„Wofür pfeift ihr denn da? Ich verstehe das wirklich nicht“ – Vincent van der Voort stört sich am Pfeifkonzert niederländischer Fans gegen Luke Littler

PDC
Sonntag, 20 September 2026 um 11:00
Luke Littler (1)
Vincent van der Voort ist von Luke Littler bei den World Series of Darts Finals noch längst nicht überzeugt. Der 19-jährige Engländer entkam am Samstagabend gegen Nathan Aspinall und gewann nach einer entscheidenden leg mit 10-9. Laut Van der Voort ließ Littler erneut genügend Chancen liegen, um geschlagen zu werden. Gleichzeitig zeigte sich der Ex-Profi beeindruckt von Gian van Veen und Dirk van Duijvenbode, die am Sonntag im Viertelfinale aufeinandertreffen.
„Ich weiß, dass die Leute sagen werden, dass er in der neunzehnten leg eine fantastische leg spielt, aber er hat viele Doppel verpasst“, analysierte Van der Voort im Podcast Darts Draait Door. „Heute war Littler wieder zu knacken. Ich denke, das wird Aspinall sicher spüren, und er wird sich echt ärgern.“
Nach Ansicht von Van der Voort verfügt Littler derzeit nicht über die Form, mit der er Anfang des Jahres beim World Matchplay beeindruckte. Das bedeutet allerdings nicht, dass er plötzlich leicht zu schlagen ist.
„Er hat jedenfalls nicht die Form vom Matchplay, aber selbst dann ist es immer noch sehr schwer, ihn zu besiegen.“ Gerade die entscheidende leg gegen Aspinall zeigte laut Van der Voort, warum Littler auch an einem schwächeren Tag brandgefährlich bleibt. „Das ist dann eben reine Qualität. Das ist schon stark. Er muss sogar gegen den Anwurf ran und wirft dann einfach 180, 134 ... Eigentlich nicht normal.“
Nathan Aspinall & Luke Littler
Luke Littler gewann knapp mit 10-9 gegen Nathan Aspinall

Van Veen beeindruckt gegen Sedlacek

Van der Voort sah am Samstag zwei Niederländer ins Viertelfinale einziehen. Vor allem der Sieg von Van Veen über Karel Sedlacek hinterließ Eindruck. Der Tscheche spielte seiner Meinung nach ein starkes Match, wodurch Van Veen hart arbeiten musste.
„Wir dachten alle so: den muss Gian einfach gewinnen. Aber dieser Sedlacek wirft einfach 103 average und spielte wirklich ein fantastisches Match. Und dann gewinnt Gian trotzdem noch. Das ist wirklich sehr stark.“
Van Veen lag selbst ebenfalls über 100 average. „Das bedeutet auch, dass Gian einfach ein gutes Match gespielt hat. Das war wirklich ein richtig starkes Spiel.“
Zudem erkennt Van der Voort eine Veränderung in der Haltung des jungen Niederländers. Van Veen gab sich in der Debatte, wer aktuell die niederländische Nummer eins ist, bislang noch bescheiden. Das scheint sich laut Van der Voort langsam zu ändern.
„Er war natürlich die ganze Zeit sehr bescheiden, dass Michael immer noch der Nummer-eins-Spieler der Niederlande ist. Beim World Cup war er in dieser ganzen Geschichte noch ziemlich unterwürfig. Aber jetzt sagte er doch: Mit diesen Ergebnissen kann man nicht mehr behaupten, dass Michael der Nummer eins Niederländer ist. Und damit hat er natürlich auch vollkommen recht.“
Für Van der Voort ist es für Van Veens Entwicklung wichtig, dass er seinen eigenen Status anerkennt. „Ich finde das gut von Gian, auch für seine Entwicklung. Zeig ruhig, dass du einfach der Nummer eins Niederländer bist. Du darfst ruhig sagen, dass du die Nummer drei der Welt bist und dass der Rest versuchen muss, dich einzuholen.“
Van Gerwen wird sich davon laut seinem guten Freund wenig beeindrucken lassen. „Michael hat im Moment genug Druck mit sich selbst. Er schaut nicht auf die anderen und das soll er auch gar nicht. Er muss wirklich nur mit sich selbst beschäftigt sein.“

Van Duijvenbode ringt Humphries nieder

Auch Van Duijvenbode durfte sich über Komplimente freuen. Der ‚Aubergenius‘ gewann ein spektakuläres Duell mit 10-9 gegen Luke Humphries und verbuchte damit erneut einen wichtigen Sieg. „Auch sehr stark. Und auch gut für Dirk, wieder für seine Entwicklung als Spieler“, so Van der Voort. „Hier lief er auch schon eine Weile hinterher. Klar hat er das Halbfinale beim Matchplay erreicht, aber danach fielen die Ergebnisse auf den Pro Tours und Euro Tours wieder etwas ab.“
Van Duijvenbode hatte Humphries vor einigen Wochen in Ungarn ebenfalls geschlagen, doch laut Van der Voort war dieser Erfolg besonders wertvoll, weil der Engländer selbst ein hohes Niveau erreichte. „Jetzt wieder, und in einem richtig guten Match. Es war nicht so, dass Humphries nicht erschienen ist.“
Allerdings fand Van der Voort, dass Humphries Chancen liegen ließ, um früher wegzuziehen. Darin sieht er derzeit einen wichtigen Unterschied zu Littler. „Das ist eben der Unterschied zwischen dem einen Luke und dem anderen Luke. Solche Matches. Wenn es wirklich darauf ankommt, liefert Littler ab und Humphries in letzter Zeit oft nicht.“
Er verwies dabei auf die entscheidenden legs beider Partien. „Es steht bei beiden 9-9. Der eine spielt einen Zwölf-Darter und der andere steht nach zwölf Darts noch in den 200. Das ist schon ein großer Unterschied.“
Van der Voort erwartet viel vom niederländischen Viertelfinale zwischen Van Veen und Van Duijvenbode. Die beiden treffen kurz darauf zudem beim World Grand Prix erneut aufeinander. „Jetzt kommt doch noch etwas Extra dazu. Nicht nur, dass sie in der Grand Prix gegeneinander müssen, sondern auch, dass es zwei Niederländer sind. Sie werden beide im Interview sagen: Das macht mir nichts aus. Aber heimlich doch.“

Söhnchen Levi sorgt für ein Lächeln

Van Duijvenbode konnte am Samstag auf die Unterstützung seines dreijährigen Sohnes Levi zählen. Van der Voort hatte dafür sogar seinen eigenen Spitznamen. „Seinen Sohn nenne ich immer Beuker“, lachte er. „Dirk hat mal gesagt, dass er ihn so nennen wollte, aber das fand seine Freundin oder Frau nicht gut. Seitdem nenne ich ihn immer Beuker. Ich frage immer: Wie geht’s meinem Beuker? Dann muss Dirk immer lachen.“
Van der Voort fand es schön, Vater und Sohn gemeinsam beim Turnier zu sehen. „Das sind schöne Momente. Auch wenn dein Sohn dabei ist, das ist natürlich besonders. Ich weiß noch, als mein Sohn zum ersten Mal mitkam. Mit deinem Sohn zu zweit zu einem Turnier zu fahren, das ist schon speziell.“

Keine Vorwürfe in Richtung Nijman

Für Wessel Nijman war das Turnier am Samstag zu Ende. Er verlor gegen James Wade, doch laut Van der Voort muss sich der Niederländer wenig vorwerfen. „Wade ist einfach in sehr guter Form. Gestern war es bei Wade nicht viel, und dann kommt er trotzdem durch. Heute siehst du, dass da eine ganz andere Person steht. Viel schärfer, viel besser.“
Bis 6:6 hielt Nijman Schritt, danach setzte Wade sich ab. „Wessel hat trotzdem nicht schlecht gespielt. Wenn du einfach nicht auftauchst, kannst du dir etwas vorwerfen. Oder wenn du schlecht vorbereitet bist. Aber wenn du alles getan und gut gespielt hast und der andere ist besser, dann kannst du dir nicht viel vorwerfen.“
Van der Voort findet, dass möglicherweise zu schnell zu viel von Nijman erwartet wird. „Vielleicht wollen wir alle zu schnell zu viel. Solange er selbst die Geduld bewahrt und denkt: Wenn ich gut weiter spiele, kommt es von allein. Dann glaube ich, dass es kommen wird.“
Er zog dabei den Vergleich mit Van Veen, der früher in seiner Karriere ebenfalls gute TV-Partien spielte, ohne sofort belohnt zu werden. „Bei Gian hat es auch eine Weile gedauert. Der hat im Fernsehen richtig stark geworfen, aber jedes Mal in der ersten Runde verloren, weil jemand gegen ihn wie verrückt gespielt hat. Da dachtest du: gute Auslosung, und puff, raus.“

Van der Voort kritisch über pfeifende Fans

Van der Voort störte sich am Samstag erneut am Verhalten eines Teils des Publikums. Vor allem während Littler gegen Aspinall konnte er das Pfeifen kaum nachvollziehen. „Wieder dieses Pfeifen heute. Da spielen einfach Littler gegen Aspinall. Ein herrliches Match. Warum muss man da pfeifen? Ich verstehe das wirklich nicht.“
Dass manche Besucher keine Fans von Littler sind, findet er unproblematisch. „Das ist alles okay, aber es bringt nichts. Macht euch doch einen schönen Abend.“
Für das niederländische Viertelfinale hofft Van der Voort, dass beide Spieler vor allem angefeuert werden, ohne den Gegner zu behindern. „Man hofft, dass beide richtig laut angefeuert werden und dass sie dazwischen einfach normal bleiben. Nicht, dass sie, wenn sie für Gian sind, Dirk auspfeifen oder umgekehrt.“

Gemischte Gefühle bei Van Barneveld

Auch Raymond van Barneveld kam ausführlich zur Sprache. Der fünffache Weltmeister ist beim Event für ITV im Einsatz und absolvierte am Samstag vor den Partien seinen bekannten Walk-on.
„An sich ist das natürlich schön, denn er bleibt eine echte Legende“, sagte Van der Voort. Für eine solche Einlaufshow nach der eigenen Karriere würde er selbst aber dankend ablehnen. „Das muss jeder für sich entscheiden. Bei mir brauchen sie das jedenfalls nicht zu erwarten. Das wird nicht passieren.“
Zugleich räumte Van der Voort ein, dass er heute gemischte Gefühle hat, wenn er Van Barneveld als Spieler sieht. „Ich finde es im Moment schwierig, ihn als Spieler anzuschauen. Für mich war er, als ich mit dem Darts anfing, einfach die Nummer eins in den Niederlanden. Der die Titel gewann. Wenn Van Barneveld reinkam, kam er für die Preise.“
Dieses Bild hat sich inzwischen geändert. „Dass er jetzt Auffüllung ist und auf eine gute Runde hofft, das fällt mir schwer anzusehen.“ Daher sieht Van der Voort seinen ehemaligen Kollegen heute lieber entspannt in einer anderen Rolle. „So sehe ich ihn lieber, als wenn du ihn auf der Bühne siehst und er schon beim Einwerfen den Kopf schüttelt.“
Mit Van Veen und Van Duijvenbode hat die Niederlande am Sonntag auf jeden Fall einen Halbfinalisten sicher. Van der Voort freut sich vor allem auf ihr direktes Duell. „Das ist einfach gut für die Niederlande und auch für die Leute, die ein Ticket gekauft haben. Es wird sehr interessant zu sehen, wie die beiden gegeneinander spielen.“
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