„Wenn meine Tochter dort nicht gewohnt hätte, wäre ich dem Tod entgegengegangen“ – Bobby George entkommt dem Tod nach einem bizarren Brief

PDC
Donnerstag, 13 August 2026 um 11:00
Bobby-George
Bobby George ist achtzig Jahre alt, doch die englische Legende ist weiterhin voller Leben. Zumindest ist das der Witz, den der bunte Darts-Entertainer seit Jahren macht, wenn jemand fragt, wie es ihm geht. „Ich bin immer noch da“, lautet seine Antwort. Eine typische Bemerkung von Bobby George, die nach einem jüngsten Eingriff am Herzen plötzlich deutlich mehr Gewicht bekommen hat. George weiß genau, wie viel Glück er hatte, und will nun mindestens 90 werden.
Der ehemalige WM-Finalist erfuhr vor wenigen Wochen, dass sein Herz in einem deutlich schlechteren Zustand war, als er jemals vermutet hätte. Nach eigenen Angaben hatte George zuvor nie Herzprobleme. Untersuchungen zeigten jedoch, dass eine Herzklappe seit Jahren nicht richtig funktionierte. Ein Arzt meinte, sein Herz hätte eigentlich schon vor zehn Jahren untersucht werden müssen.
Am Ende geschah das beinahe zufällig. Ein Termin bei einem Spezialisten in Colchester wurde an eine Adresse geschickt, an der George vor über vierzig Jahren gewohnt hatte. Der Brief erreichte ihn dadurch nicht. Zum Glück wohnt seine Tochter noch immer an dieser alten Adresse. „Wenn meine Tochter dort nicht mehr gewohnt hätte, wäre ich auf dem Weg in den Tod gewesen“, sagt George. „Reden wir über Glück. Ohne diesen Brief wäre ich dran gewesen.“
Die Situation erwies sich zudem als äußerst ernst. Ein Arzt sagte der Darts-Ikone, dass er ohne Behandlung möglicherweise nur noch achtzehn Monate zu leben hätte. George, der wie immer seinen Humor behielt, reagierte auf seine Art. „Ich sprach mit meinen Ärzten und sagte, dass ich verdammt noch mal neunzig werden will. Und wenn ich neunzig bin, will ich hundert werden. Vielleicht sind 180 etwas übertrieben.“

Keine Operation am offenen Herzen

Im Essex Cardiothoracic Centre in Basildon wurde entschieden, dass George eine TAVI-Prozedur erhalten sollte. Bei einer Transkatheter-Aortenklappenimplantation wird über eine Arterie, unter anderem in der Leiste, eine neue Herzklappe eingesetzt. So ließ sich eine schwere Operation am offenen Herzen vermeiden.
Der Eingriff dauerte etwa eine Stunde. Zuvor war George auf Risiken hingewiesen worden, darunter ein geringes Risiko für eine schwere Blutung. Auch das MRT beeindruckte den achtzigjährigen Engländer. „Es war, als würde ich in einem verdammten Wäschetrockner liegen“, beschrieb er die Erfahrung.
Am Ende verlief die Operation gut, und inzwischen arbeitet George ruhig an seiner Genesung. Er ist zu Hause in seinem berühmten Landsitz George Hall in Essex, den er selbst gebaut hat, und versucht, jeden Tag ein Stück weiter zu gehen.
Die Ärzte haben ihm jedoch deutlich gemacht, dass er es vorerst langsam angehen lassen muss. So darf er nicht staubsaugen und soll den Rasen stehen lassen. Auch im sexuellen Bereich bekam er einige Einschränkungen auferlegt. Das sorgte bei George natürlich für Gelächter. „Ich sagte: Was erzählt ihr mir da?“, witzelt er. „Ich habe überhaupt keinen Sex mehr. Es sollte eine Operation am offenen Herzen werden, keine Operation mit offenen Beinen.“
Bobby George beim Walk-on
Bobby George bestritt zwei WM-Finals

„Sie waren voll drauf“

Trotz aller Späße ist George vor allem den Ärzten und Pflegenden, die ihm geholfen haben, enorm dankbar. Der ehemalige Darts-Star, bekannt für seine deutliche Sprache, hat nur Lob für das Personal des britischen Gesundheitsdienstes. „In meinen Worten sind das verdammt großartige Menschen“, sagt er. „Sie waren da wirklich voll drauf.“
George hat in seinem Leben viel erlebt. Vor rund fünfzig Jahren begann er mit dem Darts und wurde zu einer der größten Persönlichkeiten, die der Sport je hervorgebracht hat. Er stand 1980 und 1994 im BDO-WM-Finale und war für seinen extravaganten Auftritt bekannt. Goldschmuck, Krone, Umhang, Leuchter und sein Walk-on zu „We Are the Champions“ von Queen machten aus George weit mehr als nur einen Dartspieler.
Obwohl seine aktive Karriere längst hinter ihm liegt, verfolgt er den Sport weiter genau. Während seiner Genesung schaute er viel Darts im Fernsehen. Und ein Spieler hat seine Meinung in dieser Zeit deutlich verändert: Luke Littler.
Anfangs zweifelte George noch, ob Littler wirklich so gut war, wie alle behaupteten. Inzwischen ist er vollkommen überzeugt. „Ich sagte, er könnte vielleicht ein Glückstreffer sein. ‚Luke kann ein Zufallstreffer sein‘, sagte ich. Aber er gewinnt immer weiter. Er ist absolut kein Zufallstreffer.“
George ist beeindruckt, wie Littler derzeit die Dartswelt dominiert. „Er ist unglaublich, nicht wahr? Er gewinnt einfach alles. Wirklich großartig. Die Leute hatten Chancen, ihn zu schlagen, sie hätten ihn tatsächlich schlagen können. Aber wenn er oben auf seinem Spiel ist, haben sie schlicht keine Chance.“
Es ist ein bemerkenswertes Fazit eines Mannes, der selbst jahrelang zu den größten Namen im Darts gehörte. George hat miterlebt, wie sich der Sport von einer relativ kleinen britischen Volkssportart zu einem globalen Spektakel entwickelt hat. Und trotz seines Alters und der jüngsten Herzprobleme will der „King of Bling“ das offensichtlich noch so lange wie möglich genießen.
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