ANALYSE | Kann Luke Littler beim World Matchplay gestoppt werden? Diese fünf Engländer zählen zu seinen größten Herausforderern

PDC
durch Nic Gayer
Freitag, 17 Juli 2026 um 13:15
HumphriesSmithBunting
Luke Littler gilt für viele als der Topfavorit auf den Titel beim World Matchplay und wurde bereits im ersten Teil unserer Analyse als einer der fünf englischen Spieler hervorgehoben, die bei der diesjährigen Ausgabe besonders im Blickpunkt stehen.
Auf der anderen Seite steht mit Luke Humphries jedoch ein ehemaliger Champion, den viele – darunter auch zahlreiche Experten – als potenziellen Titelkandidaten sehen. Humphries hat in dieser Saison deutlich mehr Partien auf der Tour absolviert als Littler. Während „The Nuke“ vor allem bei den Major-Turnieren dominierte, stellt sich die Frage, ob andere Spieler ihm in Blackpool den Weg zum Titel versperren können.
Auch Luke Woodhouse, Stephen Bunting, Ross Smith und Andrew Gilding stehen im Fokus der jüngsten World-Matchplay-Analyse unseres englischen Kollegen Ben James. Vor allem Woodhouse und Smith überzeugen auf der Pro Tour derzeit mit nahezu makellosen Leistungswerten und werden in vielen Kennzahlen lediglich von Wessel Nijman und Kevin Doets übertroffen.
Doch können sie Luke Littler tatsächlich gefährlich werden? Und bestätigen sich die Hoffnungen, die viele in Luke Humphries setzen? Nachfolgend werfen wir einen detaillierten Blick auf die Chancen der einzelnen Spieler.

Luke Humphries – ehemaliger Champion und der gefährlichste Herausforderer?

Nachdem Luke Humphries im Jahr 2026 bislang noch keinen großen TV-Titel gewinnen konnte, bietet das World Matchplay die ideale Gelegenheit, diese Durststrecke zu beenden. Den Titel gewann er bereits 2024 und weiß daher genau, was nötig ist, um in Blackpool erfolgreich zu sein. Doch wie realistisch ist es, dieses Niveau zwei Jahre später erneut abzurufen? Gleichzeitig muss Humphries nun erstmals bedeutendes Preisgeld verteidigen. Nach seinem überraschenden Erstrunden-Aus gegen Gian van Veen im Vorjahr wächst der Druck vor seiner Rückkehr an die englische Küste zusätzlich.
Noch vor wenigen Monaten musste Humphries sogar um die Teilnahme an der Premier-League-Finals-Night bangen. Seither hat der Engländer jedoch eindrucksvoll den Schalter umgelegt. Eine Finalteilnahme in der Premier League Darts und der Triumph beim US Darts Masters zeigen, dass „Cool Hand Luke“ rechtzeitig vor dem World Matchplay wieder in Topform ist.
Mit einem Average von 101,83 in den vergangenen drei Monaten und einem First-Nine-Average, der sich von 108,78 im Jahr 2025 auf 112,00 im Jahr 2026 verbessert hat, sprechen die Zahlen klar für Humphries. Auch auf die Doppel präsentiert er sich wieder deutlich stabiler. Eine Quote von 51,72 Prozent auf die funktionalen Doppel sowie eine allgemeine Checkoutquote von 42,25 Prozent zeigen, dass er alle Voraussetzungen mitbringt, um bis tief ins Turnier vorzudringen.
Als Nummer zwei der Setzliste deutet vieles auf ein mögliches Finale gegen Luke Littler hin. Doch was sagen die Statistiken über dieses potenzielle Duell?
Beim US Darts Masters in New York setzte sich Humphries in einem Entscheidungsleg mit 8:7 gegen Littler durch und spielte dabei einen Average von 104,05 Punkten – ein Sieg in einem langen Leg-Format. Bereits zuvor hatte er Littler in Birmingham mit 6:3 bezwungen und dabei einen Average von 110,98 erzielt. Nach ihrem gemeinsamen Triumph beim World Cup of Darts weicht die Partnerschaft in Blackpool nun wieder der Rivalität.
Gerade Humphries' größere Erfahrung in längeren Matchplay-Partien könnte dabei zum entscheidenden Faktor werden. Vor allem auf die Doppel besitzt er derzeit einen statistischen Vorteil. Seine Quote auf Matchdarts liegt im betrachteten Zeitraum bei 57,45 Prozent, während Littler lediglich auf 40,82 Prozent kommt. Sollte das Finale tatsächlich in einem Entscheidungsleg entschieden werden, sprechen die Zahlen – wie schon in New York – eher für Humphries.
Luke Humphries beim US Darts Masters 2026.
Luke Humphries reist mit starker Form nach Blackpool – seine Doppelquote und Matchplay-Erfahrung machen ihn zu einem der aussichtsreichsten Titelkandidaten.
Humphries erlebte bei der Darts WM im Alexandra Palace 2026 eine enttäuschende Endrunde. Seit seinem WM-Triumph 2024 konnte er dort nicht mehr an seine Bestform anknüpfen. Die 1:5-Niederlage im Viertelfinale gegen den späteren Finalisten Gian van Veen wirkt auf den ersten Blick deutlich, doch ein Average von 101,12 unterstreicht, dass Humphries auch über längere Distanzen weiterhin auf höchstem Niveau spielt.
Abgesehen von dieser Enttäuschung verlief der Rest des Jahres äußerst erfolgreich. Mit einem Average von 105,96 sicherte er sich den Titel auf der European Tour in Belgien und präsentierte sich dabei in herausragender Verfassung. Hinzu kommen Turniersiege bei den Players Championships 4 und 17, bei denen er ebenfalls mehrfach Averages jenseits der 100-Punkte-Marke spielte. Sportlich befindet sich Humphries derzeit womöglich in der besten Form seiner Karriere. Die größte Herausforderung dürfte vielmehr darin bestehen, beim Gang auf die Bühne die Erinnerungen an das Vorjahr auszublenden.
Als Titelverteidiger schied der Mann aus Newbury 2025 bereits in der ersten Runde mit 8:10 gegen einen überragenden Gian van Veen aus. Dadurch betritt Humphries die Bühne in Blackpool nun mit der ungewöhnlichen Tatsache, seit fast zwei Jahren kein Matchplay-Spiel mehr gewonnen zu haben. Keine Statistik kann wirklich erfassen, welchen Druck er verspüren könnte, sollte der Auftakt erneut holprig verlaufen. Hinzu kommt, dass er auch 2022 bereits in der ersten Runde gegen Nathan Aspinall ausgeschieden war. Niederlagen in Blackpool kennt Humphries also nur zu gut.
Umso außergewöhnlicher war sein Titelgewinn 2024: fünf Spiele, fünf Siege und fünf Averages von jeweils über 100 Punkten. Damit reiht er sich in eine exklusive Kategorie ein, die bislang nur Phil Taylor erreicht hatte. Das frühe Aus 2025 prägt zwar die jüngste Erinnerung, sollte jedoch nicht den Blick auf das größere Gesamtbild verstellen.
Der Triumph von 2024 beruhte nicht auf einem leichten Turnierverlauf, sondern auf konstant herausragenden Leistungen. Sein Turnier-Average von 102,78 Punkten spricht für sich und liegt nur rund einen Punkt unter seinem Durchschnitt der vergangenen drei Monate. Gelingt es Humphries, dieses Niveau erneut im Winter Gardens abzurufen, besitzt er alle Voraussetzungen, das World Matchplay ein weiteres Mal zu gewinnen.
Zum Auftakt wartet Cameron Menzies auf den Weltmeister von 2024. Nach den Ereignissen bei der Weltmeisterschaft 2026 hat der Schotte auf der TV-Bühne noch etwas zu beweisen. Mit dem Titelgewinn bei Players Championship 23 sowie einer Steigerung seines Averages von 90,22 auf 93,31 innerhalb von sechs Monaten zeigt auch Menzies eine positive Entwicklung. Seine emotionale Herangehensweise könnte allerdings für Unsicherheiten sorgen.
Rein statistisch spricht deshalb vieles für Humphries. Menzies blickt zudem auf ein missglücktes Matchplay-Debüt zurück, bei dem er lediglich zwei Legs gewann und sich mit einem Bust auf 178 selbst ausbremste. Entsprechend dürften die Erinnerungen an seinen ersten Auftritt in Blackpool alles andere als positiv sein. Mit seiner aktuellen Form, mehreren Titeln in dieser Saison und der Aufgabe, 200.000 Pfund Preisgeld zu verteidigen, hat Humphries aus statistischer Sicht alle Voraussetzungen, das World Matchplay 2026 erneut zu gewinnen.

Luke Humphries in Zahlen: Die Formkurve der vergangenen 18 Monate

Kennzahl Jan–Jul 25 Jul–Jan 26 Jan–Apr 26 Apr–Jul 26
Average 99,23 98,02 100,51 101,83
Checkoutquote 41,19% 41,15% 39,74% 42,25%
First Nine Average 108,78 107,25 110,43 112,00
First Three Average 107,47 102,78 109,42 111,29
Average in Decidern 105,13 98,31 98,70 103,84
Matchdartquote 44,14% 50,60% 35,42% 57,45%
Functional Doubles % 46,51% 50,34% 47,15% 51,72%
Second Dart T20 % 47,75% 45,40% 49,23% 51,17%

Stephen Bunting – „The Bullet“ auf der Suche nach Wiedergutmachung

Stephen Bunting erlebte ein versöhnliches Ende seiner Premier-League-Saison. Mit zwei Tagessiegen und Rang fünf in der Abschlusstabelle stellt sich nun die Frage, ob er diese Form auch auf die Bühne des World Matchplay übertragen kann. Die Statistiken sprechen durchaus dafür. Aktuell gewinnt Bunting 58,7 Prozent seiner Partien und spielt einen Average von 96,13 Punkten. Dennoch wird er in Blackpool noch eine Leistungssteigerung benötigen, denn der schwache Jahresbeginn hat wertvolle Substanz gekostet.
Kaum ein Spieler gilt als größeres Vorbild für die mentale Seite des Sports als Bunting. Seine Matchdart-Checkoutquote von 78,26 Prozent ist derzeit die beste der Welt. Zusammen mit einem First-Nine-Average von 106,13 verfügt „The Bullet“ grundsätzlich über alle Voraussetzungen, um gerade in längeren Leg-Formaten erfolgreich zu sein. Die ersten Monate des Jahres 2026 zeichnen allerdings ein deutlich schwierigeres Bild. Averages unter 95 Punkten und eine Checkoutquote von lediglich 36,15 Prozent verdeutlichen, wie stark seine Leistungen zwischenzeitlich eingebrochen waren. Die schrittweise Verbesserung dieser Werte erzählt zwar eine Geschichte der Rückkehr, doch beim Gang auf die Bühne bleibt unklar, welche Version von Stephen Bunting zum Vorschein kommt. Niels Zonneveld wird jedenfalls hoffen, auf den Bunting vom Februar zu treffen.
2025 war das bislang erfolgreichste Jahr seiner Karriere, was das Preisgeld betrifft. Zwei Titel auf der European Tour und zwei Siege bei Players Championships unterstrichen seine starke Saison. 2026 wartet Bunting dagegen weiterhin auf seinen ersten Titel dieser Kategorien. Im vergangenen Jahr reiste er noch mit zwei Turniersiegen im Rücken zum World Matchplay.
Auch seine Finalauftritte spiegeln die Formschwankungen wider. Bei Players Championship 3 unterlag er Chris Dobey deutlich mit 1:8 und kam dabei lediglich auf einen Average von 84,92 Punkten. Ein weiterer Average im Bereich von 84 Punkten folgte gegen Niko Springer bei Players Championship 16. Die Version von Stephen Bunting, die bislang durch das Jahr 2026 geht, erreicht damit nicht annähernd das außergewöhnliche Niveau der Vorsaison. Positiv bleibt jedoch seine Berufung für mehrere Turniere der World Series. Nach einer deutlich überzeugenderen Premier-League-Kampagne als noch 2025 dürfte das Selbstvertrauen des Liverpoolers wieder gewachsen sein – und genau das könnte ihm helfen, die Schwierigkeiten auf der Pro Tour hinter sich zu lassen.
Stephen Bunting zelebriert seinen Walk-on.
Stephen Bunting reist mit neuem Selbstvertrauen nach Blackpool – ob „The Bullet“ seine wieder ansteigende Form auch beim World Matchplay bestätigen kann, bleibt eine der spannendsten Fragen des Turniers.
Bunting und das World Matchplay – diese Verbindung wirkt inzwischen beinahe wie eine Ehe kurz vor der Scheidung. Zwar erreichte „The Bullet“ 2025 das Viertelfinale, doch in den vergangenen neun Austragungen war dies zugleich sein mit Abstand bestes Ergebnis. Ansonsten stand lediglich eine Zweitrundenteilnahme zu Buche. Hinzu kommen Niederlagen gegen Krzysztof Ratajski im Jahr 2022 und Jonny Clayton im Viertelfinale 2025. In dieser Partie gewann er lediglich sieben Legs und kam auf einen Average von 94,97 Punkten.
Dennoch ist über die Jahre eine klare Entwicklung erkennbar. Vom Erstrunden-Aus bei seinem Debüt 2015 bis zum Viertelfinale zehn Jahre später hat sich Bunting Schritt für Schritt gesteigert und seine Chancen genutzt. Auch die Ergebnisse verdienen einen genaueren Blick. 2021 und 2022 trennten ihn jeweils nur drei Legs vom Weiterkommen, ehe er 2023 in der zweiten Runde Michael Smith nur knapp mit 9:11 unterlag. Schlechte Leistungen waren selten das Problem – häufig fehlte vielmehr das nötige Spielglück. Mit etwas günstigeren Spielverläufen und seiner gewachsenen mentalen Stärke könnten diese engen Partien 2026 durchaus zu seinen Gunsten ausgehen.
Auf dem Papier scheint Niels Zonneveld ein dankbares Erstrundenlos zu sein. Angesichts eines Unterschieds von 27 Plätzen in der Weltrangliste könnte der Masters-Sieger von 2024 sogar versucht sein, seinen Gegner zu unterschätzen. Dabei gehört Zonneveld zu den größten Überraschungen des Jahres 2026, auch wenn seine Form nach einem starken Saisonstart zuletzt etwas nachgelassen hat. Mit einem Average von 94,48 und einem First-Nine-Average von 104,79 ist seine Scoring-Power unbestritten.
Seine größte Schwäche liegt jedoch auf dem Doppelring. Mit einer Checkoutquote von lediglich 35,97 Prozent bleibt Zonneveld deutlich hinter Buntings 39,41 Prozent zurück. Genau dort liegen die größten Angriffspunkte – und die wichtigsten Argumente dafür, warum Bunting dieses Duell für sich entscheiden sollte. Die Partie könnte sich für den Engländer dennoch wie ein Déjà-vu anfühlen: Ein Gegner mit starker Scoring-Power und überzeugender Form sorgt für die Voraussetzungen eines engen Matches. Doch Buntings größere Erfahrung und Zonnevelds Matchplay-Debüt sprechen letztlich für den Engländer.

Bunting gegen Zonneveld: Der direkte Statistikvergleich

Kennzahl Bunting (Apr–Jul 26) Zonneveld (Apr–Jul 26)
Average 96,13 93,66
First Nine Average 106,13 104,79
Checkoutquote 39,41% 35,97%
Average in Decidern 97,92 94,52

Ross Smith – Der bislang meistunterschätzte Spieler des Jahres 2026

Ross Smith ist bislang wohl der meistunterschätzte Spieler des Jahres 2026. Die Nummer 15 der Welt überzeugt nicht nur mit herausragenden Statistiken, sondern hat bereits drei Titel gewonnen und bei zahlreichen weiteren Turnieren die entscheidenden Phasen erreicht. Dennoch wird sein Name bislang kaum im Zusammenhang mit einem möglichen Premier-League-Startplatz für das kommende Jahr genannt. Das World Matchplay könnte genau das Turnier sein, das „Smudger“ endgültig ins Rampenlicht rückt.
Seine erste Nominierung für die World Series of Darts mit Turnieren in Australien und Neuseeland dürfte ebenfalls ein Signal sein, dass Smith endgültig zur Weltspitze gehört. Mögliche Selbstzweifel darüber, ob er auf dieses Niveau gehört, könnten damit endgültig der Vergangenheit angehören.
Obwohl er seit einiger Zeit an die Tür der Top-16 und phasenweise sogar der Top-10 klopft, wurde der Sieger der European Championship 2022 nur selten als absoluter Spitzenspieler wahrgenommen. Inzwischen hat sich dieses Bild jedoch verändert. Die Einladung zur World Series unterstreicht diese Entwicklung – und seine Statistiken erklären, warum die PDC auf ihn setzt.
Mit einer Siegquote von 67 Prozent und einem Average von 96,39 Punkten spielt Smith derzeit die besten Darts seiner Karriere. Auch seine Checkoutquote hat sich von 39,48 Prozent zu Beginn des Jahres auf inzwischen 42,25 Prozent verbessert. Smith scheint genau zum richtigen Zeitpunkt seine Bestform zu erreichen. Hinzu kommt, dass seine Trefferquote auf der Doppel-10 aktuell mit 54,55 Prozent zu den besten zehn Prozent aller Tourspieler zählt. Selbst auf einem Doppel, das nicht zu seinen bevorzugten Finishes gehört, präsentiert sich Smith außergewöhnlich konstant.
Diese positiven Zahlen werden durch seine Ergebnisse eindrucksvoll bestätigt. Drei Turniersiege und drei Halbfinals sprechen eine deutliche Sprache. Mit seinem ersten European-Tour-Titel in Riesa hat Smith Neuland betreten – und dieses neu gewonnene Selbstvertrauen spiegelt sich in seinem bislang erfolgreichsten Saisonstart überhaupt wider. Allein in den vergangenen zwei Monaten erreichte er die Halbfinals der Players Championships 19 und 22 sowie im vergangenen Monat das Halbfinale der European Tour 9. Sein Timing vor dem World Matchplay könnte kaum besser sein.
Nicht nur die Averages verdienen Beachtung, sondern auch die Qualität der Gegner. In Riesa besiegte Smith Michael van Gerwen, bei European Tour 5 setzte er sich gegen Nathan Aspinall durch und erreichte das Finale, das er Gerwyn Price respektabel mit 6:8 überlassen musste. Kaum ein Spieler überzeugt in dieser Saison auf der Pro Tour so konstant wie Smith. Rang zwei sowohl in der Pro Tour Order of Merit als auch in der European Tour Order of Merit zeigt, dass seine Leistungen früher oder später belohnt werden mussten.
Mit Spitzen-Averages von 104,24 Punkten bei Players Championship 5 und 107,01 Punkten im siegreichen Finale von Players Championship 20 gegen William O'Connor könnte das World Matchplay für Smith genau zum richtigen Zeitpunkt kommen, um den nächsten Schritt zu machen.
Das World Matchplay selbst war bislang allerdings kein besonders erfolgreiches Turnier für Smith. In fünf Teilnahmen erreichte er nur einmal das Viertelfinale, schied dreimal bereits in der ersten Runde aus und reist mit einer Bilanz von lediglich zwei Siegen und vier Niederlagen nach Blackpool.
Sein Viertelfinaleinzug 2024 bleibt dennoch in bester Erinnerung. Damals spielte er drei Averages von jeweils über 98 Punkten, besiegte Josh Rock und Gerwyn Price, ehe er im Viertelfinale dem späteren Halbfinalisten James Wade mit 10:16 unterlag. Ein Average von über 100 Punkten auf der Bühne in den Winter Gardens steht für Smith zwar noch aus – doch Rekorde sind schließlich dafür da, gebrochen zu werden.
Auch der Vergleich mit dem Vorjahr macht Hoffnung. Vor seinem Erstrunden-Aus gegen Chris Dobey reiste Smith 2025 ohne Titel und mit wechselhaften Leistungen nach Blackpool. 2026 sieht die Ausgangslage völlig anders aus. Alles, was seine starke Saison 2024 ausgezeichnet hat, wirkt in diesem Jahr noch einmal verstärkt. Die entscheidende Frage lautet daher: Ist 2026 endlich das Jahr von „Smudger“?
Ross Smith klatscht den Fans zu.
Ross Smith zählt 2026 zu den konstantesten Spielern auf der PDC-Tour – drei Titel und starke Statistiken machen den „Smudger“ zu einem gefährlichen Außenseiter in Blackpool.
Die Wettquoten zeichnen allerdings ein anderes Bild. Dort gilt Kevin Doets gegen Ross Smith sogar als Favorit. Der Niederländer erlebt 2026 seine bislang stärkste Saison und zählt zu den größten Aufsteigern des Jahres. Mit einem Average von 96,72 Punkten in den vergangenen drei Monaten und seinen konstant starken Leistungen hat sich Doets endgültig in der erweiterten Weltspitze etabliert.
Auch beim First-Nine-Average bewegt er sich mit 105,68 Punkten nahezu auf Augenhöhe mit Smith. Rein statistisch verspricht dieses Duell damit die wohl hochklassigste Erstrundenpartie des gesamten Turniers.
Die Zahlen sprechen für ein Duell auf absolutem Topniveau. Fraglich bleibt allerdings, ob Doets seine Form auch auf der großen TV-Bühne bestätigen kann. Sein bislang bestes Major-Ergebnis ist das Erreichen des Achtelfinales bei der Weltmeisterschaft. Sollte ihm der Sprung auf die Fernsehbühne erneut schwerfallen, könnten seine herausragenden Leistungen auf der Pro Tour an Bedeutung verlieren.
Dennoch bringt Doets genügend Argumente mit. Sein Titelgewinn bei Players Championship 13 sowie ein Average von 117,12 Punkten bei der European Darts Trophy zeigen eindrucksvoll, welches Leistungsniveau er erreichen kann. Ross Smith steht somit vor einer der schwierigsten Erstrundenaufgaben des Turniers.
Als Debütant reist Doets zudem mit einer Quote von 33:1 auf den Gesamtsieg nach Blackpool. Gerade diese neue Erwartungshaltung könnte zusätzlichen Druck erzeugen – ein Faktor, der sich in den vergangenen Monaten bereits bemerkbar gemacht hat. Sein Average in Entscheidungslegs liegt lediglich bei 79,73 Punkten und deutet darauf hin, dass er unter Druck an Leistung verliert. Da Doets trotz seiner fehlenden Matchplay-Erfahrung als Favorit gegen die Nummer 15 der Welt gilt, wird Smith darauf hoffen, dass sich genau dieses Muster auch in ihrem hochklassigen Erstrundenduell fortsetzt.

Ross Smith gegen Kevin Doets: Das Topduell der ersten Runde

Kennzahl Smith (Apr–Jul 26) Doets (Apr–Jul 26)
Average 95,53 96,72
First Nine Average 104,92 105,68
Checkoutquote 42,25% 43,55%
Average in Decidern 95,92 79,73
Functional Doubles % 51,78% 51,95%
First Dart T20 % 34,60% 37,99%

Luke Woodhouse – Ein Jahr der Rekorde

Für Luke Woodhouse entwickelt sich 2026 zur erfolgreichsten Saison seiner Karriere. Bereits nach sieben Monaten hat „Woody“ 221.000 Pfund Preisgeld eingespielt und damit seinen bisherigen Bestwert aus dem Jahr 2025 von 203.750 Pfund um 17.250 Pfund übertroffen. Beim World Matchplay will er diesen Bestwert weiter ausbauen und den nächsten großen Schritt auf der Major-Bühne machen.
Auch die aktuellen Leistungsdaten sprechen für ihn. Mit einem Average von 95,83 Punkten und einem First-Nine-Average von 104,80 Zählern in den vergangenen drei Monaten präsentiert sich Woodhouse so konstant wie nie zuvor. Diese Werte reichen aus, um auf der Bühne mit nahezu jedem Gegner mitzuhalten. Hinzu kommen der Titel bei Players Championship 18 sowie Finalteilnahmen bei Players Championship 13 und 24. Ähnlich wie Ross Smith scheint Woodhouse den idealen Zeitpunkt erwischt zu haben, um beim World Matchplay nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen.
Seine bisherigen Auftritte in Blackpool endeten allerdings jeweils enttäuschend. 2024 spielte Woodhouse zwar einen ordentlichen Average von 92,28 Punkten, unterlag jedoch einem angeschlagenen Nathan Aspinall und ließ damit eine große Chance ungenutzt – eine Gelegenheit, die er sich 2026 wohl nicht noch einmal entgehen lassen würde. Ein Jahr später reiste er in schwacher Form an und verlor deutlich mit 5:10 gegen den Matchplay-Sieger von 2018, Gary Anderson. Ohne einen einzigen Sieg in den Winter Gardens könnte genau diese Bilanz zur mentalen Belastung werden.
Doch Woodhouse ist 2026 ein anderer Spieler. Höhere Averages, Titel auf der Pro Tour und schließlich auch der erste Triumph auf der European Tour in Kiel zeichnen das Bild eines deutlich gereifteren Profis.
Luke Woodhouse in Aktion.
Luke Woodhouse erlebt 2026 die erfolgreichste Saison seiner Karriere – mit starken Statistiken und mehreren Finalteilnahmen zählt „Woody“ zu den gefährlichen Außenseitern in Blackpool.
Sein Erstrundengegner Josh Rock gewann 2026 ebenfalls ein European-Tour-Turnier und sicherte sich bei den Austrian Darts Open die erste „Green Jacket“ seiner Karriere. Nach einer enttäuschenden Premier-League-Saison verlief seine anschließende Entwicklung jedoch weniger überzeugend. Während Rock vor einem Jahr in diesem Zeitraum noch einen Average von 98,88 Punkten spielte, liegt er aktuell mit 94,34 mehr als vier Punkte darunter. Gleichzeitig ist auch seine Checkoutquote auf 36,08 Prozent gesunken. Damit begegnen sich Rock und Woodhouse statistisch nahezu auf Augenhöhe.
Hinzu kommt, dass Rock auf keinem Doppel zu den besten 50 Prozent der Tourspieler gehört. Deshalb erscheint es fraglich, ob er seinen starken Matchplay-Lauf aus dem Vorjahr wiederholen kann.
Im direkten Vergleich unterscheiden sich beide Spieler kaum. Woodhouse kommt auf einen First-Nine-Average von 104,80 Punkten, Rock auf 104,95. Vieles deutet daher auf ein echtes Tagesform-Duell hin, in dem letztlich der Spieler gewinnt, der seine Leistung am besten auf die Bühne bringt. Die Setzliste spricht für Rock, die Statistiken des Jahres 2026 dagegen eher für Woodhouse.
Während Rock vor allem auf die Doppel Probleme erkennen lässt, scheint Woodhouse vor allem mit seinem Selbstvertrauen zu kämpfen. Welche Version der beiden Spieler in Blackpool erscheint, dürfte letztlich den Ausgang dieser Partie entscheiden. Eines ist jedoch klar: Auch dieses Erstrundenduell besitzt das Potenzial, zu den Höhepunkten der ersten Turniertage zu gehören.

Andrew Gilding – Ein leichtes Los für Michael van Gerwen oder ein echter Albtraum?

Andrew Gilding blickt bislang auf ein äußerst erfolgreiches Jahr zurück. Mit seinem ersten Titel bei einem Players Championship hat „Goldfinger“ einen weiteren Meilenstein erreicht und sich im Finale mit 8:3 gegen Jonny Clayton durchgesetzt. Auf dem Weg dorthin spielte er gegen Joe Cullen einen überragenden Average von 118,66 Punkten. Das war keine gewöhnliche Spitzenleistung – an diesem Tag spielte Gilding Darts auf dem höchsten Niveau der Welt.
Mit bereits 154.000 Pfund Preisgeld im Jahr 2026 befindet sich der Engländer auf Kurs, seine bisher erfolgreichste Saison aus dem Jahr 2023 zu erreichen oder sogar zu übertreffen. Damals gewann er die UK Open und spielte insgesamt 263.500 Pfund ein. Zwei weitere Finalteilnahmen bei Players Championship 6 und 18 unterstreichen zusätzlich seine starke Saison.
Auch die Statistiken sprechen eine klare Sprache. Gilding reist mit seinen besten Leistungswerten der vergangenen 18 Monate zum World Matchplay. Ein Average von 94,21 Punkten und ein First-Nine-Average von 103,15 zeigen, dass er sich auf einem Niveau bewegt, das im Vergleich mit den meisten ungesetzten Spielern in Blackpool absolut konkurrenzfähig ist.
Andrew Gilding in Aktion.
Andrew Gilding reist mit seiner besten Form seit anderthalb Jahren nach Blackpool – der Players-Championship-Sieger könnte für Michael van Gerwen zur unangenehmen Erstrundenhürde werden.
Zudem erreichte Gilding sowohl im Vorjahr als auch 2024 das Viertelfinale des World Matchplay. Er weiß also, wie man in Blackpool erfolgreich ist. Gelingt es ihm diesmal, statt zwei gleich drei Partien an einem Wochenende zu gewinnen, könnte „Goldfinger“ ein weiteres Kapitel seiner Erfolgsgeschichte schreiben.
Allerdings gab es auch Rückschläge. So fiel sein Average im Halbfinale von Players Championship 9 gegen Chris Dobey auf lediglich 84,82 Punkte. Auch die deutliche 1:8-Finalniederlage gegen Gerwyn Price bei Players Championship 6 deutet darauf hin, dass seinen tiefen Turnierläufen mitunter enttäuschende Leistungen in den entscheidenden Momenten gegenüberstehen.
Genau das darf sich beim World Matchplay nicht wiederholen. Gegen Michael van Gerwen auf der Bühne der Winter Gardens kann jeder schwächere Abschnitt den Unterschied ausmachen – in einem solchen Duell zählt jedes einzelne Leg.

Andrew Gilding in Zahlen: Die Form der vergangenen 18 Monate

Kennzahl Jan–Jul 25 Jul–Jan 26 Jan–Apr 26 Apr–Jul 26
Average 93,85 93,01 92,92 94,21
Checkoutquote 40,19% 37,15% 38,94% 40,69%
First Nine Average 102,46 100,79 101,20 103,15
First Three Average 102,22 101,68 101,60 102,36
Average in Decidern 88,08 90,67 99,58 98,29
Matchdartquote 95,83% 62,50% 108,70% 145,16%
Rein statistisch müsste Michael van Gerwen Andrew Gilding klar bezwingen. In der Realität bringt dieses Duell jedoch alle Zutaten für eine Überraschung mit. Van Gerwen reist mit einem Average von 96,89 Punkten und einem First-Nine-Average von 105,87 zum World Matchplay – Werte, die im Vergleich zum Vorjahr keine Verbesserung erkennen lassen. Nach dem Verpassen der Premier-League-Finals-Night und mit dem Druck, das Preisgeld für seinen Finaleinzug aus dem Jahr 2024 verteidigen zu müssen, braucht der Niederländer jede Portion Motivation und jede Spitzenleistung, um Gilding und mögliche weitere Gegner aus dem Weg zu räumen.
Dass Gilding Michael van Gerwen schlagen kann, hat er bereits bewiesen. Erst im Juni setzte sich „Goldfinger“ auf der European Tour mit 6:4 gegen den Niederländer durch. Sechs Wochen später wird er darauf hoffen, dieses Kunststück in Blackpool zu wiederholen. Die Grundlage dafür ist vorhanden. Trotzdem bleibt van Gerwen vor dem Matchplay der wahrscheinlichere Sieger. Nun liegt es an Gilding, genau das zu widerlegen.
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