Nach einem Tag, an dem er seine Gegner scheinbar mühelos im Griff hatte, stand
Ryan Searle erneut im Rampenlicht. Der 38-jährige Engländer holte seinen ersten Titel des Jahres auf der PDC Pro Tour und setzte damit eine beeindruckende Serie fort: Bereits im siebten Jahr in Folge gewinnt er mindestens ein Turnier auf diesem Niveau. Besonders bemerkenswert ist die nonchalante Art, mit der Searle selbst seine Vorbereitung beschreibt.
Ein auffälliges Geständnis
Searle besiegte im Finale des siebten
Players Championship des Jahres Alan Soutar mit 8:3. „Es ist wahrscheinlich keine gute Sache“, gab Searle direkt danach ehrlich zu. „Ich habe in letzter Zeit buchstäblich nur zehn Minuten pro Tag trainiert. Wenn man dann hierherkommt und gewinnt, ist das vielleicht sogar nicht gut, denn es motiviert mich nicht wirklich, mehr zu trainieren.“
Diese Aussage scheint im Widerspruch zur Realität des Spitzensports zu stehen, in dem Disziplin und stundenlanges Training oft als Schlüssel zum Erfolg gelten. Dennoch bewies Searle mit seinem Auftritt, dass pure Klasse und Matchpraxis manchmal mindestens genauso wichtig sein können.
Konstante Leistungen trotz Zweifel
Auffällig war vor allem die Konstanz in Searles Spiel. Von der ersten Partie bis ins Finale agierte er solide und kontrolliert. Bemerkenswerterweise erzielte er seinen besten Tagesaverage – statistisch gesehen – in seinem Match gegen Raymond van Barneveld, obwohl sich dieses Duell für ihn gefühlt am wenigsten rund anfühlte. „Das war ein bisschen seltsam“,
gab er zu. „Es fühlte sich nicht gut an, aber die Zahlen waren tatsächlich meine besten des Tages.“
Im Finale traf er auf Alan Soutar, der niveauvoll dagegenhielt. Soutar spielte solide und hätte die Partie spannender gestalten können, hätte er in den entscheidenden Momenten seine Chancen auf die Doppel genutzt. „Wenn er die getroffen hätte, wäre es deutlich knapper geworden“, erkannte Searle sportlich an.
Sieben Jahre in Serie erfolgreich
Mit diesem Titel schreibt Searle erneut eigene Geschichte. Sieben Jahre in Folge ein Turnier der PDC Pro Tour zu gewinnen, zeugt von Konstanz auf hohem Niveau. Und obwohl er selbst gelassen mit seinem Erfolg umgeht, ist ihm sehr wohl bewusst, dass dies etwas Besonderes ist.
„Ja, natürlich bin ich stolz darauf“, sagte er. „Wir haben erst März, und meistens ist dies meine Phase. Februar und März laufen oft gut für mich. Hoffentlich kann ich in diesem Jahr noch ein oder zwei weitere holen und so wieder einen Schritt nach vorn machen.“
Diese nüchterne Haltung ist typisch für Searle. Während andere Spieler ihre Leistungen ausführlich analysieren oder große Ziele formulieren, bleibt er auffallend entspannt. Hinter dieser Gelassenheit verbirgt sich jedoch ein Spieler, der sich zunehmend in der Weltspitze des Darts festsetzt.
Einfluss jüngster Erfolge
In den vergangenen Jahren erlebte Searle mehrere Höhepunkte, darunter einen Finaleinzug bei den
Players Championship Finals und ein Halbfinale bei der Weltmeisterschaft. Vor allem Letzteres gilt als wichtiger Meilenstein.
Obwohl solche Leistungen oft neue Motivation entfachen, räumt Searle ein, dass es bei ihm anders ist. „Ich weiß es nicht so recht“, sagt er ehrlich. „Ich habe etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen, mehr Interviews. Das ist schön, denn so kann ich auf die Curateur Foundation aufmerksam machen, für das Sehvermögen meiner Tochter. Das ist mir wirklich wichtig.“
Sportlich verspürt er jedoch weniger Dringlichkeit. „Was die Motivation angeht, habe ich seit der WM nicht viel zusätzlich bekommen“, fährt er fort. „Und wie gesagt: Ich habe eigentlich kaum trainiert.“
Ryan Searle gewann das siebte Players Championship Turnier der Saison
Unkonventionelle Vorbereitung
Dennoch zeigte sich, dass Matchpraxis außerhalb der offiziellen Turniere ihm gutgetan hat. Kurz vor diesem Pro-Tour-Event bestritt Searle einige Showmatches, unter anderem gegen Gary Anderson und gemeinsam mit Ross Smith. „Am Freitagabend habe ich ziemlich viele Darts geworfen“, erzählt er. „Und am Samstag noch eine Exhibition in Jersey. Das war eigentlich das perfekte Warm-up für heute.“
Auffällig ist, dass er seine Entspannung lieber abseits des Dartboards sucht. „Zuhause stehe ich nicht wirklich am Board“, lacht er. „Ich spiele lieber Call of Duty. Das ist vielleicht das Problem.“
Trotz seiner entspannten Einstellung hat Searle durchaus Ambitionen. Der nächste Schritt in seiner Karriere liegt seiner Meinung nach auf der PDC European Tour. „Das nächste Ziel ist, ein European Tour Turnier zu gewinnen“, stellt er klar. „Einfach um zu beweisen, dass ich auch auf dieser großen Bühne einen Titel holen kann.“
Er ist fest entschlossen, in dieser Saison so viele dieser Turniere wie möglich zu spielen. „Ich werde sie alle spielen“, sagt er. „Vielleicht lasse ich hier und da ein Players Championship aus, aber die European Tour werde ich durchziehen.“
Mit einem Augenzwinkern verweist er auf seinen Reisepartner Gary Anderson: „Ich versuche immer, ihn mitzunehmen, aber oft lässt er mich allein reisen.“
Realismus und Einordnung
Der lockere Ton kaschiert nicht, dass Searle die vor ihm liegenden Herausforderungen realistisch einschätzt. Auf der European Tour ist die Konkurrenz brutal, und oft entscheiden Nuancen. Er erinnert sich gut daran, wie er bei einem jüngsten Turnier nach einem entscheidenden Moment ausschied. „Ich habe gut gespielt, aber Danny Noppert warf einen 12-Darter beim Stand von 5:5“, sagt er. „Solche Dinge passieren nun mal.“
Ob Searle seinen Titel direkt fortsetzen kann, ist noch ungewiss. Er ließ nach dem Finale offen, ob er am nächsten Tag erneut antritt. „Wir werden sehen, was der Chef sagt“, scherzte er.