Stephen Bunting absolvierte am Freitagabend das letzte Erstrundenmatch des
Winmau World Masters 2026. Als er nach dem Spiel vor die Kameras trat, überwog vor allem eines: Erleichterung. Der Auftritt war nicht glanzvoll, doch
nach einem 3:1-Erfolg gegen Jeffrey de Graaf steht „The Bullet“ in der zweiten Runde. Es war ein mühsamer, aber wichtiger erster Schritt in einem Turnier, bei dem sich Bunting erneut viel vorgenommen hat.
„Manchmal übernimmst du diese Verantwortung“,
sagte Bunting direkt nach dem Match. „Du siehst alle spielen, wartest den ganzen Abend, und dann musst du als Letzter noch liefern.“ Genau diese Ausgangslage prägte seinen Abend – sportlich wie mental.
Ein holpriger Start
Das lange Warten schien sich zunächst negativ auf Buntings Spiel auszuwirken. In der Anfangsphase fand der Engländer kaum Rhythmus, die Scores blieben überschaubar und auch das Timing passte nicht. „Eigentlich fühlte ich mich den ganzen Tag gut“, gab er offen zu. „Und dann stand ich auf der Bühne … und es klappte einfach nicht.“
Erst zur Mitte des Matches kam Bewegung in sein Spiel. Die Triple fielen häufiger, die Doppel wurden zuverlässiger. „Ich glaube, ich habe mich in der Mitte des Matches etwas entspannt“, analysierte Bunting. „Dann fand ich die Triple-20. Und meine Finishes waren am Ende ziemlich okay.“
Der Abend blieb sinnbildlich: keine Bestform, aber genug Kontrolle, um das Match auf seine Seite zu ziehen. Das wusste Bunting selbst. Sein Average spielte für ihn keine große Rolle. „Ich weiß nicht einmal, was mein Average war“, sagte er mit einem Lächeln. „Aber manchmal geht es nicht um den Average, sondern um den Sieg. Ich stehe in der nächsten Runde, und das ist, was zählt.“
Das Format des
Winmau World Masters verzeiht wenig. Kurze Sätze lassen kaum Raum, um sich langsam in eine Partie hineinzufinden. „Das schärft dich“, erklärte Bunting. „Du weißt, dass du dir keinen Ausrutscher leisten kannst. Ein Moment, eine gute Serie deines Gegners, und es kann schnell zwei Legs kosten.“
Auch wenn er an das Setformat gewöhnt ist, bleibt es für ihn anspruchsvoll. „Normalerweise spielen wir Best-of-11 Legs. Das hier ist anders. Aber ich bin dieses Format inzwischen gewohnt. Ich habe das World Masters schon einmal gewonnen, ich habe die BDO-Ära miterlebt, ich habe hier ebenfalls einen Masters-Titel geholt. Ich fühle mich hier wohl.“ Trotzdem blieb er selbstkritisch. „Ehrlich gesagt: Heute Abend hat es einfach nicht funktioniert. Aber morgen ist ein neuer Tag.“
Späte Ansetzung, klarer Blick nach vorn
Die Ansetzung machte es zusätzlich schwierig. Bunting betrat erst um Viertel vor elf die Bühne, zu einem Zeitpunkt, als viele Spieler ihren Abend längst beendet hatten. „Man plant seinen Tag danach“, sagte er. „Ich war vier Stunden vor meinem Match schon in der Halle. Um 18:15 Uhr war ich bereits da. Vielleicht sogar etwas zu früh.“
Für die zweite Runde ändern sich die Vorzeichen. „Morgen bin ich als Zweiter am Abend dran. Das ist etwas früher. Ich werde frischer sein.“
Der Fokus richtete sich sofort auf den Zweitrundentag, denn mit Danny Noppert wartet ein hochklassiger Gegner. „Ich kann es kaum erwarten“, sagte Bunting. „Es wird ein hartes Match, aber ich freue mich darauf. Das Format wird länger, und das ist ein Turnier, bei dem ich immer gut gespielt habe. Auch diese Halle ist speziell für mich: Ich habe hier schon einen Titel gewonnen.“
Von Saudi-Arabien nach Milton Keynes
Die vergangenen Wochen hätten kaum unterschiedlicher sein können. Noch vor Kurzem reiste Bunting zu World-Series-Turnieren nach Saudi-Arabien und Bahrain – nun die intensive Atmosphäre der Arena in Milton Keynes. „Wie sagt man so schön? Aus dem Feuer in die Pfanne“, lachte er. „Heute Abend waren die Fans großartig.“
Die Unterstützung spürt er weiterhin deutlich. „Ich werde vom Publikum immer noch geliebt, und das ist fantastisch. Auch in den sozialen Medien. Das ist manchmal unglaublich.“ Diese Rückendeckung gibt ihm sichtbar Energie. „Ich genieße einfach die Fahrt. Das Spielen, das Training – was eine fantastische Saison werden kann.“
Ob er Dinge heute anders angeht als früher, beantwortete Bunting klar. Sein Management hilft ihm seit Jahren dabei, äußere Reize zu filtern. „Das machen sie seit zwei oder drei Jahren“, erklärte er. „Manches dringt noch durch, aber ich bin gut darin geworden, bestimmte Dinge zu vermeiden.“
Er weiß genau, wo er steht. „Es ist mir egal. Ich spiele in der Premier League. Ich spiele alle TV-Turniere. Ich bin in der World Series. Ich werde diese Saison einfach genießen.“ Gleichzeitig bleibt er realistisch. „Ich bin vierzig. Ich werde nicht jünger. Aber ich denke, ich habe noch sicher zehn gute Jahre in mir.“
Hinter den Kulissen: „Es war nicht einfach“
Bunting nutzte die Gelegenheit auch, um über die mentale Belastung der vergangenen Monate zu sprechen. „Die Leute sehen nicht, was hinter den Kulissen passiert“, begann er. „Am ersten Weihnachtsfeiertag saß ich mit Theo bis halb drei nachts in der Notaufnahme.“ Er betonte jedoch: „Das werde ich nie als Ausrede benutzen. Aber es war nicht einfach.“
Trotzdem richtet er den Blick nach vorne. „Ich freue mich enorm auf die Premier League und den Rest der Saison. Ich weiß, dass ich härter arbeiten muss, dass ich manche Dinge anders angehen muss. Und ich bin bereit, die Zeit und die Mühe zu investieren.“
Dass er sich nach einem Match mit einem Average um die 98 so kritisch zeigt, sagt viel über seinen Anspruch aus. „Natürlich“, sagte er. „Das hatte ich letztes Jahr auch in der Premier League. Manchmal stand ein Kreuz hinter meinem Namen, aber die Leistungen waren da. Manchmal klappt es im Darts einfach nicht.“
Die Konkurrenz schläft nicht. „Es gibt so viele fantastische Spieler. Das Niveau steigt immer weiter“, erklärte Bunting. „Selbst die Spitze muss jedes Jahr härter arbeiten. Nichts ist selbstverständlich. Wenn du nicht arbeitest, wirst du weggeblasen.“ Entsprechend klar fällt sein Fazit aus. „Es ist an der Zeit, dass ich in meinem Ansatz erwachsen werde. Ich weiß, dass ich arbeiten muss. Und ich bin bereit dafür.“
Premier League: Erfahrung und Freiheit
Für Bunting steht bereits die dritte Premier-League-Saison an. Neu ist das Format für ihn nicht mehr, die Herausforderung bleibt. „Letztes Jahr war alles neu“, sagte er. „Neue Arenen, ein anderes Format. Jetzt weiß ich, was mich erwartet.“
Seine Herangehensweise bleibt dabei ruhig. „Wenn ich so spiele wie letztes Jahr, kann ich dieses Jahr auch die ersten acht Spiele gewinnen“, sagte er. „Der Unterschied liegt in dem, was ich neben dem Board mache: frisch bleiben, fokussiert bleiben.“
Druck will er sich keinen machen. „Wenn ich die ersten acht nicht gewinne, dann gewinne ich das neunte. Oder das zehnte. Ein Pfeil nach dem anderen, ein Leg, ein Satz, ein Spiel.“
Zum Schluss wurde Bunting noch einmal emotional, als er über den Austragungsort sprach. „Das ist eine fantastische Halle“, sagte er. „Hier habe ich meinen ersten PDC-Titel gewonnen. Ich weiß noch, wie wir danach an der Bar und im Hotel gefeiert haben. Das sind Erinnerungen fürs Leben.“
Ob er diesen Erfolg wiederholen kann, lässt er offen. „Ich bin vielleicht nicht mehr jung, aber ich habe Erfahrung, Selbstvertrauen – und es wird nie am Einsatz scheitern, wenn ich dieses Turnier nicht gewinne.“
Sein größtes Ziel für die Saison formulierte er mit einem Augenzwinkern. Er lachte und sagte sarkastisch: „Ein Spiel in der Premier League gewinnen.“