„Man kann nicht sagen, dass er für das World Matchplay bereit ist“ – Michael van Gerwen erhält eine Warnung vor dem nächsten Major-Turnier

PDC
Freitag, 03 Juli 2026 um 14:30
Michael van Gerwen (2)
Mit dem World Matchplay vor der Tür ist laut Vincent van der Voort noch längst nicht klar, wo Michael van Gerwen steht. In dem Podcast Darts Draait Door blickte der Ex-Profi auf das größte Ranglistenturnier des Sommers voraus und äußerte seine Sorgen über die aktuelle Form des dreifachen Weltmeisters. Gleichzeitig ging er ausführlich auf die mögliche Übernahme von Target Darts, die Auswirkungen von Materialwechseln und die positiven Entwicklungen rund um Raymond van Barneveld ein.
Obwohl Van Gerwen beim World Cup of Darts einen guten Eindruck machte, findet Van der Voort es viel zu früh, um zu schlussfolgern, dass seine gute Form endgültig zurück ist.
„Man kann im Moment einfach nicht sagen, dass er bereit ist für das World Matchplay. Wenn du siehst, wie er beim World Cup auftrat, hoffst du, dass dieser Van Gerwen auch nach Blackpool fährt. Aber auf der Euro Tour fand ich ihn wieder sehr verwundbar.“
Laut Van der Voort liegt der Schlüssel in den kommenden Wochen vollständig in der Vorbereitung. „Er muss viel trainieren, er muss viel investieren. Nächste Woche spielt er zwei ProTours und danach eine Euro Tour. Dann hoffst du, dass er mit dieser Einstellung dorthin geht und dass er dann liefert.“

Erster großer Rückschlag auf der Weltrangliste droht

Die nächsten Wochen könnten zudem erhebliche Folgen für Van Gerwens Platzierung auf der Weltrangliste haben. Er droht erstmals seit Jahren aus den Top Acht zu fallen. „Das ist auch so ein Momentchen.“
Nach Ansicht von Van der Voort ist seinem guten Freund das zweifellos bewusst, auch wenn er das Thema lieber meidet. „Darüber spricht er einfach nicht. Natürlich erwähnst du es mal, aber er bekommt ein sehr volles Herbstprogramm, und da muss es passieren.“
Er betont, dass Van Gerwen sich vor allem nicht auf die Rangliste fixieren darf. „Du musst auch darauf achten, dass du dich nicht nur damit beschäftigst. Du musst das Turnier angehen, um es einfach zu gewinnen.“
Das nehme jedoch laut Van der Voort nicht weg, dass der Druck in Blackpool enorm sein wird. „Ich denke schon, dass während dieses Turniers viel Druck auf ihm liegen wird.“
Michael van Gerwen in Aktion
Michael van Gerwen muss 2026 viel Preisgeld auf der Weltrangliste verteidigen

Gian van Veen nähert sich der Weltspitze

Während Van Gerwen Punkte verteidigen muss, sieht Van der Voort einen anderen Niederländer immer näher an die absolute Weltspitze heranrücken. Gian van Veen macht seiner Meinung nach große Fortschritte und könnte sich langfristig sogar zur Nummer zwei der Welt entwickeln.
„Vielleicht passiert das nicht sofort, aber wenn er ein gutes Matchplay spielt und die anderen nicht, dann kann es sehr schnell gehen.“
Das bedeutet laut Van der Voort automatisch, dass Van Gerwen sich nicht nur auf sich selbst konzentrieren darf. „Ich denke, dass sich vor allem Van Gerwen Sorgen machen muss.“

Mögliche Target-Übernahme sorgt für Diskussion

Ein weiteres auffälliges Thema im Podcast war die mögliche Übernahme von Target Darts durch Nodor, die Muttergesellschaft unter anderem hinter Winmau und Red Dragon. In England ist das inzwischen großes Thema, weil damit die zwei größten Dart-Hersteller unter einem Dach vereint wären.
Van der Voort versteht den geschäftlichen Gedanken hinter dem Deal, sieht aber auch die Kehrseite. „Für den Dartsport ist das natürlich nicht großartig, wenn das passiert. Dann werden sie sehr groß und sehr mächtig.“
Seiner Ansicht nach werden vor allem Spieler die Folgen zu spüren bekommen. „Für Verhandlungen ist das sehr schwierig. Ob du nun bei Winmau bist oder bei Target, am Ende sitzt du am selben Tisch.“
Dennoch erwartet er nicht, dass Nodor unvorbereitet vorgeht. „Dort arbeiten wirklich intelligente Leute. Die werden darüber nicht nur eine Nacht geschlafen haben.“
Ob die Übernahme am Ende genehmigt wird, bleibt abzuwarten. „Es soll allerlei Regeln geben, durch die man nicht einfach so so viel Macht bekommen darf.“

Nicht jeder Wechsel ist ein Erfolg

Van der Voort weiß wie kaum ein anderer, dass ein Wechsel zu einem anderen Hersteller nicht automatisch bessere Ergebnisse bringt. Er selbst wechselte einst gemeinsam mit Van Gerwen von XQMax zu Winmau. „Das war auch für Michael schwierig. Und für mich ganz sicher auch.“
Gerade weil Spieler jahrelang mit demselben Material spielen, ist die Umstellung seiner Meinung nach oft schwerer als gedacht. „Du gewinnst etwas weniger Spiele, und das geht zulasten deines Selbstvertrauens. Dann bist du sehr schnell geneigt, auf deine alten Pfeile zurückzugreifen.“
Er nennt Michael Smith als ein klares Beispiel für einen Wechsel, der sportlich weniger gut ausfiel. „Nach seinem WM-Titel ist er gewechselt. Das hat am Ende nicht großartig funktioniert.“
Gleichzeitig sieht Van der Voort auch Fälle, in denen eine Veränderung positiv wirkte. So nennt er Josh Rock, der nach seinem Wechsel von Mission deutlich Fortschritte machte. „Durch andere Pfeile und ein anderes Flight- und Schaftsystem ist er wirklich besser geworden.“
Nach Van der Voorts Einschätzung verändern die absoluten Topspieler ihr Material übrigens kaum. „Wenn du auf Gerwyn Price, James Wade oder Michael schaust: Da ändert sich nicht sehr viel.“

Neue Energie rund um Raymond van Barneveld

Auch Raymond van Barneveld kam ausführlich zur Sprache. Der fünffache Weltmeister wechselte kürzlich zu einem neuen Management, und das scheint ihm laut Van der Voort sichtbar gutzutun. „Er war wirklich positiv.“
Barney ist inzwischen umgezogen, und obwohl er noch auf die Einrichtung seines neuen Hauses wartet, merkt Van der Voort, dass sich wieder etwas um ihn herum bewegt. „Sie organisieren Exhibitions für ihn. Sie schauen auch, was er nach seiner Karriere machen kann. Es tut sich wieder etwas in seinem Umfeld.“
Genau das gibt Van Barneveld neue Energie. „Es gibt wieder Menschen, die nach ihm schauen und sich für ihn einsetzen. Das freut ihn natürlich.“
Raymond van Barneveld in Aktion
Raymond van Barneveld hat seit Kurzem auch ein Haus in England
Es wird sogar schon vorsichtig über eine Rolle nach seiner aktiven Laufbahn nachgedacht. „Sie prüfen allerlei Optionen.“ Eine Rolle als Botschafter des Dartsports gehört laut Van der Voort zu den Möglichkeiten, wobei er eine Einschränkung macht. „Botschafter für Darts ist natürlich ein sehr weiter Begriff. Wer soll das bezahlen? Und wer bezahlt ihn?“
Er rechnet nicht damit, dass die PDC Van Barneveld direkt eine solche offizielle Funktion anbietet. „Ich glaube nicht, dass die PDC ihm diese Rolle geben wird.“ Dennoch sieht er andere Optionen. „Vielleicht wird er Botschafter bei Target. Oder vielleicht gerade bei Bulls Nederland, um das niederländische Darts weiter zu fördern. Das könnte auch etwas sehr Schönes sein.“
Vorerst überwiegt laut Van der Voort vor allem das positive Gefühl. „Durch dieses neue Management setzen sie sich wirklich für ihn ein. Er hört wieder von Entwicklungen, und darüber war er sehr positiv. Hoffen wir, dass er diese Positivität festhalten kann.“
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