Die Erwartungen an
Gian van Veen haben sich in kurzer Zeit deutlich verändert. Galt der Dartspieler aus den Niederlanden im vergangenen Jahr noch als frischer Herausforderer ohne großen Druck, ist er mittlerweile als einer der Topstars der PDC bekannt. Dieser neue Status bringt jedoch auch neue Herausforderungen mit sich.
Nach seiner sensationellen WM-Kampagne, bei der er das Finale erreichte und dort erst gegen Luke Littler verlor, kletterte Van Veen bis auf Platz drei der Weltrangliste. Die Saison 2026 verläuft bislang allerdings deutlich wechselhafter als erhofft. Ein Titel fehlt weiterhin und auch die Konstanz aus dem Vorjahr konnte der Niederländer bislang nur phasenweise abrufen.
„Ich denke, ich war eine Weile in der Ecke, in der die Schläge fallen“,
erklärte Van Veen gegenüber AD.nl. „Als Reaktion gibst du dann noch mehr Gas, aber das kann auch nach hinten losgehen, und das habe ich zuletzt durchaus erlebt.“
Der 24-Jährige spürt deutlich, dass sich seine Rolle im Dartsport verändert hat. Während er im vergangenen Jahr oft ohne große Erwartungen in seine Spiele ging, blicken Fans und Gegner inzwischen anders auf ihn. Auch er selbst nimmt diese Veränderung wahr.
„Damals habe ich gezeigt, dass ich auf diesem Niveau hingehöre, und das will ich weiter beweisen“, sagte Van Veen. „Aber ich muss auch ehrlich sein: In diesem Jahr gelingt mir das bisher nur phasenweise.“
Vor allem der mentale Druck spielt laut Van Veen inzwischen eine große Rolle. Die Situation sei nicht mehr mit jener vor einem Jahr vergleichbar.
„Natürlich spüre ich mehr Druck als im letzten Jahr. Damals war ich die Nummer zwanzig der Welt; alles, was ich erreichte, war ein Bonus. Jetzt, als Nummer drei der Welt, muss ich liefern. Das ist ein großer Unterschied.“
Hinzu kommt ein weiterer Faktor. Gegner gehen inzwischen mit einer anderen Einstellung in Matches gegen ihn. War Van Veen früher meist der Jäger, gehört er mittlerweile selbst zu den Gejagten.
„Man merkt deutlich, dass jeder gegen dich einen Extraschritt macht“, erklärte der Niederländer. „Auch mit dem dichten Terminplan in der
Premier League Darts kannst du nicht immer top sein. Das fand ich am Anfang schwierig, aber das habe ich gelernt zu akzeptieren.“
Mit neuen Pfeilen zurück zu mehr Vertrauen
Um das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen, entschied sich Van Veen zuletzt zu einer Veränderung beim Material. Seit einigen Wochen spielt der Niederländer mit neuen Pfeilen – eine Entscheidung, die sich für ihn bislang positiv anfühlt.
„Ich spiele jetzt seit etwa zwei Wochen mit anderen Pfeilen und das fühlt sich gut an“, sagte Van Veen. „Ich wollte das schon länger, aber gerade im letzten Jahr lief einfach alles. Da schien es mir nicht sinnvoll, etwas zu verändern.“
Dennoch sei für ihn klar gewesen, dass auf diesem Niveau jedes kleine Detail entscheidend sein könne.
„Ich finde, man muss immer schauen, was sich verbessern lässt. Jedes Prozent zählt auf diesem Niveau. Vor ein paar Wochen hatte ich kaum noch Vertrauen und das habe ich als den Moment gesehen, um zu wechseln.“
Trotz seiner wechselhaften Phase bleibt Van Veen in der
Premier League Darts weiterhin im Rennen um einen Platz bei den Play-offs in London. Der Abstand auf die Spitzenplätze ist überschaubar und der Niederländer spürt nach eigenen Aussagen, dass sein Niveau langsam wieder steigt.
„Das ist in diesem Jahr immerhin etwas Positives, auch wenn ich gerne näher dran wäre“, sagte er über seine aktuelle Tabellenposition. „Ich denke, dass ich bislang grundsätzlich okay auf die Premier League zurückblicken kann.“
Der 24-Jährige glaubt inzwischen auch wieder an seine Chancen auf den Einzug in die Play-offs.
„Ich glaube definitiv, dass ich noch Chancen habe, das Finale zu erreichen. Vor ein paar Wochen hatte ich dieses Gefühl nicht, aber das hat sich gedreht, weil das Vertrauen Schritt für Schritt zurückkommt und damit auch das Niveau. Es wird auch Zeit, dass ich mal einen Abend gewinne, das wäre auch punktetechnisch sehr angenehm.“