„Menschen vergessen manchmal, dass die Saison bereits im Januar beginnt“ – James Wade hatte trotz frühem WM-Aus einen Platz in der Premier League Darts verdient, laut Alan Warriner-Little

PDC
Montag, 02 Februar 2026 um 15:30
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Die Bekanntgabe der Teilnehmer für die Premier League Darts entfacht Jahr für Jahr hitzige Debatten. Auch diesmal blieb die Auswahl nicht ohne Widerspruch. Alan Warriner-Little, ehemaliger Profi und heutiger Funktionär der Spielergewerkschaft PDPA, gewährte im Gespräch mit Online Darts tiefe Einblicke in die internen Prozesse, Zielkonflikte und den stetigen Spagat zwischen sportlicher Fairness und vermarktbarer Attraktivität.
Wer einen Blick auf den dicht getakteten Kalender wirft, versteht schnell, warum die Premier League für die Verantwortlichen zur mentalen Herausforderung wird. „Wenn man sich diesen Kalender anschaut, denkt man manchmal: wow, das möchte ich nicht jedes Jahr organisieren“, sagt Warriner-Little offen. Die PDC stehe unter permanentem Druck, Entscheidungen zu treffen, die kaum allen gerecht werden können. Gleichzeitig betont er, dass Kritikpunkte intern sehr wohl thematisiert werden. Die PDPA sehe sich klar in der Pflicht, die Interessen der Spieler zu vertreten. Der Austausch mit der PDC finde nahezu täglich statt – auch dann, wenn die Öffentlichkeit davon nichts mitbekomme.

Immer Streit um die richtige Auswahl

Die zentrale Frage bleibt dabei stets dieselbe: Hat die PDC bei der Auswahl der Premier-League-Teilnehmer alles richtig gemacht? Eine eindeutige Antwort darauf gibt es für Warriner-Little nicht. „Ehrlich gesagt liegen sie nicht oft daneben“, sagt er, schränkt aber sofort ein, dass jedes Jahr neue Meinungen und Erwartungen entstehen. Genau darin liege das Problem.
PDC-Geschäftsführer Matt Porter kenne diese Dynamik längst. Die Reaktionen der Fans seien vorhersehbar, die Zustimmung jedoch nie einhellig. Die Premier League polarisiert – und das fast schon traditionell. Ein wesentlicher Streitpunkt ist dabei das Gewicht der Weltmeisterschaft im Verhältnis zur restlichen Saison. Die Spielzeit beginnt offiziell bereits im Januar, mit Turnieren wie den World Masters, und zieht sich über ein ganzes Jahr. Dennoch scheint die WM für viele Beobachter eine überproportional große Rolle zu spielen.
An diesem Punkt nennt Warriner-Little konkrete Beispiele. James Wade habe eine starke Saison gespielt, mehrere bedeutende Finals erreicht, sei jedoch bei der WM früh ausgeschieden. Ähnlich erging es Danny Noppert. Beide erfüllten aus sportlicher Sicht viele Kriterien, doch der große WM-Moment blieb aus. Ob das letztlich den Ausschlag gab, lässt sich nicht beweisen – das Gefühl aber bleibt.

Wenn die WM alles überstrahlt

Warriner-Little vermeidet klare Wertungen, spricht jedoch offen über Wahrnehmungen. Nach einer konstant guten Saison stehe man plötzlich an der Schwelle, und dann komme die WM. „Alle Augen sind darauf gerichtet“, sagt er. Offiziell sei sie nicht allein entscheidend, praktisch wirke sie aber oft wie ein alles überlagernder Maßstab.
Demgegenüber stehen Spieler wie Nathan Aspinall. Seine Saison verlief nicht makellos, doch für Warriner-Little verkörpert er den Prototyp eines Premier-League-Spielers. Seine aggressive Spielweise, seine Nähe zum Publikum und seine Präsenz auf der Bühne machten ihn zu einem festen Bestandteil des Formats. Genau hier liege der Kern der Diskussion.
Die Premier League sei kein gewöhnliches Turnier, betont Warriner-Little. Sie fungiere als Flaggschiff der PDC, als Schaufenster für den Dartsport. Über vier Monate hinweg füllt sie große Arenen, erreicht ein Massenpublikum und lebt von Namen, Charakteren und Emotionen. Sportliche Leistung ist wichtig – aber nicht das einzige Kriterium.
Auch Stephen Bunting passt in dieses Bild. Er gewann in der vergangenen Premier-League-Saison einen Spieltag, blieb insgesamt jedoch hinter den Erwartungen zurück. Trotzdem spielen seine Fanbase, sein Walk-on und seine Wirkung auf der Bühne eine Rolle. Die Premier League gleiche in Teilen einer veredelten Exhibition – allerdings mit den besten Spielern der Welt und um beträchtliche Preisgelder.
Zusätzlichen Zündstoff lieferte James Wade selbst. In den sozialen Medien verwies er auf seine zwei Ranking-Finals und bezeichnete sie als die größten Endspiele außerhalb der WM. Dass er dennoch nicht berücksichtigt wurde, sorgte für Unverständnis. Warriner-Little kann diese Sicht nachvollziehen, insbesondere wenn andere Spieler ohne vergleichbare TV-Erfolge eingeladen werden.
Damit stellt sich zwangsläufig die Grundsatzfrage: Wo endet der reine Sport? Wenn Leistungen am Board hinter Faktoren wie Popularität oder Inszenierung zurücktreten, entsteht ein Spannungsfeld, das schwer aufzulösen ist. Laut Warriner-Little ist genau das jedoch Teil der DNA der Premier League. Schon immer habe das Einladungsturnier auf Charaktere gesetzt, die den Sport tragen und promoten.
Er selbst würde diese Entscheidung nicht treffen wollen. „Man macht es immer falsch“, sagt er nüchtern. Zu unterschiedlich seien die Erwartungen, zu vielfältig die Perspektiven. Dennoch stellt er klar, dass Spieler wie James Wade einen berechtigten Anspruch haben. Seine Titelbilanz, seine Nervenstärke unter Druck und seine Konstanz über Jahre hinweg sprächen für sich.
Am Ende bleibt eine einfache Wahrheit: Die Premier League ist das Event der PDC. Sie trifft die Auswahl – und muss mit den Reaktionen leben.
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