„Irgendwann war ich auch ein Fanboy“: Gabriel Clemens gerät bei Luke Littlers World-Matchplay-Auftritt ins Schwärmen

PDC
durch Nic Gayer
Mittwoch, 05 August 2026 um 14:00
Clemens_Littler
Luke Littler hat beim World Matchplay 2026 selbst erfahrene Dartprofis ins Staunen versetzt. Mit einem historischen Turnieraverage von 111,04 Punkten über 107 gespielte Legs lieferte der 19-Jährige eine der dominantesten Leistungen, die der Sport jemals gesehen hat – und stellte damit sogar den langjährigen Rekord von Phil Taylor eindrucksvoll in den Schatten.
Dass dieser Auftritt selbst Spieler beeindruckt, die Woche für Woche auf höchstem Niveau unterwegs sind, zeigte nun die neueste Folge des Podcasts „Darts auf die 1“. Gabriel Clemens, Robert Marijanovic und Marcel Althaus analysierten Littlers Ausnahmeleistung – und selbst Clemens räumte ein, während des World Matchplay zeitweise zum Fan des Engländers geworden zu sein.

„Das war wirklich brutal“

Den Einstieg machte Marcel Althaus mit einer Zahl, die selbst erfahrene Dartspieler aufhorchen lässt. „Wenn man sich anschaut, was Littler beim World Matchplay gespielt hat, dann sind wir bei 12,86 Darts pro Leg. Das ist unglaublich. Jeder, der ein bisschen Dart spielt, weiß, dass das unglaublich ist.“
Luke Littler mit der Phil Taylor Trophy.
Luke Littlers historischer Auftritt beim World Matchplay 2026 war auch im Podcast „Darts auf die 1“ ein großes Thema – Gabriel Clemens zeigte sich tief beeindruckt vom Weltmeister.
Mit einem Augenzwinkern schob er hinterher: „Er hat auch unfassbar versagt, muss man sagen, weil er hat ein Leg über 19 Darts gespielt. Also katastrophales World Matchplay“, lachte der Bundesligaspieler.
Anschließend ging Althaus die beeindruckende Statistik im Detail durch: Kein einziger 18-Darter, lediglich ein 17-Darter, dazu zwei 16-Darter, 14 Legs in 15 Darts, sieben 14-Darter, neun 13-Darter, 16 12-Darter, 18 11-Darter sowie sogar zwei 10-Darter und ein 9-Darter. „Wie ist das überhaupt möglich? Das müssen normalerweise immer weniger werden, je weiter man nach unten geht. Aber bei ihm ist es andersherum. Er hat einfach 18 11-Darter gespielt, zwei 10-Darter und einen 9-Darter. Da fällt mir nichts mehr zu ein. Was hat der gemacht?“
Auch Gabriel Clemens zeigte sich tief beeindruckt. Schließlich kommentierte der frischgebackene PDC-Titelgewinner das World Matchplay selbst am Mikrofon.
„Das war wirklich brutal. Ich habe es ja kommentiert und irgendwann war ich, glaube ich, auch so ein Fanboy. Obwohl ich eigentlich eher auf die alten Dartspieler stehe. So Gary Anderson, Barney und ich immer gerne die Älteren gesehen habe. Aber was der da gespielt hat – über diese Distanz vor allem –, das ist ja komplett irre. Das ist ja Matchplay, das ist ja nicht einfach ein Players Championship Turnier mit First-to-6. Das ist ja First-to-17 oder 18. Und der hat so dominant gespielt, das ist ja unglaublich.“
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„Für Luke Littler ist das eine Exhibition“

Robert Marijanovic brachte Littlers Dominanz anschließend mit einem Satz auf den Punkt: „Für die einen ist es das Matchplay, für Luke Littler ist es eine Exhibition.“
Auch ihm fehlten angesichts der Leistungen des Weltmeisters die passenden Worte. „Es gehen einem die Superlative aus. Der Vorsprung, den er vor der Nummer zwei der Welt hat, ist mehr, als jemals jemand vor ihm in der Order of Merit gesamt hatte in zwei Jahren.“
Althaus griff anschließend die Diskussion auf, ob Littlers Überlegenheit dem Dartsport schaden könnte. Für ihn ist das Gegenteil der Fall. „Es gibt dann ja auch immer diese Stimmen. Es gibt die Leute wie mich und anscheinend jetzt auch Gaga, die das halt schon abfeiern können. Ich bin nach wie vor ein riesen Littler-Fan, daran hat sich auch nichts geändert.“
„Und dann gibt es natürlich auch viele, die sagen, jetzt ist Darts total langweilig. Denen entgegne ich dann immer: Als ich angefangen habe zu gucken, war es einer mit einem grünen Trikot, der ähnlich war von den Ergebnissen zumindest. Vielleicht nicht von der Leistungsdichte, aber auch sehr vieles gewonnen hat. Es gibt halt in jedem Sport oftmals einen Dominator. Wir sollten vielleicht eher mal dankbar sein, dass wir die letzten Jahre so verdammt viel Abwechslung hatten, bis die beiden Lukes das Zepter in die Hand genommen haben. Wir hatten schon viele Major-Sieger die letzten Jahre.“

„Der Typ ist krank“

Marijanovic erinnerte sich anschließend an Littlers ersten Auftritt bei der Darts WM 2024 und verriet, dass er dessen Potenzial sofort erkannt habe. Schon nach dem Auftaktsieg gegen Christian Kist habe er in der Kommentatorenkabine zu Sport1-Kollege Basti Schwele gesagt: „Alter, was ist das? Das ist nicht normal. Der Typ ist krank.“
Rückblickend sei selbst er überrascht, wie rasant Littlers Entwicklung verlaufen sei. „Ich hätte mir auch nicht träumen lassen, dass das erst der Anfang von dem ist, wo wir jetzt mittendrin sind. Aber das hattest du irgendwie direkt im Gefühl.“
Zum Abschluss zeigte auch Clemens Verständnis für die Stimmen, die sich wieder mehr Spannung wünschen. Für ihn überwiegt jedoch die Faszination.
„Ich kann es auch verstehen, dass es viele Leute gibt, die sagen, dass es langweilig ist, weil er einfach so dominant spielt. Aber im Endeffekt finde ich es einfach faszinierend zuzuschauen. Man hat zwar vielleicht nicht die Spannung in dem Spiel, aber es ist einfach faszinierend.“
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