„Im Moment genieße ich einfach alles am Darts“ – Beau Greaves krönt sich in Blackpool erneut zur Siegerin und äußert sich klar zu Littler-Vergleichen

PDC
Sonntag, 26 Juli 2026 um 20:10
Beau Greaves
Beau Greaves hat dem Frauen-Darts einmal mehr ihren Stempel aufgedrückt. Die 22-jährige Engländerin sicherte sich am Sonntag zum dritten Mal den Titel beim Women’s World Matchplay. In einem hochklassigen Finale bezwang sie Fallon Sherrock mit 6:5 – und behielt im entscheidenden Leg die Nerven. Mit 56 Restpunkten checkte Greaves über Doppel 10 und machte den Titelgewinn perfekt.
Für Greaves war dieser Erfolg weit mehr als nur ein weiterer Pokal. Im Vorjahr hatte sie den Titel noch verpasst, nachdem sie überraschend im Halbfinale an der späteren Siegerin Lisa Ashton gescheitert war. Diesmal kämpfte sich „Beau ’n’ Arrow“ durch schwierige Phasen und belohnte sich mit dem erneuten Triumph auf der großen Bühne in Blackpool.

Greaves spricht von „Erleichterung“ nach dem Titel

Nach dem Endspiel überwog bei der Engländerin vor allem ein Gefühl: Erleichterung. „Es fühlt sich wirklich gut an“, erklärte sie im Anschluss gegenüber DartsNews.de. „Natürlich war es enttäuschend, dass ich im letzten Jahr nicht gewonnen habe. Ich würde auch nicht sagen, dass ich dieses Jahr überragend gespielt habe – aber ich habe genug gemacht, um meine Matches zu gewinnen.“
Beau Greaves stemmt den Women's World Matchplay Titel
Beau Greaves ist dreimalige Women's World Matchplay Champion
Die Erinnerung an die Niederlage im Vorjahr spielte dabei durchaus eine Rolle. Greaves nutzte diese Erfahrung als zusätzliche Motivation, ohne sich davon blockieren zu lassen. Gleichzeitig verwies sie darauf, dass auch auf der Women’s Series nicht alles automatisch läuft. Trotz ihrer Dominanz verliert sie dort regelmäßig Matches.
„Ich gewinne viel, aber ich verliere auch Spiele. Es ist nicht so, dass ich alles gewinne“, stellte sie klar. Genau dieser Umstand nahm ihr einen Teil des Drucks vor der Rückkehr nach Blackpool. Ohne den Anspruch, ungeschlagen durch das Turnier zu marschieren, konnte sie sich stärker auf ihr eigenes Spiel konzentrieren.
Völlig entspannt fühlte sich Greaves auf der Bühne der Winter Gardens dennoch nicht. „Es ist stressig dort oben. In manchen Momenten war ich definitiv angespannt“, gab sie offen zu. Entscheidend blieb jedoch ihre Reaktion auf diese Situationen: Sie blieb dran, kämpfte sich durch und fand immer wieder Lösungen in engen Legs.

Sherrock fordert Greaves bis zum letzten Dart

Das Finale gegen Fallon Sherrock entwickelte sich zu einem echten Krimi. Greaves erspielte sich zunächst Vorteile, nahm Sherrock ein Leg ab und zog auf 5:3 davon. In dieser Phase lag der Titel bereits greifbar nahe.

Sherrock fordert Greaves bis zum letzten Dart

Das Finale gegen Fallon Sherrock entwickelte sich zu einem echten Krimi. Greaves erspielte sich zunächst Vorteile, nahm Sherrock ein Leg ab und zog auf 5:3 davon. In dieser Phase lag der Titel bereits greifbar nahe.
Sherrock zeigte jedoch einmal mehr ihre Comeback-Qualitäten. Die „Queen of the Palace“ breakte zurück und erzwang ein Entscheidungsleg. Dort bewies Greaves ihre Klasse unter Druck. Mit Rest 56 blieb sie eiskalt und checkte über Doppel 10 zum Titelgewinn.
Die Finalpaarung überraschte Greaves keineswegs. Duelle mit Sherrock verlaufen häufig auf hohem Niveau. „Wir spielen eigentlich immer gute Matches gegeneinander. Es kommt selten vor, dass wir beide schlecht spielen“, sagte sie.
Vor dem Turnier stand Sherrock etwas weniger im Fokus als in den Jahren zuvor. Greaves hatte sie dennoch klar auf dem Zettel. „Vielleicht ist Fallon ein wenig unter dem Radar geflogen. Aber ich weiß genau, was sie kann“, erklärte sie. Aus früheren Begegnungen kennt sie die Stärken ihrer Landsfrau genau.
Auch ein kleines Detail vor dem Spiel bewertete Greaves als entscheidend: den Gewinn des Bulls. „Das hat mir enorm geholfen. Wenn sie angefangen hätte, hätte das Match ganz anders laufen können.“

Niederlage 2025 wirkt nach

Der Druck auf Greaves war als Nummer eins der Setzliste enorm. Nach dem frühen Aus im Vorjahr hätte eine erneute Enttäuschung schwer gewogen. Das bestätigte sie selbst.
„Als ich letztes Jahr verloren habe, war ich am Boden zerstört“, erinnerte sie sich. Gleichzeitig ordnete sie das Ergebnis ein: „Es ist Darts – solche Dinge passieren.“
Im Jahr 2026 ging sie bewusst mit einer anderen Haltung ins Turnier. Statt sich von der Vergangenheit belasten zu lassen, setzte sie auf einen positiven Ansatz. „Ich habe versucht, letztes Jahr auszublenden. Ich habe meine Tour Card und bin aus einem Grund Favoritin.“
Greaves weiß, dass sie sich selbst häufig zusätzlichen Druck macht. „Manchmal bin ich zu sehr in meinem Kopf“, sagte sie. Unterstützung fand sie in Blackpool vor allem durch ihre Familie. Ihre Präsenz half ihr, in schwierigen Momenten fokussiert zu bleiben.
Sportlich zeigte sie sich nach dem Turnier selbstkritisch. Mit ihrem Niveau war sie nicht durchgehend zufrieden. Entscheidend blieb für sie jedoch das Resultat. „Ich habe nicht überragend gespielt, aber gut genug, um zu gewinnen.“

Unterschied zwischen Floor und Bühne

Ein interessanter Aspekt: Greaves sieht aktuell noch Verbesserungspotenzial auf der großen Bühne. Ihr eigenes Empfinden zeigt, dass sie derzeit auf dem Floor konstanter agiert als bei Major-Events.
„Ehrlich gesagt finde ich mein Spiel auf der Bühne nicht einmal so gut“, erklärte sie. „Im Moment spiele ich auf dem Floor wahrscheinlich besser.“ Die Anpassung an die besonderen Bedingungen großer Turniere bleibt damit ein zentraler Entwicklungsschritt.
Dieses Thema betrifft laut Greaves nicht nur sie selbst, sondern viele Spielerinnen. Das Women’s World Matchplay findet nur einmal im Jahr statt, was den Druck automatisch erhöht. Wer an diesem Wochenende nicht liefert, muss ein ganzes Jahr auf die nächste Chance warten.
Trotzdem reizt sie genau diese Herausforderung. „Ich liebe diese Herausforderung“, betonte sie. „Selbst wenn ich nicht gut spiele, genieße ich es – weil es Darts ist.“

Neue Perspektive auf Druck

Mental hat Greaves in den vergangenen Jahren einen spürbaren Entwicklungsschritt gemacht. Erwartungen bewertet sie heute anders als noch zu Beginn ihrer Karriere.
„Ich habe gelernt, dass Druck ein Privileg ist“, sagte sie. Früher empfand sie hohe Erwartungen als Belastung. Mittlerweile nutzt sie diese Situation als Antrieb.
Beim diesjährigen Matchplay setzte sie gezielt auf eine pragmatische Herangehensweise. „Wenn ich nicht mein bestes Spiel zeige, aber gewinne, ist das trotzdem großartig“, erklärte sie.
Ihre Sicht auf Statistiken ist dabei klar: Am Ende zählt der Titel, nicht der Average. „Die Leute erinnern sich daran, wer gewonnen hat – nicht daran, welchen Schnitt jemand gespielt hat“, stellte sie fest. Diese Erkenntnis möchte sie künftig noch stärker verinnerlichen.

Ausverkaufte Halle als Signal

Das Women’s World Matchplay wurde vor ausverkauften Rängen ausgetragen – ein starkes Zeichen für die Entwicklung des Frauen-Darts. Greaves bewertet diese Entwicklung positiv.
Gemeinsam mit Fallon Sherrock gehört sie zu den prägenden Figuren dieser Wachstumsphase. Dennoch vermeidet sie es, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. „Ich weiß es nicht“, sagte sie auf die Frage nach ihrer Rolle.
Die Information über die ausverkaufte Halle erhielt sie kurz vor ihrem Auftritt. Ihre Reaktion fiel eindeutig aus: „Das ist wirklich gut.“
Mehr Aufmerksamkeit allein reicht ihr jedoch nicht. Sie sieht weiterhin Potenzial für strukturelle Verbesserungen. „Wir wollen mehr Turniere und mehr Möglichkeiten“, betonte sie. Gleichzeitig müsse das Niveau weiter steigen, um das Interesse langfristig zu sichern.
Beau Greaves in Aktion auf der Bühne
Beau Greaves ist die beste Dartspielerin der Welt

Fokus verschiebt sich Richtung PDC

Parallel zu ihren Erfolgen im Frauen-Darts richtet Greaves ihren Fokus zunehmend auf die PDC-Tour. Seit dem Gewinn ihrer Tour Card orientiert sie sich stärker am offenen Wettbewerb.
Ihre letzten Auftritte auf der Women’s Series hinterließen gemischte Gefühle. „Ich habe es nicht wirklich genossen“, gab sie offen zu. Teilweise hatte sie den Eindruck, dass viele auf ihre Niederlagen warteten.
Diese Erfahrung führte zu einem Umdenken. Greaves möchte sich stärker mit Topspielern messen und ihre Entwicklung auf höchstem Niveau vorantreiben. „Ich sollte mich darauf konzentrieren, gegen bessere Gegner zu spielen und mein Ranking zu verbessern“, erklärte sie.
Das bedeutet jedoch keinen Abschied vom Frauen-Darts. Sie betont weiterhin ihre Verbundenheit zur Szene. Die Prioritäten verschieben sich allerdings klar.

European Tour als nächster Schritt

Ein wichtiger Meilenstein steht bereits bevor: Greaves wird bei der Hungarian Darts Open und der Czech Darts Open ihr Debüt auf der European Tour geben. Damit schreibt sie Geschichte als erste Frau bei diesen Events.
Auf der ProTour hat sie längst bewiesen, dass sie mithalten kann. Ein Players-Championship-Titel und mehrere tiefe Turnierläufe unterstreichen ihre Qualität. „Der ProTour-Sieg hat meiner Ranglistenposition enorm geholfen“, sagte sie.
Mit Blick auf die European Tour verfolgt sie ambitionierte Ziele. Die bloße Teilnahme reicht ihr nicht. „Ich will nicht nur dabei sein – ich will gewinnen und gut spielen“, stellte sie klar.
Gleichzeitig bleibt sie realistisch. Der Abstand zur absoluten Weltspitze im Männerbereich ist noch vorhanden. „Ich weiß, dass ich noch einen langen Weg vor mir habe“, sagte sie. Entscheidend seien harte Arbeit und mehr Selbstvertrauen.

Vergleich mit Luke Littler

Aufgrund ihres jungen Alters und ihrer Dominanz im Frauen-Darts wird Greaves häufig mit Luke Littler verglichen. Der Engländer hat ebenfalls früh für Furore gesorgt.
Greaves selbst hält wenig von diesem Vergleich. „Er ist der beste Spieler, den ich je gesehen habe“, sagte sie über Littler. Seine Leistungen beeindrucken sie sichtbar.
Parallelen erkennt sie dennoch in der jeweiligen Dominanz innerhalb der eigenen Bereiche. Eine direkte Gleichsetzung lehnt sie jedoch ab. „Er ist ein viel besserer Spieler als ich“, stellte sie klar.

Blick auf die eigene Karriere

Diskussionen über ihre historische Einordnung spielen für Greaves aktuell keine große Rolle. Ihr Fokus liegt auf der Gegenwart und der weiteren Entwicklung.
Sie zeigt sich zufrieden mit der Möglichkeit, sowohl im Frauen- als auch im offenen Circuit anzutreten. Erste Erfolge auf beiden Ebenen haben bereits Spuren hinterlassen.
Trotzdem sieht sie sich noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung. „Ich habe noch einen langen Weg zu gehen“, betonte sie. Eine abschließende Bewertung ihrer Karriere sei erst deutlich später sinnvoll.
Bis dahin verfolgt sie einen klaren Ansatz: weiterarbeiten, besser werden und den Sport genießen. „Im Moment genieße ich einfach alles am Darts“, sagte Greaves.
Klatscht 3Besucher 1
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading