Chris Dobey hätte sich kaum einen besseren Start in das
Winmau World Masters 2026 wünschen können. Im Eröffnungsspiel des Turniers präsentierte sich der Engländer hochkonzentriert, abgeklärt und klinisch effizient. Der
souveräne Sieg gegen Jermaine Wattimena kam ohne große Gesten aus, dafür mit einer klaren Botschaft: Dobey wusste genau, was dieses Format verlangt – und lieferte es.
Statt Emotionen dominierte Kontrolle. Kein ausufernder Jubel, kein Blick zurück, sondern ein Spieler, der den Moment verstand und ihn nutzte. Für Dobey war dieser Auftakt mehr als nur ein Sieg – er war ein wichtiges Signal an sich selbst und an die Konkurrenz.
Früher Fokus im tückischen Satzformat
Dobey kennt die Besonderheiten des Masters-Formats wie kaum ein anderer. Gespielt wird im Best-of-3-Legs-Modus pro Satz – ein System, das kaum Raum für Anlaufphasen lässt. „In diesem Format musst du von Beginn an da sein“,
erklärte er auf der Pressekonferenz. „Du hast keine Zeit, dich hineinzuspielen. Du musst früh dein Gefühl finden und festhalten.“
Genau das gelang ihm eindrucksvoll. Dobey startete scharf, setzte Wattimena früh unter Druck und ließ ihm kaum Möglichkeiten, in die Partie zu finden. „Zum Glück habe ich mein Spiel früh gefunden und bin drangeblieben“, sagte er. „Dann machst du es dir selbst viel einfacher.“
Zusätzliche Bedeutung erhält das Turnier im Vorjahr, da das Masters nun auch für die Weltrangliste zählt. Für Dobey ist das ein klarer Anreiz. „Das ist quasi ‚gratis‘ Rankinggeld“, erklärte er. „Hier kannst du deinem Saisonstart richtig Schwung geben.“
Der Erfolg fühlte sich für ihn zudem wie eine kleine Korrektur an. Gegen Wattimena hatte er in der Vergangenheit oft gut gespielt, aber dennoch verloren. „Ich habe so oft gegen ihn gespielt und häufig den Kürzeren gezogen“, sagte Dobey. „Manchmal spielst du gut und bekommst nicht, was du verdienst. Heute fiel es auf meine Seite.“ Dass Wattimena nicht sein bestes Niveau erreichte, ordnete Dobey nüchtern ein. „Es lag da – und dann musst du zugreifen. Das habe ich getan.“
Abseits der Bühne hat sich für Dobey zuletzt einiges verändert. Der Wechsel zu einem neuen Managementteam brachte ihm spürbar Ruhe. „Ich fühle mich wohl“, sagte er. „Ich kenne diese Leute seit Jahren, also fühlte es sich nicht wie ein Sprung ins kalte Wasser an.“ Diese Gelassenheit überträgt sich auf sein Spiel. „Ich gehe entspannt in ein Turnier. Kein Druck, kein Theater. Ich gehe einfach Dart spielen. So sollte es sein.“
„Wochenlang keine Darts angefasst“
Ob das eine gefährliche Version von
Chris Dobey sei? Er lächelte. „Warum nicht?“ Seine Pläne sind klar: mehr Training, mehr Stunden. „Ich bin gerade umgezogen, aber sobald mein Dartsraum fertig ist und das Board hängt, lege ich voll los.“ Nach seinem WM-Aus habe er bewusst Abstand gebraucht. „Ich habe wochenlang keine Darts angefasst. Das musste sein.“ Spielpraxis sammelte er vor allem über Exhibitions. „Auf der Bühne gegen Topnamen zu spielen, ist auch Training. Du stehst unter Druck, musst liefern – das nehme ich mit.“
Jetzt will Dobey wieder voll angreifen. „Ich will zurück auf das Niveau, das ich hatte. Dazu gehört harte Arbeit.“
Das Masters hat für ihn ohnehin einen besonderen Stellenwert. „Dieses Turnier hat alles verändert“, erinnerte sich Dobey. „Ich habe hier gewonnen, bin in die
Premier League Darts gekommen – und ab da ging mein Niveau nach oben.“ Dass das Turnier nun auch Ranglistenpunkte bringt, steigert den Reiz zusätzlich. „Wenn ich hier weit komme, ist das großartig. Und wenn ich einen Rankingtitel holen kann, umso besser.“
Dennoch bleibt Dobey fokussiert. „Ich habe eine knifflige Auslosung, aber ich schaue nur auf das nächste Match. Alles andere bringt nichts.“
Die
Premier League Darts bleibt ein Ziel, aber Dobey bleibt realistisch. „Du musst im Fernsehen liefern“, sagte er offen. „Und das habe ich letztes Jahr nicht getan.“ Auf dem Floor habe er gute Ergebnisse erzielt, doch bei den Majors fehlte die Konstanz. „Darum geht es am Ende.“
Für 2026 sieht er dennoch Chancen. „Ich spiele dieses Jahr alles. Keine
Premier League Darts bedeutet, dass ich mich voll auf die Tour konzentrieren kann. Das habe ich schon einmal gemacht – und bin stärker zurückgekommen.“
Auch spielerisch nahm er viel Positives mit. Die Triple-19 diente ihm mehrfach als Ausweg. „Ich nutze einfach das Board“, erklärte er. „Wenn die Darts nicht richtig stecken, switche ich. Heute hat das perfekt funktioniert.“ Selbst ein fehlgeschlagener Versuch, einen 9-Darter zu spielen, sorgte eher für Motivation als Frust. „Das Publikum ging mit, man spürt diese Energie. Das ist schön.“
Dobey bleibt bei seinen Zielen bewusst bodenständig. „Ich will besser sein als letztes Jahr. Ich will bei den Majors mit den Besten mithalten“, sagte er. „Wenn ich meine Floor-Form mit starken TV-Auftritten verbinde, bin ich zufrieden.“ Das Masters könnte dafür der ideale Startpunkt sein. „Ein guter Auftakt hier kann viel auslösen“, sagte er. „Und ich habe das Gefühl, dass dieses Jahr etwas drin ist.“