„Ich habe falsche Entscheidungen getroffen“ – Rhys Griffin vor emotionalem Debüt auf der European Tour
PDC
Für Rhys Griffin geht an diesem Wochenende ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Bei den European Darts Open in Leverkusen feiert der Waliser endlich sein Debüt auf der European Tour. Nach Jahren voller Rückschläge, verpasster Chancen, dem Verlust seiner PDC Tour Card und der erfolgreichen Rückkehr über die Q-School fühlt sich der 29-Jährige bereit für eine der größten Bühnen des Dartsports.
„Ich habe lange darauf warten müssen“, sagt Griffin gegenüber dem Weekly Dartscast. „Aber ehrlich gesagt verspüre ich vor allem große Vorfreude. Ich bin nicht nervös. Niemand erwartet etwas von mir, also kann ich befreit aufspielen.“
Von Amsterdam bis in den Alexandra Palace
Seine ersten Erfahrungen auf einer großen Bühne sammelte Griffin bereits vor einigen Jahren bei der World Series of Darts in Amsterdam. Zwar musste er sich damals Jeff Smith geschlagen geben, dennoch nahm er wertvolle Erkenntnisse aus diesem Auftritt mit.

Rhys Griffin feiert bei den European Darts Open in Leverkusen sein Debüt auf der European Tour – nach einer langen Reise voller Rückschläge und Comebacks.
„Es war komplett anders, als ich es gewohnt war. Plötzlich musste ich viele Interviews geben und bei Aufnahmen mitmachen. Im Nachhinein wurde mir klar, dass ich viel früher in die Halle hätte gehen sollen, um genug Zeit für meine Vorbereitung zu haben.“
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Von diesen Erfahrungen profitierte Griffin später, als er sich über den Last Chance Qualifier doch noch für die PDC Darts WM im Alexandra Palace qualifizierte. Bemerkenswert war dabei, dass er sich zuvor keineswegs in Bestform befand.
„Seit Amsterdam spielte ich eigentlich gar nicht gut. Aber am Morgen des Qualifikationsturniers wachte ich mit einem sehr guten Gefühl auf. Manchmal hat man diese Tage, an denen alles passt. Ich gewann ein paar harte Partien unter Druck, und genau das gab mir Vertrauen.“
Im Finale setzte sich Griffin gegen Adam Hunt durch und löste damit das Ticket für das größte Dartturnier der Welt.
Emotionen beim WM-Debüt
Seinen ersten Auftritt im Alexandra Palace wird Griffin nie vergessen. Mit einem souveränen 3:0-Erfolg gegen Karel Sedláček zog er in die zweite Runde ein, doch schon die Anreise sorgte für reichlich Nervosität.
„Den ganzen Tag über war ich ziemlich nervös. Als wir mit dem Taxi ankamen und ich den Alexandra Palace sah, wurde mir erst richtig bewusst, was passieren würde.“
Kurz vor seinem Walk-on hätte der große Moment beinahe eine unfreiwillig komische Wendung genommen. „Irgendwo muss es davon ein Video geben“, erzählt Griffin lachend. „Ich wäre beinahe gestürzt, bevor meine Einlaufmusik begann. In diesem Moment schießt dir das Adrenalin durch den Körper und du merkst plötzlich: Das ist echt.“
Sobald die Partie begann, legte sich die Anspannung jedoch schnell. „Nach dem ersten gewonnenen Leg fühlte ich mich wieder völlig wohl.“
Mit zahlreichen 180ern begeisterte Griffin die Zuschauer und erhielt viel Anerkennung für seinen Auftritt. In der zweiten Runde war schließlich der spätere Topspieler Josh Rock eine Nummer zu groß.
Schwierige Entscheidungen abseits des Oches
Obwohl Griffin in seinem ersten Jahr als Tour-Card-Inhaber regelmäßig in Qualifikationsturnieren überzeugte, gelang es ihm nicht, diese Leistungen konstant bei den Players Championships abzurufen. Gleichzeitig brachte das Privatleben zusätzliche Herausforderungen mit sich.
„Ich habe in dem Jahr geheiratet und hatte unheimlich viel im Kopf. Im Nachhinein habe ich auch falsche Entscheidungen getroffen.“
Eine davon war, seinen Beruf aufzugeben, um sich ausschließlich auf den Dartsport zu konzentrieren.
„Ich dachte, dadurch würde ich mehr Ruhe finden und mich ganz aufs Darten fokussieren können. In der Realität passierte das Gegenteil. Der finanzielle Druck wurde nur größer, und das half mir mental überhaupt nicht.“
Heute bewertet Griffin diese Entscheidung anders. „Ich arbeite inzwischen wieder. Dadurch fühle ich mich finanziell und mental viel stabiler. Im Nachhinein weiß ich genau, was ich anders hätte machen müssen.“
Mit neuem Selbstvertrauen zurück auf die Tour
Gegen Ende des Jahres 2025 zeigte die Formkurve wieder deutlich nach oben. Griffin erreichte unter anderem das Viertelfinale eines Players Championship und besiegte auf dem Weg dorthin Johnny Clayton. Zwar verlor er am Ende dennoch seine Tour Card, doch die gezeigten Leistungen stärkten sein Selbstvertrauen für die anstehende Q-School.
Dieses Vertrauen zahlte sich aus. Anders als im Vorjahr, als er bis zum Schluss um seine Zukunft bangen musste, sicherte sich Griffin diesmal bereits am ersten Tag der Final Stage seine neue Tour Card.
„Ich hatte noch nie so viel Vorbereitung betrieben. Alles fühlte sich gut an. Meine Gesundheit war in Ordnung, und mental war ich in großartiger Verfassung.“
Schon im Vorfeld hatte er seiner Frau seine Zuversicht mitgeteilt. „Ich sagte zu ihr, dass ich am Freitag schon wieder zu Hause sein würde. Sie schaute mich überrascht an, aber ich war überzeugt, dass ich es direkt erledigen würde.“
Genau so kam es. Nach Erfolgen gegen Shane McGuirk, Steve Lennon, Harry Ward, Derek Coulson und den ehemaligen BDO-Weltmeister Scott Waites kehrte Griffin überzeugend auf die PDC Tour zurück.
„Ich lag gegen Shane McGuirk 2:5 hinten, aber ich hatte keine Sekunde das Gefühl, dass ich verlieren würde. Da war etwas in mir, das sagte: Heute verliere ich einfach nicht.“
Trotz des Happy Ends bleibt die Q-School für ihn die härteste Prüfung im Kalender. „Ich habe beide Seiten erlebt: stundenlanges Warten, ob man sich qualifiziert hat, und gleich am ersten Tag zu gewinnen. Aber glaubt mir, es bleibt ein furchtbarer Ort. Ich hoffe wirklich, dass ich nie wieder dorthin muss.“
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Endlich das Debüt auf der European Tour
Der bisherige Höhepunkt seiner ersten Saisonhälfte folgte vor wenigen Wochen in der Qualifikation für die European Tour. Nach zahlreichen gescheiterten Anläufen schaffte Griffin endlich den Sprung zu einem Euro-Tour-Event – ausgerechnet an einem Tag, an dem er sich selbst gar nicht in Bestform sah.
„Normalerweise gehe ich mit viel Selbstvertrauen in so eine Qualifikation. Dieses Mal spielte ich eigentlich überhaupt nicht gut. Vielleicht hat das sogar geholfen, weil ich mir über nichts Gedanken gemacht habe.“
Auf dem Weg nach Leverkusen setzte er sich unter anderem gegen den zweifachen Weltmeister Peter Wright sowie Andy Boulton durch. Im entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Jeffrey de Zwaan entwickelte sich ein packender Schlagabtausch.
„Ich dachte mehrfach: Wie bin ich hier eigentlich immer noch drin? Jeffrey scorcte fantastisch, aber zum Glück ließ er viele Doppel liegen.“
Das alles entscheidende Leg entwickelte sich anschließend zu einem echten Nervenspiel, in dem beide Spieler mehrere Matchdarts ungenutzt ließen.
„So nervös war ich selten. Ich hatte schon sechs oder sieben Qualifikationsfinals verloren und eigentlich fast nie einen Matchdart bekommen, um mich tatsächlich zu qualifizieren. Das war die erste echte Chance seit Jahren.“
Als schließlich der entscheidende Dart im Doppel einschlug, brachen alle Emotionen aus Griffin heraus.
„Am Ende gewann ich mit einem 21-Darter, aber ich feierte es, als hätte ich die WM gewonnen.“
Griffin blickt optimistisch in die Zukunft
Auch wenn Griffin mit seinen bisherigen Ergebnissen in dieser Saison noch nicht vollständig zufrieden ist, spürt er, dass sich sein Spiel wieder in die richtige Richtung entwickelt.
„Ich spüre, dass immer mehr Vertrauen zurückkommt. Es gab ein paar harte Auslosungen, aber am Ende musst du ohnehin jeden schlagen können.“
Sein Ziel ist eindeutig: Er möchte sich dauerhaft auf der PDC Tour etablieren und eine Rückkehr zur Q-School künftig vermeiden.
„Ich habe in den vergangenen Jahren viel gelernt. Nicht nur als Dartspieler, sondern auch als Mensch. Jetzt habe ich endlich das Gefühl, dass alles zusammenpasst. Hoffentlich kann ich das den Rest der Saison auch auf der Bühne zeigen.“
Mit seinem Debüt auf der European Tour beginnt für Griffin nun das nächste Kapitel seiner Karriere – mit deutlich mehr Erfahrung, Gelassenheit und Selbstvertrauen als bei seinen bisherigen Anläufen.

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026











