„Ich hätte wirklich nie gedacht, dass ich das je sagen würde“ – Paul Nicholson stuft World Matchplay-Titel von Luke Littler höher ein als die von Phil Taylor

PDC
Sonntag, 02 August 2026 um 7:00
Luke Littler (1)
Luke Littler hat nach Ansicht des Darts-Experten Paul Nicholson beim World Matchplay 2026 die beste Major-Kampagne der Geschichte hingelegt. Obwohl Phil Taylor statistisch noch immer den höchsten Turnierschnitt innehat, ist Nicholson überzeugt, dass Littlers Leistung in Blackpool am Ende höher einzuschätzen ist.
Littler verteidigte in der vergangenen Woche seinen Titel beim World Matchplay mit einem beispiellosen Niveau über das gesamte Turnier. Sein Schnitt von 111,05 über fünf Spiele liegt nur minimal unter dem legendären Turnieraverage von Phil Taylor bei der European Darts Championship 2009 (111,54), doch laut Nicholson erzählen die Zahlen nicht die ganze Geschichte. „Wenn mir jemals jemand gesagt hätte, ich würde eine Major-Leistung sehen, die größer ist als Phil Taylors EM 2009, hätte ich ihn ausgelacht“, schreibt Nicholson. „Ich glaubte schlicht nicht, dass das möglich ist.“

Mehr als nur Statistiken

Gerade weil Taylor damals nahezu unantastbar war, betrachtete Nicholson dessen Auftritt jahrelang als absoluten Maßstab. Inzwischen hat er jedoch seine Meinung geändert. „Statistisch liegt Taylor mit einem Durchschnitt von 111,54 knapp vor Littler“, erläutert Nicholson bei Sportinglife. „Aber Darts wird nicht auf einer Tabelle gespielt. Berücksichtigt man die Matchlänge, die Qualität der Gegner, die Konstanz und die enorme Zahl brillanter Momente über eine ganze Woche, ist Littlers World-Matchplay-Kampagne die beste Turnierleistung, die ich je gesehen habe.“
Zudem sei es laut Nicholson wichtig, den Kontext beider Leistungen einzubeziehen. Die EM 2009 bestand größtenteils aus Partien über eine relativ kurze Distanz, während das World Matchplay für seine längeren Formate bekannt ist, die deutlich mehr Ausdauer und Konzentration abverlangen.

Taylor war jahrelang unantastbar

Nicholson erinnert sich noch gut daran, wie Taylor damals das Circuit dominierte. „Taylor lief seinerzeit mit einer Aura der Unbesiegbarkeit herum, genau wie Littler das jetzt tut“, schreibt er. „Jede Niederlage von Taylor war damals eine große Nachricht. Er wählte seine Turniere sorgfältig, fokussierte sich voll auf die Majors und wusste genau, was zu tun war, um alle zu schlagen.“
Bei der EM 2009 lag Taylor zunächst mit 0:2 gegen Toon Greebe zurück, es folgte jedoch eine beeindruckende Serie. Unter anderem schlug er Robert Thornton mit 9:0 und erzielte gegen Gary Anderson einen damaligen Weltrekordschnitt von 118,14. Am Ende schloss er das Turnier mit einem Durchschnitt von 111,54 ab, gewann 47 Legs bei nur 11 verlorenen Legs und warf 37 maximale Scores.
Laut Nicholson bleibt das statistisch eine der beeindruckendsten Leistungen aller Zeiten. „Aber subjektiv – und ich kann kaum glauben, dass ich das schreibe – steht Littlers World Matchplay für mich jetzt auf Platz eins.“

Kaum eine Schwächephase

Im Vorfeld des World Matchplay wurde noch spekuliert, Littler könne in den längeren Partien verwundbar sein. In früheren Jahren startete er schließlich regelmäßig schleppend.
Davon war in Blackpool wenig zu sehen. „Selbst als Niko Springer früh in Führung ging oder Nathan Aspinall hervorragend spielte, hatte man nie das Gefühl, dass Littler wirklich in Schwierigkeiten geraten könnte“, so Nicholson.
Besonders verblüffte ihn die beispiellose Konstanz. „Nach dem Halbfinale gegen Dirk van Duijvenbode betrug Littlers Average für diese Partie 110,88. Im selben Moment lag sein Turnierschnitt ebenfalls bei 110,88. So etwas habe ich wirklich noch nie gesehen.“
Darin liegt für Nicholson der große Unterschied zu Taylor. „Taylor hatte am Ende einen Hauch höheren Turnierschnitt, aber Littler hielt dieses außerirdische Niveau fast doppelt so viele Legs durch. Das macht für mich einen enormen Unterschied.“
Luke Littler präsentiert die Phil Taylor Trophy als Gesamtsieger des World Matchplay 2026
Luke Littler gewann zum zweiten Jahr in Folge das World Matchplay

Die Momente, die den Unterschied machten

Nicht nur die Zahlen beeindrucken Nicholson. Auch die entscheidenden Momente des Turniers bleiben ihm im Gedächtnis. So produzierte Littler einen Neun-Darter und warf eine spektakuläre 167-Finish gegen Gerwyn Price in einer entscheidenden Phase der Partie. „Wayne Mardle witzelte im Kommentar, dass Littler im ganzen Turnier keine Bull-Finish geworfen habe“, schreibt Nicholson. „Wörtlich Sekunden später legte er eines nach. Es wurde fast komisch.“
Zudem war auch seine Scoring-Power außergewöhnlich. Littler brach die Rekordzahl an 180ern beim World Matchplay und produzierte im Schnitt fast 0,7 maximale Scores pro Leg. „Zum Vergleich: Die meisten Topspieler gelten bereits als außergewöhnlich produktiv, wenn sie über einen längeren Zeitraum um die 0,3 maximale Scores pro Leg werfen“, so Nicholson. „Er spielt nicht nur besser als der Rest, er zwingt die gesamte Sportart, das Spiel neu zu betrachten.“

Auch Van Gerwen gehört in die Reihe

Nicholson stellt auch Michael van Gerwens WM-Titel 2017 ausdrücklich in die Diskussion um die größten Major-Leistungen aller Zeiten. Van Gerwen verzeichnete damals einen Turnierschnitt von 106,37 über ganze 158 Legs und produzierte unter anderem einen phänomenalen Average von 114 gegen Raymond van Barneveld.
Dennoch erkennt Nicholson einen klaren Unterschied. „Van Gerwen hatte bei dieser WM unglaubliche Peaks“, schreibt er. „Aber Littler hatte nahezu keine Täler. Jedes Mal, wenn man auf die Anzeigetafel blickte, stand da wieder ein Schnitt um die 110.“
Genau diese konstante Qualität macht laut ihm den Unterschied. „Die Spanne zwischen Littlers bestem und schlechtestem Match war unglaublich klein. Dieses Maß an Konstanz habe ich einfach noch nie zuvor gesehen.“

Ein neuer Maßstab

Obwohl Nicholson betont, dass Taylors EM-Titel von 2009 immer einen ikonischen Platz in der Geschichte behalten wird, hat Littler ihn endgültig umdenken lassen.
Nach dem Finale besprach er die Leistungen mit Co-Analyst Chris Mason. „Ich stellte mir immer wieder dieselbe Frage: ‚Ist das wirklich passiert?‘“ schreibt Nicholson. „Es fühlte sich unmöglich an, aber wir hatten es alle gesehen.“
Seine Schlussfolgerung ist glasklar. „Phil Taylor hat statistisch vielleicht noch immer den höchsten Turnierschnitt, aber wenn mich jemand fragt, welche Major-Kampagne die größte aller Zeiten ist, dann wähle ich Luke Littlers World Matchplay. Ich hätte wirklich nie gedacht, dass ich das jemals sagen würde.“
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading