Der
World Cup of Darts bringt ab diesem Donnerstag in der Eissporthalle in Frankfurt die besten Spieler der Welt in einem einzigartigen und populären Teamwettbewerb zusammen, alle mit Blick auf die begehrte Trophäe. Das walisische Duo
Jonny Clayton und
Nick Kenny rückt für Wales in den Mittelpunkt, wobei sie ohne
Gerwyn Price antreten.
An vier Tagen stehen vierzig Nationen auf der Bühne, und Wales zählt zu den echten Favoriten auf den Titel. Im Vorjahr fehlte nur ein Hauch, als sie im Finale Nordirland mit 9:10 unterlagen. Es war ein großartiges Duell, doch die Chancen auf eine Wiederholung haben einen herben Dämpfer erhalten, da die walisische Nummer zwei nicht dabei ist.
Price fehlt – herber Rückschlag für die walischen Titelchancen
Das große Thema im walisischen Lager dreht sich um einen gewissen Price. Eine Hälfte des gefürchteten Duos mit seinem guten Freund Clayton. Gemeinsam gewannen sie zwei
World-Cup-Titel und erreichten dreimal das Endspiel, wobei Price diesem Wettbewerb seinen Stempel aufdrückte.
Das wird er in diesem Jahr nicht tun, denn er zieht zum zweiten Mal binnen drei Jahren zurück. Clayton übernimmt als Teamkapitän, muss aber einen neuen Partner führen und unterstützen: Kenny rückt für den abwesenden Price ins Team.
Während er 2024 noch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, liegt der Grund diesmal anders. „Es muss einen Zeitraum geben, in dem ich mir etwas frei nehme und der Familie Zeit zurückgebe, denn der Spielplan ist im Moment hektisch“, erklärte Price. „Es geht einfach darum, eine Pause zu machen und Zeit mit der Familie zu verbringen.“
Wales gehörte zuletzt zu den Teams, die es zu schlagen galt. In den vergangenen sechs Ausgaben verpassten sie nur einmal das Halbfinale, nämlich 2024. In fünf der letzten Endspiele waren sie dabei, insgesamt erreichten sie das Finale sechsmal. Insgesamt standen sie neunmal im Halbfinale.
Wales-Ergebnisse beim World Cup of Darts
| Jahr | Wales-Spieler | Ergebnis |
| 2010 | Mark Webster & Barrie Bates | Finale |
| 2012 | Richie Burnett & Mark Webster | Halbfinale |
| 2013 | Richie Burnett & Mark Webster | Halbfinale |
| 2014 | Richie Burnett & Mark Webster | Viertelfinale |
| 2015 | Jamie Lewis & Mark Webster | Erste Runde |
| 2016 | Gerwyn Price & Mark Webster | Zweite Runde |
| 2017 | Gerwyn Price & Jonny Clayton | Finale |
| 2018 | Jonny Clayton & Gerwyn Price | Viertelfinale |
| 2019 | Jonny Clayton & Gerwyn Price | Erste Runde |
| 2020 | Jonny Clayton & Gerwyn Price | Sieger |
| 2021 | Jonny Clayton & Gerwyn Price | Halbfinale |
| 2022 | Jonny Clayton & Gerwyn Price | Finale |
| 2023 | Jonny Clayton & Gerwyn Price | Sieger |
| 2024 | Jonny Clayton & Jim Williams | Zweite Runde |
| 2025 | Jonny Clayton & Gerwyn Price | Finale |
Im Nachteil, aber weiterhin brandgefährlich
Die Last liegt diesmal auf Claytons Schultern. Das sollte ihn nicht groß stören, da er es gewohnt ist, für sein Land zu spielen, zuletzt ohnehin als Teamkapitän aufgrund seiner Platzierung. Er hat an den vergangenen neun World Cups teilgenommen und steht nun vor seinem zehnten Einsatz.
Clayton zählt 2026 zu den auffälligsten Akteuren. Einen Titel hat er zwar noch nicht, doch er erreichte das Finale der Belgian Darts Open, wo er Luke Humphries unterlag. Zudem stand er in zwei der letzten vier ProTour-Events im Endspiel, was ihn vor dem World Cup in eine gute Ausgangslage bringt. Riesige Enttäuschung gab es allerdings am Premier-League Play-off-Abend. Clayton dominierte die Liga-Phase und gewann vier Abende. Im Halbfinale vergab er einen Matchdart und wurde von Humphries in dramatischer Manier noch aus dem Finale geworfen.
Jonny Clayton hat neunmal am World Cup of Darts teilgenommen und gemeinsam mit Gerwyn Price zweimal den Titel gewonnen.
Diese Topform wird zum Turnierstart gefragt sein. Clayton, ein eiskalter Finisher, muss sein Maximum abrufen, um Debütant Kenny zu unterstützen. Die
Nummer 61 der Welt ist die walisische Nummer drei, nachdem Jim Williams seine Tour Card verloren hat. Für Kenny ist es ein rasanter Aufstieg mit großem Druck und großer Ehre, erstmals in Frankfurt das Nationaltrikot zu tragen.
Seine Auftritte auf großer Bühne waren bislang abrupt und spärlich. Am deutlichsten stach das Erreichen der dritten Runde bei der PDC Darts WM 2025 hervor. Seine Form vor dem World Cup ist nicht berauschend. Auf dem Floor kam er nur zweimal in die dritte Runde, beide Male bei Players Championship 1 und 2. Beim Major will er seine besten Darts finden, um sein Land nicht zu enttäuschen.
Clayton hat sich als wahrer Kapitän sehr unterstützend über Kenny geäußert, als er vor ihrer Partnerschaft sprach. „Überhaupt nicht. Wir sind da, um ein Turnier zu gewinnen. Egal, mit wem du spielst, du bist da, um ein Turnier zu gewinnen, und genau das werden wir versuchen“, sagte er bereits zuvor.
Setzliste erzwingt Start in der Gruppenphase
Fast unbekanntes Terrain für das walisische Team. Mit Clayton und Price gehörten sie normalerweise bequem zu den vier Teams, die die Gruppenphase überspringen und direkt in die zweite Runde einziehen. Diesmal jedoch nicht: Mit einem kombinierten Ranking von 66 sind sie an Position sieben gesetzt.
Sie stehen in Gruppe C. Sie sind mit Abstand die Favoriten auf den Gruppensieg, müssen jedoch vorsichtig agieren, da in diesem Best-of-Seven-Format eine Überraschung möglich ist. Es könnte schiefgehen, wenn verpasste Doppel zur Regel werden und ihr Scoring nicht passt.
Den Auftakt machen sie am Donnerstag gegen Litauen, angeführt von Darius Labanauskas und unterstützt von Mindaugas Barauskas. Am Freitag folgt das Duell mit Thailand. Thailands Vertreter Sarayut Ouamuapa und Sorawis Rodman werden erstmals seit 2023 wieder für ihr Land antreten und werden für die Aufgabe heiß sein, was einen potenziell kniffligen Test darstellt.
Nick Kenny gibt sein Debüt beim World Cup of Darts
Fazit
Zusammengefasst sind Wales ohne Price nicht mehr die Kraft, die sie einst waren. Clayton ist ein sehr fähiger Anführer und kann das Kaninchen aus dem Hut zaubern, doch sie sind durch Kenny limitiert, sofern er nicht sein bestes Spiel über das Turnier hinweg abrufen kann.
Sie sollten ihre Gruppe komfortabel überstehen, doch ein Duell mit einem der Topgesetzten könnte sie in Bedrängnis bringen. Größere Überraschungen hat es gegeben, und Wales wird bei vielen im Turnier weiterhin hoch angesehen sein. Ob sie um einen weiteren Titel mitreden können, ist eine andere Frage. Durchaus möglich, aber deutlich kniffliger.