„Ich wollte ihn von der Bühne schubsen“ – Colin Lloyd erinnert sich an emotionales WM-Halbfinale gegen Peter Manley
PDC
Colin Lloyd blickt auf eine erfolgreiche Karriere im Profidarts zurück. Als ehemaliger Weltranglistenerster und zweifacher Major-Sieger hat sich Jaws seinen Platz in der Geschichte der PDC gesichert. Doch eines seiner prägendsten Erlebnisse fand nicht bei einem seiner Titel statt – sondern bei einer bitteren Niederlage im Halbfinale der Darts WM 2002 gegen Peter Manley.
Mit 4:6 unterlag Lloyd damals dem polarisierenden Engländer – und erinnert sich heute vor allem an einen Zwischenfall, der ihn nachhaltig beschäftigte. „Ich spielte damals mit einem recht lockeren Flight, sodass es regelmäßig vorkam, dass die Flights bei einer 140 oder 180 zu Boden fielen“, schildert Lloyd. „Beim Stand von 4:4 in Sätzen gingen wir in die Pause, und Peter sprach kein Wort mit mir.“
Als Lloyd zurück auf die Bühne kam, hatte Manley bereits seine Position eingenommen. Dann kam Schiedsrichter Russ Bray auf ihn zu – mit einer ungewöhnlichen Botschaft. „Russ sagte mir, dass es Peter störe, dass meine Flights so oft herunterfallen. Ich sagte nur, dass ich nichts dagegen tun könne.“
Doch dieser Vorfall brachte Lloyd komplett aus dem Konzept. „Ich war wütend. Ich sah Peter an, wollte ihm eine Ohrfeige geben und ihn von der Bühne schubsen“, sagt er heute offen. „Er hatte sich mit seinen Psychospielchen komplett in meinen Kopf eingegraben, und ich konnte mich nicht mehr auf das Match konzentrieren.“ Die Folge: Lloyd verlor die nächsten beiden Sätze – und damit das Spiel.
Weiterlesen
Im Anschluss machte er seinem Ärger Luft: „Ich sagte zu Peter, dass ich angewidert sei, dass er solche Tricks brauche, um gegen mich zu gewinnen. Ich konnte das nicht verstehen.“
Mit dem Abstand von mehr als zwei Jahrzehnten sieht Lloyd das Duell in einem anderen Licht. „Ich war damals erst seit drei Jahren auf der Pro Tour. Wenn ich heute zurückblicke, war das wohl der Beginn einer jahrelangen Hassliebe zu Peter“, so der mittlerweile 51-Jährige. „Trotz allem haben wir uns über die Jahre sehr respektiert.“
Heute steht Lloyd nicht mehr selbst an der Oche, sondern berichtet als TV-Experte über die größten Bühnen des Sports – mit der Erfahrung eines Mannes, der selbst ganz oben stand. Und mit Erinnerungen, die ihn bis heute begleiten.

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
Klatscht 0Besucher 0
Gerade In
Beliebte Nachrichten
Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026








