„Ich habe andere Prioritäten“ – Verzichtet Gerwyn Price freiwillig auf die Premier League?

PDC
durch Nic Gayer
Sonntag, 26 Juli 2026 um 00:01
Gerwyn Price (2)
Gerwyn Price hat mit einem 17:10-Erfolg über Gian van Veen zum zweiten Mal das Finale des World Matchplay erreicht. Der Waliser zeigte dabei zwar nicht seine beste Leistung, machte nach dem Halbfinale aber deutlich, dass ihn das kaum interessiert. Sein Ziel war von Beginn an der Titel – und genau dafür bekommt er nun eine weitere Chance.
Für Aufsehen sorgte Price allerdings vor allem mit einer Aussage abseits des Sportlichen. Der ehemalige Weltmeister schloss nicht aus, trotz einer möglichen Qualifikation im kommenden Jahr freiwillig auf die Premier League zu verzichten. Der Grund: Seine Tochter erwartet Ende Januar ihr erstes Kind.

Price denkt über Premier-League-Pause nach

„Das war ein hartes Match, ein richtiger Kampf“, sagte Price nach seinem Sieg gegenüber den Medien, darunter Dartsnews.de. „Ich war nicht in Bestform und Gian auch nicht ganz. Aber genau darum geht es: Du musst auftauchen und versuchen zu gewinnen. Und genau das habe ich geschafft.“
Obwohl Price durch seinen Finaleinzug wieder auf Kurs Top Vier ist und damit beste Chancen auf eine Premier-League-Teilnahme hätte, ist eine Teilnahme für ihn längst nicht selbstverständlich.
„Möglicherweise. Das könnte durchaus passieren“, sagte er auf die Frage, ob er die Premier League im kommenden Jahr auslassen könnte.
Den Grund erklärte der Waliser offen.
„Meine Tochter ist schwanger, der Geburtstermin ist Ende Januar. Ich habe andere Prioritäten und auch zu Hause einiges, worum ich mich kümmern möchte. Deshalb könnte es sein, dass ich die Premier League auslasse, selbst wenn ich eingeladen werde. Wir werden sehen, wie der Rest der Saison verläuft.“
Bereits wenige Tage zuvor hatte Price verraten, dass er erstmals Großvater wird.
Gerwyn Price jubelt beim World Matchplay 2026.
Gerwyn Price steht nach seinem Sieg über Gian van Veen erneut im Finale des World Matchplay und denkt bereits über seine Zukunft abseits der Rangliste nach.

Rangliste spielt nur eine Nebenrolle

Dass er durch den Finaleinzug wieder die walisische Nummer eins geworden ist und in die Top Vier der Weltrangliste zurückkehrt, freut ihn zwar – entscheidend ist das für ihn aber nicht.
„Ganz ehrlich: Die Rangliste bedeutet mir nicht besonders viel. In den Top Vier zu stehen, ist schön, weil viele das mit der Premier League verbinden. Aber das ist mir ehrlich gesagt nicht mehr so wichtig.“
Eine Sache bedeute ihm allerdings doch viel. „Walisische Nummer eins zu sein bedeutet mir wahrscheinlich mehr, als die Nummer vier der Welt zu sein.“

Ärger über verpasste Doppel

Mit seiner eigenen Leistung war Price trotz des deutlichen Ergebnisses nicht wirklich zufrieden.
„Ich habe große Checkouts getroffen und anschließend drei oder sechs Darts auf Doppel vergeben. Da habe ich mich gefragt: Was ist denn hier los? Manchmal hätte ich lieber nur einen Dart gehabt – den hätte ich wahrscheinlich getroffen.“
Im Nachhinein relativierte er seine Kritik jedoch.
„Ich war frustriert, aber Gian hat ebenfalls einige Doppel verpasst. Das letzte Leg vor der Pause hat mich wieder ins Match gebracht. So ist Darts eben. Wahrscheinlich sollte ich mich deshalb nicht so fertig machen.“
Auch insgesamt sah er noch viel Luft nach oben.
„Mein Scoring war definitiv nicht gut. Teilweise waren meine Checkouts stark, an anderen Stellen wieder nicht. Ich hatte gute Phasen und schlechte Phasen. Jetzt hake ich dieses Match ab und hoffe einfach, morgen etwas besser zu spielen.“

Finale gegen Littler? „Unterschätzt mich nicht“

Der Moment des Sieges: Hier zieht Gerwyn Price in das World-Matchplay-Finale ein.

Price rechnete zwar bereits während der Pressekonferenz damit, dass Luke Littler das zweite Halbfinale gewinnt, wollte Dirk van Duijvenbode aber keinesfalls abschreiben.
„Dirk wird Luke einen richtig harten Kampf liefern. Natürlich wäre Luke der große Favorit, wenn er ins Finale kommt. Aber unterschätzt Dirk nicht – und unterschätzt morgen auch mich nicht.“
Egal gegen wen es geht: Price sieht sich grundsätzlich immer als Favorit. „Wenn ich in ein Match gehe, bin ich der Favorit. So denke ich und so bereite ich mich vor.“
Sein Selbstvertrauen ist ungebrochen. „Wenn ich mein A-Game abrufe, ist es egal, gegen wen ich spiele – dann gewinne ich. Das wissen auch Luke und Dirk.“

Weniger Druck als im Halbfinale

Überraschenderweise erwartet Price im Finale sogar weniger Druck als im Halbfinale.
„Ich bin schlecht ins Turnier gestartet und habe mich dann immer weiter gesteigert. Heute war der Druck wahrscheinlich größer, weil ich unbedingt wieder in die Top Vier und zur walisischen Nummer eins werden wollte.“
Für das Endspiel gelte das nicht mehr. „Ob ihr es glaubt oder nicht: Morgen werde ich weniger Druck verspüren.“
Deshalb blickt er dem Finale entspannt entgegen. „Es gibt morgen überhaupt keinen Druck. Ob ich gewinne oder verliere – ich bin zufrieden.“

Gerwyn Price gibt zu: Luke Littler startet als Favorit ins Matchplay-Finale.

Aus Niederlage gegen van Gerwen gelernt

Bereits 2022 stand Price im Finale des World Matchplay, verlor damals jedoch gegen Michael van Gerwen. Aus dieser Erfahrung habe er wichtige Lehren gezogen.
„Es gibt viele Dinge, die ich daraus mitnehmen kann – allerdings eher für mich persönlich. Vor und während dieses Finals sind einige Dinge passiert, mit denen ich besser hätte umgehen müssen.“
Nun freue er sich auf eine zweite Chance. „Ich stehe wieder in einem Finale und freue mich auf morgen.“

„Ich habe noch viel im Tank“

Zu Beginn des Turniers hatte Price seine fehlende Matchpraxis als Problem bezeichnet. Mittlerweile spüre er jedoch, dass sein Selbstvertrauen zurückkehrt.
„Ich hatte das Gefühl, dass meine Form gut war. Mir fehlte lediglich die Vorbereitung mit mehr Pro-Tour- und European-Tour-Turnieren.“
Inzwischen sei er wieder überzeugt von sich. „Hundert Prozent. Ich stehe in einem Major-Finale und habe in keinem einzigen Match annähernd mein bestes Niveau gespielt.“
Seine Warnung an den Finalgegner fiel entsprechend deutlich aus. „Ich weiß, dass ich noch viel im Tank habe. Wenn das herauskommt, werde ich den Pokal in die Höhe stemmen. Und wenn nicht, werde ich bis zum Schluss kämpfen.“
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