„Es ist eigentlich nichts passiert, sonst wäre ich jede Woche mit Taylor in der Zeitung gewesen“ – Michael van Gerwen sagt, dass der Vorfall zwischen Littler und Van Veen übertrieben dargestellt wurde

PDC
Freitag, 17 April 2026 um 1:04
Phil Taylor Michael van Gerwen World Darts Gala 2019
Für Michael van Gerwen gehört der Premier-League-Abend in Rotterdam jedes Jahr zu den emotionalen Höhepunkten der Saison. Vor heimischem Publikum in der ausverkauften Ahoy-Arena zu spielen, ist für den dreifachen Weltmeister etwas Besonderes – auch wenn genau das den Druck spürbar erhöht.
Am Donnerstagabend richtet sich der Fokus auf das Viertelfinale des elften Spieltags. Dort trifft der Niederländer auf Jonny Clayton – ein Duell, das sportlich wie emotional hohe Brisanz verspricht. Van Gerwen blickt diesem Abend mit Vorfreude, aber auch mit klarem Realismus entgegen.
„Natürlich freue ich mich darauf“, erklärt er auf der Pressekonferenz. „Aber je mehr man sich auf solche Abende freut, desto schneller sind sie auch wieder vorbei.“

Heimspiel zwischen Rückenwind und Erwartungsdruck

Van Gerwen kennt die besonderen Umstände eines Heimauftritts besser als jeder andere Spieler im Feld. Während er international häufig mit einem kritischen Publikum konfrontiert wird, erlebt er in Rotterdam das genaue Gegenteil: maximale Unterstützung.
Doch genau diese Unterstützung bringt ihre eigenen Herausforderungen mit sich.
„Es gibt immer zusätzlichen Druck“, stellt er klar. „Wir spielen nur wenige große Events im Jahr in den Niederlanden. Wenn die Fans dann kommen, erwarten sie auch etwas von dir.“
Für den Niederländer geht es dabei um mehr als nur sportliche Leistung. Ein Heimspiel bedeutet auch, Erwartungen zu erfüllen – von Fans, Freunden und Familie.
„Man will etwas Besonderes zeigen. Man möchte vor eigenem Publikum überzeugen. Oft sind auch zusätzliche Gäste da, die dich sehen wollen. Das gehört alles dazu.“
Dass mit Gian van Veen ein weiterer Niederländer im Teilnehmerfeld steht, verändert für ihn nichts. „Das hatten wir früher auch schon. Das macht keinen Unterschied.“

Kampf um die Play-offs spitzt sich zu

Mit Blick auf die Tabelle wird die Lage immer intensiver. Die entscheidende Phase der Premier League läuft, und jeder Punkt zählt im Rennen um die Play-offs.
Van Gerwen hat sich zuletzt – vor allem nach einem starken Auftritt in Brighton – eine gute Ausgangsposition erarbeitet. Dennoch zeigt er sich selbstkritisch.
„Es fühlt sich gut an, aber ich hätte es mir einfacher machen können“, sagt er offen. „Wenn ich ehrlich bin, hätten es auch drei, vier oder sogar fünf Punkte mehr sein können.“
Trotzdem bleibt sein Ziel unverändert klar formuliert: „Du musst weiterkämpfen. Jedes Match ist wichtig. Du musst unter die Top Vier kommen – und du musst in die O2.“

Hohe Erwartungen begleiten jede Phase

In den Niederlanden bleibt Van Gerwen eine der größten Figuren des Sports. Seine Erfolge aus der Vergangenheit prägen die Wahrnehmung bis heute – und sorgen dafür, dass jede Niederlage intensiv diskutiert wird.
„Die Leute erwarten viel von mir, weil sie wissen, was ich kann“, erklärt er. „Ich habe die Messlatte selbst sehr hoch gelegt.“
Gleichzeitig deutet er an, dass sich Rahmenbedingungen verändert haben – sowohl sportlich als auch privat. Ohne ins Detail zu gehen, macht er klar, dass nicht alles konstant bleibt.
Was sich jedoch nicht verändert hat, ist seine Leidenschaft für den Sport.
„Ich liebe es immer noch, auf der Bühne zu stehen. Das ist das Einzige, was zählt.“

Wenn Unterstützung zur Belastung wird

Ein enthusiastisches Publikum kann tragen – aber auch belasten. Van Gerwen weiß, wie schmal dieser Grat ist.
„Natürlich kann der Druck manchmal zu groß werden“, sagt er. „Damit umzugehen, ist das Schwierigste.“
Er verweist dabei auch auf andere Spieler, die unter dem Erwartungsdruck ihrer Heimat leiden. Namen wie Martin Schindler oder Max Hopp zeigen, wie herausfordernd diese Situation sein kann.
Für Debütant Gian van Veen hat Van Gerwen deshalb einen klaren Rat: „Er muss es genießen. Das erste Heimspiel ist ein magischer Moment. Den darf man sich nicht kaputt machen.“

Clayton kommt mit breiter Brust

Sportlich wartet mit Jonny Clayton eine der schwierigsten Aufgaben der aktuellen Phase. Der Waliser präsentierte sich in den vergangenen Wochen in starker Form und konnte mehrere Spieltage für sich entscheiden.
Van Gerwen verfolgt diese Entwicklung genau.
„Wenn man sich seine letzten Leistungen anschaut, läuft momentan alles für ihn“, sagt er. „Egal, was passiert – es scheint für ihn zu funktionieren.“
Er spricht dabei auch das nötige Quäntchen Glück an: verpasste Matchdarts der Gegner, knappe Entscheidungen, die zugunsten Claytons ausfallen.
„Er ist aktuell in Topform“, so Van Gerwen. „Aber ich muss dafür sorgen, dass ich ihn hier stoppe.“

Streit zwischen Littler und Van Veen sorgt für Gesprächsstoff

Neben dem Sport rückte auch ein Zwischenfall der vergangenen Wochen in den Fokus. Beim Spiel in Manchester kam es zu Spannungen zwischen Gian van Veen und Luke Littler.
Nach einem vergebenen Matchdart von Van Veen reagierte Littler emotional in Richtung Publikum – eine Szene, die beim Niederländer für Unmut sorgte. Trotz des späteren Sieges blieb ein bitterer Beigeschmack, auch weil Littler nach dem Spiel nur distanziert reagierte.
Van Gerwen selbst hält von der Diskussion wenig.
„Mich interessiert das nicht“, sagt er deutlich. „Ich glaube auch nicht, dass da wirklich etwas ist.“
Für ihn gehört solche Dynamik zum Sport dazu – wird aber oft überinterpretiert.
„Die Leute wollen daraus eine Geschichte machen. Sie versuchen, alles größer darzustellen und Reaktionen zu provozieren. Ich weiß genau, was ihr aus meinem Mund hören wollt, aber ich werde es nicht sagen.“ „Es ist eigentlich nichts passiert. Sonst wäre ich jede Woche mit Phil Taylor in der Zeitung gewesen. Es ist auch Emotion. Solche Dinge passieren.“

Kritik am Premier-League-Format bleibt bestehen

Ein weiteres Thema bleibt das Format der Premier League. Das aktuelle System mit wöchentlichen Mini-Turnieren stößt seit Jahren auf gemischte Reaktionen – auch bei Van Gerwen.
„Das ist nicht mein Lieblingsformat“, stellt er klar. Mehr möchte er dazu nicht sagen.
Seine Haltung ist seit Jahren unverändert: Er akzeptiert die Struktur, konzentriert sich aber auf seine Leistung.
„Ich bin nicht die Organisation. Ich bin hier, um Darts zu spielen und zu gewinnen.“
Eine Erweiterung des Teilnehmerfeldes lehnt er strikt ab. Für ihn lebt die Premier League von ihrer Exklusivität.
„Es muss ein Wettbewerb für die Elite bleiben. Wenn man das Feld vergrößert, verliert es seinen besonderen Charakter.“
Auch Ideen wie eine zweite Liga weist er deutlich zurück: „Dann macht lieber eine zweite Division fürs Radio.“

„Ich schreibe meine eigene Geschichte“

Zum Abschluss der Pressekonferenz wird Van Gerwen noch einmal grundsätzlich. Die Frage, ob er manchmal zu früh abgeschrieben wird, beantwortet er überraschend offen.
„Ich hoffe sogar, dass sie mich unterschätzen“, sagt er.
Für ihn ist genau das ein zusätzlicher Antrieb. Zweifel von außen nutzt er als Motivation.
„Ich muss meine eigene Geschichte schreiben. Und die Antwort gebe ich auf der Bühne.“
Ein Satz, der perfekt zu seiner aktuellen Situation passt: unter Druck, aber voller Überzeugung. Und bereit, genau dann zu liefern, wenn es darauf ankommt.
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