„Vor einem Match steht er noch auf Ibiza tanzend auf der Bühne, und ein paar Tage später soll er ein großes Dartturnier spielen" – Michael van Gerwen nach frühem Aus beim World Matchplay erneut kritisiert
Michael van Gerwen steckt in einer der schwierigsten Phasen seiner Karriere. Der dreimalige Weltmeister sucht seit Monaten nach seiner Bestform – und auch das World Matchplay 2026 brachte keine Trendwende. In Blackpool musste sich der Niederländer bereits früh Dirk van Duijvenbode geschlagen geben und büßte damit erneut wichtige Ranglistenpunkte ein.
Nach der 12:14-Niederlage gegen van Duijvenbode in der zweiten Runde setzt sich der Negativtrend für den ehemaligen Weltranglistenersten fort. Erstmals seit 2012 zählt der Brabanter nicht mehr zu den Top Fünf der PDC Order of Merit. Aktuell rangiert van Gerwen auf Platz sechs, doch nach dem frühen Aus beim World Matchplay droht in den kommenden Monaten ein noch steilerer Absturz.
Formkrise sorgt für Diskussionen im Fernsehen
Van Gerwens sportliche Talfahrt war am Dienstagabend auch Thema in der niederländischen Fernsehsendung „De Oranjezomer“. Dort analysierte Darts-Kommentator Koert Westerman die Situation des Niederländers und machte deutlich, dass es sich seiner Ansicht nach längst nicht mehr um eine vorübergehende Schwächephase handelt.
„Das läuft schon eine Weile“, erklärte Westerman. Aus seiner Sicht steckt hinter den ausbleibenden Erfolgen mehr als nur die sportliche Leistung am Oche. Der Kommentator verwies auf die turbulenten privaten Monate van Gerwens. Der Niederländer hatte im vergangenen Jahr das Ende seiner Ehe mit Daphne Govers bekannt gegeben. Das Paar hat zwei gemeinsame Kinder, die Trennung bedeutete einen tiefgreifenden Einschnitt in seinem Privatleben.
Dirk van Duijvenbode besiegt Michael van Gerwen beim World Matchplay 2026.
Westerman betonte, dass persönliche Umstände auch die Leistungen eines Spitzensportlers beeinflussen können. Gleichzeitig sieht er van Gerwen unter Zugzwang, wenn dieser einen weiteren Absturz in der Weltrangliste verhindern möchte.
„Es muss etwas passieren. Sonst ist die Ära vorbei“, warnte der Kommentator. Er ging sogar noch weiter und stellte die These auf, dass van Gerwen bei anhaltend schwachen Ergebnissen langfristig sogar aus der Top-30 der Weltrangliste fallen könnte.
Auch Sportmarketing-Experte Chris Woerts beteiligte sich an der Diskussion und kritisierte van Gerwens Auftreten abseits der Dartsbühne. Nach seiner Einschätzung fehlt dem Niederländer derzeit die kompromisslose Fokussierung, die im Spitzensport notwendig ist.
„Er muss einfach fokussiert bleiben“, sagte Woerts. „Vor einem Match steht er noch auf Ibiza tanzend auf der Bühne, und ein paar Tage später soll er ein großes Dartturnier spielen. Das funktioniert im Spitzensport einfach nicht.“
Die deutlichen Worte blieben bei van Gerwen nicht unbemerkt. Noch während der Sendung erhielt Westerman eine Nachricht des Niederländers. Nach der Werbepause entschied sich der Kommentator, deren Inhalt mit dem Publikum zu teilen.
„Michael schrieb: ‚Unkraut vergeht nicht.‘“
Mit dieser kurzen, aber selbstbewussten Antwort machte van Gerwen deutlich, dass er sich mit seiner aktuellen Situation keineswegs abgefunden hat. Die Replik sorgte im Studio für spontanen Applaus, auch Moderatorin Hélène Hendriks zeigte sich von der Schlagfertigkeit des dreimaligen Weltmeisters angetan.
Michael van Gerwen verlässt die Blackpool-Bühne nach seiner Zweitrundenniederlage.
Westerman nahm die Botschaft mit einem Augenzwinkern auf und bekräftigte seinen Glauben an ein Comeback des Niederländers. „So ist es, Michael, einfach durchziehen. Ich komme schon wieder zurück. Ein Topmann ist er.“
Ungeachtet der aktuellen Formkrise zählt van Gerwen weiterhin zu den erfolgreichsten Spielern der Darts-Geschichte. Drei Weltmeistertitel, zahlreiche Major-Erfolge und viele Jahre an der Spitze der Weltrangliste belegen, dass er sich bereits mehrfach aus schwierigen Phasen zurückgekämpft hat.
Dirk van Duijvenbode (r.) setzte sich beim World Matchplay mit 14:12 gegen Michael van Gerwen durch und verschärfte damit die sportliche Krise des dreimaligen Weltmeisters.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob „Mighty Mike“ erneut den Weg zurück an die Weltspitze findet. Die Konkurrenz ist so stark wie selten zuvor, doch van Gerwen selbst scheint weiterhin fest davon überzeugt zu sein, dass seine Erfolgsgeschichte noch nicht zu Ende geschrieben ist. Seine Botschaft an Westerman ließ daran jedenfalls keinen Zweifel.
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.