Luke Humphries hat zum Auftakt der
UK Open 2026 erneut unterstrichen, warum er zur absoluten Weltspitze des Dartsports gehört. Mit einem Average deutlich über 100 und äußerst präzisem Finishing zog der Engländer souverän in die nächste Runde ein.
Dennoch klang beim Engländer anschließend keine übertriebene Euphorie durch. Stattdessen zeigte sich Humphries selbstkritisch und machte deutlich, dass er noch Luft nach oben sieht.
Starker Auftritt, aber dennoch Selbstkritik
Der amtierende Weltmeister besiegte Luke Woodhouse in der vierten Runde der
UK Open mit 10:3. Humphries weiß, dass sein aktuelles Niveau hoch ist – gleichzeitig spürt er, dass noch mehr möglich ist. Genau diese Haltung macht ihn für die Konkurrenz womöglich besonders gefährlich.
Luke Humphries trifft heute Nachmittag auf Landsmann Dave Chisnall
Auf dem Papier wirkte der Auftritt beeindruckend: ein Average deutlich über 105, konstante Scores und eine starke Doppelquote. Viele Spieler wären mit einer solchen Leistung rundum zufrieden. Humphries sieht das anders.
„Es klingt vielleicht seltsam, aber ich hatte das Gefühl, dass es noch besser hätte sein können“,
sagte er nach dem Match unter anderem gegenüber DartsNews (YouTube). „Als ich backstage ankam, sagte Wayne Mardle zu mir, dass es eine großartige Partie war. Selbst hatte ich dieses Gefühl nicht ganz.“
Der Engländer erklärte, dass ihm während der Partie einige Momente aufgefallen seien, in denen sein Level noch höher hätte sein können. Den entscheidenden Unterschied machte allerdings sein Finishing. „Die Doppel waren heute Abend wirklich stark. Das hat mich durch das Match getragen.“
Hinzu kam, dass Humphries kein Losglück zuteil wurde. Woodhouse gilt auf dem Circuit als gefährlicher Außenseiter, der jederzeit für eine Überraschung sorgen kann.
„Ich halte ihn für einen sehr starken Spieler“, sagte Humphries. „Wenn du die Auslosung siehst und ihn bekommst, denkst du ehrlich gesagt nicht: Das ist eine ideale Auslosung.“ Gerade deshalb ordnete er den deutlichen Sieg positiv ein. „Wenn du so einen Spieler relativ überzeugend schlägst, dann ist das einfach ein sehr gutes Ergebnis.“
Die Vorbereitung auf ein Match
Top-Darter folgen im Vorlauf einer Partie meist festen Routinen – und Humphries bildet dabei keine Ausnahme. Er verfolgte die Auslosung sogar live, um seine Vorbereitung optimal planen zu können.
„Ich war gegen halb fünf schon vor Ort“, erzählte er. „Wenn du weißt, dass du möglicherweise gegen 20:00 Uhr spielen musst, willst du ungefähr dreieinhalb Stunden Vorbereitung haben.“
Durch das Live-Verfolgen der Auslosung konnte er einschätzen, wann sein Match ungefähr stattfinden würde. „Als ich sah, welche Partien auf dem Programm standen, dachte ich, dass ich wahrscheinlich als Zweiter spielen würde. Am Ende stimmte das auch.“
Für Humphries gehört diese Planung zu einem wichtigen Teil seiner Vorbereitung. Sollte sein Spiel erst spät stattfinden, würde er zwischendurch sogar noch eine Pause einlegen. „Aber wenn du früh am Abend spielst, willst du einfach bereit sein und im Rhythmus bleiben.“
Diskrepanz zwischen Leistung und Ergebnis
Obwohl Humphries regelmäßig hohe Averages spielt, hat er hin und wieder das Gefühl, dass sich diese Leistungen nicht immer direkt in die Ergebnisse übersetzen, die er von sich selbst erwartet.
„Ja und nein, es ist manchmal frustrierend“, gab er zu. „Wenn du gut spielst, aber nicht gewinnst, nagt das natürlich ein wenig.“ Trotzdem bleibt der Weltmeister aus dem Jahr 2024 gelassen. „Wenn du dieses Niveau hältst, kommen die Ergebnisse am Ende von selbst.“
Ein Teil der Erklärung liegt für ihn in kleinen Details, etwa in der Doppel-Erfolgsquote in Druckmomenten. „In der
Premier League Darts waren meine Leistungen oft gut, aber vielleicht fehlte genau dieser entscheidende Moment.“
Keine Premier-League-Sorgen
In der
Premier League Darts steht Luke Humphries nach einigen Spielwochen nicht an der Spitze der Tabelle. Für viele Spieler würde das zusätzlichen Druck erzeugen. Der Weltmeister selbst betrachtet die Situation jedoch bemerkenswert gelassen. Für ihn steht nicht die Punktejagd im Vordergrund, sondern die eigene Leistung auf der Bühne.
„Ich gehe nie in ein Match mit dem Gedanken, dass ich ‘Punkte holen muss’“, sagte er. „Ich will einfach gut spielen und das Publikum unterhalten.“
Humphries hält wenig davon, sich zu sehr auf die Tabelle zu konzentrieren. Für ihn zählt vor allem, ob er über die gesamte Saison hinweg sein bestes Niveau abruft.
„Wenn ich nach sechzehn Wochen Fünfter, Sechster oder Siebter bin, aber alles gegeben habe, dann muss ich das akzeptieren.“
Trotz dieser entspannten Haltung bleibt sein sportliches Ziel klar definiert: ein Platz unter den Top Vier und damit der Einzug in die Play-offs.
„Ich glaube, dass ich gut genug bin, um unter die besten Vier zu kommen.“
Rivalität mit Luke Littler
Eine der spannendsten Geschichten im aktuellen Darts ist die Rivalität zwischen Humphries und
Luke Littler. Beide Engländer gehören zur absoluten Weltspitze und werden immer wieder miteinander verglichen. Humphries selbst betrachtet diese Konstellation jedoch nicht als persönlichen Zweikampf.
„Natürlich wäre es schön, bestimmte Titel zu gewinnen, bevor er das tut“, räumte er ein. „Aber am Ende mache ich es für mich selbst.“
Gleichzeitig machte er deutlich, dass er seiner ohnehin schon beeindruckenden Titelsammlung noch weitere große Erfolge hinzufügen möchte. Besonders Turniere wie die UK Open oder die European Championship stehen dabei auf seiner Wunschliste.
„Wenn ich die eines Tages gewinne, wäre ich enorm stolz. Aber selbst wenn nicht, habe ich schon viel erreicht.“
Die Stimmung hinter den Kulissen
Abseits der Bühne herrscht auf der PDC-Tour oft eine überraschend lockere Atmosphäre. Viele Spieler nutzen die Zeit hinter den Kulissen, um miteinander zu scherzen und den Druck des Wettkampfs etwas zu relativieren. Humphries gehört zu denjenigen, die diese Stimmung aktiv mitgestalten.
„Ich liebe diese Atmosphäre“, sagte er. „Meistens bin ich derjenige, der das ein bisschen ins Rollen bringt.“
Mit einem Augenzwinkern verwies er dabei auf
Nathan Aspinall, den er als eine der lebendigsten Persönlichkeiten auf der Tour beschreibt.
„Wenn er nicht da ist, merkst du das sofort. Er bringt immer Energie in die Gruppe.“
Für Humphries ist diese lockere Dynamik ein wichtiger Ausgleich zum intensiven Wettbewerb auf der Bühne.
„Auf der Bühne ist es Business. Aber abseits davon darf auch gelacht werden.“
Ständige Suche nach Verbesserung
Ein prägendes Merkmal von Humphries’ Ansatz ist seine stetige Suche nach kleinen Verbesserungen – insbesondere beim eigenen Material. Der Engländer experimentiert regelmäßig mit minimalen Anpassungen, um noch ein paar Prozent Leistung herauszuholen.
„Ich verändere nie extrem viel“, erklärte er. „Aber ich versuche immer, dieses eine oder zwei Prozent zu finden, das den Unterschied machen kann.“
Dabei geht es häufig um Details wie Flights, Spitzen oder die Balance seiner Darts. Gleichzeitig weiß Humphries, dass zu viele Veränderungen auch Risiken bergen.
„Man muss allerdings aufpassen, nicht zu viel zu verändern, denn dann kann es sogar schlechter werden.“
Sein aktuelles Setup ähnelt deshalb stark dem Material, das er bereits in den vergangenen Jahren verwendet hat – auch wenn kleine Experimente weiterhin Teil seiner Routine bleiben.
Ein immer stärkeres Teilnehmerfeld
Nach Ansicht von Luke Humphries hat sich das Niveau im professionellen Darts in den vergangenen Jahren spürbar erhöht. Besonders Spieler knapp außerhalb der Top-16 stellen mittlerweile eine ernsthafte Gefahr dar und können an einem guten Tag jeden schlagen.
„Es gibt jetzt so viele gute Spieler“, sagte er. „Das Niveau steigt jedes Jahr.“
Als Beispiele nannte Humphries unter anderem Dirk van Duijvenbode und Wessel Nijman. Beide traut er zu, schon bald den Sprung in die Top-16 der Weltrangliste zu schaffen.
„Früher hast du vielleicht anders auf eine Auslosung geschaut. Jetzt weißt du, dass dich fast jeder schlagen kann.“
Für den Weltmeister bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: Stillstand darf es nicht geben. Wer sich nicht ständig weiterentwickelt, verliert schnell den Anschluss.
„Wenn du stehen bleibst, überholen dich die anderen.“
Trotz seiner bereits beeindruckenden Titelliste bleibt Humphries deshalb hoch motiviert. Er betrachtet seine aktuelle Form zwar als sehr solide Grundlage, sieht darin aber noch nicht das Maximum seines eigenen Potenzials.
„Meine Leistungen in diesem Jahr sind eigentlich besser als je zuvor“, sagte er. „Aber ich glaube, da ist noch mehr drin.“