Stephen Bunting gehört seit geraumer Zeit zur Weltspitze des Dartsports. Der 40-jährige Engländer erhielt kürzlich eine erneute Nominierung für die
Premier League Darts und zeigte sich trotz eines enttäuschenden Zweitrundenaus beim
Winmau World Masters gut gelaunt, als er für ein Interview mit
Sky Sports vor die Kamera trat. Das Lächeln wirkte ehrlich – doch es verdeckt nicht, dass hinter ihm ein Jahr liegt, das ihn sportlich, mental und privat stark gefordert hat.
Vor dem
Winmau World Masters trat Bunting bereits bei den World-Series-Turnieren in Bahrain und Saudi-Arabien an. „Die World Series of Darts ist fantastisch zu spielen“, sagte er. „Man hilft unserer Sportart, in Ländern zu wachsen, in denen wir noch nie waren. Aber es gibt keine Weltranglistenpunkte. Hier wird es ernst.“
Hinter den Kulissen einer schwierigen WM
Gerade in Bahrain spürte Bunting zusätzlichen Druck. „Ich hatte das Turnier im Jahr zuvor gewonnen. Dann gehst du mit einem anderen Gefühl hinein.“ Trotzdem denkt er gerne an die Reise zurück. „Es war großartig dort.“
Dass die vergangene Weltmeisterschaft nicht den erhofften Verlauf nahm, hat aus seiner Sicht deutlich mehr Gründe, als viele Außenstehende vermuten. „Die Leute sehen nur, was auf der Bühne passiert“, erklärt Bunting. „Aber was hinter den Kulissen los war, wissen fast niemand.“
Am ersten Weihnachtstag saß er mit seinem jüngsten Sohn Theo bis tief in die Nacht in der Notaufnahme. „Bis halb zwei nachts saßen wir dort. Am nächsten Tag mussten wir nach London reisen. Das ist alles andere als eine ideale Vorbereitung.“ Hinzu kam, dass Bunting selbst gesundheitlich angeschlagen war und im Vorfeld der WM dennoch mehrere Exhibitions spielte. „Im Nachhinein war das nicht klug.“
Trotzdem sucht er keine Ausreden. „Ich suche nie Ausreden. Aber ich war nicht ich selbst. Weder körperlich noch mental.“ Auch auf der Bühne zeigte sich das. „Ich habe Emotionen gezeigt, die nicht zu mir passen. Springen, jubeln – das bin ich normalerweise nicht.“
Die Konsequenzen daraus sind klar. Für 2026 plant Bunting Veränderungen. „Ich werde meinen Kalender besser planen. Weniger Exhibitions. Mehr Ruhe. Dafür sorgen, dass die beste Version von mir auf der Bühne steht.“
Premier-League-Debatte und Erleichterung
Nach der WM entfachte eine öffentliche Diskussion: Gehört
Stephen Bunting überhaupt in die
Premier League Darts? Er selbst reagierte bemerkenswert ruhig. „Ich war zehn Monate lang die Nummer vier der Weltrangliste. Ich verstehe, dass nach meiner WM Fragen aufkamen, aber ich wusste, was ich über das ganze Jahr gezeigt hatte.“
Die endgültige Gewissheit erhielt er erst Minuten vor der offiziellen Bekanntgabe. „Ich saß im Flugzeug, machte eine kleine Faust. Wir hatten Verspätung und
Nathan Aspinall saß zwei Sitze weiter. Er sah es und wusste Bescheid.“
Die Erleichterung war groß, doch von Selbstzufriedenheit will Bunting nichts wissen. „Ich weiß, dass ich dieses Jahr wieder liefern muss, um nächstes Jahr erneut dabei zu sein.“ Seine letzte Premier-League-Saison betrachtet er differenziert. „Ich habe einen Abend in Berlin gewonnen und einen der höchsten Turnieraverages gespielt. Da waren viele positive Punkte dabei.“
Umgang mit Kritik und sozialen Medien
Wie viele Spitzensportler sah sich auch Bunting nicht nur mit sachlicher Kritik konfrontiert. In sozialen Medien kursierten Negativität, Gerüchte und sogar Spekulationen über einen möglichen Rücktritt. „Wenn ich alles glauben würde, was ich lese, hätte ich längst aufgehört“, sagt er nüchtern.
Bewusst hält er Abstand. „Mein Management und meine Frau verfolgen das. Ich sehe hin und wieder etwas, aber diese Negativität muss man loslassen.“ Die Fakten sprechen für ihn: sechs Titel, zehn Finals, starke Averages und eine wachsende Fanbase. „Ich werde weiterhin unterstützt. Dafür spiele ich.“
Mit Rang sieben in der Weltrangliste ist der Ehrgeiz ungebrochen. „Das ist keine schlechte Position, aber ich will wieder nach oben. Und das geht nur mit harter Arbeit.“
Weniger Druck, mehr Freude
Auffällig ist sein veränderter Blick auf das Ranking. Während ihn der Druck einer Top-4-Platzierung im vergangenen Jahr belastete, erkennt er jetzt Vorteile. „Diese ständige Angst, drin zu bleiben, frisst Energie. Jetzt kann ich freier spielen.“
Diese neu gewonnene Freiheit will er in den weiteren Saisonverlauf mitnehmen. Geplant sind ein Urlaub im August, mehr Zeit mit der Familie und erneut intensive Arbeit mit Hypnotherapie. „Das hat mir zuvor enorm geholfen“, sagt Bunting.
Wöchentlich arbeitet er mit Hypnotherapeut Chris O’Connor zusammen. „Es hilft meinem Schlaf, meinem Selbstvertrauen. Er sagt immer: Dein Gehirn ist wie ein Eimer. Alle negativen Gedanken füllen diesen Eimer, bis er überläuft. Hypnotherapie hält ihn leer.“ Eine Sitzung von rund 40 Minuten entspricht laut Bunting etwa vier Stunden tiefem REM-Schlaf. „Das ist Gold wert.“
Ziele
Bei seinen Zielen bleibt der Engländer bewusst zurückhaltend. „Ich will mir keinen zusätzlichen Druck machen. Ich werde hart arbeiten, mein Bestes geben und sehen, wo wir am Ende stehen.“
Mit 40 Jahren sieht er sich noch lange nicht am Ende. „Ich glaube, dass ich noch zehn gute Jahre habe. Solange ich mit einem Lächeln spiele, mache ich weiter.“
Dieses Lächeln hat einen ganz konkreten Grund. Sein Sohn Theo ist inzwischen vollständig genesen. „Er rennt wieder durchs Haus. Er ist erst 14 Monate alt, aber er gibt mir jeden Tag Energie.“ Gemeinsam mit seinem älteren Sohn Toby und seiner Familie bildet das sein Fundament. „Für sie spiele ich Darts.“