Gerwyn Price präsentiert sich in diesen Tagen entspannt, fokussiert und vor allem selbstbewusst. Nach seinem
überzeugenden Auftaktsieg gegen James Hurrell beim
Winmau World Masters 2026 ließ der ehemalige Weltmeister nicht nur mit starken Darts aufhorchen, sondern auch mit klaren Worten. In einem ausführlichen Interview sprach „The Iceman“ offen über seine aktuelle Form, seine neu gewonnene mentale Ruhe, den fordernden Spielplan der Premier League Darts und seine auffällige körperliche Transformation. Auch Kollege
Peter Wright kam dabei zur Sprache.
Der Waliser analysierte seinen Start ins Turnier sachlich und ohne Umschweife. Das Duell mit Hurrell sei auf dem Papier eines der schwierigsten Lose gewesen, erklärte Price. „James hat fantastisch gespielt“,
betonte er im Rahmen der Pressekonferenz. „Er setzte in den richtigen Momenten große Scores und blieb lange gut drin.“ Gerade zu Beginn habe er den Druck deutlich gespürt. „Er hatte Chancen, den ersten Satz zu holen. In so einem Format mit Best-of-3 Legs pro Satz ist jeder Moment entscheidend.“
Mentale Balance, Fitness und der Blick nach vorn
Trotzdem blieb Price in den entscheidenden Phasen kompromisslos. „Ich denke, ich war am Ende ziemlich konsequent“, sagte er. „Er ließ zum Schluss etwas nach, aber das lag auch an der Art, wie ich gespielt habe.“ Ein Average von über 108 Punkten und eine Checkout-Quote von 63 Prozent unterstrichen seine Leistung und zählten zur absoluten Spitze des Abends.
Auffällig ist vor allem Prices mentale Haltung. Während er früher für seine explosive Art und intensive Präsenz bekannt war, wirkt er derzeit ruhiger und positiver denn je. „Ich fühle mich im Kopf gut“, erklärte er. „Das war letztes Jahr eigentlich auch schon so. Ich gehe positiver in ein Turnier, besonders Richtung Premier League.“ Price räumte ein, sich früher gelegentlich selbst im Weg gestanden zu haben – auch durch Negativität und den Einfluss sozialer Medien. „Ich kann streng zu mir selbst sein“, gab er zu. „Aber in den vergangenen zwölf Monaten bin ich damit besser umgegangen.“ Diese innere Balance zahlt sich nun sichtbar auf der Bühne aus.
Ein weiteres Detail sorgte für Aufmerksamkeit: die Rückkehr seines alten Walk-on-Songs Ice Ice Baby. Eigentlich hatte Price angekündigt, das Lied nicht mehr zu nutzen, änderte seine Meinung jedoch. „Seit ich andere Musik hatte, habe ich Spiele verloren“, sagte er lachend. „Seit Ice Ice Baby wieder da ist, fühlt es sich wie ein gutes Omen an. Vielleicht ist es Aberglaube, aber vorerst bleibt es so.“ Auch das passt zu einem Spieler, der seine persönliche Balance zwischen Routine, Spaß und Leistung immer besser findet.
Mit Blick auf die Premier League Darts, die sich über siebzehn Wochen erstreckt, weiß Price, wie wichtig Fokus und Belastungssteuerung sind. „Wenn ich zu Hause bin, langweile ich mich schnell“, erklärte er. „Also versuche ich, so viele Turniere wie möglich zu spielen. European Tours, Pro Tours – das hält mich scharf.“ Gerade diese vermeintlich kleineren Events sieht Price als Fundament einer erfolgreichen Saison. „Die European Tours sind dein Brot und Butter“, stellte er klar. „Wenn du dort nicht gut performst, setzt du dich nach der Premier League enorm unter Druck. Dann bist du ständig am Hinterherlaufen.“
Über die Debütanten in der Premier League äußerte sich Price realistisch. „Es ist hart. Fünf Tage unterwegs, reisen, spielen, wenig Erholung. Besonders jetzt, wo direkt die European Tours folgen. Aber sie sind jung genug, die werden das schon schaffen.“
„Ich bin ständig im Fitnessstudio“
Ein zentrales Thema des Interviews war Prices körperliche Veränderung. Der Waliser hat sichtbar Gewicht verloren und investiert intensiv in seine Fitness. Dabei sprach er auch über
Peter Wright, der ebenfalls an seiner körperlichen Verfassung arbeitet. Wright hatte angedeutet, dass sich die Gewichtsreduktion negativ auf seinen Wurf auswirken könnte, doch Price sieht das differenzierter. „Ich weiß nicht genau, wie Peter es angeht“, sagte er. „Ich bin ständig im Fitnessstudio, achte auf meine Ernährung und sorge dafür, dass ich Muskelmasse erhalte. Das ist wichtig. Man kann abnehmen, aber wenn man alles verliert, funktioniert es nicht.“
Bei Price selbst zeigt der Ansatz Wirkung. „Wir waren alle schon mal außer Form“, stellte er fest. „Und das fühlt sich nicht gut an. Dir fehlt das Selbstvertrauen, wenn du am Oche stehst. Ich fühle mich jetzt einfach gut. Und das sieht man in meinem Spiel.“ Die Zahlen bestätigen das: hohe Averages, starke Finishes und konstante Präsenz im Match. „Ich hatte das Gefühl, dass ich gut gespielt habe, aber ich musste auch gut spielen“, sagte Price rückblickend auf das Duell mit Hurrell. „Er war immer dicht dran. Ein oder zwei Fehler, und es hätte ein ganz anderes Spiel werden können.“
Dennoch blieb Price stets einen Schritt voraus. Für ihn ein klares Zeichen, dass er in diesem Jahr bereit ist, die großen Titel anzugreifen. „Letztes Jahr habe ich gut gespielt, aber keine großen Trophäen gewonnen“, blickte er zurück. „Ich hoffe, dass es dieses Jahr anders ist. Ich möchte mit einem Major, einem großen Turnier, anfangen.“
Trotz aller Zuversicht bleibt Price realistisch. Seine Prioritäten sind klar: eine starke Premier League, konstante Ergebnisse auf der Pro Tour und möglichst wenig selbst erzeugter Druck. „Nach der Premier League kannst du sowieso keine Pause machen“, sagte er nüchtern. „Also kannst du genauso gut voll reingehen.“
Im Achtelfinale des
Winmau World Masters trifft
Gerwyn Price nun auf seinen Landsmann
Jonny Clayton, der sich in der ersten Runde mit 3:1 gegen Wessel Nijman durchsetzte.