Jelle Klaasen streicht vorläufig die Rückkehr auf höchstes Niveau: „Dann glaube ich nicht, dass ich das akzeptieren kann“

PDC
Donnerstag, 03 September 2026 um 14:30
jelle-klaasen
Eine Rückkehr als Stammspieler auf höchstem Niveau ist für Jelle Klaasen vorerst keine realistische Option. Der ehemalige Weltmeister kämpft weiterhin mit Dystonie und weiß nicht, ob sein Körper ihm jemals wieder erlaubt, dauerhaft sein altes Niveau zu erreichen. Aufhören will der 41-jährige Niederländer jedoch nicht. Mit neuem Management im Rücken will er in den kommenden Monaten ausloten, wie viel Perspektive noch vorhanden ist.
Klaasen hat sich Mach Darts angeschlossen, dem Management, mit dem auch sein guter Freund Gian van Veen zusammenarbeitet. Die Kooperation gilt ab sofort. Für Klaasen ist vor allem wichtig, dass seine neue Betreuung nicht ausschließlich auf eine Rückkehr zur PDC ausgerichtet ist. „Es sind wirklich tolle Menschen, der Kontakt besteht schon lange und ist sehr herzlich. Mein altes Management hat keinen Leistungsdruck aufgebaut, war aber nur auf die PDC fokussiert. Dort liegt für mich nicht die Lösung und nicht die Zukunft. Mach Darts will mir auch auf einer Stufe darunter helfen und mich begleiten, etwa bei der WDF und der Modus Super Series. Das passt derzeit viel besser.“

Große Unterschiede von Tag zu Tag

Klaasen wurde 2006 BDO-Weltmeister und erreichte elf Jahre später das Halbfinale der PDC-WM. Inzwischen sieht seine Dartkarriere ganz anders aus. Durch Dystonie, eine neurologische Bewegungsstörung, gelingt es ihm nicht, sein früheres Niveau verlässlich zu erreichen.
Vor allem die enormen Schwankungen zwischen guten und schlechten Tagen machen die Situation schwierig. „Ich habe richtig gute Tage, an denen ich noch in den Neunzigern average oder sogar darüber spiele, aber am nächsten Tag ist es dann wieder gar nichts und ich spiele siebzig average. Das ist das Allerschwierigste zu akzeptieren: dass mein Kopf weiß, dass ich viel besser kann, es aber nicht rauskommt.“
In den Niederlanden hat Klaasen nach eigener Aussage nahezu alle denkbaren Behandlungen ausprobiert. Unter anderem Hypnose und Botox brachten nicht das gewünschte Ergebnis. Die Ungewissheit über den weiteren Verlauf der Erkrankung bleibt dadurch groß. „Es ist leider keine Darteritis oder ein Knochenbruch, von dem man wieder wegkommt. Es könnte sein, dass ich mich davon erhole. Deshalb spiele ich jetzt auch einfach weiter, in der Hoffnung, dass es irgendwann wieder klickt und gut läuft. Ich weiß schlicht nicht, ob ich es jemals ganz loswerde.“

Kommende Monate werden entscheidend

Dass Klaasen eine neue Zusammenarbeit eingegangen ist, bedeutet nicht automatisch, dass er noch jahrelang weitermacht. Die kommenden Monate betrachtet er ausdrücklich als Phase, in der sich zeigen muss, ob noch Fortschritte möglich sind.
„In den nächsten Monaten werden wir testen und schauen, ob eine Verbesserung eintritt. Es kann dann auch gut sein, dass wir danach schon wieder aufhören. So bin ich nämlich: Ich will Fortschritte sehen, und wenn das der Fall ist, möchte ich nächstes Jahr gerne weitermachen und versuchen, mein Niveau zu verbessern. Aber wenn ich das Gefühl habe, dass ich auf den Turnieren, zu denen ich fahre, chancenlos bin, dann hat es keinen Sinn, weiterzumachen.“
Sein neues Management verlangt derweil keine bestimmten Ergebnisse. Klaasen setzt sich die Messlatte vor allem selbst hoch. „Ich spüre keinen Druck, es muss nicht alles sofort gut sein. Dieser Prozess kann locker ein Jahr dauern. Wir werden sehen, was daraus wird und ob wir eine Lösung finden. Ich mache mir den Druck selbst, weil ich es so sehr will. Ich will kleine Schritte machen. Neulich habe ich in Schweden erst wieder mein erstes Turnier seit ein paar Monaten gespielt. In meinem Kopf war es eigentlich schon vorbei. Aber jetzt will ich alles versuchen anzupacken.“
Jelle Klaasen in Aktion

Tour Card vorerst kein Thema

Eine vollständige Rückkehr zur PDC steht derzeit nicht oben auf seiner Liste. Klaasen plant allerdings, im Januar an der Q-School teilzunehmen. Sein Hauptziel ist dabei der Zugang zur Challenge Tour.
Selbst wenn er unerwartet eine Tour Card holen würde, ist fraglich, ob er sie tatsächlich annähme. „Ich ziehe die PDC momentan mit Bleistift durch. Ich will im Januar zur Q-School, um zu schauen, ob ich die Challenge Tour erreichen kann. Aber sollte es ganz verrückt laufen und ich eine Tourkarte holen, glaube ich nicht, dass ich sie annehmen kann. Dieses Risiko traue ich mich in meiner aktuellen Lage nicht mehr einzugehen. Dafür müsste sich in den kommenden Monaten wirklich um 180 Grad etwas drehen.“
Damit richtet sich sein Fokus vorerst auf Touren, bei denen Belastung und Erwartungen anders gelagert sind. Die WDF und die MODUS Super Series bieten Klaasen die Möglichkeit, im Wettkampf zu bleiben, ohne dass eine sofortige Rückkehr an die absolute Weltspitze als Maßstab gilt.
Genau darin sieht er den Mehrwert seines Wechsels zu Mach Darts. „Sie sind persönlich involviert und unterstützen Spieler wie mich auch bei kleineren Turnieren wie der WDF und der Modus Super Series. Darüber bin ich superglücklich. Sie helfen auch auf andere Weise, etwa beim mentalen Bereich oder bei sonstigen Themen.“
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading