Luke Littler hat den Profidartsport in dieser Saison nach Belieben dominiert. Doch mit seinem Status als größter Star der Szene geht nach Ansicht des früheren Weltmeisters
Keith Deller auch eine besondere Verantwortung einher. Der Champion von 1983 fordert Littler und die anderen Topstars der PDC dazu auf, darauf zu achten, dass lukrative Show-Turniere nicht zulasten der offiziellen Events gehen.
Der erst 19-jährige Littler hat in diesem Jahr sämtliche sechs großen TV-Titel gewonnen, die bislang ausgespielt wurden, und sich längst zum Gesicht des Sports entwickelt. Gleichzeitig war „The Nuke“ keineswegs bei jedem Turnier am Start. In dieser Saison zog er sich bereits von zehn Events der European Tour zurück und verzichtete zudem auf die World-Series-Turniere in Australien und Neuseeland.
„Wenn du der wichtigste Spieler bist, ist es nicht gut, Turniere auszulassen“
Deller zeigt sich von Littlers außergewöhnlichen Leistungen beeindruckt, betont jedoch zugleich, dass dem Engländer aufgrund seines enormen Stellenwerts inzwischen eine wichtige Rolle für das weitere Wachstum des Dartsports zukommt.
Luke Littler dominiert den Dartsport wie kaum ein anderer. Der frühere Weltmeister Keith Deller sieht den 19-Jährigen als Aushängeschild der PDC jedoch zunehmend in der Verantwortung.
„Man muss die Qualitäten dieses Jungen bewundern“, erklärt Deller im Gespräch mit Oche180. „Darts ist nicht einfach. Jeder kann einen Dartpfeil werfen, aber in neunzig Prozent der Fälle landet er nicht an der richtigen Stelle.“
Für den Weltmeister von 1983 zeigt gerade die scheinbare Leichtigkeit, mit der Littler seine Gegner regelmäßig bezwingt, welch außergewöhnliche Klasse der 19-Jährige besitzt. „Er lässt es sehr einfach aussehen, und genau das ist das Besorgniserregende. Ich denke, er ist großartig für den Sport. Aber wenn du der wichtigste Spieler bist, ist es nicht gut, wenn du Turniere auslässt.“
„Nicht erst Shows spielen und danach sagen, dass man müde ist“
Vor allem das Zusammenspiel aus dem ohnehin dicht gedrängten PDC-Kalender und dem lukrativen Exhibition-Circuit sieht Deller kritisch. Die größten Stars des Dartsports können abseits der offiziellen Turniere beträchtliche Summen mit Showmatches verdienen. Nach Ansicht des früheren Weltmeisters werden die Spieler ihre Prioritäten in Zukunft allerdings anders setzen müssen.
„Ich denke, dass der Show-Circuit für viele dieser Topspieler in ein paar Jahren deutlich weniger wichtig sein wird“, führt Deller aus. „Ich weiß, dass sie dort sehr gutes Geld verdienen können, aber es hat keinen Sinn, Shows zu spielen und anschließend zu sagen, man sei müde und lasse deshalb Turniere aus.“
Deller stammt selbst aus einer anderen Darts-Generation und hat entsprechend eine andere Vorstellung davon, welche Verpflichtungen mit dem Status eines absoluten Topspielers verbunden sind. Aus seiner Sicht sollten gerade die größten Namen der Szene möglichst bei den bedeutenden PDC-Turnieren präsent sein.
„Ich bin von der alten Schule. Die PDC richtet heutzutage so viele große Turniere aus, und man will, dass dieser Sport weltweit weiter wächst.“
Deller sieht enormes internationales Wachstumspotenzial
Nach Dellers Einschätzung verfügt der Dartsport international noch über gewaltiges, bislang ungenutztes Potenzial. Sollte der Sport insbesondere in riesigen Märkten wie China und den Vereinigten Staaten endgültig den Durchbruch schaffen, könnten nach seiner Ansicht auch die finanziellen Dimensionen ein völlig neues Niveau erreichen.
„Wir wissen alle, dass, wenn China völlig verrückt nach Darts wird und der Sport in den Vereinigten Staaten immer größer wird, die Spieler am Ende um Hauptpreise von fünf oder zehn Millionen Pfund spielen können.“
Gerade vor diesem Hintergrund sieht Deller die derzeit größten Stars des Sports in der Verantwortung, die TV-Turniere der PDC zu unterstützen. Seine Forderung richtet sich dabei keineswegs ausschließlich an Littler, sondern ebenso an andere prominente Namen wie
Luke Humphries und
Gerwyn Price. „Es liegt also an Spielern wie den beiden Lukes und Gerwyn, diese TV-Turniere wirklich zu promoten und sie alle zu spielen. Denn genau dort erreicht man das weltweite Publikum.“
Littlers rasanter Aufstieg bringt somit zwangsläufig mit sich, dass sein Verhalten zunehmend unter besonderer Beobachtung steht. Dabei geht es längst nicht mehr ausschließlich um seine außergewöhnlichen Leistungen am Board. Als größter Star seiner Generation ist der 19-Jährige gleichzeitig zu einem Aushängeschild für einen Sport geworden, dessen internationales Wachstumspotenzial nach Dellers Einschätzung noch lange nicht ausgeschöpft ist.