„Ich habe mir die Augen aus dem Kopf geweint“ - Van den Bergh blickt auf ein Jahr zurück, in dem Darts ‚mehr Leiden als Genuss‘ wurde

PDC
Montag, 19 Januar 2026 um 12:45
Dimitri van den Bergh
Dimitri van den Bergh hat in den vergangenen Monaten viel über sich selbst gelernt. Im „Tops & Tales“-Podcast von PDC-Schiedsrichter Huw Ware blickte der frühere World Matchplay-Champion schonungslos auf ein Jahr zurück, das er als eines der schwierigsten seiner Karriere bezeichnet. 2025, sagt der Belgier, habe er sich „kurz verloren“ – sportlich und mental.
Van den Bergh fiel in ein tiefes Formloch und entschied sich, seine Pfeile in den letzten Monaten des Jahres nicht mehr anzurühren. Er wollte den Kopf freibekommen und mit klarem Fokus zur Darts-WM zurückkehren. Doch der Neustart im Alexandra Palace endete enttäuschend. Gegen den Schotten Darren Beveridge kassierte er eine klare 0:3-Niederlage – das bittere Ende eines Jahres voller Zweifel.

„Ich musste weg – es wurde zu viel“

Im Gespräch mit Ware beschreibt Van den Bergh 2025 als „ein Jahr der Kämpfe“. Er habe den Glauben an sich selbst verloren, sagt er offen. „Ich habe immer noch mit mir selbst gekämpft. Aber es gab eine Phase, in der ich gegen mich gearbeitet habe“, erzählt der 29-Jährige. „Irgendwann dachte ich: Ich muss weg. Es wird zu viel.“
Dimitri van den Bergh auf der Bühne
Van den Bergh ist inzwischen auf Platz 25 der Order of Merit abgerutscht und droht in diesem Jahr sogar aus den Top 32 zu fallen.
Die Entscheidung, sich eine Auszeit zu nehmen und ein Turnier frühzeitig zu verlassen, nennt er heute den richtigen Schritt. Er habe wieder hart gearbeitet, aber diesmal mit einem anderen Antrieb. „Ich will es nicht mehr anderen beweisen, sondern mir selbst“, betont er.
In Rosmalen, wo er sich 2025 vom Turnier zurückzog, wurde ihm die Tragweite dieses Moments bewusst. „Ich habe mir die Augen aus dem Kopf geweint“, erinnert er sich. Dennoch übernahm er Verantwortung, ging zu Turnierleiter Keith Dicks und erklärte seinen Rückzug. Die Reaktion der PDC habe ihn tief berührt. „Sie fragten sofort, ob alles in Ordnung sei, ob sie etwas tun könnten. Ich bekam so viel Unterstützung und Respekt. Das hat mir viel bedeutet.“

Emotionen als Stärke

Van den Bergh zeigt Seite um Seite seines wahren Ichs – authentisch, verletzlich und dennoch stark. „Ich habe keine Angst, Emotionen zu zeigen“, sagt er. „Das bin ich. Wer das als Schwäche sieht, liegt falsch. Ich finde, ein Mann zeigt Stärke, wenn er ehrlich mit seinen Gefühlen umgeht.“
Er gesteht, den Spaß am Spiel verloren zu haben. „Darts war mehr Durchhalten als Genießen – und Darts muss Genuss sein.“ Diese Erkenntnis habe ihn wachgerüttelt. Die Leidenschaft, die ihn einst beflügelte, kehrt langsam zurück.
War es das tiefste Tal seiner Karriere? „Ja“, sagt Van den Bergh ohne Zögern. „Der Tiefpunkt war, wirklich wegzugehen.“ Doch dieser Rückzug sei kein Aufgeben gewesen, sondern ein Neuanfang. „Ich brauchte Raum und Zeit, um stärker zurückzukommen. Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um zwei nach vorn zu machen.“

Blick nach vorn: „Zurück in die Top 16“

Seit seinem Comeback spürt Van den Bergh wieder Auftrieb. Er lebt bewusster, ernährt sich gesünder und achtet stärker auf seinen Körper. Auch in seinem Umfeld werde diese Veränderung wahrgenommen. „Wenn andere sagen, sie sehen einen Unterschied, gibt mir das Sicherheit.“
Doch um wirklich wieder an sich zu glauben, brauche er einen greifbaren Moment. „Ein gutes Match, ein großer Sieg – das würde mir zeigen, dass sich die harte Arbeit gelohnt hat“, sagt er. Der Belgier gibt sich geduldig, aber entschlossen: „Es wird kommen. Ich weiß nicht wann, aber es wird passieren.“
Sein Ziel hat er klar vor Augen. Zuerst will er zurück in die Top 16 der Welt. Langfristig träumt er von Major-Titeln und dem WM-Titel. Und bei allem sportlichen Ehrgeiz bleibt er sich selbst treu: „Ich will weiter das tun, was ich liebe – und dabei Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern.“
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