„Ich bin ein Kämpfer und gebe nicht so einfach auf, was ich liebe“ – Ricardo Pietreczko meldet sich nach schwieriger Phase beim World Cup of Darts zurück

PDC
Sonntag, 14 Juni 2026 um 10:00
Germany (2)
Deutschland hat sich erneut für das Viertelfinale des World Cup of Darts qualifiziert. Das Duo Martin Schindler und Ricardo Pietreczko machte einen wichtigen Schritt in Richtung einer weiteren erfolgreichen Kampagne, indem es Tschechien ausschaltete, auch wenn das keineswegs ohne Schwierigkeiten gelang. Hatten die Deutschen die Partie anfangs komplett im Griff, kämpften sich die Tschechen stark zurück ins Match.
Am Ende überwog beim deutschen Doppel jedoch vor allem Zufriedenheit. Nicht nur wegen des Sieges, sondern auch, weil die Zusammenarbeit zwischen Schindler und Pietreczko erneut hervorragend funktionierte.
Zum zweiten Jahr in Folge gehört Deutschland damit zu den letzten acht Nationen beim World Cup of Darts. Und obwohl beide Spieler betonen, dass niemand die Erwartungen überhöhen sollte, wächst das Vertrauen mit jedem Spiel sichtbar.

Starker Start, knifflige zweite Hälfte

Deutschland startete überzeugend in das Duell und wusste die Fehler der tschechischen Gegner optimal zu nutzen. „Wir lagen komfortabel vorne“, analysierte Schindler anschließend gegenüber Dartsnews.de. „In der Anfangsphase machten die Tschechen ein paar Fehler, und davon haben wir gut profitiert.“
Nach der Unterbrechung drehte sich das Bild jedoch. „Danach passierte eigentlich genau das Gegenteil. Wir machten kleine Fehler und sie warfen konstant starke Scores. Sie haben wirklich ein gutes Spiel gemacht.“
Auch Pietreczko sah, wie schwer die Gegner es Deutschland machten. „In einem Doppelformat hast du natürlich nur die Hälfte der Darts. Manchmal stehst du bereit, wirfst eine 60 oder eine 140, und das Leg ist schon vorbei. So haben sie in bestimmten Momenten gespielt. Sie waren wirklich in einem guten Flow.“
Trotzdem blieb Deutschland letztlich standhaft und feierte einen Sieg, der ausreichte, um erneut das Viertelfinale zu erreichen.

Vertrauen zwischen beiden Spielern bleibt der Schlüssel

Seit ihrem ersten gemeinsamen World-Cup-Auftritt im vergangenen Jahr bilden Schindler und Pietreczko ein eingespieltes Duo. Wo sich manche fragten, ob nach einer wechselhaften Saison die Chemie noch stimmt, war davon wenig zu spüren. Laut Pietreczko hat sich seit dem Vorjahr kaum etwas verändert. „Martin und ich harmonieren einfach sehr gut auf der Bühne. Von Anfang an haben wir gesagt, dass wir uns voll vertrauen. Er vertraut mir und ich vertraue ihm. Das ist noch genau so wie im vergangenen Jahr.“
Dieser gegenseitige Respekt zeigte sich auch, als beide gefragt wurden, was sie am meisten am Spiel des anderen schätzen. Schindler musste nicht lange überlegen. „Ricardo verdient enorm viel Respekt für die Art und Weise, wie er weiterkämpft. Er hat keine leichte Zeit hinter sich, das weiß jeder. Aber er bleibt dran. Trotz allem ist er in den wichtigen Momenten da. Dann kommen die großen Scores oder die entscheidenden Finishes. Er bringt immer einen unglaublichen Kampfgeist auf die Bühne.“
Pietreczko gab das Kompliment direkt zurück. „Was Martin mir gibt, ist Ruhe und Sicherheit. Vor allem mit seinem Scoring. Wenn ich mal eine schwächere Aufnahme habe, räumt er es oft direkt mit einem großen Score auf. Wir ergänzen uns einfach sehr gut.“

Zweifel verfliegen bei Pietreczko allmählich

Für Ricardo Pietreczko bedeutet dieser World Cup mehr als nur eine neue Chance auf Erfolg mit Deutschland. Der Deutsche erlebte in den vergangenen Monaten eine schwierige Phase, in der Ergebnisse und Form nicht immer selbstverständlich waren. Gerade deshalb fühlt sich dieses Turnier wie ein wichtiger Schritt nach vorn an. „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich ein Kämpfer bin“, sagte Pietreczko offen. „Ich gebe nicht einfach auf bei dem, was ich liebe. Ich liebe Darts und besonders das Doppelspiel mit Martin.“
Laut dem ehemaligen Euro-Tour-Sieger hilft ihm der World Cup, den Spaß am Spiel wiederzufinden. „Dieses Turnier hilft mir enorm, aus dieser schwierigen Phase herauszukommen. Ich denke, die Leute konnten heute auch sehen, dass ich wieder Freude auf der Bühne habe. Mit Martin zusammen zu spielen, macht einfach unglaublich viel Spaß.“
Diese Freude überträgt sich seiner Meinung nach direkt auf bessere Leistungen. „Die Qualität ist immer noch da. Wir haben heute sogar ein Leg in elf Darts gewonnen. Das zeigt, dass das Niveau vorhanden ist.“
Martin Schindler und Ricardo Pietreczko vertreten Deutschland beim World Cup of Darts 2026
Deutschland trifft im Viertelfinale auf die Niederlande

Schindler kontert seine Kritiker

Auch Martin Schindler bekam während des Medientermins Fragen zu seiner beeindruckenden Form. Der Deutsche spielt seit Wochen auf hohem Niveau und gehört aktuell zu den stärksten Akteuren auf der ProTour. Er selbst blieb jedoch bemerkenswert nüchtern. „Ich habe immer das Gefühl, dass noch mehr drin ist. Weil man im Doppelformat nur die Hälfte der Darts wirft, sieht man vielleicht nicht alles in den Statistiken. Aber ich weiß, was ich kann.“
Dennoch konnte Schindler es nicht lassen, auch eine klare Botschaft an seine Kritiker zu richten. „Ich bin vor allem froh, dass ich all den Idioten im Internet zeigen kann, dass man selbst dann, wenn die Leute denken, man sei in einer schwachen Phase, immer noch das Viertelfinale eines World Cups erreichen kann.“
Der Deutsche stand in letzter Zeit stark im Fokus wegen persönlicher Umstände und der damit verbundenen mentalen Herausforderungen. Trotz allem lieferte er weiterhin auf höchstem Niveau ab.

Mentale Begleitung entscheidend

Schindler sprach offen über die Rolle seines Mentalcoaches Johannes, der seiner Ansicht nach maßgeblich zu seinen jüngsten Leistungen beigetragen hat. „Ich habe meinen Mentalcoach oft erwähnt, und das nicht ohne Grund. Ohne ihn wäre es wahrscheinlich viel schwieriger gewesen, hier zu stehen und mein Darts zu spielen.“
Zugleich verweist Schindler auf seinen eigenen Charakter als wichtigen Faktor. „Ich habe einfach einen enormen Kampfgeist. Ich will nicht aufgeben. Das steckt in mir. Darts ist mein Leben. Ohne Darts wüsste ich nicht, was ich tun sollte.“
Diese Einstellung half ihm auch in einer schwierigen Phase, in der er mit Veränderungen an seinem Wurf experimentierte.

Zurück zum vertrauten Wurf

Bei jüngsten Turnieren fiel auf, dass Schindler vorübergehend Anpassungen an seiner Technik vorgenommen hatte. Inzwischen ist er zu seinem vertrauten Wurf zurückgekehrt, mit dem er jahrelang erfolgreich war. „Ich habe zwischendurch noch mit diesem angepassten Wurf trainiert, aber eigentlich wusste ich immer, dass ich nicht dauerhaft auf diese Weise werfen wollte.“
Die Erleichterung ist groß, nun da er wieder mit seiner alten Technik spielt. „Ich bin einfach froh, dass ich wieder mit meinem vertrauten Wurf agieren kann. Das ist der Stil, mit dem ich in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren geworfen habe.“
Auf die Frage, wie es sich anfühlt, wieder vollständig auf natürliche Weise spielen zu können, kam eine deutliche Antwort. „Wenn ich es mit einem Wort zusammenfassen muss? Großartig.“

Viertelfinale winkt, aber niemand wird unterschätzt

Nach dem Einzug ins Viertelfinale richtete sich der Blick bereits auf das Duell mit den Niederlanden. Das Vertrauen im deutschen Lager ist groß. „Ich denke, ich spreche für uns beide, wenn ich sage, dass wir jeden schlagen können, wenn wir unser eigenes Spiel spielen.“
Das heißt nicht, dass sich Deutschland als Favorit sieht, doch der Glaube an die eigene Stärke ist größer denn je. Nach dem Halbfinale im Vorjahr steht Deutschland erneut unter den letzten Acht des World Cup. Mit einem Schindler in Topform und einem sichtbar wiedererstarkten Pietreczko wächst beim deutschen Duo zunehmend der Glaube, dass vielleicht noch mehr möglich ist.
Das Viertelfinale wartet. Und wenn die Deutschen nach ihrem Sieg gegen Tschechien eine Botschaft gesendet haben, dann diese: Niemand sollte sie im Kampf um den Weltmeistertitel abschreiben.
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading