„Ich habe einfach ein Gefühl“ – Glen Durrant überrascht mit klarer Luke-Littler-Prognose

PDC
durch Nic Gayer
Freitag, 10 Juli 2026 um 8:00
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Dreifacher Lakeside-Weltmeister, Premier-League-Sieger, Sky-Sports-Experte und einer der Vordenker im modernen Darts-Coaching: Glen Durrant hat den Sport in den vergangenen Jahren aus unterschiedlichsten Perspektiven geprägt. Im ausführlichen Gespräch mit Oche180 blickte der Engländer auf die Höhepunkte seiner Karriere zurück, sprach über die Zukunft des Coachings und teilte seine Einschätzungen zur aktuellen Weltspitze – darunter Luke Littler, Luke Humphries, Wessel Nijman und Beau Greaves.
Dabei erinnerte sich Durrant an prägende Momente seiner Laufbahn, erklärte, warum er im Coaching noch enormes Entwicklungspotenzial sieht, und überraschte mit einer klaren Prognose für das World Matchplay.

Der unvergessliche Abend gegen Michael van Gerwen

Obwohl Durrant im Laufe seiner Karriere zahlreiche große Titel gewann, bleibt für viele Fans vor allem sein Zweitrunden-Duell gegen Michael van Gerwen beim World Matchplay 2019 in Blackpool unvergessen. Auch für den Engländer selbst zählt diese Partie zu den schönsten Erinnerungen seiner Laufbahn.
Glen Durrant jubelt mit seiner Premier League Darts Trophäe.
Am Höhepunkt seiner Karriere konkurrierte Glen Durrant mit Größen wie Michael van Gerwen – und gewann 2020 sogar die Premier League Darts.
„Die Vorbereitung lief alles andere als ideal“, erzählt Durrant mit einem Lachen. „Ich gab Interviews am Strand, wo ständig Lärm war. Außerdem holte ich mir einen gigantischen Sonnenbrand. Mein Gesicht war feuerrot, während mein Nacken schneeweiß blieb.“
Gerade diese ungewöhnliche Ausgangslage half ihm letztlich dabei, völlig befreit in die Begegnung zu gehen. „An diesem Abend machte ich mir nicht einmal Gedanken über Michael van Gerwen. Ich war vor allem damit beschäftigt, wie lächerlich ich aussah.“
Zusätzliche Brisanz erhielt das Duell dadurch, dass der amtierende BDO-Weltmeister auf den amtierenden PDC-Weltmeister traf. Für Durrant gehört das Match bis heute zu den absoluten Höhepunkten seiner Karriere. „Ich habe einmal gesagt, dass mein Halbfinale gegen Martin Adams im Lakeside das beste Match war, das ich je gespielt habe, obwohl ich verloren habe. Aber jener Abend gegen Michael van Gerwen wird für immer mit vielleicht der schönsten Phase meiner Karriere verbunden bleiben.“

2019: Das beste Jahr seiner Karriere

2019 wagte Durrant den Wechsel zur PDC – und das, obwohl er parallel noch einer Vollzeitbeschäftigung nachging. Sein Arbeitgeber ermöglichte ihm ein zweijähriges Sabbatical, damit er seinen Traum verwirklichen konnte. Eine Entscheidung, die sich schnell auszahlen sollte.
Schon nach wenigen Wochen feierte Durrant seine ersten Erfolge auf der Pro Tour. Er gewann unmittelbar ein Players-Championship-Turnier und erreichte ein weiteres Finale, in dem sich schließlich Dave Chisnall als zu stark erwies.
Zwar krönte Durrant seine Karriere ein Jahr später mit dem Gewinn der Premier League Darts, dennoch blickt er noch lieber auf das Jahr 2019 zurück. „Wenn ich eine Saison noch einmal erleben dürfte, dann wäre das ohne Zweifel 2019. Natürlich war der Gewinn der Premier League großartig, und auch meine WM-Titel im Lakeside bleiben besonders. Aber 2019 war mit Abstand das beste Jahr, das ich je hatte. Ich hätte mir nur gewünscht, dieses Niveau länger halten zu können.“

Coaching steckt im Darts noch in den Kinderschuhen

Nach dem Ende seiner aktiven Karriere widmet sich Durrant zunehmend dem Coaching. Gleichzeitig ist er überzeugt, dass der Dartsport in diesem Bereich noch erhebliches Entwicklungspotenzial besitzt. Aus seiner Sicht arbeitet derzeit kaum ein Spieler aus der absoluten Weltspitze dauerhaft mit einem professionellen Coach zusammen – anders als etwa im Golf oder Tennis.
„Im Moment sehe ich eigentlich keinen einzigen Topspieler, der wirklich strukturell von einem Coach begleitet wird, wie es in Golf oder Tennis ganz normal ist.“
Seine größte Leidenschaft gilt inzwischen dem Breitensport. „Die meiste Erfüllung bekomme ich, wenn jemand zum ersten Mal einen Dart aufnimmt. Menschen, die durch Luke Littler inspiriert wurden, mit dem Darten anzufangen, und in mein Büro kommen, weil sie den Sport lernen wollen. Daraus ziehe ich enorm viel Energie.“
Durrant war maßgeblich an der Entwicklung eines umfangreichen Coaching-Programms beteiligt, über das inzwischen mehr als 175 zertifizierte Darts-Coaches ausgebildet wurden. Viele von ihnen arbeiten heute an Dartschulen, in der Nachwuchsförderung oder mit Angehörigen der britischen Armee, der Royal Air Force und der Marine. „Wenn ich eines Tages irgendwo ein Vermächtnis innerhalb der PDC hinterlasse, hoffe ich, dass es im Bereich Coaching ist.“
Nach Ansicht des Engländers unterschätzen viele Hobbyspieler, wie viele Faktoren zu einer sauberen Wurftechnik gehören. Deshalb setzt er bei seinen Clinics bewusst auf kompakte, rund zweistündige Intensivkurse statt auf langfristige Begleitung.
„In diesen Sessions behandle ich alle Grundprinzipien: Balance, Haltung, Stand, Armposition, Follow-through, Vorbereitung, mentale Aspekte, Matchrhythmus und Routinen. Danach setzen wir das mit praktischen Übungen um.“
Gerade diese Verbindung aus technischer Ausbildung und mentaler Betreuung macht für Durrant den entscheidenden Unterschied aus.

Warum Durrant nicht an einen World-Matchplay-Triumph von Luke Littler glaubt

Im weiteren Verlauf des Gesprächs richtet sich der Blick auf die aktuelle Weltspitze. Natürlich spielt dabei auch Luke Littler eine zentrale Rolle. Trotz seiner beeindruckenden Leistungen glaubt Durrant allerdings nicht, dass der Teenager in diesem Jahr die World Matchplay gewinnen wird.
„Ich habe dafür keine Statistiken und auch keine harte Begründung. Es ist rein ein Gefühl.“
Normalerweise zählt Littler für Durrant bei jedem Turnier automatisch zum Favoritenkreis. Für das Turnier in Blackpool empfindet er die Ausgangslage jedoch anders.
Sollte Littler tatsächlich früh ausscheiden, interessiert Durrant vor allem, wie der Youngster anschließend sein dichtes Turnierprogramm mit den anstehenden Players-Championship-Events gestalten wird.
Als größten Herausforderer sieht Durrant Weltmeister Luke Humphries. Dieser habe in einer schwierigen Phase der Saison begonnen, zu intensiv an seinem Wurf zu arbeiten und dadurch seinen natürlichen Rhythmus verloren.
„Als er begann, an seinem Wurf zu feilen, machte ich mir Sorgen. Humphries lebt komplett vom Rhythmus. Sobald man daran dreht, kann es gefährlich werden.“
Mittlerweile erkennt Durrant jedoch wieder den Humphries, der die Weltspitze dominiert. „Sein Rhythmus ist zurück und dadurch wirkt er wieder wie der Spieler, den alle kennen.“

Wessel Nijman: Der nächste niederländische Topstar?

Auch Wessel Nijman gehört für Durrant zu den spannendsten Spielern der aktuellen Generation. Der Niederländer zählt auf der Pro Tour in dieser Saison zu den konstantesten Akteuren, wartet auf der großen TV-Bühne aber noch auf den endgültigen Durchbruch. Für Durrant ist das lediglich eine Frage der Zeit.
„Er hat einen unglaublich einfachen und effizienten Wurf. Da ist kaum überflüssige Bewegung drin und dennoch erzeugt er enorm viel Kraft.“
Den entscheidenden Unterschied zwischen Floor-Turnieren und TV-Events sieht Durrant vor allem in der Atmosphäre. „Auf dem Floor spielst du in ruhiger Umgebung. Sobald Hunderte oder Tausende Menschen auf den Rängen sitzen, kommen die Nerven dazu. Vor allem diese ersten paar Legs sind entscheidend.“
Sobald Nijman diese Hürde überwunden habe, traue er ihm nahezu alles zu. „Sobald er auch im Fernsehen Erfolg hat, steht ihm die Welt offen.“

Der Luke-Littler-Effekt verändert den Dartsport

Für Durrant ist die aktuelle Dominanz von Luke Littler ein großer Gewinn für den Dartsport. Er vergleicht den Einfluss des jungen Engländers mit den Epochen von Phil Taylor und Michael van Gerwen, die den Sport über Jahre geprägt haben.
„Wir brauchten jemanden, der dem Sport erneut einen gewaltigen Schub verleiht.“
Diesen Boom erlebt Durrant auch in seinen Dartschulen hautnah. „Immer mehr Leute melden sich an den Akademien an. Das ist schlicht der Luke-Littler-Effekt.“
Nach seiner Einschätzung war Darts weltweit noch nie so populär wie heute.
Zum Abschluss fand Durrant besonders lobende Worte für Beau Greaves. Ohne zu zögern bezeichnete er sie als die beste Dartspielerin, die er jemals gesehen habe. Vor allem ihr Players-Championship-Triumph, bei dem sie im Finale den ehemaligen Weltmeister Michael Smith unter anderem mit einem spektakulären 142er-Finish bezwang, habe ihn nachhaltig beeindruckt.
„Ich kommentierte dieses Match und mir war sofort klar, wie besonders dieser Moment war.“
Dennoch ist Durrant überzeugt, dass Greaves ihr eigenes Potenzial noch längst nicht vollständig erkannt hat. „Sie bleibt völlig sie selbst. Das ist vielleicht sogar ihre größte Stärke.“
Den Gewinn eines großen TV-Turniers hält er zwar weiterhin für eine enorme Herausforderung, ausschließen möchte er ihn aber keineswegs. „Sie hat gezeigt, dass sie auf höchstem Niveau gewinnen kann. Wenn sie diesen Glauben vollständig entwickelt, kann noch sehr viel Schönes folgen. Für den Dartsport wäre das fantastisch.“
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