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Ross Smith bekommt das
New Zealand Darts Masters am kommenden Wochenende eine ganz besondere Bedeutung. Der Engländer feiert in Auckland nicht nur sein Debüt auf neuseeländischem Boden, sondern erhält womöglich endlich die Gelegenheit, einigen alten Rivalen erstmals persönlich zu begegnen. Es sind Spieler, die Smith bereits seit Jahren kennt – denen er bislang allerdings ausschließlich über einen Bildschirm gegenüberstand.
Lange bevor sich Smith endgültig in der Weltspitze der PDC etablierte und zu einem der markantesten 180er-Werfer auf der Tour entwickelte, bestritt er während der Corona-Pandemie unzählige Online-Turniere. Während der Sportbetrieb weltweit weitgehend zum Erliegen kam, gehörte Darts zu jenen Sportarten, die sich vergleichsweise problemlos aus den eigenen vier Wänden fortsetzen ließen.
Nächtliche Duelle mit Gegnern am anderen Ende der Welt
Die Spieler hängten ihre Boards in Garagen, Wohnzimmern oder sogar Küchen auf und übertrugen ihre Partien mithilfe von Kameras live. Über ein zweites Gerät konnten sie die Aufnahmen der Würfe ihres jeweiligen Gegners verfolgen, während eine spezielle App die Scores erfasste.
Ross Smith feiert beim New Zealand Darts Masters sein Debüt auf neuseeländischem Boden und könnte dort erstmals persönlich auf einige seiner früheren Online-Rivalen treffen.
Für Smith hatte diese ungewöhnliche Form des Wettkampfs mitunter zur Folge, dass er mitten in der Nacht aufstehen musste. Der Engländer nahm regelmäßig an Online-Turnieren teil, die in Australien und Neuseeland organisiert wurden. Ohne es damals ahnen zu können, legte er dabei den Grundstein für einige besondere Rivalitäten.
Alte Rivalen endlich persönlich treffen
Bei diesen Online-Partien bekam es Smith regelmäßig mit einigen der besten Dartspieler Neuseelands zu tun, darunter Ben Robb und Haupai Puha. Zu einem persönlichen Kennenlernen konnte es unter den damaligen Umständen allerdings nie kommen.
Das könnte sich in dieser Woche endlich ändern. Smith zählt zu den acht PDC-Spielern, die für das New Zealand Darts Masters nach Auckland reisen. Für den 37-jährigen Engländer ist es der erste Auftritt in Neuseeland.
Smith würde sich bei der Auslosung sogar über ein Wiedersehen mit einem seiner früheren Online-Kontrahenten freuen. „Ich kann mich erinnern, dass ich ziemlich oft auf Haupai getroffen bin, und auf Ben auch“, erinnert sich Smith gegenüber dem
„New Zealand Herald“. „Es war schon seltsam, live gegen Jungs am anderen Ende der Welt zu spielen. Das war alles während Covid, als Darts mehr oder weniger stillstand. Wir hatten Glück, dass wir weitermachen, Spaß haben und online spielen konnten.“
An diese außergewöhnliche Zeit denkt der Engländer gerne zurück. „Es sind gute Jungs und großartige Spieler. Es wird schön sein, sie endlich zu treffen und dort ein Match gegen sie zu spielen.“
PDC-Einladung erreicht Smith beinahe nicht
Ohnehin stand eine Reise nach Neuseeland bereits seit langer Zeit auf Smiths persönlicher Wunschliste. Sein Vater hatte das Land in jungen Jahren bereist und seinem Sohn später regelmäßig davon erzählt. Umso bemerkenswerter ist, dass nicht viel gefehlt hätte und Smith diese Gelegenheit vollständig verpasst hätte.
Der ehemalige Europameister wechselte kürzlich sein Management – und ausgerechnet dadurch kam es zu einem Missverständnis in der Kommunikation. Die Einladung der PDC blieb zunächst unbemerkt.
„Mein Manager hatte die E-Mail überhaupt nicht gesehen, daher wusste ich nicht, dass ich ausgewählt worden war“, erklärt Smith. „Ich stand in meiner Küche, als die PDC mich anrief und fragte, ob ich reagieren wolle. Das kam ziemlich überraschend, aber natürlich musste ich darüber nicht nachdenken.“
Eigentlich hatte Smith für August einen Familienurlaub in Griechenland geplant. Nachdem feststand, dass er die Gelegenheit erhalten würde, nach Neuseeland zu reisen, wurde der Urlaub kurzerhand vorgezogen, um den notwendigen Platz im Terminkalender zu schaffen.
Beim Sky Tower hört der Spaß für Smith auf
So viel Smith bei seinem ersten Aufenthalt in Neuseeland auch erleben möchte, auf eine ganz bestimmte Aktivität kann er gut verzichten. In den vergangenen Jahren wagten sich mehrere Darts-Profis an einen Sprung vom berühmten Sky Tower in Auckland. Smith verspürt jedoch wenig Bedürfnis, es seinen Kollegen gleichzutun.
„Ich bin kein Fan von Höhen. Ich habe wirklich Höhenangst“, gesteht der Engländer. „Ich habe von diesem Turm gehört und Bilder von ein paar anderen gesehen, die das vor ein oder zwei Jahren gemacht haben.“
Vollkommen ausschließen möchte Smith das Abenteuer allerdings noch nicht – zumindest mit einem Augenzwinkern: „Das ist absolut nichts für mich, auch wenn ich mich vielleicht noch überreden ließe. Es kommt darauf an, ob ihr mich alle wie ein kleines Kind weinen sehen wollt.“
Am Dartboard gibt es für Smith seit einigen Jahren deutlich weniger Grund zur Sorge. Seit seinem überraschenden Triumph bei der European Championship 2022 hat sich der Engländer dauerhaft unter den besten Spielern der PDC etabliert.
Dieser Durchbruch ermöglichte es Smith zudem, seinen bisherigen Beruf als Lkw-Fahrer aufzugeben und sich vollständig seiner Darts-Karriere zu widmen. Mittlerweile gehört er seit mehreren Jahren zu den etablierten Größen auf dem Profi-Circuit und konnte seinem Palmarès auch in dieser Saison bereits mehrere weitere Titel hinzufügen.
„Ich will nichts als selbstverständlich ansehen“
Das Leben als erfolgreicher Darts-Profi bringt allerdings auch seine Schattenseiten mit sich. Der Terminkalender ist prall gefüllt, und wer nahezu jedes große Turnier bestreitet, verbringt zwangsläufig nur wenig Zeit zu Hause. Smith stellt jedoch unmissverständlich klar, dass er sich darüber nicht beklagen möchte.
„Wenn du zu den Topspielern gehörst, bist du manchmal nur ein oder zwei Tage pro Woche zu Hause“, erklärt er. „Aber darüber werde ich mich nie beschweren. Mir ist sehr bewusst, dass ich mich in einer privilegierten Position befinde.“
Gerade deshalb versucht Smith, trotz seiner Erfolge jene Mentalität zu bewahren, mit der er sich seinen Platz in der Weltspitze erarbeitet hat.
„Ich will auch nicht zu entspannt werden. Ich bleibe gern mit beiden Beinen auf dem Boden, arbeite hart und will nichts als selbstverständlich ansehen. Es ist enorm viel los, aber ich liebe es. Ich lasse keine Turniere aus, es sei denn, es gibt dafür wirklich einen sehr guten Grund.“