''Den Mann habe ich noch nie beim Frühstück gesehen“ – Vincent van der Voort nennt den besten Darts-Spieler aller Zeiten und verweist auf dessen beispiellose Disziplin

PDC
Dienstag, 18 August 2026 um 14:30
Vincent van der Voort (4)
Für Vincent van der Voort gibt es kaum Zweifel, wer der beste Darts-Spieler aller Zeiten ist. In der Podcast Darts Draait Door spricht der Ex-Profi mit großer Bewunderung über Phil Taylor. Nicht nur wegen der 16 Weltmeistertitel von „The Power“, sondern vor allem wegen der Disziplin und der Opfer, die laut Van der Voort jahrelang hinter seiner beispiellosen Dominanz standen.
„Für mich ist er der Beste aller Zeiten und ein großer Champion“, stellt Van der Voort resolut fest. Nach Ansicht des Niederländers könnte Taylor auch im heutigen Darts ohne Probleme mithalten. „Was er vor zwanzig, 25 Jahren schon gemacht hat, würde heute noch immer zur Spitze gehören. Aber auch, wie er gelebt hat und was er dafür getan hat.“
Gerade Letzteres beeindruckte Van der Voort, der jahrelang gemeinsam mit Taylor auf dem Profi-Circuit unterwegs war. Während andere Spieler nach einem Spieltag Entspannung suchten, konnte Taylor es nicht lassen, noch einmal ans Board zu gehen.
„Was er dafür hat liegen lassen, war außergewöhnlich. Abends gingst du gemütlich eine Runde Karten spielen, in die Badewanne oder dich aufs Zimmer legen. Und er war noch nicht ganz zufrieden und ging noch mal eine halbe Stunde werfen. Um das gute Gefühl zu bekommen.“

„Er musste dafür alles tun und lassen“

Laut Van der Voort war Taylor zudem keiner, bei dem alles von selbst lief. „Es war auch nicht der geschmeidigste Wurf. Er musste dafür alles tun und lassen. Wirklich ein ganz großer Champion.“
Dabei verweist er vor allem auf die mentale Stärke des Engländers. Taylor dominierte das Darts über Jahre, blieb aber trotz seiner riesigen Titelsammlung motiviert, sich zu verbessern.
„Er blieb fokussiert und hungrig“, so Van der Voort. Auch nachdem Taylor schon eine enorme Zahl an Weltmeistertiteln gesammelt hatte, verschwand dieser Antrieb laut ihm kaum.
Erst im letzten Jahr seiner Karriere erkannte Van der Voort eine klare Veränderung. Taylor erreichte bei seiner letzten WM noch das Finale, doch der Niederländer hatte das Gefühl, dass „The Power“ über seinen absoluten Zenit hinaus war.
„Nur im allerletzten Jahr merkte man, dass er auf war. Vielleicht ein Jährchen zu lang. Da fing er an, sich anders zu verhalten. Er benahm sich zwischendurch ein bisschen wie ein Clown.“
Das ändert nichts an seinem Urteil über Taylors gesamte Laufbahn. „Nichts zum Nachteil des Mannes. Wenn man sieht, wie professionell er trainiert hat. Er tat alles dafür. Er sorgte einfach dafür, dass er bereit war.“
Phil Taylor tippt mit den Fingern an seinen Kopf.
Phil Taylor gilt mit unter anderem 16 Weltmeistertiteln als der erfolgreichste Darts-Spieler aller Zeiten

Van der Voort sah Taylor so gut wie nie beim Frühstück

Taylor arbeitete laut Van der Voort zudem mit strikten Routinen. „Bei bestimmten Turnieren wusste er einfach, dass er sich streng an seine Pläne halten musste. Das klingt sehr einfach, ist aber furchtbar schwer. Diese Disziplin zu bewahren.“
Wie Taylor seine Tage genau strukturierte, blieb für seine Kollegen mitunter ein Rätsel. Van der Voort war nach eigener Aussage fünfzehn bis zwanzig Jahre mit ihm auf Tour unterwegs, sah ihn aber so gut wie nie beim Frühstück.
„Den Mann habe ich noch nie beim Frühstück gesehen. Man wusste nie, was er machte. Bei WMs auch. Und dann war er auf einmal wieder da. Es war eigentlich ein einziges großes Mysterium.“

Großer Unterschied zu Luke Littler

Im Podcast wird anschließend der Vergleich mit Luke Littler gezogen, der in jungen Jahren ebenfalls den Sport dominiert. Charakterlich sieht Van der Voort jedoch kaum Parallelen.
„Taylor war in der Practice-Area viel präsenter. Er ließ alle wissen, wie gut er war. Und dass er mehr Geld hatte als der Rest, das wusste ohnehin jeder.“
Littler verhält sich laut Van der Voort hinter den Kulissen dagegen auffallend ruhig. „Littler sitzt ein bisschen entspannt auf seinem Stuhl und wartet, bis er dran ist. Er sagt eigentlich nichts. Wenn du nichts zu ihm sagst, sagt er wirklich überhaupt nichts.“
Außerdem fällt Van der Voort auf, dass Littler weiterhin viel mit seinen Eltern und seiner Freundin unterwegs ist. Darin sieht er für sich kein Problem. Vor allem vom Vater Littlers ist er angetan.
„Sein Vater ist ein Top-Typ. Ich kann mir gut vorstellen, dass man in seiner Nähe sein will. Der Mann hat immer Spaß. Das ganze Wochenende ist ein Fest.“
Van der Voort erinnert sich zudem an ein Turnier in Wieze, bei dem Littler gegen Niels Zonneveld verlor. Der junge Engländer entschied sich nahezu sofort, mit seiner Freundin nach Hause zurückzufliegen.
„Er kam zurück und hatte innerhalb von vielleicht fünf oder sechs Minuten einen Flug mit seiner Freundin nach Hause gebucht. Sein Vater sagte: ‚Ich komme nicht mit.‘“
Littlers Vater setzte sein Wochenende einfach fort. „Der machte das Wochenende einfach zu Ende. Abends sah man ihn wieder herumlaufen, da war er allein. Wirklich ein großartiger Typ.“
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