Nach den ersten beiden Viertelfinals richtet sich der Blick im
Alexandra Palace am Donnerstagabend auf die verbleibenden Entscheidungen dieser Runde. In der Abendsession greifen die letzten vier Viertelfinalisten ins Geschehen ein, darunter auch die beiden Topstars des Sports,
Luke Littler und
Luke Humphries.
Titelverteidiger und Weltranglistenerster Littler betritt die Bühne als klarer Favorit gegen Krzysztof Ratajski. Der erfahrene Pole hat sich mit einem kontrollierten, stabilen Spielverlauf überzeugend unter die letzten Acht gespielt. Später am Abend folgt ein Duell, das viele Beobachter als das unberechenbarste dieser Viertelfinalrunde einstufen. Ex-Weltmeister Humphries trifft dabei auf
Gian van Veen, der bereits früher in dieser Saison bewiesen hat, dass ihn große Namen nicht beeindrucken.
Spielplan Darts WM 2026
Donnerstag, 01.01.
Abendsession (ab 20:00 Uhr)
| 20:15 Uhr | Luke Littler | v | Krzysztof Ratajski | VF |
| 22:00 Uhr | Luke Humphries | v | Gian van Veen | VF |
Luke Littler vs. Krzysztof Ratajski
Bislang wirkt Luke Littler bei dieser Weltmeisterschaft nahezu unangreifbar. Der Titelverteidiger spielte sich ohne nennenswerte Probleme durch seine ersten drei Matches und vermittelte dabei den Eindruck, sein spielerisches Limit noch nicht erreicht zu haben. Dennoch erhielt der Weltranglistenerste bereits in seinem Auftaktspiel ernsthafte Gegenwehr. Darius Labanauskas stemmte sich in der ersten Runde energisch gegen die Niederlage, doch Littler ließ sich nicht überraschen. Mit einem kontrollierten Auftritt und einem Average von 101,54 setzte er sich mit 3:0 Sätzen durch, obwohl der Litauer in zwei der drei Sätze jeweils einen Decider erzwang.
In der zweiten Runde erlebte Littler einen zähen ersten Satz gegen David Davies, den „The Nuke“ nur knapp mit 3:2 für sich entschied. Danach übernahm er zunehmend die Kontrolle über das Match. Ohne ernsthaft in Bedrängnis zu geraten, brachte er die Partie souverän zu Ende und verbuchte einen weiteren 3:0-Erfolg.
Sein dritter Auftritt hatte jedoch ein anderes Gewicht. Gegen Mensur Suljovic, bekannt für seinen betont langsamen und mitunter rhythmusbrechenden Spielstil, demonstrierte Littler eindrucksvoll, wie reif sein Spiel inzwischen ist. Der erst 18-Jährige ließ sich vom Tempo des Österreichers zu keinem Zeitpunkt aus dem Konzept bringen und spielte statistisch gesehen sein bislang bestes WM-Match. Mit einem herausragenden Average von 107,09 und einer fehlerfreien Leistung in den entscheidenden Phasen gewann Littler klar mit 4:0 Sätzen und untermauerte damit erneut seine Rolle als Topfavorit.
In der anschließenden Partie gegen Rob Cross wurde Littler deutlich stärker gefordert, zudem sah er sich zwischenzeitlich massiven Pfiffen ausgesetzt. Ein sichtlich verärgerter Littler erlebte, wie Cross einen Matchdart zum 3:3 in den Sätzen vergab. Unmittelbar danach konterte Littler mit einem spektakulären Leg und stellte den 4:2-Endstand her.
Anschließend machte die Nummer eins der Welt ihrem Unmut über das parteiische Publikum Luft und bedankte sich sarkastisch dafür, dass Karten gekauft worden seien, mit deren Einnahmen sein Preisgeld bezahlt werde. In den sozialen Medien folgte daraufhin deutliche Kritik an dieser Aussage. Entsprechend bleibt abzuwarten, ob Littler am Donnerstagabend von den Fans noch intensiver unter Druck gesetzt wird.
Luke Littler ließ seinem Frust nach seinem Sieg über Rob Cross freien Lauf
Krzysztof Ratajski erreichte diese Turnierphase über einen deutlich anspruchsvolleren Pfad und musste unterwegs mehrere Hürden überwinden. Sein Turnier begann gegen Alexis Toylo, den Spieler aus den Philippinen, der bei der Auslosung von vielen Akteuren besonders aufmerksam beobachtet wurde. Weniger wegen seiner Scoring-Power, sondern vor allem aufgrund seines extrem langsamen Spieltempos, das Matches spürbar aus dem Rhythmus bringen kann. Ratajski ließ sich davon jedoch nicht beeinflussen. Mit viel Geduld kontrollierte er das Geschehen und setzte sich souverän mit 3:0 Sätzen durch.
In der zweiten Runde wartete auf dem Papier eine deutlich schwierigere Aufgabe gegen Ryan Joyce. Der Engländer gilt als unangenehmer Gegner, fand an diesem Tag jedoch kaum zu seinem Spiel. Ratajski nutzte diese Phase konsequent aus und entschied die ersten beiden Sätze jeweils mit 3:1 für sich. Joyce konnte zwar noch einen Satz gewinnen, doch im vierten Durchgang stellte Ratajski die Verhältnisse klar. Mit einem fehlerfreien Satz, den er mit 3:0 Legs gewann, machte er den Einzug in die dritte Runde perfekt.
Dort traf Ratajski auf Wesley Plaisier, der in der Runde zuvor mit einem überraschenden Sieg über Gerwyn Price für Aufsehen gesorgt hatte. Plaisier startete stark in das Match und erspielte sich eine 3:1-Führung in den Sätzen. In dieser Phase deutete vieles auf ein Ausscheiden Ratajskis hin. Im weiteren Verlauf drehte sich jedoch das Bild. Plaisier ließ mehrere Chancen auf die Doppel ungenutzt, während Ratajski in den entscheidenden Momenten immer effizienter agierte. Der Pole nutzte insgesamt vier vergebene Matchdarts seines Gegners und kämpfte sich zum 3:3-Ausgleich zurück. Im entscheidenden siebten Satz bewahrte Ratajski die Nerven und sicherte sich mit einem starken 116er-Finish den Satz mit 3:1 – eine beeindruckende Aufholjagd, die ihm doch noch den Einzug in die vierte Runde ermöglichte.
Dort wartete mit Luke Woodhouse ein Duell, das für beide Spieler eine große Chance bedeutete, das Viertelfinale der
Darts WM zu erreichen. Ratajski präsentierte sich in den Anwurflegs seines Gegners äußerst stabil, ließ jedoch in Satz zwei und vier bei eigenem Anwurf Möglichkeiten liegen. Am Ende erwies sich sein Scoring jedoch als zu konstant für Woodhouse, sodass der Spieler aus Warschau die Partie mit 4:2 Sätzen für sich entschied.
Um den Einzug ins Halbfinale zu schaffen, muss Ratajski nun eine Hürde überwinden, die bislang unüberwindbar blieb: ein Sieg gegen Luke Littler. Viermal trafen beide bislang aufeinander, viermal ging Littler als Sieger vom Oche. Beim Achtelfinale der UK Open 2025 gestaltete Ratajski die Partie allerdings offen und verlangte Littler alles ab, ehe dieser sich am Ende knapp mit 10:8 durchsetzte.
Eine unlösbare Aufgabe? Krzysztof Ratajski trifft im Kampf um ein Halbfinalticket auf den besten Spieler der Welt
Luke Humphries vs. Gian van Veen
Gian van Veen erlebte bei dieser Weltmeisterschaft alles andere als einen leichten Einstieg. In der Auftaktrunde stellte Cristo Reyes ihn sofort vor eine ernsthafte Prüfung. Der erfahrene Spanier nahm van Veen einen Satz ab und hielt die Partie mit großem Einsatz offen. Van Veen bewahrte jedoch die Ruhe, übernahm schrittweise die Kontrolle und brachte das Match letztlich souverän zu Ende. Mit einem hart erarbeiteten 3:1-Satzerfolg und einem Average von 98,91 legte er eine solide Grundlage für den weiteren Turnierverlauf.
In der darauffolgenden Runde folgte ohne Zweifel sein bislang stärkster Auftritt bei diesem Turnier. Gegen Alan Soutar startete van Veen zunächst holprig, da der Schotte sich den ersten Satz sicherte und anschließend sogar die Chance hatte, auf 2:0 zu erhöhen. Soutar vergab jedoch einen Satzdart, der sich im Nachhinein als Wendepunkt erwies. Van Veen erhöhte daraufhin deutlich das Tempo, übernahm vollständig die Kontrolle und ließ seinen Gegner nicht mehr ins Spiel kommen. Mit einem herausragenden Average von 108,28 – weiterhin der höchste Wert dieser Weltmeisterschaft – drehte er das Match in einen überzeugenden 3:1-Sieg.
Nach der Weihnachtspause erlebte van Veen einen deutlich ruhigeren Abend. Gegen Madars Razma ließ er kaum Zweifel aufkommen und zeigte eine kontrollierte, abgeklärte Leistung. Er bestimmte das Tempo, blieb konsequent auf die Doppel und setzte sich ohne größere Schwierigkeiten mit 4:1 Sätzen durch. Im Achtelfinale wartete anschließend ein Duell mit Überraschungsmann Charlie Manby. Der Engländer hielt in der Anfangsphase gut dagegen und lag nach zwei Sätzen nicht unverdient mit 1:1 gleichauf. Ein Zwischenspurt van Veens, der den dritten Satz mit einem Average von 106,9 für sich entschied, gab jedoch die Richtung vor. In der Folge setzte sich van Veen klar durch und gewann die Partie am Ende deutlich mit 4:1 Sätzen.
Spielte den bislang höchsten Average des Turniers: Gian van Veen
Luke Humphries wird mit gemischten Gefühlen auf seinen bisherigen WM-Weg blicken. Während der Ex-Weltmeister in den ersten Runden noch ohne größere Probleme gegen Ted Evetts (3:1) und Paul Lim (3:0) gewann, geriet sein Turnierverlauf im Achtelfinale erstmals ins Wanken. Gegen Gabriel Clemens erhielt „Cool Hand Luke“ eine deutliche Warnung.
Zunächst deutete alles auf einen kontrollierten Abend hin. Die Nummer zwei der Welt zog schnell auf 3:0 Sätze davon und schien das Match vollständig im Griff zu haben. Clemens zeigte sich jedoch keineswegs geschlagen und kämpfte sich mit bemerkenswerter Entschlossenheit zurück. Mit einer Serie von Finishes jenseits der 100-Punkte-Marke und überragendem Scoring drehte er das Momentum und verkürzte auf 3:2. In der Folge erhielt Clemens sogar mehrere Möglichkeiten, den Ausgleich zu erzielen und einen entscheidenden siebten Satz zu erzwingen. Diese Chancen ließ er jedoch ungenutzt – und zahlte dafür unmittelbar den Preis. In der entscheidenden Phase demonstrierte Humphries seine Klasse. Mit einem eiskalten 81er-Finish stoppte er den Lauf seines Gegners abrupt und verhinderte weiteren Schaden.
Anschließend nahm Humphries den Niederländer Kevin Doets aus dem Turnier. Gegen „Hawkeye“ geriet er erstmals bei dieser Weltmeisterschaft in Satzrückstand, korrigierte dies jedoch umgehend und setzte sich am Ende dennoch souverän mit 4:1 Sätzen durch.
Nicht viele Spieler können für das Jahr 2025 eine makellose Bilanz gegen Humphries vorweisen – Gian van Veen gehört jedoch dazu. Der Niederländer traf bislang viermal auf Humphries und gewann jede dieser Begegnungen. Besonders herausragend war dabei das Finale der European Championship in Dortmund, in dem van Veen sich nach einem dramatischen 11:10-Erfolg seinen ersten Major-Titel sicherte. Humphries ist somit gewarnt vor den Qualitäten seines kommenden Gegners, der sich in dieser Saison bereits mehrfach als äußerst gefährlich erwiesen hat.
Gian van Veen besiegte Luke Humphries im Finale der European Championship in Dortmund