Gian van Veen verrät entscheidende Veränderung am Oche: „Es gibt mir so viel mehr Vertrauen“

PDC
durch Nic Gayer
Sonntag, 13 September 2026 um 9:00
Gian van Veen (2)
Gian van Veen hat mit einem überzeugenden Auftritt das Achtelfinale der Flanders Darts Trophy 2026 erreicht. Die Nummer drei der Welt setzte sich am Samstagabend mit 6:3 gegen Gabriel Clemens durch und verbuchte dabei einen starken Average von 101,54 Punkten. Hinter diesen Zahlen steckte für van Veen jedoch weit mehr als nur eine gelungene Partie: Der Niederländer hatte in den vergangenen Tagen gezielt an seiner Haltung am Oche gearbeitet – und spürte in Antwerpen unmittelbar einen Unterschied.
Das Resultat deutete zwar auf einen relativ souveränen Erfolg gegen „The German Giant“ hin, tatsächlich verlief die Begegnung aber deutlich enger, als es das 6:3 vermuten lässt. Beide Spieler glänzten mit hohen Finishes und begegneten sich über weite Strecken auf Augenhöhe.

„Es war ein Match auf hohem Niveau“

„Absolut. Ich habe zum Beispiel ein 143er-Finish gecheckt, und im darauffolgenden Leg hat er 146 gecheckt“, blickte van Veen im Bühneninterview auf das Duell zurück. „Es war ein Match auf hohem Niveau.“
Gian van Veen grüßt ins Publikum.
Gian van Veen überzeugte bei der Flanders Darts Trophy mit einem 101,54er-Average und schöpft nach einer Anpassung seiner Haltung neues Selbstvertrauen.
Selbst im letzten Leg war der Sieg für den Niederländer noch keineswegs unter Dach und Fach. Van Veen erhöhte jedoch genau im richtigen Moment den Druck auf Clemens, der seine anschließende Möglichkeit nicht nutzen konnte. „Vor allem in diesem letzten Leg, als ich die 180 warf, dachte ich: Vielleicht kann ich etwas Druck auf seine 88 machen. Er verfehlte und ich checkte danach. Es war ein spannendes Match, aber das gibt mir enorm viel Vertrauen.“

Van Veen feilt an seiner Haltung

Dieses neu gewonnene Vertrauen kommt für van Veen genau zum richtigen Zeitpunkt. Zuletzt hatte der Niederländer intensiv nach Möglichkeiten gesucht, sein Spiel wieder auf jenes Niveau zu bringen, das er von sich selbst erwartet. Dabei setzte er allerdings nicht bei seiner eigentlichen Wurfbewegung an, sondern konzentrierte sich vor allem auf seine Haltung am Oche.
„Ich habe diese Woche zu Hause viel trainiert und versuche ein paar Dinge zu verändern. Nicht an meinem Wurf, sondern einfach an meiner alten Haltung am Oche. Das hat heute Abend funktioniert.“
Für van Veen spielt sich ein wesentlicher Teil dieser Herausforderung im Kopf ab. Er weiß genau, zu welchen Leistungen er fähig ist, und verspürt zunehmend die Zuversicht, wieder näher an sein bestes Niveau heranzukommen. „Es spielt sich alles in meinem Kopf ab. Ich weiß, dass ich dieselben Zahlen produzieren kann wie im vergangenen Jahr. Ich hoffe, das klappt dieses Jahr wieder, und ich spüre, dass es kommt.“
Auf die anschließende Frage, was er konkret verändert habe, wollte sich van Veen zunächst nicht in die Karten schauen lassen. „Das werde ich dir nicht verraten“, scherzte der Niederländer. Allzu lange konnte er sein Geheimnis allerdings nicht für sich behalten.

Tipp des Managers führt zur entscheidenden Anpassung

Van Veen hatte festgestellt, dass er zuletzt seinen gesamten Körper zu stark in die Wurfbewegung einbezog. Sein Manager machte dieselbe Beobachtung und sprach ihn darauf an. Im Training rückten deshalb insbesondere die Position seines linken Fußes und eine entspanntere Körperhaltung in den Mittelpunkt.
„In letzter Zeit fühlte es sich jedes Mal an, als würde ich meinen ganzen Körper in den Wurf werfen. Jetzt versuche ich einfach, meinen Körper entspannt zu halten und vor allem meinen linken Fuß gerade auf den Boden zu setzen, statt die Schulter in den Wurf zu legen.“
Den entscheidenden Hinweis hatte van Veen von seinem Manager erhalten. „Ich habe diese Woche dank meines Managers daran gearbeitet. Er hat es mir gesagt und es bemerkt. Ich hoffe, es ist okay, dass ich das erzähle. Wenn nicht, ist es mir auch egal“, lachte van Veen.
Anschließend widmete der Niederländer der Umstellung eine komplette Trainingswoche. Gegen Clemens entschied er sich schließlich dazu, die veränderte Haltung auch unter Wettkampfbedingungen auf der Bühne anzuwenden. „Ich habe die ganze Woche daran trainiert, und es lief gut. Heute habe ich es auf der Bühne ausprobiert und mich viel wohler gefühlt.“
Besonders bei den höheren Doppelfeldern bemerkte van Veen nach eigener Aussage einen Unterschied. Mit seiner bisherigen Haltung hatte er gelegentlich das Gefühl, einen Dart während der Wurfbewegung nach unten zu ziehen. „Normalerweise habe ich beim Wurf, besonders auf eines der höheren Doppel, das Gefühl, dass ich ihn nach unten ziehen kann. Das hatte ich heute nicht.“
Dieses verbesserte Gefühl könnte für die Nummer drei der Welt sogar wertvoller sein als der Average von 101,54 Punkten, der am Ende auf dem Statistikbogen stand. „Es gibt mir so viel mehr Vertrauen. Ich hoffe, dass ich mir das ab jetzt in jedem Match bewahren kann.“

Niederländisches Duell mit Kevin Doets

Schon am Sonntag erhält van Veen die nächste Gelegenheit herauszufinden, ob seine Anpassung auch im nächsten Match Früchte trägt. Im Achtelfinale kommt es zum rein niederländischen Duell mit Kevin Doets. Für die beiden Landsleute ist es alles andere als das erste Aufeinandertreffen: Van Veen kennt „Hawkeye“ bereits seit seiner Jugend. „Ich kenne Kevin, glaube ich, seit ich zehn oder elf Jahre alt war. Damals spielten wir gegeneinander in einer lokalen Liga.“
Mittlerweile treten beide Niederländer auf den großen Bühnen der PDC gegeneinander an, doch ihre gemeinsame Geschichte reicht wesentlich weiter zurück. „Das wird ein großartiges Match. Ich weiß noch, dass ich ihn beim letzten Mal geschlagen habe. Das war auf der European Tour. Hoffentlich passiert morgen dasselbe, aber wir werden sehen.“
Gleichzeitig ist van Veen bewusst, dass Doets in dieser Saison in starker Verfassung ist und ihm entsprechend eine anspruchsvolle Aufgabe bevorsteht. „Kevin ist dieses Jahr in sehr guter Verfassung. Ich freue mich auf morgen.“
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