Kevin Painter gehörte über viele Jahre zu den prägenden Gesichtern des internationalen Dartsports. Mit seiner markanten Ausstrahlung, seinem kompromisslosen Auftreten und seinen unverwechselbaren Routinen zählte „The Artist“ zu jener Generation, die den Grundstein für den weltweiten Boom des Sports legte. Heute blickt der Engländer auf nahezu drei Jahrzehnte im Profidarts zurück.
Im Gespräch mit
Bang on Target ließ der 58-Jährige seine Karriere Revue passieren, sprach über seinen größten Triumph, die prägende Rolle von
Phil Taylor, seinen Kampf gegen Dartitis und erklärte außerdem, welchem Spieler er den nächsten großen Durchbruch auf der PDC Tour zutraut.
„Ohne Phil Taylor hätte ich wahrscheinlich noch viel mehr gewonnen“
Kevin Painters Karriere führte ihn zunächst über die BDO, ehe er im Jahr 2000 zur PDC wechselte. Zu seinen größten Erfolgen zählen zahlreiche Open-Titel sowie der Triumph bei den Players Championship Finals 2011 – bis heute sein einziger TV-Titel auf der PDC Tour. Unvergessen bleibt außerdem sein legendäres WM-Finale gegen Phil Taylor, in dem er den 16-maligen Weltmeister bis in den entscheidenden Satz zwang.
Kevin Painter blickt auf fast 30 Jahre im Profidarts zurück und spricht offen über Phil Taylor, Dartitis und die Entwicklung des modernen Dartsports.
Wenn Painter heute auf seine Laufbahn zurückblickt, überwiegt vor allem der Stolz.
„Wenn ich auf meine Karriere zurückschaue, würde ich sagen, dass sie ziemlich erfolgreich war. Ich wurde 1995 Profispieler, spielte bei der BDO und gewann mehrere Open-Turniere, bevor ich im Jahr 2000 zur PDC wechselte.“
Besonders viel bedeutet ihm rückblickend sein TV-Major aus dem Jahr 2011. Schließlich fiel dieser Erfolg in eine Zeit, in der Phil Taylor den Dartsport nahezu nach Belieben dominierte.
„Ich denke, es wäre ein bisschen ungerecht gewesen, wenn ich nie ein TV-Major gewonnen hätte, daher bin ich froh, dass es am Ende geklappt hat. Es gibt viele großartige Spieler, denen das nie vergönnt war. Ich war jahrelang ganz nah an der absoluten Spitze und ich bin sicher, dass ich deutlich mehr gewonnen hätte, wenn ein gewisser Herr Taylor nicht gewesen wäre. Aber das können sehr viele Spieler sagen.“
Mit dieser Einschätzung dürfte Painter vielen Weggefährten aus seiner Generation aus der Seele sprechen. Über Jahre hinweg war Taylor für zahlreiche Weltklassespieler die letzte und oft unüberwindbare Hürde auf dem Weg zu den größten Titeln.
Ein Ritual, das zum Markenzeichen wurde
Während seiner langen Karriere spielte Painter gegen mehrere Spielergenerationen und knüpfte zahlreiche Freundschaften. Einen einzelnen Weggefährten möchte er dabei allerdings nicht hervorheben.
„Ich hatte viele Freunde auf der Tour. Es wäre nicht fair, jemanden herauszupicken.“
Untrennbar mit seinem Namen verbunden bleibt dagegen eine besondere Routine: Vor nahezu jedem Wurf leckte sich Painter die Finger – ein Ritual, das für viele Fans längst zu seinem Markenzeichen geworden war.
Für den Engländer steckt dahinter allerdings keine große Geschichte.
„Haha, viele Spieler lecken sich vor dem Wurf die Finger. Gerwyn Price, Andy Hamilton und viele andere machen das auch. Zunächst tust du es für zusätzlichen Grip. Danach wird es einfach zu einer natürlichen Gewohnheit.“
So hat sich der Dartsport verändert
Kaum ein Spieler hat die Entwicklung des modernen Dartsports so intensiv miterlebt wie Painter. Von vergleichsweise kleinen Hallen und überschaubaren Preisgeldern bis hin zu ausverkauften Arenen und einem Millionenpublikum war der Engländer über Jahrzehnte Teil dieser Entwicklung.
Vor allem die zunehmende Professionalisierung sticht für ihn hervor.
„Heute steckt viel mehr Geld im Sport, die Verhaltensregeln sind strenger und es sind deutlich mehr junge Spieler aktiv.“
Gerade der Nachwuchs habe heute völlig andere Möglichkeiten als zu Beginn seiner eigenen Laufbahn.
„Als ich um 1984 anfing, gab es kaum junge Spieler. Es gab keine Akademien oder dergleichen. Darts wird jetzt viel ernster genommen. Spieler versuchen, fitter und gesünder zu bleiben … auch wenn das nicht für alle gilt!“
Mit dem Wachstum des Sports seien allerdings auch neue Diskussionen entstanden. Ein Beispiel ist die Preisgeldverteilung bei den Players Championships, bei denen Erstrundenverlierer weiterhin leer ausgehen.
„Das ist eine knifflige Frage. Wir kennen alle Barry Hearns Meinung: Verlierer sollte man nicht bezahlen. Vielleicht wären ein paar Hundert Pfund für die Unkosten nicht verkehrt.“
Premier League und Dartitis: Painter spricht Klartext
Grundsätzlich zeigt sich Painter mit der Entwicklung der PDC zufrieden. Ein Thema sorgt seiner Meinung nach allerdings Jahr für Jahr für Diskussionen: das Format der Premier League Darts.
„Ich denke, es läuft alles ziemlich gut, oder? Man sollte nicht versuchen, etwas zu reparieren, das nicht kaputt ist, wie es so schön heißt.“
Verbesserungspotenzial sieht er höchstens bei der Premier League.
„Wenn es etwas gibt, dann vielleicht das Format der Premier League, über das immer diskutiert wird. Immer dieselben Spieler zu sehen, kann die Leute ermüden, aber dafür gibt es keine einfache Lösung.“
In den vergangenen Jahren musste Painter selbst jedoch eine weitaus größere Herausforderung bewältigen. Der Major-Sieger leidet seit mehr als zwei Jahren an Dartitis – einer Störung, die das Loslassen des Pfeils erheblich erschwert und bereits zahlreiche Karrieren beeinflusst hat.
„Ich leide nun seit über zwei Jahren an Dartitis. Es ist enorm frustrierend. Es ist längst nicht mehr so schlimm wie am Anfang, aber es beeinflusst meine Leistungen immer noch erheblich.“
Ans Aufgeben denkt Painter deshalb jedoch nicht.
„Ich lasse mich davon nicht besiegen. Das liegt nicht in meiner DNA!“
Seine Ratschläge für andere Betroffene
Weil er die Auswirkungen von Dartitis aus eigener Erfahrung kennt, möchte Painter anderen Spielern Mut machen.
„Es ist leicht zu sagen, dass man einfach weitermachen soll, aber wenn man es hat, ist es nicht so einfach. Die Frustration ist manchmal unerträglich.“
Hilfe fand der Engländer schließlich bei einem Therapeuten.
„Ich bin zu einem Therapeuten gegangen, Chris O'Connor von Eccleston Park Therapy, und er hat mir enorm geholfen. Viele Leute raten zu verschiedenen Dingen. Mein bester Rat ist, Chris zu besuchen und Dinge auszuprobieren. Vielleicht funktioniert etwas.“
Eine Patentlösung gebe es seiner Erfahrung nach allerdings nicht. Entscheidend sei vielmehr, sich Unterstützung zu suchen und nicht aufzugeben.
Wessel Nijman beeindruckt den Ex-Major-Sieger
Auch wenn Painter inzwischen nicht mehr auf der PDC Tour aktiv ist, verfolgt er das Geschehen weiterhin aufmerksam. Auf die Frage, welchem Spieler er den nächsten Major-Titel zutraut, antwortet er ohne eine Sekunde zu überlegen.
„Wessel Nijman.“
Mehr Erklärung braucht der Engländer nicht. Für ihn besitzt der Niederländer alles, was es braucht, um künftig zu den ganz Großen des Sports zu gehören.
Auch zu weiteren aktuellen Themen im Dartsport bezieht Painter klar Stellung. So spricht er sich dafür aus, dass Challenge-Tour-Spieler, die an European-Tour-Qualifikationswochenenden für Players Championships nachrücken, ebenfalls an den Qualifikationsturnieren für die European Tour teilnehmen dürfen.
„Ja, ich sehe nicht, warum nicht.“
Darüber hinaus würde sich Painter wünschen, dass die European Tour künftig noch stärker wächst.
„Ein Turnier in Wales, Schottland und Irland wäre fair.“
Fast drei Jahrzehnte nach seinem Einstieg in den Profidarts bleibt Kevin Painter eine Persönlichkeit mit klaren Ansichten. Einer, der große Erfolge gefeiert, bittere Niederlagen verarbeitet und selbst schwere Rückschläge wie Dartitis nicht akzeptiert hat. Oder, wie er es selbst formuliert: Aufgeben liegt schlicht nicht in seiner DNA.