„Vor zwei Jahren hätte ich das nie geglaubt“ – Wessel Nijman nach Sensationsjahr vor Top 10, Premier League und Oranje
PDC
Wessel Nijman muss inzwischen nicht mehr erklären, warum die Buchmacher ihn so hoch einstufen. Der 26-jährige Nord-Holländer spielt eine außergewöhnliche Saison und hat sich in rasantem Tempo unter den besten Dartspielern der Welt etabliert. Nach sechs Floor-Titeln und zwei Euro Tour-Siegen im Jahr 2026 winken nun die Top-10 der Weltrangliste, die Premier League und sogar ein Platz im niederländischen Team für den World Cup of Darts.
Trotzdem bleibt Nijman bemerkenswert gelassen. Während er in England regelmäßig als "Dutch revelation", "wonderkid" oder "new superstar" betitelt wird, konzentriert sich der Spieler aus Uitgeest lieber auf das, was am Board passiert.
Bei den Buchmachern inzwischen einer der Topfavoriten
„Die Geschichte mit den Buchmachern kennen wir jetzt, oder?“, sagt Nijman lachend im Gespräch mit dem AD. Für die World Series of Darts Finals in Amsterdam werden nur Luke Littler und Luke Humphries höher für den Titelgewinn eingeschätzt.

Wessel Nijman hat in diesem Jahr bereits 8 Titel gewonnen. Auch in Göttingen konnte der Niederländer triumphieren.
Das ist inzwischen weit weniger überraschend als noch vor ein paar Jahren. Nijman hat 2026 bereits sechs Players Championship-Turniere und zwei European- Tour Events gewonnen. Damit gehört er nur zu einer kleinen Gruppe von Spielern, die in einem Kalenderjahr so viele PDC-Titel geholt haben.
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Er selbst interessiert sich nicht für diese Statistiken. „Ich las kürzlich, dass der Zeitraum zwischen meinem ersten und zehnten Titel einer der kürzesten überhaupt war. Solche Dinge... damit kann ich ehrlich gesagt wenig anfangen. Ich finde vor allem stark, dass ich in zweieinhalb Jahren aus dem Nichts die Nummer 12 der Welt geworden bin und Aussicht auf die Top 10 habe.“
Vom Job zu drei Stunden Training pro Tag
Diese Entwicklung erhielt Ende vorigen Jahres einen zusätzlichen Schub. Nijman entschied sich, voll auf seine Dartkarriere zu setzen, und hörte auf zu arbeiten. Dadurch änderte sich auch seine tägliche Vorbereitung grundlegend.
„Es hat ein bisschen mit Timing und Glück zu tun, aber die größte Veränderung ist, dass ich seit dem 1. Dezember nicht mehr arbeite. Zuvor versuchte ich nach der Arbeit eine Stunde zu spielen, doch das klappte fast nie. Jetzt stehe ich drei Stunden pro Tag am Board.“
Dass die Ergebnisse anschließend nahezu sofort kamen, machte die Entscheidung deutlich einfacher. Von bloßem Talent will Nijman nichts wissen. „Nicht, wenn du nichts dafür tust. Aber schon, wenn du viel Arbeit reinsteckst. Der Vorteil ist auch, dass es jetzt direkt gut läuft. Wenn du mit dem Arbeiten aufhörst und nicht performst (und nichts verdienst, Anm. d. Red.), steigt der Druck.“
Finanziell hat sich diese Entscheidung vorerst ausgezeichnet ausgezahlt. Nijman verdiente in diesem Kalenderjahr bereits 297.000 Pfund Preisgeld, umgerechnet etwa 350.000 Euro. Nur Weltmeister Littler sammelte 2026 mehr. Gerwyn Price, Ross Smith und James Wade folgen hinter dem Niederländer.
Dennoch setzt Nijman selbst einen kleinen Sternchenhinweis hinter seine beeindruckende Ausbeute. „Ich will mich nicht kleinreden, aber bei vielen Turnieren, die ich dieses Jahr gewonnen habe, waren Littler und Humphries nicht dabei. Nicht, dass ich weniger stolz darauf wäre, aber das verändert die Sache ein bisschen.“
Kein Bedarf an großen Geschichten
Diese Haltung passt zu Nijman. Während andere Spieler auf Social Media sehr präsent sind oder ihr Leben auf der Tour ausführlich zeigen, hält er lieber etwas Abstand.
Einen auffälligen Spitznamen hat er ebenso wenig. „Ich habe noch nie einen guten Spitznamen gehört“, sagt Nijman, der auch nicht das Bedürfnis verspürt, jedes Interview oder jede Social-Media-Anfrage mitzunehmen.
„Ich wähle meine Momentchen. Ich finde zum Beispiel die Vlogs von Gian van Veen gut, aber das ist nichts für mich. Und wenn ich alle Interviews annehme und viermal dieselbe Geschichte erzähle, ist der Spaß doch auch schnell weg, oder? Ich versuche, ein bisschen Distanz zu halten.“
Seine Leistungen sorgen derweil von selbst für genügend Aufmerksamkeit. Nijman steht auf Rang zwölf der Weltrangliste. Die Top-10 ist in Reichweite. Eine Position, die vor einigen Jahren kaum vorstellbar war. „Wenn du mir das vor zwei Jahren gesagt hättest, hätte ich es nicht geglaubt. So sah die Welt damals einfach nicht aus.“
Nijman spielt damit auf die Phase an, in der seine Karriere nach einer Sperre wegen Matchfixing bei einem Online-Dartturnier an einem ganz anderen Punkt stand. Inzwischen hat er sich mit seinen Leistungen wieder in die internationale Spitze zurückgekämpft.

Nijman hat nur 28.500 Pfund Rückstand auf Danny Noppert, der in der PDC Order of Merit Zehnter ist.
Major-Titel fehlt noch
Der nächste Schritt liegt auf der Hand. Nijman hat inzwischen elf Titel auf dem Konto, wartet aber noch auf seinen ersten richtig großen TV-Titel. Die World Series of Darts Finals in Amsterdam bieten dafür eine neue Chance. Am Freitagabend startet er gegen Simon Whitlock.
Ein tiefer Lauf in Amsterdam bedeutet allerdings, dass Nijman erneut ein Spiel vom AZ Alkmaar verpassen muss. Der Spieler ist leidenschaftlicher Anhänger und verlängerte auch für diese Saison seine Dauerkarte. „Ich habe meine Dauerkarte bei AZ wieder verlängert. Ich wäre diese Woche auch gern nach Sunderland auswärts gefahren, aber gut... Das Risiko war zeitlich zu groß.“
Es wirkt inzwischen fast wie eine Tradition, dass Alkmaar gerade dann etwas Besonderes schafft, wenn Nijman selbst auf der Bühne steht. Vor zwei Jahren spielte er ebenfalls die World Series of Darts Finals in AFAS Live. Nach seinem Match erfuhr er, dass sein Lieblingsclub derweil Heerenveen mit 9:1 besiegt hatte.
„Story meines Lebens. Beim gewonnenen Pokalfinale war ich auch im Ausland. Ich glaube, das Jahr, in dem ich irgendwann Premier League spiele (und viel unterwegs bin, Anm. d. Red.), wird das Jahr, in dem AZ wieder Meister wird (lacht).“
Zur aktuellen AZ Alkmaar-Mannschaft äußert sich Nijman vorsichtig positiv. „Nein, das denke ich nicht. Gefühlt starten wir immer gut in die Saison und sobald die europäischen Wettbewerbe beginnen, fallen wir ab. Aber Leeroy Echteld ist ein guter Trainer. Ich habe das Gefühl, dass man sich bei ihm nicht viel erlauben kann. Das ist gut bei so einer jungen Gruppe.“
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Premier League und Oranje winken
Auch zu seinen eigenen Chancen auf eine Premier-League-Teilnahme will Nijman den Ball flach halten. Seine starke erste Saisonhälfte hat ihn in eine exzellente Ausgangsposition gebracht, doch er weiß, dass die wichtigsten TV-Turniere noch bevorstehen.
„Es wäre unglaubwürdig zu sagen, dass das zu 100 Prozent passieren wird. Das Jahr ist so strukturiert, dass vor allem die zweite Hälfte zählt. Meine erste Halbserie wird nicht allzu viel beitragen. Jetzt geht es um die Wurst.“
In der Weltrangliste liegen Gian van Veen, Michael van Gerwen und Danny Noppert derzeit noch vor ihm. Setzt Nijman seinen Aufstieg fort, rückt auf Sicht auch ein Start beim World Cup of Darts näher. Dafür muss er zu den zwei bestplatzierten Niederländern gehören.
Der Gedanke, die Niederlande zu vertreten, reizt ihn. Zumal Nijman früher sah, wie Raymond van Barneveld und van Gerwen gemeinsam für Oranje spielten.
„Das ist noch weit weg, aber wenn man früher Raymond van Barneveld und Michael van Gerwen hat spielen sehen, hat man natürlich daran gedacht, wie schön das sein könnte. Ich glaube auch, dass ich mit Gian ein gutes Doppel bilden könnte.“
Die Top Ten winken, die Premier League ist in Reichweite, und auch Oranje ist keine unrealistische Option mehr. Doch zunächst fehlt in Nijmans Vita noch ein großer Majortitel. Zuerst liegt der Fokus also auf Amsterdam: In Runde 1 trifft der Niederländer am Freitag um 20:00 Uhr auf Simon Whitlock.

Julian GrilleRedakteur
Julian Grille ist Redakteur bei Dartsnews.de und beschäftigt sich seit 2019 intensiv mit dem professionellen Dartsport. Für Dartsnews.de berichtet er über aktuelle Entwicklungen, Turniere und weitere Ereignisse aus der Welt der PDC und des internationalen Dartsports.
Erste journalistische Erfahrung im Darts sammelte Julian bereits 2023 bei einem Darts-Magazin. Darüber hinaus produziert er regelmäßig eigene Inhalte rund um den Sport und veröffentlicht diese unter dem Namen @Darty_8 auf Social Media. Dadurch verfolgt er das Geschehen im professionellen Darts nicht nur redaktionell, sondern setzt sich auch abseits seiner Arbeit kontinuierlich mit dem Sport auseinander.
Parallel zu seiner redaktionellen Tätigkeit studiert Julian Sportjournalismus in Potsdam. Dabei verbindet er seine journalistische Ausbildung mit seiner langjährigen Begeisterung und seinem Fachwissen für den Dartsport.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026











