„Meine Donnerstagabende verbringe ich lieber anders, als acht Männern beim Pfeilewerfen zuzusehen“ – Nathan Aspinall verzichtet auf die Premier League Darts

PDC
durch Nic Gayer
Freitag, 30 Januar 2026 um 10:00
Nathan Aspinall (1)
Nach seinem Sieg in der ersten Runde des Winmau World Masters 2026 stand Nathan Aspinall nicht nur mit dem Ticket für die nächste Runde da, sondern vor allem mit einem breiten Lächeln vor der Kamera. Der Engländer wirkt gelassen, energiegeladen und auffallend selbstbewusst. Nach Jahren voller Rückschläge, körperlicher Probleme und mentaler Kämpfe scheint „The Asp“ endlich wieder im Gleichgewicht zu sein – auf und neben der Bühne.
Der Erfolg war mehr als nur ein Weiterkommen. Er wirkte wie ein sichtbares Zeichen dafür, dass Aspinall wieder bei sich angekommen ist. Locker im Auftreten, klar in seinen Aussagen und mit spürbarer Freude am Spiel präsentierte sich der ehemalige Major-Sieger so stabil wie lange nicht mehr.

Tempowechsel, mentale Freiheit und ein neuer Blick auf die Saison

Auf dem Papier war das Erstrundenduell gegen Debütant Shane McGuirk ein echter Prüfstein – und genau so begann auch die Partie. Aspinall kassierte gleich zu Beginn einen Dämpfer, als McGuirk den ersten Satz mit einem starken 141-Finish beendete. „Das war schon ein Tritt in die Eier“, sagte Aspinall im Rahmen der Pressekonferenz ehrlich und mit einem Augenzwinkern. „Ein fantastisches Finish, er ist wirklich stark reingekommen.“
Panik kam bei ihm dennoch nicht auf. Stattdessen erkannte Aspinall schnell, wo das Problem lag. „Ich habe nicht schlecht gespielt, aber ich war viel zu langsam. Viel zu methodisch“, analysierte er. „Ich weiß nicht, wie das im Fernsehen aussieht, aber in meinem Kopf fühlte es sich träge an.“ Die Reaktion folgte prompt. Aspinall erhöhte bewusst das Tempo, ließ die Arme lockerer laufen und vertraute stärker seinem Instinkt. „Sobald ich mein Spiel beschleunigt habe, kam alles ins Rollen. Die Darts flogen aus einem Fluss, und dann habe ich richtig gut gespielt.“
Die oft diskutierte These, Qualifikanten hätten durch einen zusätzlichen Spieltag einen Vorteil, ließ Aspinall nicht gelten. „Für manche vielleicht“, räumte er ein. „Aber für mich nicht. Ich habe drei Exhibitions gespielt, war kürzlich noch in Bahrain und Saudi. Ich bin warm, ich bin bereit.“ Vorbereitung sei auf diesem Niveau keine Ausrede mehr. „Du weißt, was von dir verlangt wird. Wenn du hier stehst, musst du abliefern.“
Besonders auffällig ist, wie entspannt Aspinall über seine Saison spricht. Im Gegensatz zum Vorjahr, als er viel Preisgeld verteidigen musste, startet er diesmal nahezu ohne Druck. „Ich verteidige praktisch nichts“, erklärte er. „Ich hatte 47.000 Pfund zu verteidigen, und davon habe ich jetzt schon 10.000 abgebaut.“ Alles Weitere sei Bonus. „Alles, was ich jetzt hole, ist Gewinn. Ich muss keinen Rückstand aufholen. Das macht dieses Jahr enorm spannend.“

„Der beste Saisonstart, den ich je hatte“

Auch die Zahlen bestätigen diesen Eindruck. „Das ist ohne Zweifel der beste Saisonstart, den ich je hatte“, sagte Aspinall. „Von meinen ersten sieben Matches habe ich vier mit Top-Averages gespielt. Letztes Jahr hatte ich vielleicht vier im ganzen Jahr.“ Mindestens genauso auffällig wie seine Leistungen ist jedoch seine Ausstrahlung. Aspinall wirkt gelöst, scherzt viel und strahlt sichtbare Zufriedenheit aus.
Dafür gibt es Gründe – auch abseits des Oches. „In meinem Leben hat sich viel verändert“, erzählte er offen. „Ich habe das Management gewechselt. Nach acht Jahren mit Martin war es Zeit für etwas Neues.“ Der Wechsel zu Modus und Manager Jason Thame habe ihm neue Energie gegeben. „Es fühlt sich frisch an. Es gibt mir wieder diesen Kampfgeist. Ich will beweisen, dass sie die richtige Entscheidung getroffen haben.“ Auch privat blickt Aspinall voller Vorfreude nach vorn. „Ich werde dieses Jahr Kirsty heiraten. Es passiert einfach so viel Schönes. Ich lächle ohnehin immer – dieses Jahr aber noch ein bisschen mehr.“
Das Fehlen einer Einladung zur Premier League Darts empfand Aspinall zunächst als Enttäuschung, sieht es inzwischen jedoch differenzierter. „Ehrlich? Es ist zwiespältig“, sagte er. „Natürlich war ich enttäuscht, aber ich glaube wirklich, dass es mir mehr nützt als schadet.“ Gemeinsam mit seinem Sportpsychologen habe er beide Szenarien im Vorfeld durchgesprochen. „Letztes Jahr war anders, da habe ich viel Geld verteidigt. Dieses Jahr nicht. Kirsty meinte auch: Vielleicht ist das genau der richtige Zeitpunkt, sie einmal auszulassen.“
Der größte Vorteil liegt für Aspinall in der neuen Freiheit. „Ich kann alle Pro Tours und Euro Tours spielen. Dort wird die Basis gelegt. Wenn du die gut spielst, kommt der Rest von allein.“ Mentale Arbeit spielt dabei eine zentrale Rolle. Aspinall arbeitet sowohl mit einem Sportpsychologen als auch mit einem Hypnotherapeuten. „Was wir genau machen, behalte ich lieber für mich“, sagte er lachend. „Aber glaubt mir: Ohne diese Arbeit stünde ich nicht hier.“
Er blickte auch auf seinen Tiefpunkt zurück. „Ich war kurz davor, mit dem Darts aufzuhören. Ich hatte Dartitis. Ich war wirklich schlecht. Und jetzt stehe ich wieder hier. Das ist eine Achterbahn.“ Gerade im Einzelsport sei mentale Stärke entscheidend. „Du hast Höhen und Tiefen. Es kommt darauf an, wie du damit umgehst. Ich bin mental stärker denn je, und das liegt an allem, was ich hinter den Kulissen getan habe.“
Statistisch überzeugte sein Auftritt ebenfalls: ein Average von über 105 Punkten und 63 Prozent auf die Doppel. „Und das ist vielleicht das Schönste“, sagte Aspinall. „Meine Finishes waren immer mein Schwachpunkt. Normalerweise bin ich auf Doppeln furchtbar.“ In dieser Saison zeigt sich ein anderes Bild. „Mein Auschecken war bisher fantastisch. Das gibt Vertrauen. Wenn du weißt, dass du finishen kannst, spielst du freier.“
Trotz aller positiven Signale bleibt Aspinall realistisch. „Es ist erst Januar. Es liegt noch ein langer Weg vor uns“, stellte er klar. „Aber wie ich mich fühle, wie ich spiele, wie mein Leben aussieht – alles passt.“ Die Premier League Darts wird er sich dennoch nicht anschauen. „Keine Chance“, lachte er. „Meine Donnerstagabende verbringe ich lieber anders als mit acht Männern, die Pfeile werfen.“
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