Josh Rock hat intensive Wochen hinter sich. Sportlich startete der junge Nordire erfolgreich in das
Winmau World Masters 2026, doch das Ergebnis rückte beinahe in den Hintergrund. Der deutlich größere Moment ereignete sich abseits der Bühne: seine überraschende Einladung zur
Premier League Darts. Die Bestätigung erreichte ihn nur zwanzig Minuten vor der offiziellen TV-Bekanntgabe. „Ich habe geweint“,
gab Rock im Rahmen der gestrigen Pressekonferenz offen zu. „Es war ein absoluter Schock.“
Der Auftritt beim
Winmau World Masters 2026 stand damit bereits unter besonderen Vorzeichen. Rock musste nicht nur sportlich liefern, sondern gleichzeitig einen Karriere-Meilenstein verarbeiten, der selbst für ihn völlig unerwartet kam. Entsprechend ehrlich fiel seine Analyse aus – auf der Bühne wie daneben.
Rost nach einem Monat ohne Wettkämpfe
Ganz reibungslos verlief der Start für Rock nicht.
In seinem Auftaktmatch gegen Connor Scutt verlor er den ersten Satz, was er klar auf fehlenden Spielrhythmus zurückführte. „Ich hatte einen Monat frei“, erklärte er. „In der ganzen Zeit habe ich nur ein Showmatch gespielt. Dann weißt du, dass etwas Rost drauf ist – und das hat man in diesem ersten Satz auch gesehen.“
Nach diesem Fehlstart fing sich der Nordire jedoch schnell. Mit zunehmender Spieldauer übernahm er die Kontrolle. „Als er den ersten Satz gewonnen hatte, spürte ich, dass ich durchziehen musste“, sagte Rock. „Ab da lief es besser und ich habe es gut umgesetzt.“
Erschwerend kam hinzu, dass das Comeback nicht bei einem kleineren Turnier stattfand. „Du kommst nicht bei einem Floor-Turnier zurück, sondern direkt bei einem großen TV-Turnier“, betonte er. „Das ist mental eine ganz andere Herausforderung. Aber ich denke, ich bin gut damit umgegangen.“
Zusätzliche Vorbereitung zahlt sich aus
Um den fehlenden Rhythmus möglichst schnell abzuschütteln, passte Rock seine Vorbereitung gezielt an. „Ich bin früher in die Halle gegangen als sonst“, erzählte er. „Ungefähr eine halbe Stunde früher. Das klingt vielleicht wenig, aber es machte einen Unterschied.“
Nach längeren Pausen brauche selbst ein junger Spieler Zeit, um wieder auf Betriebstemperatur zu kommen. „Deine Batterien sind zwar aufgeladen, aber du musst dich erst wieder in Gang bringen“, erklärte Rock. „Nach vier Wochen ohne echte Matches ist das nicht einfach – erst recht nicht auf diesem Niveau.“
Spätestens an dieser Stelle verlagerte sich das Gespräch auf die
Premier League Darts. Lange hatte Rock dieses Thema bewusst vermieden, nun war seine Teilnahme offiziell. „Wir können endlich darüber sprechen“, sagte er lachend.
Ein Anruf, der alles veränderte
Was in ihm vorging, als der Anruf kam, beschrieb Rock ohne Umschweife. „Ich habe wirklich eine Träne vergossen. Darts ist mein ganzes Leben. Ich schaue Darts, seit ich ein kleiner Junge war. Wenn du dann mit der Nachricht angerufen wirst, dass du in der
Premier League Darts bist – das ist unbeschreiblich.“
Die Emotionen empfand er als widersprüchlich, aber überwältigend. „Es hat mir das Herz gebrochen, aber nicht im negativen Sinne. Es waren einfach pure Emotionen und Unglaube. Ich war so überrascht.“
„Ich bin jetzt einer der Elite“
Zum ersten Mal formulierte Rock diesen Gedanken ganz offen. „Ja“, sagte er ohne Zögern. „Ich bin jetzt einer der Elite-Spieler. Das kann ich endlich laut sagen.“
Die
Premier League Darts gilt als exklusiver Kreis der absoluten Weltspitze. Für Rock ist die Teilnahme ein Meilenstein – unabhängig vom sportlichen Ausgang. „Was auch passiert, ich kann künftig immer sagen, dass ich Premier-League-Spieler gewesen bin. Das nimmt mir niemand mehr.“
Besonders emotional wird der Saisonstart, weil der vierte Spielabend in Belfast stattfindet. „Das macht es noch spezieller“, erklärte Rock. „Mein erster Abend, zu Hause, vor meinem eigenen Publikum. Ich spiele gegen Gian van Veen und bin wirklich voller Vorfreude – unabhängig vom Ergebnis.“
Überraschung – auch für ihn selbst
Dass viele Fans und Experten Rock schon länger auf dem Premier-League-Zettel hatten, war ihm bewusst. Selbst gerechnet hatte er damit jedoch nicht. „Es standen Spieler höher im Ranking, bei denen ich dachte, dass sie es werden“, sagte er. „Und ehrlich gesagt: Ich dachte nicht, dass ich genug gezeigt hatte.“
Er verwies dabei auf seine Resultate. „Ich habe ein paar Halbfinals erreicht, aber keinen großen Titel gewonnen. Ja, ich habe den World Cup of Darts mit Daryl Gurney gewonnen, aber ich dachte nicht, dass das ausreichen würde.“
Umso größer war die Überraschung, als sein Name dennoch fiel. „Offenbar wollten sie mich einfach dabeihaben“, sagte Rock. „Und darüber bin ich natürlich unglaublich glücklich.“
Zwanzig Minuten vor der Ankündigung
Der Zeitpunkt der Nachricht hätte kaum knapper sein können. „Zwanzig Minuten, bevor es auf Sky Sports angekündigt wurde“, erzählte Rock. „Das waren lange zwanzig Minuten.“
Er saß zu Hause im Wohnzimmer, als das Telefon klingelte. „Mein Manager rief mich mit der Neuigkeit an. Er hatte es selbst gerade von Matt Porter erfahren. Dafür bin ich ihm enorm dankbar.“
Die erste Person, die Rock informierte, war seine Frau. „Sie war die Allererste, die es wusste“, sagte er. „Ihre Mutter und ihr Bruder saßen ebenfalls im Wohnzimmer, aber sie hatten es noch nicht mitbekommen.“
Es folgte ein skurriler Moment. „Sie hatten Sky Sports eingeschaltet, aber die Sendung verzögerte sich wegen Fußball“, erzählte Rock. „Sie sahen meinen Namen gar nicht. Als ich sagte, dass ich dabei bin, schauten sie mich an: ‚Wirklich?‘“
Fokus trotz neuer Bühne
Trotz aller Emotionen bleibt Rock bemerkenswert bodenständig. Die
Premier League Darts rückt näher, doch sein Fokus bleibt klar. „Wir sind alle die besten Spieler der Welt“, sagte er. „Wir sind nicht umsonst hier.“
Die kommenden Turniere sieht er als Teil der Vorbereitung, ohne sich zusätzlichen Druck aufzuerlegen. „Ich muss einfach meinen Job machen“, stellte Rock klar. „Spiele gewinnen. Mehr ist es nicht.“