„Nie gedacht, dass wir verlieren könnten, wir waren einfach die bessere Mannschaft“ – Nordirland wahrt die Chancen auf die Titelverteidigung nach dem Sieg gegen Belgien

PDC
Sonntag, 14 Juni 2026 um 11:00
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Die Titelverteidigung Nordirlands beim World Cup of Darts lebt weiter. Die amtierenden Champions Josh Rock und Daryl Gurney entkamen in Frankfurt einem frühen Aus, indem sie nach einer spektakulären Aufholjagd Belgien bezwangen. Das nordirische Duo lag zur Hälfte mit 5:2 zurück, kämpfte sich stark zurück und zog am Ende dennoch den längeren Hebel.
Nach dem Match überwog bei den Titelträgern vor allem Erleichterung. Rock und Gurney war nur allzu bewusst, wie nah sie an einem schmerzhaften Aus gewesen waren.

Belgien endlich auf Niveau

Im Vorfeld galt Nordirland als Favorit. Belgien hatte in der Gruppenphase des World Cup of Darts 2026 nämlich keinen überzeugenden Eindruck hinterlassen. Doch auf der Bühne stellte sich schnell heraus, dass die Realität deutlich störrischer war. „Ehrlich gesagt hatten wir nicht erwartet, dass Belgien so gut spielen würde“, räumte Rock ein. „In der Gruppenphase erreichten sie nicht das Niveau, von dem wir wissen, dass sie es abrufen können. Heute Abend haben sie es dann doch gezeigt.“
Laut Rock kam das angesichts der Qualitäten des belgischen Teams eigentlich nicht überraschend. „Da stehen zwei Spieler, die große Titel gewonnen haben. Dimitri Van den Bergh ist ein Major-Sieger und Mike De Decker hat inzwischen ebenfalls bewiesen, was er kann. In der Gruppenphase hat es vielleicht nicht ganz geklickt, aber heute hat es gepasst.“
Die Nordiren wurden dadurch von der ersten Leg an unter Druck gesetzt und mussten ständig hinterherlaufen.

Keinen Moment ans Aufgeben gedacht

Als Belgien auf 5:2 stellte, deutete vieles auf eine Überraschung hin. Im nordirischen Lager blieb es jedoch bemerkenswert ruhig. Rock hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass das Spiel verloren war. „Wir lagen zur Pause 5:2 hinten, aber wir haben niemals aufgegeben. Das ist auch der Grund, warum wir jetzt hier sitzen.“
Auch Gurney glaubte weiter an ein gutes Ende. „Ehrlich gesagt fand ich immer noch, dass wir knapp das bessere Team waren“, so ‚Superchin‘ gegenüber Dartsnews.de. „Der Unterschied lag vor allem in einem Dart auf die Doppel. Wenn wir diese wichtigen Chancen genutzt hätten, wären wir automatisch wieder ins Match gekommen.“
Laut dem ehemaligen World-Grand-Prix-Champion lag Nordirland beim Scoring oft sogar vor den Belgiern. „Oft waren wir einen Dart früher auf einer Finishchance, aber sie machten es dann einen Tick konsequenter. So liefen wir ständig den Tatsachen hinterher.“
Trotzdem blieb das Vertrauen vorhanden. „Eigentlich hatte ich keinen einzigen Moment das Gefühl, dass wir verlieren würden.“

Der Wendepunkt bei 6:6

Der entscheidende Moment kam laut Gurney, als Nordirland erstmals in Führung gehen konnte. Beim Stand von 6:6 bekam er die Chance, das Match endgültig auf seine Seite zu ziehen, doch er vergab drei Darts auf die Doppel. „Da dachte ich: Okay, jetzt haben wir das Spiel endlich unter Kontrolle. Wir führen und haben den Anwurf. Wenn wir dieses Leg gewinnen, machen wir es zu.“
Das passierte nicht. „Ich habe diese Chance liegen lassen. Das war frustrierend. Aber am Ende bin ich vor allem froh, dass wir die Ziellinie erreicht haben.“
Nordirland brach anschließend doch noch den belgischen Anwurf in der entscheidenden Phase der Partie und machte damit den Sieg perfekt.

Championstatus spielte kaum eine Rolle

Erstmals traten Rock und Gurney in Frankfurt als amtierende Champions auf. Beim Walk-on wurden sie als Titelverteidiger angekündigt, doch allzu großen Eindruck machte das laut beiden Spielern nicht. Rock musste bei der Frage sogar lachen. „Ehrlich gesagt habe ich davon kaum etwas mitbekommen. Auf dem Weg zur Bühne habe ich vor allem Autogramme gegeben.“
Der Nordire betonte, dass er sich nicht als Spieler sieht, der ständig an die Titelverteidigung denkt. „Natürlich ist es schön, als amtierender Champion zurückzukehren. Aber am Ende geht es darum, das erste Spiel zu gewinnen. Das haben wir geschafft und deshalb sind wir noch im TurnieNoo
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Schwierige Vorbereitung auf Belgien

Die Vorbereitung auf Belgien erwies sich laut beiden Spielern als besonders knifflig. Das belgische Duo zeigte in der Gruppenphase nämlich ein ganz anderes Gesicht als in der K.-o.-Runde. „Das macht es schwierig“, erklärte Gurney. „Du weißt, was Dimitri und Mike können. Es sind Spieler, die große Turniere gewonnen haben. Gleichzeitig sahen wir in der Gruppenphase nicht das Niveau, das sie heute abriefen.“
Die Nordiren sprachen im Vorfeld sogar noch mit Van den Bergh. „Wir haben uns gestern die Spiele angesehen und Dimitri erzählte, dass sie bestimmte Ergebnisse brauchten, um weiterzukommen. Am Ende fiel alles zu ihren Gunsten aus.“
Dennoch hatten Rock und Gurney nicht erwartet, dass Belgien plötzlich so stark auftreten würde. „Als die Auslosung feststand, hatten wir nicht das Gefühl, dass Belgien als Team schon komplett aufeinander eingespielt war. Sie sind gute Freunde, aber auf der Bühne hatten wir das nicht immer gesehen.“
Das änderte sich jedoch komplett im Viertelfinale.

„Bei 5:2 hinten sagten wir: Jetzt müssen wir darten“

Laut Gurney beruhte die Wende vor allem auf einem mentalen Umschalten. „Bei 5:2 Rückstand sagte Josh zu mir: Jetzt müssen wir wirklich darten.“
Diese Worte markierten exakt den richtigen Moment. „Wir hörten auf, Chancen zu verschenken. In der ersten Hälfte hatten wir Belgien zu viele Möglichkeiten gelassen. Danach begannen wir, unsere eigenen Chancen zu nutzen.“
Die Titelverteidiger wurden auf die Doppel schärfer, machten weniger Fehler und setzten Belgien immer häufiger unter Druck. „Als wir erst einmal zurück im Match waren, wuchs der Glaube. Danach hatten wir vielleicht auch ein kleines bisschen Glück, als wir in der Schlussphase den Wurf breaken konnten.“

Kein zusätzlicher Druck mehr nach dem ersten Sieg

Auf die Frage, ob sich das Trikot Nordirlands inzwischen schwerer anfühlt, da sie als Titelverteidiger antreten, war Rock deutlich. „Jetzt nicht mehr.“
Nach Ansicht des jungen Nordiren liegt der größte Druck immer auf dem ersten Spiel. „Dieses Auftaktmatch ist immer schwierig. Natürlich wissen die Leute, dass wir die amtierenden Champions sind, aber ehrlich gesagt haben Daryl und ich uns damit überhaupt nicht beschäftigt.“
Der Fokus lag ausschließlich auf dem Gewinnen. „Wir sind hier als Team. Wir sind hier, um erneut den Titel anzugreifen. Der erste Schritt ist gemacht, und hoffentlich können wir daran anknüpfen.“

Frankfurt weckt weiterhin besondere Erinnerungen

Für Josh Rock hat Frankfurt eine besondere Bedeutung. Im vergangenen Jahr spielte er in derselben Arena eine Schlüsselrolle beim überraschenden nordirischen Titelrun. Vor allem seine Scoring-Power hinterließ damals tiefen Eindruck. Dennoch wollte Rock nicht zu sehr romantisieren. „Es ist natürlich schön, als amtierender Champion hierher zurückzukehren. Aber dieses Jahr fühlt sich anders an.“
Der Grund ist simpel. „Vergangenes Jahr war vergangenes Jahr. Jetzt spiele ich wieder zusammen mit Daryl, und das macht es besonders. Es bleibt ein Teamturnier, und das verändert alles.“
Trotz des mühsamen Starts bleibt das Vertrauen groß. „Ich war letztes Jahr enorm begeistert, mit Daryl zu spielen, und dieses Gefühl habe ich immer noch. Darum bin ich hier. Ich bin hier, um zu gewinnen.“

Meisterherz erneut sichtbar

Der Sieg gegen Belgien war alles andere als überzeugend, doch gerade das macht die Leistung Nordirlands vielleicht umso beeindruckender. Große Champions zeichnen sich schließlich nicht nur aus, wenn alles von selbst läuft, sondern gerade dann, wenn es gegen sie läuft.
Rock und Gurney standen mit dem Rücken zur Wand, wurden von einem entfesselten Belgien überflügelt und sahen sich einem nahezu uneinholbaren Rückstand gegenüber. Trotzdem blieben sie überzeugt. Dieser Glaube, kombiniert mit Erfahrung, Kampfgeist und einer gehörigen Portion Qualität, brachte die Titelverteidiger letztlich erneut einen Schritt näher an einen zweiten WM-Titel in Folge. Und vielleicht war das nach diesem Thriller die wichtigste Erkenntnis überhaupt: Nordirland bleibt schwer zu schlagen, solange Josh Rock und Daryl Gurney sich weigern, aufzugeben.
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