Aufmerksame Zuschauer staunten nicht schlecht, als
Nathan Aspinall beim
German Darts Grand Prix zu „Lose Yourself“ von Eminem die Bühne betrat. Ein ungewohntes Bild, schließlich gehört „Mr Brightside“ von The Killers seit Jahren fest zu seinem Auftritt.
Der Song ist längst mehr als nur ein Walk-on. Die Fans singen jede Zeile mit, die Stimmung kocht sofort hoch. Genau das macht Aspinall zu einem der beliebtesten Spieler der Tour. Doch dieser Erfolg brachte auch Schattenseiten mit sich.
Zwischen Kultstatus und Kritik: „Mr Brightside“ als Fluch und Segen
„Mr Brightside“ entwickelte sich für Aspinall zu einem zweischneidigen Schwert. Einerseits verschaffte ihm der Song enorme Aufmerksamkeit und Sympathien. Andererseits rückte er zeitweise stärker in den Fokus als seine Leistungen auf der Bühne.
Vor allem im vergangenen Jahr wurde das deutlich. Nach seiner Nominierung für die Premier League Darts bezeichneten Kritiker ihn als „Walk-on-Merchant“. Der Vorwurf: Seine Popularität basiere mehr auf seinem Einlaufsong als auf sportlichen Erfolgen.
Aspinall ließ solche Stimmen nie ganz an sich heran, doch sie blieben nicht ohne Wirkung. Der Wunsch nach Veränderung wuchs – und genau dieser scheint nun konkrete Formen anzunehmen.
Kein Versehen: Aspinall wollte den Wechsel bewusst
In den sozialen Netzwerken vermuteten einige Fans zunächst ein Missgeschick. Ein Nutzer schrieb sinngemäß, es wäre überraschend, wenn Aspinall erneut zu Eminem eingelaufen wäre – vermutlich sei es zuvor eher ein Fehler gewesen.
Doch
Philip Brzezinski widersprach deutlich. „Es war kein Versehen. Nathan hat sich den Song schon länger mal gewünscht und heute haben wir das mal ausprobiert fürs Halbfinale“, erklärte der Zeremonienmeister.
Erste Hinweise gab es schon länger
Ganz überraschend kommt diese Entwicklung nicht. Bereits auf der
European Tour experimentierte Aspinall mit seinem Walk-on. Teilweise ließ er „Lose Yourself“ in „Mr Brightside“ übergehen – ein fließender Übergang zwischen Alt und Neu.
Schon im vergangenen Jahr sprach er offen über seine Beweggründe: „Das hat es wirklich! Klar, jeder liebt ‚Mr. Brightside‘, aber ich höre es ungefähr 490 Millionen Mal im Jahr.“
Und weiter: „Ich bin ein riesiger Eminem-Fan und wollte am Anfang etwas anderes einbauen. Die DJs auf der Euro Tour waren großartig, also wer weiß — vielleicht führen wir es auch bei Sky und ITV ein.“
European Tour als Bühne für Experimente
Aspinall reiht sich damit in eine Reihe von Spielern ein, die die European Tour gezielt für neue Ideen nutzen. Die besondere Atmosphäre erlaubt mehr Freiheiten als große TV-Turniere.
Ein gutes Beispiel liefert Damon Heta. Der Australier setzt bei europäischen Events häufig auf „Links Rechts“ von Snollebollekes, um das Publikum stärker einzubinden – ein Song, den er bei TV-Turnieren nicht nutzt.
'The Heat' Damon Heta nutzt seit Langem die European Tour, um die Menge stärker anzuheizen als, mit seinem üblichen Walk-on-Song.
Auch Martin Schindler veränderte seinen Walk-on. Nach „Ich Will“ von Rammstein nutzt er inzwischen im TV ebenfalls Eminem. Und schon früher experimentierte Alan Norris mit unterschiedlichen Songs je nach Bühne.
Bleibt der Wechsel oder kehrt „Mr Brightside“ zurück?
Auf der European Tour scheint ein Wechsel wahrscheinlicher, da Spieler hier mehr Freiraum haben. Bei großen TV-Turnieren könnte der emotionale Wert von „Mr Brightside“ jedoch weiterhin eine wichtige Rolle spielen.