Sportlich könnte das Jahr für
Kevin Doets kaum besser laufen. Der Niederländer hat sich in der Weltrangliste weiter nach vorne gearbeitet, feierte mehrere Meilensteine seiner noch jungen Profikarriere und bestätigt seine Entwicklung auch auf der großen Bühne. Doch während es für „Hawkeye“ am Oche stetig bergauf geht, musste er abseits des Dartsports einen schweren persönlichen Rückschlag verkraften.
Wie gut Doets derzeit trotz dieser schwierigen Phase auf der Bühne funktioniert, stellte er am Freitagnachmittag auch bei der
Flanders Darts Trophy in der Antwerp Expo unter Beweis. Gegen James Hurrell geriet der Niederländer kaum ernsthaft in Bedrängnis. Mit seiner eigenen Vorstellung zeigte er sich anschließend zufrieden – auch wenn ihm nicht entgangen war, dass sein englischer Kontrahent deutlich unter seinen Möglichkeiten geblieben war.
Doets wartet vergeblich auf Hurrells Aufholjagd
„James hat unter seinen Möglichkeiten gespielt“, analysierte Doets gegenüber
Het Nieuwsblad. „Er war nicht besonders gut. Ich habe von Anfang bis Ende solide gespielt. Am Schluss wurde ich etwas nervös, aber gut. Das war kaum zu sehen, ich spielte am Ende noch zwei starke Legs.“
Kevin Doets erlebt sportlich das erfolgreichste Jahr seiner Karriere – während er abseits des Oches einen schweren persönlichen Verlust verkraften muss.
Dabei waren es laut Doets weniger die Nerven selbst, die ihm auf dem Weg über die Ziellinie zu schaffen machten. Vielmehr beschäftigte ihn der Gedanke, dass Hurrell jederzeit zu einer Aufholjagd ansetzen könnte. „Warum die Nerven? Das ist vielleicht nicht das richtige Wort, aber ich fing an nachzudenken. Er kann viel besser spielen, und ich dachte, dass da noch was kommt. Tat er aber nicht, zum Glück für mich.“
Der Erfolg passt in das bislang sportlich beste Jahr in Doets' Karriere. Der Niederländer feierte sein Debüt beim World Matchplay und wird demnächst erstmals beim World Grand Prix antreten. Zudem erreichte er sein erstes Finale auf der European Tour und gewann zu Beginn der Saison erstmals ein Floor-Turnier.
Persönlich schwere Phase
Abseits des Sports verlief das Jahr für Doets dagegen völlig anders. 2025 trennte er sich von der Mutter seines Sohnes Aiden, zu Beginn des Jahres zog er um. Inzwischen ist der Niederländer mit der Brasilianerin Bianca Rangel liiert. Im vergangenen Monat musste Doets zudem einen schweren Schicksalsschlag verkraften: Sein Vater verstarb.
„Es hat sich dieses Jahr einiges verändert“, erzählt er. „Ich bin Anfang des Jahres umgezogen und habe viel mehr Zeit zum Trainieren. Aber jetzt stecke ich wieder in einer schwierigen Phase, weil mein Vater letzten Monat gestorben ist. Gefühlt ist jetzt alles wieder ganz anders.“
Nach Einschätzung von Doets machen sich diese Umstände auch in seinen derzeit schwankenden Leistungen am Board bemerkbar.
„Ich werfe immer noch ordentlich und heute war es ein gutes Match, aber letzte Woche war es nicht gut und die Woche davor sehr schlecht. Im Moment ist es etwas schwankend. Insgesamt ist es darts-mäßig mein bestes Jahr, aber persönlich mein schlechtestes Jahr.“
„Der mentale Anteil liegt bei mindestens 80 Prozent“
Doets versucht, die Geschehnisse in seinem Privatleben und seine Karriere als Dartsprofi so weit wie möglich voneinander zu trennen. In der Realität gelingt das allerdings nicht immer.
„Ja, gute Frage“, lacht er auf die Frage, wie es ihm trotz allem gelingt, weiterhin seine Leistung abzurufen. „Wenn ich es selbst genau wüsste, würde ich es noch besser machen. Der mentale Anteil im Darts liegt bei mindestens 80 Prozent, und wenn privat etwas schiefläuft, geht oft auch im Darts etwas schief. Deshalb versuche ich es so gut wie möglich zu trennen, aber das ist nicht immer leicht. Zum Glück läuft es bislang okay.“
Erst seit 2022 besitzt Doets eine Tour Card, dennoch hat er sich innerhalb dieser vergleichsweise kurzen Zeit bereits weit nach vorne gearbeitet. Mit Blick auf die Weltmeisterschaft rangiert der Niederländer inzwischen nur knapp außerhalb der Top-20 der Weltrangliste.
„Habe ich wirklich erst so kurz eine Tour Card? Für mich fühlt es sich an wie zehn Jahre oder so“, lacht „Hawkeye“. Seine bisherige Entwicklung entspricht nach eigener Aussage exakt dem Karriereplan, den er sich vorgenommen hatte.
„Ich stehe zu 100 Prozent da, wo ich in diesem Moment meiner Karriere stehen will. Ich bin kein Luke Littler oder Gian van Veen. Ich komme nicht aus dem Nichts plötzlich in die Top Acht der Welt. So war es bei mir nie, weder in der Jugend noch jetzt. Ich werde jedes Jahr besser, lerne ständig dazu und klettere Schritt für Schritt. Wo ich jetzt stehe, ist genau, was ich mir erhofft habe. In fünf Jahren will ich noch weiter sein.“
„Doets there it is“: Beliebtheit beim Publikum wächst
Mit seinen Leistungen hat sich Doets inzwischen auch beim Darts-Publikum einen Namen gemacht. Bei seinen Partien ist von den Rängen regelmäßig „Doets there it is“ zu hören. Warum sich ausgerechnet dieser Ruf derart großer Beliebtheit erfreut, kann sich der Niederländer selbst nicht vollständig erklären.
„Dass ich so beliebt zu sein scheine? Ja, jeder kennt diesen einen Satz. Ich weiß auch nicht genau warum (lacht). Es ist nicht so, dass ich etwas Besonderes mache, auf der Bühne oder in den sozialen Medien. Aber ich werde mich nicht beschweren, ich freue mich, wenn die Leute das rufen. Also: weiter so!“
Auch seine Auftritte bei der Weltmeisterschaft haben dazu beigetragen, dass Doets' Bekanntheit stetig gewachsen ist. In den vergangenen drei Ausgaben bekam er es unter anderem mit Michael Smith, Chris Dobey und Luke Humphries zu tun. Gegen Smith unterlag er zunächst in einem Thriller, als der Engländer als Titelverteidiger antrat. Ein Jahr später gelang Doets dann der Sieg über „Bully Boy“. Bei der jüngsten Ausgabe schaffte es der Niederländer schließlich bis in die vierte Runde.
An seiner grundsätzlichen Einstellung hat sich trotz der besseren Position in der Weltrangliste und seiner Erfolge in dieser Saison nichts geändert. „Ich habe überhaupt kein anderes Mindset als früher“, stellt Doets abschließend klar. „Ich will einfach jedes Match gewinnen. Wenn nicht, bin ich sowieso grantig!“