„Ich habe einfach gesagt: ‚Ich mache mir Sorgen um dich – um das, was du in den vergangenen Jahren gemacht hast.‘“ – Van der Voort enthüllt ein konfrontatives Gespräch mit Van Gerwen
PDC
Die World Series hat in Bahrain und Saudi-Arabien begonnen und damit auch das jährliche Gefühl des Übergangs: von der schwergewichtigen Darts WM zu Turnieren, in denen das sportliche Herz mitunter mit der kommerziellen Realität kollidiert. In der neuesten Folge von Darts Draait Door lassen Damian Vlottes und Vincent van der Voort keinen Zweifel daran, wie sie auf diese Phase blicken.
„Man muss immer erst wieder in Fahrt kommen“, sagt Van der Voort. „Die WM ist so wichtig. Die Stakes sind hoch, alles dreht sich darum. Und dann kommt das hinterher. Daran muss man sich erst wieder gewöhnen.“
Schwieriger Neustart nach der WM
Diese Beobachtung gilt nicht nur für die Zuschauer, sondern zeigt sich auch deutlich bei den Spielern. „Man merkt den Spielern schon an, dass nicht mit dem Messer zwischen den Zähnen gespielt wird“, so Van der Voort. „Manche schon, die haben etwas zu beweisen. Aber anderen ist es auch einfach recht so.“
Die World Series in Bahrain bot erneut eine Bühne für lokale Spieler, sportlich blieb der Abstand zur Weltspitze jedoch groß. Ein wiederkehrendes Bild war das von Abdullah Saeed, der zum dritten Jahr in Folge Luke Humphries zugelost wurde.
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„Das willst du natürlich nicht“, heißt es trocken. „Zum dritten Mal gegen denselben Spieler und dann wieder 6:0 runter. Man will auch mal jemand anderen. Allein damit man in zehn Jahren sagen kann: Gegen den habe ich gespielt.“
Dieses Perspektive ist vielleicht das einzige Lichtblick. Sportlich war der Unterschied erneut schmerzhaft deutlich. „Wahrscheinlich gewinnt er auch in zehn Anläufen kein Leg“, sagt Van der Voort. „In den vergangenen Jahren hatte er nicht einmal einen Pfeil auf ein Doppel.“
Auch der andere bahrainische Spieler Basem Mahmood zeigte, dass der Niveauunterschied weiterhin erheblich ist, auch wenn er gegen Danny Noppert zumindest ein Leg holte. „Etwas besser“, nennt es Van der Voort. „Aber auch nicht viel.“ Die Schlussfolgerung ist klar und hart: „Man hofft immer, dass irgendwo eine neue Sensation aufsteht, aber ich habe nicht das Gefühl, dass Bahrain einen neuen Littler hervorbringen wird.“
Bedeutender Sieg für Van Gerwen in Bahrain
Ein sportlicher Höhepunkt in Bahrain war der Turniersieg von Michael van Gerwen, der im Finale mit Gian van Veen abrechnete. Ein Duell mit mehr Untertönen, als man auf den ersten Blick denkt.
„Gian spielt dort auch wirklich auf Sieg“, stellt Van der Voort fest. „Es ist seine erste World Series außerhalb der Niederlande. Und Van Gerwen hat dieses Jahr etwas zu beweisen, der ist wirklich mit dem Aufbau beschäftigt, um in Topform zu kommen.“ Dieses Kräfteverhältnis ist interessant, zumal Van Veen auf dem Papier die Nummer eins der Niederlande ist. „Das wird in den Medien oft betont“, so Vlottes. „Also ist es für Michael wichtig, ihn einfach ein paar Mal zu schlagen.“
Van Gerwen tat das, aber nicht ohne Gegenwehr. Van Veen kam in die Partie zurück und spielte das Ende sogar stärker. „Aber Michael blieb scharf“, analysiert Van der Voort. „Das hat man zuvor bei der EM schiefgehen sehen. Jetzt nicht.“
Eine entscheidende 103-Finish trug dazu bei. „Am Ende war Gian besser“, räumt Van der Voort ein. „Aber er lag schon 2:6 hinten. Und Michael ließ dieses Momentum nicht kippen.“
Der Sieg fühlt sich wie ein erster Schritt in die richtige Richtung an, nicht wie ein Endpunkt. „Man sieht, dass er noch nicht da ist“, sagt Van der Voort offen. „Da muss noch viel passieren. Aber das ist ein sehr schöner Mutmacher für die neue Saison.“
Van Gerwen startete 2026 ausgezeichnet, indem er die Bahrain Darts Masters gewann.
„Ich habe einfach gesagt: Ich mache mir Sorgen um dich“
Vielleicht der aussagekräftigste Moment des Podcasts ist Van der Voorts offener Bericht über ein Gespräch, das er mit Van Gerwen führte, angekündigt während der WM. „Ich habe sehr klar gesagt, was aus meiner Sicht alles schief läuft“, erzählt er. „Und das war nicht nur zwischen ihm und mir. Da waren mehrere Leute dabei. Ich habe einfach gesagt: ‚Ich mache mir Sorgen um dich, um das, was du in den vergangenen Jahren gemacht hast.‘“
Laut Van der Voort wusste Van Gerwen selbst schon länger, dass es nicht gut lief. „Er sagte: Ich wusste schon, dass du einen Punkt hast, aber ich war nicht so weit. Wegen allem, was privat los war. Wegen all dem, was in meinem Leben passiert ist.“ Die Prioritäten lagen woanders. „Seine Kinder, sein Privatleben, alles. Er hat diese Phase genutzt, um vieles zu machen, aber nicht, um seine Prioritäten aufs Darts zu legen.“
Die Einsicht kam später. „Er sagte: Ich wusste, dass es schiefging, aber ich bekam die Wende nicht hin. Und jetzt weiß ich, was falsch gelaufen ist. Und jetzt gehen wir in die richtige Richtung.“ Laut Van der Voort sind sie nun wieder auf einer Linie. „Nur in den letzten Jahren ist es einfach schiefgelaufen wegen seiner Situation zu Hause. Er hat es einfach nicht hinbekommen und dann wehrt man sich auch dagegen. Er konnte es einfach nicht aufbringen. Das ist auch nicht ungewöhnlich, denn er stand zwanzig Jahre an der Weltspitze. Ich hoffe jetzt, dass die Kehrtwende geschafft ist.“
Für Gian van Veen war Bahrain vor allem eine Bestätigung der guten Phase, in der er sich befindet. „Du stehst im Finale, du zeigst erneut, dass du dazugehörtst“, sagt Van der Voort. „Das wussten wir schon, aber das hilft.“
Das ist wichtig, gerade mit einer ersten Premier-League-Saison vor der Tür. „Jeder hat eine Meinung dazu. Und wenn du zweimal früh verlierst, sagen sie: Siehst du wohl.“ Van Veen blieb jedoch stabil. „Es wirkt gepflegt, sieht stabil aus und er ist in Form. Das ist mental sehr wichtig.“
Ein bemerkenswerter Moment ereignete sich während des Viertelfinals zwischen Van Veen und Noppert, als plötzlich alles schwarz wurde, nachdem der Strom ausgefallen war. „Dass alle Lichter ausgehen … wie kann das sein?“, fragt sich Vlottes. Van der Voort erinnert sich an ähnliche Situationen. „Wir hatten das einmal in Exeter. Da war es im Practice-Raum zu kalt und die PDC dachte: Wir sind erst im sechsten Jahr hier, lassen wir etwas dagegen tun. Während des Einwerfens hatten sie Heizgeräte geholt und dann flogen auch alle Sicherungen raus. Da saßen ebenfalls alle im Dunkeln.“
Van der Voort empfand es jedenfalls als einen besonderen Moment. „Es dauerte auch eine Weile, denn es war ziemlich dunkel. Man hat gar nichts gesehen“, sagte er lachend. „Auf der Bühne muss man zudem aufpassen, dass man nicht irgendwo stolpert. Das kann im Dunkeln durchaus schwierig sein.“
Littler, Motivation und die Grenzen des Entertainments
Auch der Name Luke Littler fiel, der gegen Gerwyn Price „unmotiviert“ wirkte. Showboating, andere Darts und ungewöhnliche Finishes sorgten bei vielen Dartsfans für Stirnrunzeln. „Für so ein Turnier bietet es sich aber auch an“, relativierte Van der Voort. „Die PDC ist doch häufig Entertainment und diese Turnierchen wurden ins Leben gerufen, um Geld zu verdienen. Nicht für die Spieler … dann bekommst du solche Dinge. Der Kalender ist so voll.“
Van der Voort wird anschließend vorgehalten, dass Spieler bestraft werden können, wenn sie unmotiviert auf der Bühne erscheinen. Er hält die Grenze jedoch für schwer zu ziehen. „Das ist sehr schwer zu bestimmen“, findet er. „Bei ihm sieht es sehr oft unmotiviert aus, und dann sitzt alles im Triple. Ich verstehe das durchaus, aber ich bin kein großer Freund davon, Strafen zu verteilen und solcher Dinge.“
„Wettbüros werden darüber nicht sehr glücklich sein“, merkt Vlottes an. Doch Van der Voort sieht die PDC selbst in der Verantwortung. „Das haben sie sich ein Stück weit selbst eingebrockt, indem sie solche Turniere veranstalten. Dann ist es auch nicht so entscheidend.“
Zum Schluss wurden die neuen Euro-Tour-Regeln besprochen, die kurz vor dem Start erneut angepasst wurden. „Sie haben es wieder zurückgedreht“, seufzt Van der Voort.
Seine Kritik ist grundsätzlicher Natur. „Ändert es einmal und macht es richtig. Statt jedes Jahr wieder alles umzuschmeißen. Da sitzen Leute, die selbst nie Sport gemacht haben. Großartige Geschäftsleute, aber null Ahnung von Sport. Redet doch mal mit Ex-Spielern. John Part, Wayne Mardle, Mark Webster. Fragt, was fair ist.“ Inhaltlich seien die Anpassungen seiner Meinung nach zwar richtig, der Prozess jedoch nicht. „Das hätte niemals so entschieden werden dürfen“, schloss er in kritischem Ton.
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Theo StodiekRedakteur
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Dartsnews.de und berichtet dort über den professionellen Dartsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Erstellung von Liveblogs zu großen Turnieren und wichtigen Ereignissen, darunter die European Tour und die PDC World Darts Championship (WM). Dabei begleitet er das Geschehen in Echtzeit und ordnet Ergebnisse, Spielverläufe und Entwicklungen fortlaufend ein. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um die internationale Darts-Szene.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit Nicolas Gayer und Oliver Ried vernetzt. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026










