anspannung, das Match zu sehr erzwingen zu wollen. Normalerweise kenne ich das nicht, diesmal aber schon.“
Der Weltmeister erklärte außerdem, warum ihm ein frühes Erstrundenaus bei einem Major besonders zu schaffen macht: „Wenn du bei einem Major bereits in Runde eins ausscheidest – ich kann mich ehrlich gesagt nicht erinnern, wann ich zuletzt zwei Erstrundenspiele bei einem Major hintereinander gewonnen oder verloren habe –, sitzt dir dieser Druck sofort im Nacken. Du willst das um jeden Preis verhindern und suchst geradezu verzweifelt das entscheidende Doppel. Am Ende habe ich es getroffen, und jetzt fühle ich, dass das nächste Spiel lockerer und flüssiger laufen wird.“
Solche Serien können sich laut Humphries schnell festsetzen: „Ich weiß nicht mehr, wann ich zuvor überhaupt in Runde eins ausgeschieden bin. Solche Gedanken können im Kopf kreisen, und genau das willst du unbedingt vermeiden. Gerätst du erst einmal in eine kleine Serie von Erstrundenniederlagen, kann sich das schnell fortsetzen. Während des Spiels selbst dachte ich nicht daran, aber in solchen Momenten willst du einfach nur über die Ziellinie kommen. Ich gehöre zu den Spielern, die sich entspannen und richtig gut aufspielen, sobald die erste Hürde genommen ist. Die ersten Partien eines Turniers fallen mir oft am schwersten. Jermaine hat stark gespielt, am Ende entschieden ein, zwei große Finishes von mir und einige verpasste Chancen von ihm.“
Mit dem nun längeren Format der World Series Finals rechnet sich Humphries bessere Karten aus, da dieses Format erfahrungsgemäß die Topspieler begünstigt. Er freut sich darauf, unter weniger Zeitdruck zu stehen: „First to six fällt immer schwer. In diesem Teilnehmerfeld kann jeder jeden schlagen, das zeigt schon die Auslosung. Favoritenrollen hin oder her – bis sechs Legs bleibt alles möglich. Über zehn Legs setzt sich dagegen meist der stärkere Spieler durch. Verlierst du über zehn Legs, hast du das in der Regel auch verdient. Spielst du richtig gut, gewinnst du normalerweise auch. In so einem Format setzt sich der bessere Spieler durch, und das liegt mir deutlich mehr. First to ten hilft mir, weil ich mich dabei besser entspannen kann. Das passt zu mir wesentlich besser als first to six.“
Gleichzeitig brennt Humphries darauf, endlich wieder einen Major-Titel zu gewinnen. Er glaubt, ein Erfolg könnte eine regelrechte Kettenreaktion auslösen: „Ich war nicht unglücklich, aber in den letzten zwölf Monaten stand ich bei so vielen Majors so nah dran. Ich brauche einen Titel, um meinen Appetit wieder anzuregen. Ich habe inzwischen fünf Major-Finals seit meinem letzten Titel verloren, viele davon gegen Luke – das ist keine Schande. Trotzdem war ich oft ganz knapp dran. Es wäre schön, mal wieder über die Ziellinie zu kommen, egal ob diese Woche, beim Grand Prix oder beim Grand Slam. Einfach ein Titel vor der WM würde mir reichen. In gewisser Weise finde ich, dass ich mir das verdient habe.“
„Am Ende bekommst du das, was du dir erarbeitest. Aber ich finde, dass ich einen Titel verdient habe. Also liegt es an mir, dieses Wochenende richtig hart zu arbeiten und einen zu holen. Sobald ich wieder ins Rollen komme, kann ich auch anderen Spielern richtig Druck machen.“
Trotz seines eigenen Titelhungers dreht sich in diesen Tagen vieles um Littlers möglichen Clean Sweep der gesamten Major-Saison. Humphries gönnt seinem Rivalen diesen historischen Erfolg – nur eben nicht auf seine eigenen Kosten: „Ich will nicht derjenige sein, der ihn stoppt. Ich will es auch nicht verhindern, nur weil ich selbst unbedingt ein Major gewinnen möchte. Schafft er den Clean Sweep, gewinne ich in dieser Saison nichts mehr. Aus meiner persönlichen Sicht will ich das natürlich nicht.“
Humphries drückt Littler die Daumen – unter einer Bedingung.
„Meine ehrliche Meinung ist trotzdem: Scheide ich früh aus, soll er es gewinnen. Hole ich selbst keinen Major-Titel, gönne ich ihm diesen Erfolg von Herzen, denn das wäre das Unglaublichste, was ich in meinem Leben gesehen habe. Natürlich will ich eigentlich nicht, dass er es schafft, weil ich selbst einen Major gewinnen will. Scheitere ich aber im Halbfinale, im Viertelfinale oder sogar schon in Runde eins – was bei den nächsten Majors durchaus passieren kann –, drücke ich ihm die Daumen. Das wäre eine enorme Leistung. Gleichzeitig hoffe ich natürlich, ihn zu stoppen, weil mir mein eigener Titel am wichtigsten ist.“
Humphries als großer Amsterdam-Fan
Die Rückkehr nach Amsterdam genießt Humphries ebenfalls sehr – nur New York rangiert für ihn möglicherweise noch etwas weiter oben. Angesichts seiner Vorliebe für die niederländische Hauptstadt will er diese Woche einen weiteren Haken auf seiner persönlichen Liste setzen.
„Amsterdam ist großartig, weil es ein so spannendes Land ist – ein bisschen anders als die üblichen Stationen, und auch die Stadt selbst unterscheidet sich davon. Manche Orte wirken eher gemächlich, in New York dagegen hast du manchmal gar nicht genug Zeit für alles. Dort gibt es schließlich Millionen Möglichkeiten. Ich war drei oder vier Jahre in Folge dort und habe immer noch nicht alles geschafft, was ich mir vorgenommen hatte.“
„New York ist eine fantastische Stadt, und für uns bietet sie die größte Bühne, auf der wir weltweit spielen – nicht nur innerhalb der World Series. Der Madison Square Garden lässt sich derzeit kaum toppen. Das ist mein persönlicher Favorit, und ich glaube, das gilt auch für die meisten anderen Spieler. Zwei Titel in Folge dort sind etwas Besonderes, und im kommenden Jahr peile ich den Hattrick an.“
„Amsterdam belegt für mich wohl Platz zwei. Ich war an vielen Orten auf der Welt, aber diese Stadt ist wirklich großartig. Ich freue mich sehr, dass das World Series Final immer hier stattfindet. Und du hast recht: Das gehört zu den drei Turnieren, die ich noch nie gewonnen habe – neben der European Championship und den UK Open.“
„Nächstes Jahr kommt bekanntlich noch ein weiteres Major dazu, dann sind es vier offene Rechnungen. Ich habe also noch einige Titel abzuhaken. Dieses Turnier hier fällt mir besonders schwer, weil ich ständig gegen Topspieler antreten muss. Genau deshalb will ich es unbedingt gewinnen. Gelingt mir das dieses Jahr, wäre das überragend: Dann könnte ich in dieser Saison die European Championship holen, bei den UK Open triumphieren und im nächsten Jahr das vierte Major dazu gewinnen – und hätte damit alle Titel in meiner Sammlung. Mein Lebenstraum ist es, jedes Major im Kalender mindestens einmal zu gewinnen.“
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Dartsnews.de und berichtet dort über den professionellen Dartsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Erstellung von Liveblogs zu großen Turnieren und wichtigen Ereignissen, darunter die European Tour und die PDC World Darts Championship (WM). Dabei begleitet er das Geschehen in Echtzeit und ordnet Ergebnisse, Spielverläufe und Entwicklungen fortlaufend ein. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um die internationale Darts-Szene.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit Nicolas Gayer und Oliver Ried vernetzt. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.