Nathan Aspinall gehört seit Jahren zur absoluten Weltspitze des Dartsports. Der 34-jährige Engländer kennt aber auch die brutale Realität einer Nation, die aktuell mehr Weltklasse-Spieler hervorbringt als jedes andere Land. Besonders im Kampf um einen Platz im englischen Team für den
World Cup of Darts scheint derzeit kaum ein Weg an
Luke Humphries und
Luke Littler vorbeizuführen. Trotzdem weigert sich Aspinall, seine Hoffnungen aufzugeben. „Das Einzige, was ich tun kann, ist, mich weiter zu beweisen und besser zu werden“,
sagt er entschlossen.
Dass England momentan wohl das stärkste Dartteam der Welt stellt, steht für Aspinall außer Frage. „Die zwei Lukes sind einfach die Besten, das weiß jeder“, erkennt er offen an. Humphries ist seit geraumer Zeit eine feste Größe an der Spitze der Weltrangliste, während Littler in jungen Jahren die Dartwelt mit außergewöhnlichem Talent und bemerkenswerter Unbekümmertheit erobert hat. „Die werden nicht plötzlich schlechter“, so Aspinall. „Also wenn ich dazukommen will, muss ich nach oben.“
„Ich gehöre noch immer dazu“
Aspinall hat im vergangenen Jahr allerdings deutlich gemacht, dass er weiterhin zur Elite gehört. Mit starken Ergebnissen bei TV-Turnieren zeigte er, dass er alles andere als abgeschrieben ist. „Im vergangenen Jahr habe ich gezeigt, dass ich noch immer dazugehöre“, betont er. Doch in England, wo die Konkurrenz größer ist als irgendwo sonst auf der Welt, reicht selbst das nicht immer automatisch für eine Nominierung.
Nathan Aspinall steht aktuell auf Rang 14 der Weltrangliste
Bemerkenswert offen spricht Aspinall darüber, wie Spieler intern miteinander umgehen. „Es ist für deine Chancen immer gut, wenn einer der Lukes verliert“, sagt er unverblümt. „Spieler, die behaupten, es sei ihnen egal, lügen.“ In einem Sport, in dem jeder Platz, jedes Turnier und jede Ranglistenposition zählt, ist Konkurrenz allgegenwärtig. Aspinall macht keinen Hehl daraus, dass die Leistungen der direkten Rivalen unmittelbaren Einfluss auf die eigenen Chancen haben.
Der
World Cup of Darts bleibt für ihn dennoch ein besonderes Ziel. Das Nationenturnier im Doppel-Format besitzt für Aspinall einen hohen Stellenwert. „Am World Cup of Darts teilzunehmen, wäre großartig“, sagt er. „Es ist ein Traum, für mein Land aufzulaufen.“ Dieser Traum war bereits mehrfach greifbar. „Ich war ein paar Mal dicht dran, vor allem als ich Vierter der Weltrangliste war“, blickt er zurück. Damals schien eine Nominierung für England fast nur eine Frage der Zeit.
Die Realität ist jedoch hart. „Beide Lukes sind jünger, also wird das schwierig“, räumt Aspinall ein. In einem Sport, in dem das Alter zwar zunehmend an Bedeutung verliert, kann genau dieser Faktor auf lange Sicht dennoch eine Rolle spielen.
„Weiter abliefern, und dann sehen wir weiter“
An Resignation denkt Aspinall dennoch nicht. Sein Fokus liegt klar auf den eigenen Leistungen. „Das Einzige, was ich tun kann, ist weiter abliefern, und dann sehen wir weiter“, sagt er sachlich. Diese Haltung hat ihn durch seine gesamte Karriere getragen und bleibt auch jetzt sein Anker – in einer Phase, in der die Spitze im Weltdarts enger zusammengerückt ist als je zuvor.
Darüber hinaus sieht Aspinall mögliche Chancen in strukturellen Veränderungen des
World Cup of Darts. „Vielleicht wird es realistischer, wenn der World Cup of Darts auf mehr Spieler erweitert wird oder in eine Art
Ryder-Cup-Format geht“, schlägt er vor. Eine solche Anpassung könnte nicht nur mehr Spielern die Möglichkeit geben, ihr Land zu vertreten, sondern auch das Prestige und die öffentliche Wahrnehmung des Turniers weiter steigern.