In der Dartszene gilt
Ricky Evans seit Jahren als eine der außergewöhnlichsten Figuren der Tour. Nicht nur sein blitzschneller Wurfstil sticht heraus, sondern vor allem seine markante Persönlichkeit, sein Humor und sein unübersehbarer Drang, das Publikum zu unterhalten.
In einem offenen und teils geradezu absurden Gespräch mit
TalkSport nimmt „Rapid Ricky“ die Zuhörer mit in seine Welt – von Currys bis Familiendramen, von Aberglauben bis hin zu großen sportlichen Zielen.
Curry, Chaos und Charakter
Wer glaubt, Spitzensportler lebten strikt diszipliniert, kennt Evans nicht. Nach einem Sieg greift er nicht zum Eiweißshake, sondern zum Curry. „Ich bin wirklich ein Curryman“, sagt er ohne Zögern. Scharfes Essen, Knoblauch-Naan und gelegentlich eine Bhaji gehören dazu – wobei ihm Letztere einst eine schmerzhafte Erfahrung bescherte. Lachend berichtet er, wie er in einem indischen Restaurant wegen einer „schlechten Bhaji“ erbrechen musste. Typisch Evans: Er filtert nichts, er erzählt alles.
Ricky Evans begeistert im Alexandra Palace mit Tempo, Show und seiner unverwechselbaren Art die Fans
Seine Essgewohnheiten spiegeln seinen Charakter wider. Evans vermeidet komplizierte Entscheidungen. Ein gutes Curry genügt ihm. Diese Einfachheit zeigt sich auch auf der Bühne, wo er sich wenig um Konventionen kümmert.
Freunde auf der Tour
In der Dartsszene pflegt Evans enge Beziehungen zu mehreren Spielern. Sein bester Freund ist David Pallett, mit dem er aufgewachsen ist. Zudem nennt er unter anderem Stephen Bunting, Dave Chisnall und Jamie Hughes als gute Bekannte.
Besonders auffällig ist seine Bewunderung für Scott Williams. „Ich will seine Arroganz haben“, sagt Evans mit einem Augenzwinkern. „Hätte ich die, stünde ich vielleicht einen Platz höher in der Weltrangliste.“
Der Entertainer über allem
Evans polarisiert. Seine Walk-ons, Outfits und überschwänglichen Jubelposen wirken auf manche übertrieben. Doch Kritik lässt ihn weitgehend kalt. „Ich bin, wie ich bin“, stellt er klar. „Wenn es jemandem nicht gefällt, Pech.“
Trotzdem bleibt er offen für Ratschläge – vorausgesetzt, sie kommen von den richtigen Personen. Namen wie Gary Anderson und Phil Taylor beeindrucken ihn. Im Kern bleibt Evans jedoch sich selbst treu – aus gutem Grund. „Ich kriege einen Kick davon, Menschen zum Lachen zu bringen“, erklärt er. „Wenn jemand nach Hause geht und sagt: ‚Ich hatte einen großartigen Abend wegen Ricky Evans‘, dann ist meine Mission erfüllt.“
In einem Sport, in dem die Leistung im Mittelpunkt steht, betont Evans bewusst den Unterhaltungsfaktor. „Darts ist auch Showbusiness“, sagt er. „Wenn alle gleich wären, würde es langweilig.“
Träume von einem großen Titel
Hinter dem Entertainer steckt ein ehrgeiziger Sportler. Evans ist überzeugt, dass er eines Tages ein Major gewinnen wird. „Sonst würde ich nicht spielen“, betont er. Dabei geht er sogar ins Detail: Er stellt sich vor, wie er die Trophäe fallen lässt und sie in Stücke zerbricht. „So seltsam bin ich“, lacht er.
Seiner Meinung nach liegt der Schlüssel zum Erfolg im Gewinn eines Floor-Turniers. Dieser Schritt würde ihm das nötige Selbstvertrauen geben, auch auf der großen TV-Bühne zu glänzen. Denn genau dort sieht er seine Stärke: im Rampenlicht, vor Publikum. „Ich bin ein Showman, ein bisschen ein Pfau“, gibt er offen zu.
Evans’ Markenzeichen bleibt seine Geschwindigkeit. Während andere Spieler ruhig anvisieren, wirft er seine Darts in atemberaubendem Tempo. Diesen Stil entwickelte er bereits in seiner Jugend. Sein Vater gab ihm Darts, und Evans trainierte stundenlang am Board – dabei wurde er immer schneller. „Ich kann aber auch langsam spielen“, sagt er. Doch das fühlt sich für ihn nicht natürlich an. „Ricky the Tortoise klingt nicht gerade attraktiv“, witzelt er.
Fußball, Musik und Quizze
Abseits des Darts legt Evans viel Wert auf seine Leidenschaften. Er ist Fan von Manchester United und wuchs in einer erfolgreichen Ära mit Ikonen wie David Beckham auf.
Zudem liebt er Musik. Seine Playlist gleicht einem wilden Mix – von Elvis Presley bis zu obskuren Pop-Acts. „Es gibt niemanden auf der Tour, der mich in einem Musikquiz schlägt“, behauptet er selbstbewusst.
Auch Karaoke gehört für ihn dazu. Sein Lieblingssong: Mandy von Westlife. Wer „Rapid“ kennt, kann sich nur zu gut vorstellen, wie Evans den Song mit voller Überzeugung performt.
Aberglaube und bizarre Routinen
Wie viele Dartspieler pflegt auch Evans seine Eigenheiten. Vor großen Matches zieht er beispielsweise zuerst die Socken an und erst danach die Unterwäsche. Am liebsten nutzt er dieselbe Toilette und hört stets dieselbe Musik. „Es funktioniert eigentlich nie“, gibt er zu. „Vielleicht sollte ich damit aufhören.“ Doch wie bei vielen Sportlern lässt sich Aberglaube schwer ablegen.
Ein größeres Problem bleibt sein Grübeln. „Ich überdenke buchstäblich alles“, erklärt Evans. Von Zugverspätungen über Matches bis hin zu Beziehungen und seiner Gesundheit – nichts entgeht seinen Gedankenspiralen.
Er weiß, dass ihn das bremst. „Ohne das stünde ich wahrscheinlich höher in der Rangliste.“ Eine Lösung hat er bislang nicht gefunden. „Vielleicht irgendwann“, sagt er nachdenklich.
Familie als Fundament
Besonders emotional wird es, wenn Evans über seine Familie spricht. Sein Vater ist sein großes Vorbild. „Er ist der witzigste Mann, den ich kenne“, erzählt er. „Alles, was ich tue, kommt von ihm.“
Seine Kindheit verbrachte er häufig im Pub, wo er stundenlang Darts spielte, während sein Vater ein Auge auf ihn hatte. Diese Erinnerungen prägen bis heute seine Liebe zum Sport. Doch das vergangene Jahr stellte ihn vor eine schwere Prüfung:
den Verlust seiner Schwester. Dieses Ereignis traf ihn schwer, dennoch entschied er sich weiterzuspielen. „Was würden meine Eltern wollen? Dass ich zu Hause sitze und nichts tue? Nein. Darts ist das, was ich kann.“
Seine Worte bleiben ehrlich und direkt. „Jeder erlebt Verlust“, sagt er. „Aber das war das Größte, das ich je erlebt habe.“ Trotzdem hält er an seinem Glauben fest. „Wenn ich gewinne, ist sie da. Sie trifft für mich die Doppel.“