Das niederländische Team gehört seit Langem zu den Schwergewichten beim
World Cup of Darts. Nur England hat das Nationenturnier häufiger gewonnen als die Niederlande. Der letzte niederländische Titel liegt jedoch bereits acht Jahre zurück, sodass Oranje in dieser Woche mit einem spannenden, aber etwas unberechenbaren Duo nach Frankfurt reist. Erstmals werden
Michael van Gerwen und
Gian van Veen für die Niederlande beim
World Cup of Darts zusammenspielen. Dieser Artikel bietet einen Ausblick auf die Chancen der Niederlande beim prestigeträchtigen Teamturnier in Deutschland.
Beide Spieler haben bereits Erfahrung bei diesem Event, aber als Paarung sind sie vollkommen neu. Die Niederlande sind zudem an Position zwei gesetzt, was bedeutet, dass sie die Gruppenphase überspringen und direkt im Achtelfinale einsteigen. Das heißt zwar weniger Spiele, aber auch weniger Gelegenheit, sich in Form zu spielen.
Historisch zählen die Niederlande ohne Zweifel zu den erfolgreichsten Nationen beim World Cup of Darts. Die Titel kamen 2010, 2014, 2017 und 2018. Nur England war mit fünf Titeln noch besser. Auffällig ist, dass der letzte niederländische Triumph aus der Zeit stammt, in der Michael van Gerwen und Raymond van Barneveld ein langjähriges Duo bildeten. Von 2013 bis 2018 trat Oranje sechs Jahre in Folge mit derselben Paarung an, was seither kaum noch vorgekommen ist.
Nach Van Barnevelds Abschied aus dem Nationalteam wurde viel rotiert. Nur Danny Noppert und Dirk van Duijvenbode
spielten zwei Jahre in Folge zusammen in den Jahren 2022 und 2023. Kontinuität fehlte seither, genau deshalb wird die Zusammenarbeit zwischen Van Gerwen und Van Veen mit großem Interesse beobachtet.
Historie der Niederlande beim World Cup of Darts
| Jahr | Team | Ergebnis |
| 2010 | Raymond van Barneveld & Co Stompé | Sieger |
| 2012 | Raymond van Barneveld & Vincent van der Voort | Halbfinale |
| 2013 | Raymond van Barneveld & Michael van Gerwen | Zweite Runde |
| 2014 | Raymond van Barneveld & Michael van Gerwen | Sieger |
| 2015 | Raymond van Barneveld & Michael van Gerwen | Halbfinale |
| 2016 | Raymond van Barneveld & Michael van Gerwen | Finalist |
| 2017 | Raymond van Barneveld & Michael van Gerwen | Sieger |
| 2018 | Raymond van Barneveld & Michael van Gerwen | Sieger |
| 2019 | Michael van Gerwen & Jermaine Wattimena | Halbfinale |
| 2020 | Michael van Gerwen & Danny Noppert | Viertelfinale |
| 2021 | Michael van Gerwen & Dirk van Duijvenbode | Viertelfinale |
| 2022 | Danny Noppert & Dirk van Duijvenbode | Halbfinale |
| 2023 | Danny Noppert & Dirk van Duijvenbode | Zweite Runde |
| 2024 | Michael van Gerwen & Danny Noppert | Zweite Runde |
| 2025 | Danny Noppert & Gian van Veen | Halbfinale |
| 2026 | Michael van Gerwen & Gian van Veen | ? |
Die Niederlande haben den World Cup of Darts bereits viermal gewonnen, doch der jüngste Titel stammt aus dem Jahr 2018
Wie ist Gian van Veens Form?
Für Gian van Veen war es ein bemerkenswertes Jahr. Der Werfer aus Poederoijen schien Ende 2025 endgültig den Durchbruch an die absolute Weltspitze zu schaffen. Zunächst sicherte er sich in beeindruckender Manier den Europameistertitel, indem er Luke Humphries in einem sensationellen Finale mit 11:10 niederrang. Anschließend stürmte Van Veen ins WM-Finale, begünstigt durch überzeugende Siege über Luke Humphries und Gary Anderson.
Diese Ergebnisse brachten ihm nicht nur Platz drei in der Weltrangliste ein, sondern auch eine begehrte Einladung zur Premier League Darts. Auch die ersten Monate des Jahres 2026 verliefen ausgezeichnet. Van Veen erreichte das Finale der Bahrain Darts Masters, stand im Halbfinale der World Masters und startete in seine Premier-League-Premierensaison stark mit drei Finals an den ersten vier Spielabenden.
Ab März jedoch kippte die Saison komplett. Nierensteine brachten alles durcheinander. Van Veen musste einen Premier-League-Abend und mehrere weitere Turniere absagen, woraufhin eine Operation notwendig wurde. Seitdem erinnert der Niederländer kaum noch an den Spieler, der er Ende vergangenen und Anfang dieses Jahres war.
Besonders stechen die frühen Aus in den Vordergrund. Seit April hat Van Veen außerhalb der Premier League vierzehn PDC-Turniere bestritten, bei denen er nicht weniger als achtmal gleich zum Auftakt ausschied. Über diese vierzehn Events spielte er nur einmal einen Average von über hundert. Auch seine Siegquote zeigt das Ausmaß des Einbruchs. Während Van Veen 2025 noch 72 Prozent seiner Matches gewann, liegt er 2026 derzeit nur bei 55 Prozent.
Gian van Veen gab 2025 sein Debüt für die Niederlande beim World Cup of Darts
Trotzdem muss das für die Niederlande keine schlechte Nachricht sein. Van Veen hat bereits im vergangenen Jahr bewiesen, dass er beim World Cup of Darts hervorragend performen kann. 2025 gab er sein Debüt für Oranje, nachdem Michael van Gerwen das Turnier wegen Urlaubsplänen ausgelassen hatte. Zusammen mit Danny Noppert erwischte Van Veen direkt ein starkes Turnier.
Damals starteten die Niederlande in der Gruppenphase und fegten Italien und Ungarn ohne Legverlust vom Oche. Es folgte ein beeindruckender 8:0-Sieg gegen Schottland, bei dem das niederländische Duo 100,20 im Schnitt spielte. Auch die Tschechen wurden anschließend überzeugend bezwungen, ehe sich Wales im Halbfinale mit einem 8:5-Erfolg als zu stark erwies.
Diese Erfahrung könnte nun von großem Wert sein. Van Veen weiß, wie es ist, unter dem Druck eines Nationenwettbewerbs zu spielen. Zudem ist er mit der besonderen Dynamik von Doppelpartien vertraut, in denen Spieler deutlich länger auf ihren nächsten Wurf warten müssen, weil vier Akteure gleichzeitig auf der Bühne stehen.
Ist Van Gerwen auf dem Weg zurück?
Auch für Michael van Gerwen ist es ein wichtiges Turnier. Der Vlijmener steht vor einer entscheidenden Phase seiner Karriere. Im Herbst muss er eine große Menge Preisgeld verteidigen, um einen deutlichen Absturz in der Weltrangliste zu vermeiden. In der
virtuellen Rangliste nach der WM liegt Van Gerwen derzeit nur auf Rang zwanzig, eine für ihn beispiellos niedrige Position. Damit wäre er sogar nur der fünftbeste Niederländer der Welt.
Das wirft die berechtigte Frage auf, ob dies eine seiner letzten Teilnahmen am World Cup of Darts sein könnte. Seine Saison verläuft wechselhaft. Phasenweise zeigt Van Gerwen Anflüge seines früheren Topniveaus, doch allzu oft folgen auf starke Auftritte unerwartete Niederlagen, bei denen vor allem das Doppeln schwächelt.
Es gibt jedoch klare positive Signale. 2026 hat Van Gerwen bereits mehr Titel gewonnen als im gesamten Jahr 2025. Er holte die Bahrain Darts Masters
und, erst am vergangenen Wochenende, die Nordic Darts Masters. Zudem sicherte er sich bei Players Championship 15 seinen ersten Floor-Titel seit Oktober 2024.
Auch die Zahlen belegen den Aufwärtstrend. Während Van Gerwen im Vorjahr nur 55 Prozent seiner Matches gewann, liegt er in diesem Jahr bei 65 Prozent. Sein Dreimonatsschnitt beträgt 96,71, ein Niveau, das auf der PDC Tour nur acht Spieler übertreffen. Der absolute Höhepunkt war sein sensationeller Auftritt gegen Martin Schindler bei Players Championship 15, als er 122,34 im Schnitt spielte.
Michael van Gerwen hat den World Cup of Darts in den vergangenen Jahren häufiger ausgelassen als gespielt
Gleichzeitig bleibt die Inkonstanz ein Thema. Zu oft gibt es Partien, in denen Van Gerwen unter einen 90er-Average fällt. Wenn er diese schwächeren Leistungen ausmerzen kann, wird er bei den großen TV-Turnieren wieder ein gefährlicher Anwärter.
In Sachen Erfahrung übertrifft Van Gerwen im Feld niemand. Sein Debüt gab er 2013 an der Seite von Raymond van Barneveld, auch wenn dieser erste Auftritt überraschend mit einer Niederlage gegen Finnland endete. Ein Jahr später holte er jedoch umgehend Revanche mit dem WM-Titel. Die Niederlande gewannen das Turnier zudem 2017 und 2018 mit Van Gerwen und Van Barneveld.
Nach Van Barnevelds Abschied tat sich Van Gerwen mit Jermaine Wattimena, Danny Noppert und Dirk van Duijvenbode zusammen. Das brachte ein Halbfinale und zwei Viertelfinals ein. 2022 und 2023 stand Van Gerwen Oranje nicht zur Verfügung. 2024 kehrte er zurück, verlor jedoch mit Danny Noppert direkt in der K.-o.-Phase gegen Belgien. Bemerkenswert ist, dass Van Gerwen im aktuellen World-Cup-Format, das ausschließlich Doppel und keine Einzel vorsieht, wenig Erfahrung hat. Aufgrund seiner Abwesenheit im Vorjahr hat er unter diesen Bedingungen erst ein Match bestritten.
Wie passt die Chemie zwischen Van Veen und Van Gerwen?
Genau deshalb wird ihre gegenseitige Chemie entscheidend. Der World Cup of Darts hat oft gezeigt, dass zwei Topspieler nicht automatisch ein erfolgreiches Doppel bilden. Die Partnerschaft muss harmonieren.
Auf dem Papier sollte das für Van Gerwen und Van Veen kein Problem sein. Zwar steht Van Veen in der Weltrangliste inzwischen höher, doch Van Gerwen wirkt kaum wie jemand, der sich in die zweite Reihe stellt. Das könnte potenziell krachen, aber Van Veen gilt als ruhiger Spieler. Zudem äußerte er sich zurückhaltend über seinen Teamkollegen. „Er mag derzeit hinter mir in der Rangliste liegen, aber ich sehe Michael weiterhin als die niederländische Nummer eins“, hat Van Veen schon mehrfach betont.
Die Persönlichkeiten von Van Gerwen und Van Veen ergänzen sich
Fazit: Wie stehen die Chancen der Niederlande?
Die Niederlande starten nicht als Topfavorit ins Turnier. Dieser Status gehört ohne Zweifel England, das mit den Weltranglistenersten und -zweiten Luke Littler und Luke Humphries antritt. Der Vorteil für die Niederlande ist jedoch, dass beide Nationen erst in einem möglichen Finale aufeinandertreffen können.
Auch viele andere Topnationen haben Fragezeichen. Schottland setzt auf Gary Anderson und Cameron Menzies, wobei Anderson in diesem Jahr weit von seiner Bestform entfernt ist. Wales muss ohne Gerwyn Price auskommen und spielt mit Jonny Clayton und Nick Kenny. Titelverteidiger Nordirland tritt erneut mit Josh Rock und Daryl Gurney an, doch beide sind klar weniger formstark als in der vergangenen Saison.
Deutschland und
Belgien kämpfen ebenfalls mit Problemen. Martin Schindler erreicht nicht das Niveau der vergangenen zwei Jahre, und Ricardo Pietreczko hat mit Dartitis zu kämpfen. Belgien reist mit Mike De Decker und Dimitri Van den Bergh an, doch auch ihnen fehlt die Form.
Damit bleibt der Weg für die Niederlande bis in ein mögliches Finale offen. Für Van Gerwen wäre das besonders wichtig, denn ein Platz im Endspiel bringt die direkte Qualifikation für den Grand Slam of Darts. Und wenn die Niederlande das Finale erreichen, ist alles möglich.
So stark England auf dem Papier auch wirkt, der World Cup of Darts hat oft gezeigt, dass individuelle Klasse nicht entscheidend ist. Im vergangenen Jahr etwa schied England im Achtelfinale gegen Deutschland aus.
Bei diesem Turnier gewinnt nicht automatisch das nominell stärkste Team. Entscheidend ist am Ende, welches Duo auf der Bühne am besten harmoniert. Und genau dort könnten die Niederlande gefährlicher sein, als viele Konkurrenten lieb ist.