DISKUSSION | Players Championship 9 & 10 - Ist Wessel Nijman bereit für den Top-16-Durchbruch? Beau Greaves und Scott Waites mit herausragenden Auftritten in Wigan?

PDC
Mittwoch, 15 April 2026 um 21:05
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Wigan fühlte sich an wie ein Déjà-vu. Schon wie zuletzt in Leicester verabschiedeten sich die großen Namen früh aus den Turnieren der Players Championship 9 und 10. Stattdessen rückten andere in den Fokus – und am Ende setzten sich mit Chris Dobey und Wessel Nijman zwei Spieler durch, die ihre starke Form auf der ProTour eindrucksvoll bestätigten.
Dobey sicherte sich seinen mittlerweile zehnten Players-Championship-Titel und zeigte einmal mehr, wie konstant er inzwischen auf höchstem Niveau agiert. Dabei traf er im Finale auf Justin Hood, der seinerseits ein Ausrufezeichen setzte. Hood spielte eines der besten Turniere seiner Karriere und knüpfte an die Leistungen seines beeindruckenden Ally-Pally-Laufs an. Dennoch behielt Dobey die Kontrolle. Der Engländer hat sich längst vom „besten Spieler ohne Titel“ zu einem verlässlichen Sieger entwickelt – ein Status, den er Woche für Woche untermauert.
Auch Nijman ließ keinen Zweifel an seiner Klasse. Im Finale dominierte er Scott Waites klar mit 8:2. Waites, der als „Scotty 2 Hotty“ weiterhin für besondere Geschichten sorgt, verpasste damit die seltene Chance, ohne Tour Card einen Titel zu gewinnen. Dennoch überzeugte er mit einem starken Lauf. Ebenso machte Karel Sedlacek erneut auf sich aufmerksam. Der Tscheche erreichte abermals das Halbfinale und spielt sich damit weiter in Richtung der Qualifikationsplätze für das World Matchplay.
Die Niederlage von Waites gegen Nijman kam allerdings nicht überraschend. Der Niederländer feierte bereits seinen dritten Players-Championship-Titel in dieser Saison und bestätigt damit seine rasante Entwicklung. Nach frühen Rückschlägen in seiner Karriere hat er sich eindrucksvoll zurückgekämpft und etabliert sich nun als ernstzunehmender Anwärter auf größere Titel.
Auch Beau Greaves präsentierte sich in starker Verfassung. Sie erreichte das Viertelfinale und musste sich dort erst Nijman geschlagen geben, der in diesem Spiel einen Average von über 109 Punkten spielte. Zuvor hatte er unter anderem Niels Zonneveld und Adam Gawlas besiegt – Letzteren mit einem Average jenseits der 110. Die niederländische Generation um Nijman und Kevin Doets tritt zunehmend aus dem Schatten der etablierten Stars hervor.

Samuel Gill (DartsNews.com)

Während Spieler wie Luke Littler regelmäßig die Schlagzeilen dominieren, zeigt ein Blick auf diese Turniere ein anderes Bild. Hinter der Spitze wächst eine Gruppe von Spielern heran, die sich kontinuierlich steigert und den Druck nach oben erhöht.
Dobey überzeugt dabei vor allem durch Kontrolle und Stabilität. Sein Wurf wirkt gefestigt, seine Entscheidungsfindung klar. Nijman hingegen spielt mit bemerkenswerter Leichtigkeit und erreicht konstant außergewöhnlich hohe Averages. Seine Leistungen auf der European Tour deuten darauf hin, dass er sich dauerhaft in der erweiterten Weltspitze etablieren kann – auch wenn der nächste Schritt oft von Konstanz geprägt ist.
Unabhängig davon hat Nijman mit seinen drei Titeln ein klares Signal gesetzt. Er gehört zu den unangenehmsten Gegnern im Feld. Gleichzeitig zeigt Greaves, dass sie den Übergang auf die ProTour gemeistert hat. Nach dem Gewinn der Tour Card stand sie unter erheblichem Druck, doch inzwischen findet sie ihren Rhythmus.
Auch Hood bestätigte seine Entwicklung. Sein Finaleinzug unterstreicht, dass er nicht nur auf der großen Bühne, sondern auch auf dem Floor konkurrenzfähig ist. Ergänzt wird dieses Bild durch Joe Hunt, der nach starken Auftritten auf der Challenge Tour auch auf der ProTour überzeugt. Er nutzt seine Chancen konsequent und empfiehlt sich nachhaltig für höhere Aufgaben.
Beau Greaves in Aktion auf der Bühne
Beau Greaves besitzt seit dieser Saison eine PDC Tour Card

Pieter Verbeek (DartsNieuws.com)

Wessel Nijman unterstrich einmal mehr seine Ausnahmestellung auf der PDC ProTour. Mit dem Titel bei Players Championship 10 sicherte er sich bereits seinen vierten Ranglistensieg in dieser Saison und bestätigt damit seine beeindruckende Konstanz. Erst vor Kurzem triumphierte er zudem auf der European Tour – ein klares Signal, dass er den nächsten Schritt ins Visier genommen hat. Nun richtet sich der Fokus auf die großen Major-Turniere. Hält Nijman dieses Niveau, wirkt ein Durchbruch in der zweiten Saisonhälfte nur noch wie eine Frage der Zeit.
Im Schatten dieses Erfolgs überzeugten auch Niels Zonneveld und Kevin Doets mit starken Auftritten. Zonneveld hat sich mit konstanten Leistungen praktisch die Teilnahme am World Matchplay und am World Grand Prix gesichert. Doets wiederum hat sich in eine hervorragende Ausgangsposition gebracht und dürfte diese kaum noch aus der Hand geben. Besonders auffällig: Immer mehr niederländische Spieler drängen auf die große Bühne und setzen dort nachhaltige Akzente.
Auch Beau Greaves nutzte die beiden Turniere, um ihre Entwicklung weiter zu bestätigen. Mit Viertelfinalteilnahmen bei Players Championship 9 und 10 sammelte sie wertvolle Punkte für die ProTour Order of Merit. Damit rückt sie sowohl den Players Championship Finals als auch der PDC World Darts Championship deutlich näher. In ihrem ersten kompletten Jahr auf diesem Niveau wäre eine Qualifikation für beide Events ein bemerkenswerter Meilenstein.

Mats Leering (DartsNieuws.com)

Für mich hat Wessel Nijman in dieser Players-Championship-Woche erneut eindrucksvoll unter Beweis gestellt, warum er in die Top 16 der Welt gehört. Zwar schied er am Montag vergleichsweise früh aus, doch am Dienstag lieferte er die passende Antwort. Mit zwei Averages jenseits der 109 und einem weiteren über 108 dominierte er das Geschehen nach Belieben und ließ seinen Gegnern kaum eine Chance. Im Finale profitierte er davon, dass Scott Waites nicht sein bestes Niveau abrufen konnte, dennoch schmälert das den Gesamteindruck nicht. Es war ein hochverdienter Turniersieg – sein dritter in diesem Jahr, ergänzt durch einen Erfolg auf der European Tour. Hält er dieses Level, bin ich überzeugt, dass er schon bald auch auf der Major-Bühne zuschlagen wird.
Auch Kevin Doets präsentierte sich an diesem Doubleheader in starker Form. Am Montag erreichte er die vierte Runde, einen Tag später steigerte er sich noch einmal deutlich und zog bis ins Viertelfinale ein. Auf dem Weg dorthin bezwang er unter anderem Peter Wright und James Wade. Besonders auffällig: Doets spielte gleich drei Partien mit Averages klar über der 100-Punkte-Marke. Diese Konstanz zahlt sich aus, denn aktuell gehört er zu den Top 5 der Players Championship Order of Merit und untermauert damit seinen Anspruch, sich dauerhaft in der erweiterten Spitze festzusetzen.
Auch Beau Greaves überzeugte mit zwei Viertelfinalteilnahmen in Folge. Sie bestätigte damit einmal mehr ihr enormes Potenzial und zeigt, dass sie auf diesem Niveau nicht nur mithalten, sondern regelmäßig tief ins Turnier vordringen kann. Für mich bringt sie alle Voraussetzungen mit, um in Zukunft auch bei Major-Turnieren ganz vorne anzugreifen. Es wirkt nur wie eine Frage der Zeit, bis sie diesen nächsten Schritt geht.
DiskussionPC910
Wessel Nijman – top 16 in Sicht?

Nicolas Gayer (DartsNews.DE)

Für mich hat Beau Greaves die Geschichte dieses ProTour-Blocks ganz klar geprägt. In einer Phase, in der intensiv darüber diskutiert wird, ob Strukturen und Regelwerk der PDC den Sport noch angemessen widerspiegeln, setzte sie ein starkes sportliches Statement. Eine größere Antwort hätte es aus meiner Sicht kaum geben können.
Trotz offensichtlicher physischer Nachteile am Oche lieferte Greaves auf beeindruckende Weise ab. Sowohl bei Players Championship 9 als auch bei Players Championship 10 erreichte sie das Viertelfinale und schrieb damit ein weiteres Kapitel ihrer außergewöhnlichen Entwicklung. Die 22-Jährige schob sich dadurch auf Rang 22 der Players Championship Order of Merit nach vorne – und liegt damit aktuell vor sämtlichen deutschen Spielern in dieser Rangliste.
Damit komme ich zum zweiten Punkt, der diese Woche aus meiner Sicht geprägt hat: die enttäuschenden Ergebnisse der deutschen Teilnehmer. Bei Players Championship 9 schaffte es von 15 Startern lediglich Dominik Grüllich in ein Boardfinale, während kein einziger Spieler das Achtelfinale erreichte. Auch am folgenden Tag setzte sich dieser Trend fort. Bei Players Championship 10 schieden gleich neun Deutsche bereits in der ersten Runde aus, und nur zwei Spieler erreichten überhaupt ein Boardfinale. Am Ende standen mit Gabriel Clemens und Daniel Klose immerhin zwei Namen im Achtelfinale – ein schwacher Trost angesichts der Gesamtbilanz.
Fast sinnbildlich wirkt dabei die Rolle von Klose. Als Nachrücker kam er zu seinem ersten ProTour-Einsatz seit rund eineinhalb Jahren und gehörte dennoch zu den überzeugendsten deutschen Akteuren dieser Woche. Diese Konstellation passt ins aktuelle Bild des deutschen Darts: Einzelne Lichtblicke sind vorhanden, doch insgesamt fehlt es an Konstanz und Durchschlagskraft auf diesem Niveau.

Lucas Michael (DartsNews.com)

Wenn ein Spieler auf der PDC-Tour nicht dauerhaft im Rampenlicht steht, kann ein Lauf wie der von Scott Waites bei Players Championship 10 genau den Impuls liefern, den es braucht. Sein Finaleinzug kam überraschend, doch der frühere Grand-Slam-Champion ließ sich davon nicht beirren. Mit viel Erfahrung und Entschlossenheit kämpfte er sich durch ein anspruchsvolles Teilnehmerfeld. Erst im Endspiel stoppte ihn ein überragender Wessel Nijman, der das Finale klar dominierte.
Besonders bemerkenswert: Waites trat ohne Tour Card an und zeigte dennoch, dass auch unter diesen Voraussetzungen tiefe Turnierläufe möglich sind. Angesichts der enormen Leistungsdichte auf der Tour häufen sich solche Geschichten zunehmend. Auch Karel Sedlacek hätte im Fokus stehen können. Der Tscheche erreichte das Halbfinale, unterlag dort jedoch Waites und wartet weiterhin auf seinen ersten Finaleinzug. Solche Beispiele unterstreichen die enorme Qualität in der Breite, die das Niveau der PDC aktuell prägt – und dieser Trend dürfte sich weiter verstärken.
Während solche Überraschungsläufe eher Ausnahmen bleiben, deutet sich bei Beau Greaves eine andere Entwicklung an. Ihre konstant tiefen Runs könnten künftig zur Normalität werden. Sie bewegt sich auf diesem Niveau mit wachsender Selbstverständlichkeit. Auch wenn ihr Spiel im Verlauf von Players Championship 10 etwas nachließ, blieb sie für viele Gegner außer Reichweite. Genau das zeichnet Topspieler aus: Spiele gewinnen, auch ohne das absolute Maximum abzurufen. Selbst etablierte Namen wie Martin Schindler und Cameron Menzies fanden kein Mittel, als Greaves erneut das Viertelfinale erreichte.
Auch Kevin Doets und Luke Woodhouse stehen vor möglichen Durchbrüchen. Doets überzeugt weiterhin mit starken Averages und bestätigt seine konstant gute Form im Jahr 2026. Woodhouse wiederum setzte mit seinem Halbfinaleinzug ein klares Zeichen. Sein erstes PDC-Tour-Turnier wirkt greifbar nahe – vielleicht sogar näher, als es seine eigene Erwartungshaltung aktuell zulässt. Beide Spieler bringen alles mit, um sich bald in die Liste der Turniersieger einzutragen.

Bram Coenen (DartsNieuws.com)

Am meisten sticht aktuell die Komplettheit von Wessel Nijman ins Auge. Drei Titel und ein weiteres Finale sprechen eine klare Sprache – das ist kein Lauf mehr, sondern Ausdruck echter Konstanz. Dass ihm nur rund 3.000 Pfund auf die Top 16 der Welt fehlen, unterstreicht seine Entwicklung zusätzlich. Er bewegt sich in eine Zone, in der Gegner ihn anders wahrnehmen und gezielter auf ihn reagieren. Der nächste Schritt liegt klar im mentalen Bereich: Auf den großen TV-Bühnen bestehen, wo Rhythmus, Druck und Dynamik deutlich anders wirken als auf dem Floor.
Ein ähnliches Niveau zeigt Chris Dobey – mit einem entscheidenden Vorteil. Er hat bereits bewiesen, dass er auf der Major-Bühne gewinnen kann, etwa mit seinem Titelgewinn beim Masters 2023. Seine aktuelle Form auf der Players Championship deutet darauf hin, dass er sich erneut einem Leistungshoch nähert. Dabei wirkt er stabiler und gefestigter als noch im Vorjahr, was ihn zu einem ernsthaften Faktor für die kommenden großen Turniere macht.
Justin Hood gehört zu den Spielern, deren Leistung stark vom Selbstvertrauen abhängt. Sein starker Lauf bei der Weltmeisterschaft kam nicht aus dem Nichts, doch die Phase danach zeigte, wie schwierig es ist, dieses Niveau dauerhaft zu halten. Das Finale bei Players Championship 9 kann ein Wendepunkt sein – vorausgesetzt, er bringt jetzt Konstanz in sein Spiel. Gelingt ihm das nicht, bleibt er vorerst in der Rolle des gefährlichen Außenseiters.
Und dann ist da noch Scott Waites – vielleicht die bemerkenswerteste Geschichte dieser Woche. Ein Finaleinzug ohne Tour Card hebt seine Qualität ebenso hervor wie die enorme Leistungsdichte im Feld. Sein Hintergrund mit zwei WM-Titeln bei der BDO zeigt sich weiterhin, vor allem in seinem strukturierten Match-Management. Gleichzeitig wirft das eine spannende Frage auf: Wie konstant könnte er dieses Niveau abrufen, wenn er regelmäßig auf der Tour vertreten wäre?
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis bleibt jedoch übergeordnet: Die ProTour ist inzwischen so stark besetzt, dass die Unterschiede zwischen den Top 16 und den Top 64 an einem guten Tag kaum noch sichtbar sind. Genau das macht diese Turniere so unberechenbar – und so hochklassig.
Mit Blick auf die kommenden Majors ergeben sich daraus mehrere zentrale Fragen: Kann Nijman seine Form auf die TV-Bühne übertragen? Hält Dobey dieses Level auch unter den besonderen Bedingungen großer Turniere? Und gelingt Spielern wie Hood oder Waites erneut ein tiefer Lauf, der das Feld durcheinanderbringt?
Und ihr? Teilt uns eure Meinung zu Players Championship 9 & 10 in den Kommentaren mit, und nehmt an der Diskussion teil.
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